Transit - Kritik

Transit

DE · 2018 · Laufzeit 101 Minuten · FSK 12 · Drama · Kinostart
Du
  • 8

    [...] Wenn "Transit" über das Warten erzählt, während das Schokoladeneis schmilzt, dann erzählt der Film gleichzeitig über die Ungeduld und Raserei, nicht mehr warten zu können. Paula Beer spielt Marie, die Ehefrau Weidels. Wo Georg die Strömungen der Niederlage(n) stumm erträgt, bewegt sich Marie vergessen durch die Zeit, nicht nur ein Schritt nach dem anderen, sondern Schritte überspringend. Sie wirbelt, macht Halt, fragt, drängt – sinnlich. Georg verliebt sich in sie, wohingegen sie auf ihren Mann wartet, ausharrt, es nicht mehr erträgt. Soll Georg ihr die Wahrheit sagen? Soll Marie mit Georg abreisen? Die Diskrepanz zwischen Täuschung und Verlangen mündet in einem unauflösbaren moralischen Konflikt, der einige andere Petzold-Filme zuvor (wie "Phoenix") charakterisierte. Die Heimat, was auch immer das sein mag, ist fremd geworden in diesem Film, da sie sich von Ort zu Ort weiterträgt, kurzfristig anbrandet, dann wieder zergeht. Voller menschlicher Anteilnahme, umhüllt Petzold das, was wir fühlen, in verwunschene Magie. Ein Meisterwerk.

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    • 8

      [...] Transite, Visa: Wenn die Welt im Begriff ist, auseinander zu brechen, sind es die Papiere, die als letzte Instanz Ordnung im Chaos schaffen und die Menschen in einer gemeinsamen Sprache, einer gemeinsamen Sehnsucht vereinen. Gleichzeitig sind sie es, die schlussendlich aber auch wieder dafür verantwortlich sind, dass die Menschen auseinandergetrieben werden und ein Schatten am Fenster vorbeieilt, der an das Vergangenen erinnert, vor dem Gegenwärtigen flüchtet, aber zu unentschlossen ist, um jemals das zu erreichen, was in der Zukunft liegt. Verloren in den Übergängen, den Identitäten und den Spiegelbildern fasziniert Christian Petzold dabei vor allem die Ungeduld des Menschen, der sich unabhängig seiner Zeit bewegt, stolpert und trotzdem irgendwo ankommt. Ein Gefühl von Sicherheit begleitet in Transit niemanden. Lediglich die Stimme von Matthias Brandt weiß von einer fremden Geborgenheit zu berichten, denn er hat das Ende der Geschichte als stummer Beobachter bereits erlebt und den Überblick über die Identitäten behalten, obwohl ihn das zu einem der Parasiten macht, denen Georg entkommen will.

      7
      • 8

        Der raffiniert konstruierten Geschichte mit überraschender Wende mitten im Film gelingt ein äußerst spannender Identitätswechsel, mit dem man sich sofort in die Situation der Verfolgten versetzt fühlt. [Günter H. Jekubzik]

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        • 7 .5

          So sehr sich die politische Perspektive des Films vom Roman löst, bleibt Transit als Melodrama doch an der Vorlage dran. Das ist zwar nicht vollauf überzeugend und für Anna-Seghers-Puristen vielleicht eine Zumutung, aber den kühnen Versuch war es wert. [Stefan Benz]

          • 7 .5

            Man könnte Transit als eine moderne Fortsetzung des Klassikers "Casablanca" sehen, inklusive eines melancholischen Barbesitzers und einer leidenschaftlichen Liebesgeschichte. [Anke Leweke]

            • 7 .5

              Petzold erzählt nicht die Schicksale heutiger Flüchtlinge. Doch ihre Angst, ihre Schutzlosigkeit, ihr Ausgeliefertsein schwingen in seinem Film mit. [...] Transit ist ein großer Film, weil es ihm gelingt, diese politische Aussage mit der allergrößten poetischen Freiheit zu verbinden. [Katja Nicodemus]

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              • 9

                Poetisch und politisch, beides ineinander verwoben. Petzold erzählt eine Universalgeschichte, getragen von einer literarischen Sprache, wie sie selten noch im Kino zu finden ist. [Andreas Fischer]

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                • 8

                  Das Kino als Zeitmaschine, die gleichzeitig in zwei Epochen haltmacht: Christian Petzold verlegt Anna Seghers’ Exilroman nicht einfach in die Gegenwart, sondern lässt die Historie im Jetzt weiterwirken. [Gerhard Midding]

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                  • Der deutsche Newcomer Franz Rogowski erlebt zur Zeit, angefangen hat es mit dem Independentfilm “Love Steaks” (2013), einen Höhenflug. Auf der diesjährigen 68. Berlinale war er gleich als Hauptdarsteller in zwei Produktionen vertreten. Neben Thomas Stubers “In den Gängen” (2018) übernahm er auch die Hauptrolle in dem neuen ‘Christian Petzold’-Film “Transit” (Deutschland, Frankreich, 2018).

                    • 7 .5

                      Einerseits ein typischer Petzold, ist Transit doch eine ungewöhnliche, aber doch konsequente Weiterentwicklung im Werk eines der seit Jahren spannendsten deutschen Regisseure. [Michael Meyns]

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                      • 8

                        Mit Transit bringt Christian Petzold einen erzählerisch und visuell zeitlosen Film auf die Leinwand. [...] Mit Paula Beer und Franz Rodowski hat Transit zudem zwei der grössten Nachwuchstalente des deutschen Films im Gepäck. [Swantje Oppermann]

                        • 7 .5

                          So sehen Siegerfilme aus: Transit von Christian Petzold hat alles, was ein Werk braucht, das die Berlinale gewinnen will. Da ist eine große Geschichte, ein politisch aktuelles Thema, eine überraschend neue Form. [Stefan Benz]

                          • 8

                            Transit hat deshalb etwas von einem modernen Film noir, in dem die Gegenwart sich nicht vom Schatten der Vergangenheit lösen kann. Die Hölle, heißt es einmal sinngemäß, ist ein Ort des ewigen Aufschubs. [Dominik Kamalzadeh]

                            • 8

                              In Transit entsteht eine wunderbare Asynchronität zwischen dem Roman und seiner Verfilmung, eine Mehr- und Vieldeutigkeit, wie sie Petzold gerne schafft. [Wenke Husmann]

                              • 8 .5

                                "In Christian Petzolds Adaption von Anna Seghers’ Exilroman Transit ist Marseille kein realer Ort, sondern ein Fegefeuer, in dem sich Vergangenheit und Gegenwart nicht mehr voneinander trennen lassen." [Michael Kienzl]

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