Uhrwerk Orange - Kritik

A Clockwork Orange

GB · 1971 · Laufzeit 137 Minuten · FSK 16 · Science Fiction-Film, Drama, Komödie · Kinostart
Du
  • 10
    Heckenritter 03.11.2018, 22:36 Geändert 03.11.2018, 23:28

    Regisseure sind mir mitunter in ihrer Intention klugen Stoff unters Volk
    zu bringen, viel zu eitel und selbstgefällig. Wenn man etwas vermitteln
    will, muss die Botschaft auch ankommen, die Rechnung ohne das
    Publikum zu machen, grenzt an Fahrlässigkeit und Arroganz, das trifft
    jedenfalls auf Stanley Kubrick 1971 zu. Wir waren nur gelangweilte Jugendliche in einem kleinen Kaff und haben gerade die
    Ultrabrutale zum Einstieg des Films gefeiert und haben uns über die
    weirdo Street Droogs krankgelacht. Auch eine Art getollschockt zu werden,
    der Film forderte im Anschluß Austausch und Diskussionen ein, woran
    sich nur wenige beteiligten. Worum es Kubrick wirklich ging, war den
    meisten gleichgültig oder denken war ihnen zu anstrengend. Die
    Ästhetisierung der Droog Randale wird später natürlich revidiert, nur setzt
    das eben voraus, dass die meisten Zuschauer auch in der Lage sind, Alex Egoperspektive und die ätzend wirkenden moralischen Klugscheißer vom Knastprediger und Wissenschaftler bis zum Mitbewohner von M und P gegenüberzustellen. Der religiöse Eiferer, die kalten faschistoiden Fratzen,
    der popularitätsgeile Politiker und die feigen, immer ausweichenden Eltern
    wecken viel eher den Durst, das kaputt zu schlagen, was dich kaputt macht.
    Im Nullkommanichts werden sie zu Feindbildern. Hinter jeder dieser Figuren
    verbirgt sich natürlich eine bedachte Kritik Kubricks, nur wenn Alex dadurch
    als einzige "coole" Person übrigbleibt, wird die Randale und der spöttische
    Trotz zu einer Art Identifikation, leckt mich doch ihr Kacker. Ausgerechnet
    in einem Zeitfenster sprunghaft steigender Kriminalität und der Abspaltung
    der Jugend von den Familien in Ersatzkulturen und Aufbegehren gegen
    die Eliten.

    Ich verstehe es sehr gut, warum dieser Film in Großbritannien unter
    Verschluß gehalten wurde , man muss sich mal in die Rolle eines
    Polizisten hineinversetzen, der ohnmächtig einer neuen Welle der
    Straßengewalt gegenüberstand und besonders Diebstähle (Autos,
    Mopeds, Einbrüche) nicht länger von kriminellen Außenseitern begangen
    wurden. Kriminalität erreichte die Mitte der Gesellschaft in einer Art Selbstbedienungsmentalität aus einem gedankenlosen Affekt "Will ich
    haben" heraus, ohne über die Konsequenzen nachzudenken, europaweit
    gab es immer wieder Parallen beim Tathergang von Raub bis zu Sittlichkeitsverbrechen zu Szenen in Filmen und dann kommt Alex, drescht
    seine Opfer bis ins Koma, kaspert herum, hält seine Opfer zum Narren und
    die Zuschauer sind entzückt. Alex the bad but cool guy. Clockwerk Orange
    der leicht missverständliche Anti Easy Rider im Kontext zum Zeitgeist.
    "Ist dieser Kubrick irre?" wäre eine völlig normale Reaktion in Bezug auf die
    ganz realen Probleme wachsender Straßengewalt und der Diebstahlswelle
    mit der die Polizei überfordert gewesen ist. Die 68er Generation machte
    ihnen bereits Angst und die Proteste gegen verkrustete Strukturen liefen
    bei weitem nicht so peacig ab wie das über die Zeit gerettete Bild des bis
    an die Mandeln zugedröhnten Blumenschnüfflers. Wer auch immer in den
    60er und frühen 70er um die Häuser zog, klaute und auf Leute eindreschte,
    dürfte der Inhalt des Films ziemlich scheißegal gewesen sein oder könnte
    dies als Ansporn im wachsenden Frust verstanden haben. Regisseure tun
    immer so, als hätten sie mit einer missverstandenen Ermutigung nichts
    zu tun, ohne die Altersgruppen im Kino zu berücksichtigen, kann man als Filmemacher fahrlässig handeln und Kubrick ist ein finanzieller Erfolg
    sehr wichtig gewesen. Um es mit den Worten von Anthony Burgess
    auszudrücken: Clockwerk Orange ist gut, gefährlich gut. Das trifft es am
    besten, auchwenn diese Aussage vielleicht nur zweideutig und nicht
    dreideutig sein sollte.

    Ebenfalls sehe ich Kubricks wettern gegen die staatliche Autorität, seine
    mehrfach thematisierte Skepsis der Wissenschaft gegenüber und den
    Kern der freien Selbstbestimmung über alles andere zu stellen, als nicht
    gerade sonderlich stimmig in Bezug auf Alex. Im Endeffekt bedeutet das
    nichts anderes, als das Alex fröhlich weitermachen soll, es ist schließlich
    seine Entscheidung. Ja na klar, bei Kubrick ist es eine abgehobene und vielschichtige Metapher, die man nicht auf die Personen bezogen sondern
    abstrakt betrachten sollte, nur leider bringt sie viel zu viel Faszination mit
    und ist beileibe nicht eindeutig genug gewesen. Was ein Regisseur erzählt,
    wird schnell gegenstandlos, wenn das Publikum zur Gewalt ermutigt wird
    und davon auszugehen, dass nur Studenten für diesen Film ins Kino pilgern
    würden, wäre nun völlig absurd. Das Kritikervolk ist nicht gerade meine
    liebste Bevölkerungsgruppe, aber angesichts des Zeitgeistes, der massiv
    wachsenden Kriminalitätstatistiken in den Großtädten und auf den Straßen
    in Ersatzkulturen, taten sie gut daran, Alex Augenspreizer Odyssee vorerst
    rigoros abzustrafen. Alex selbst und das gesamte Setting ist viel zu cool
    und berauschend für die mannigfaltige Kritik, die Kubrick mit dem Film
    vermitteln wollte. Kubricks Werk setzt ein intelligentes, mündiges und reflektierendes Publikum voraus, das sofort die Tiefe erkennt und
    selbständig Bezüge herstellt. Klappt aber nicht mit einem Publikum,
    das unterhalten werden will und an der Oberfläche kleben bleibt.

    Das hindert mich natürlich nicht daran Clockwerk Orange wieder als
    Erlebnis zu feiern, von der Eröffnungsszene in der alle lethargisch an ihrer
    Moloko Plus nuckeln mit aufgeklebten Augäpfeln auf dem Handgelenk,
    willigen Schaufensterpuppen mit gespreizten Beinen und aufgeklebten
    Schamhaaren, Bodybuilding Boys in ultrahot Gymnastikganzkörperleggings
    bis zum Abspann mit einfarbigen Hintergründen der Fernhypnose ist dieser
    Film ein kluges, irres, tollschockendes Kunstwerk sondergleichen. Den
    Roman habe ich nach dem Film gelesen (mit 17), und das war auch gut so,
    denn in dem Alter konnten die wenigsten den Inhalt herausarbeiten, bzw.
    Burgess irrwitzigen Zukunftsentwurf in Kubricks visionärem Slomorausch vollständig greifen. Kubrick fühlte sich frei von jeder Verantwortung
    die der Film auslösen konnte, dafür durfte man ihn völlig zurecht kritisieren.
    Die 00er Jahre waren nicht die Neunziger, die 90er nicht 80er, die Achtziger
    nicht die 70er und die Siebziger waren ganz und gar nicht die 60er. Jetzt
    ist jedwede Art von stylisher Brutalität ein großer Vorteil fürs Marketing mit
    der überall geworben wird, jeder x-beliebige Regisseure kann sich auf
    künstlerische Freiheit berufen, auch wenn sie nur Konsumprodukte für die Kundschaft liefern und Folter-, Erniedrigungs-, Violencepornos und
    möglichst realistische Hooligankloppereien zu Lieblingsfilmen werden.
    Stellt sich mir die Frage, was Stanley Kubrick darüber sagen würde, hätte
    er 1970 in die Zukunft blicken können und den Medienkonsum im neuen
    Jahrtausend analysieren würde. Wäre das Uhrwerk Apfelsine dann der
    gleiche Film geworden und würde genauso aussehen? Ich denke nicht.
    Bettwärts ist das beste jetzt, drum heimwärts und dann ein bißchen
    spatschka. Righty right?

    10
    • 10
      IsraBox 30.08.2018, 19:29 Geändert 30.08.2018, 19:30

      1972 Ein Jahr nachdem Clockwork Orange in die Kinos kam lief er bei uns im Ort im Kino. Ich war gerade 14 Jahre alt geworden und hatte an diesem Wochenende extreme Langeweile. Also was macht man da ? Man geht ins Kino. Genial ist wenn man mit dem Fahrrad in weniger als 10 Minuten dort ist. Also am Samstag Abend aufs Rad geschwungen und geschaut was gerade läuft. Uhrwerk Orange hieß der Film. Die Filmplakate in den Schaukästen draußen fand ich sehr interessant. Also Karte gekauft und erwartungsvoll in den fast leeren Saal gesetzt.
      Spoiler
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      Eines was mir sofort gefiel war die Musik. Sie war wie ich später herausbekam von Wendy Carlos. Ich habe mir den Soundtrack danach sofort besorgt. Aber jetzt zum Film
      In Kurzform geht es um Schuld und Sühne. Oder genauer genommen darum wie weit ein Staat bei der Bestrafung von Tätern gehen darf ? Nach Ende dieses Filmes kann man sagen das der Zweck nicht die Mittel heiligt die man benutzt.
      Was ist geschehen ? Alex ist ein gelangweilter und gewaltbereiter junger Mann der sich nicht im Griff hat. Er und seine Gang haben Spaß daran Wehrlose zu verprügeln, Raubüberfälle zu begehen, zu vergewaltigen und Schlägereien mit anderen Gangs anzuzetteln. Dabei ist das genießen und zelebrieren der Gewaltorgien etwas das im Vordergrund steht. Zuerst misshandeln sie eine Obdachlosen um in der selben Nacht in das Haus eines Schriftstellers einzudringen. Dort wird die Ehefrau vergewaltigt und der Schriftstelle zum Krüppel getreten. Wegen der Demütigung und der Vergewaltigung soll sich die Frau das Leben genommen haben. Im Laufe der Zeit beginnt es in der Gang zu kriseln. Und als Alex 2 Mitglieder brutal bestraft wendet sich das Blatt. Beim nächsten Überfall bei dem Alex eine Frau erschlägt wird er von seinen Gangmitgliedern nach dem Verlassen des Hauses mit einer Milchflasche geschlagen. Dadurch kann er er eine Weile nur schlecht sehen . Dadurch kann die von der Frau vor ihrem Tod verständigte Polizei ihn einfach festnehmen. Er wird zu 14 Jahren Gefängnis verurteilt. Im Gefängnis kann er sich beim Personal einschmeicheln. Er wird dann als Versuchskaninchen für eine Aversionstherapie ausgewählt. Nach Beendigung der Therapie wird er freigelassen. Durch die Therapie soll er so konditioniert werden das er körperliche und sexuelle Gewalt nicht mehr ertragen kann. Er wird als nach den 14 Tagen als "geheilt" entlassen.Die Auswirkungen der Therapie sind jedoch zwiespältig; beim geringsten Gedanken an Gewaltausübung oder sexuelles Begehren überfallen ihn Übelkeit, akuter Brechreiz und große Schmerzen. Alex ist nun scheinbar wehr- und willenlos. Als unbeabsichtigter Nebeneffekt treten diese Symptome auch beim Hören von Beethovens 9. Sinfonie auf, der Hintergrundmusik während einer der Konditionierungen im Rahmen der Psychotherapie.
      Jetzt fällt die von ihm ausgeübte Gewalt auf ihn zurück. Der Obdachlose und 2 seiner Gangmitglieder rächen sich für die an ihnen ausgeübte Gewalt jetzt ihrerseits an Alex. Er wird schwer verletzt und rettet sich in eine Villa. Er erinnert sich nicht mehr daran das es das Haus ist in dem er den Ehemann zum Krüppel gemacht und die Frau vergewaltigt hat. Der hält ihn zunächst für ein Opfer des Staates und versorgt iseine Verletzungen und pflegt ihn gesund. Als Alex in der Wanne Singing in the rain singt und rhythmisch mit der Hand ins Wasser schlägt erkennt er in ihm den Täter. Er bekommt heraus das die 9. Symphonie ihm Schmerzen bereitet und so sperrt er ihn in ein Zimmer ein und lässt diese laut laufen. Alex springt darauf in Selbstmordabsicht aus dem Fenster. Als er in einem Krankenhaus aufwacht glaubt er zuerst an eine Gehirn-Operation. Aber der Psychiater beruhigt ihn und sagt es wäre nur ein Traum gewesen. Er kann jetzt wieder Beethovens 0. Symphonie anhören ohne Scherzen zu bekommen. Die Regierung, die wegen der bekannt gewordenen Nebeneffekte von Alex’ Konditionierung in dem laufenden Wahlkampf um ihre Wiederwahl bangt, nutzt dies aus, um vor laufender Kamera mit seiner „Heilung“ auf Stimmenfang zu gehen. Eine Sexszene im Schnee vor applaudierenden Zuschauern die offenbar eine Vision des von der Musik berauschten Alex ist die letzte Szene im Film. Alex kommentiert es mit den Worten:: „Ich war geheilt, all right“.
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      .Ich war nach diesem Film auch berauscht...berauscht von der Musik..den Bildern und dem Gesehenen... Der Film hat mich seit diesem Abend nicht mehr losgelassen...und mich oft darüber nachdenken lassne wie weit man als Staat gehen darf bei der "Bestrafung" und vermeintlichen "Resozialisierung" von Straftätern.

      2
      • 1

        Sorry aber ich konnte den Film keine Sekunde lang ernst nehmen. Die komische Sprache und dann auch noch die Verkleidungen ... ziehen sich total bescheuert an, schminken sich und machen dann auf harte Jungs ... echt lächerlich.
        Außer Kopfschütteln hat der FIlm bei mir nichts bewirkt.

        1
        • 6 .5

          Ich kann den Kult rund um dieses Machwerk von Stanley Kubrick verstehen und die Message ist eindeutig und toll umgesetzt. Dann eine wirklich herausragende Schauspielleistung von Malcolm Mc Dowell und wirklich einprägende Bilder. Aber im Endeffekt hat mich der Film nicht so erreicht. Ist halt Geschmackssache. Und somit werd ich mir A Clockwork Orange wahrscheinlich nicht noch mal ansehen.

          • 10

            Story: Im dystopischen London der nahen Zukunft lebt Alexander DeLarge, ein psychopatischer Anführer einer brutalen Straßengang, der raubt und vergewaltigt. Als er eines Tages festgenommen wird, wird an ihm eine neue umstrittene Methode getestet, die angeblich Verbrecher „heilen“ kann.

            Kritik: Es ist sehr schwer diesen Film, welcher auf einem Roman basiert, zu beschreiben, vor allem wegen seiner abstrakten Inszenierung. Alles wirkt fremd in dieser Welt, die von Gewalt, Drogen und Sexualität dominiert wird. Düstere, verdreckte Gassen treffen auf markante, sexuell provozierende Schauplätze, in Bars wird mit Drogen versetzte Milch konsumiert und die Gesellschaft lebt in ständiger Angst vor brutalen Gangs. Der Zuschauer muss außerdem den gesprochenen Dialekt im Film, „Nadsat“ genannt, überhaupt erst erlernen. Vor allem Alex´ Gang spricht ausschließlich im Dialekt. Dieser wurde eigens für den Roman entwickelt. Somit braucht man einige Zeit, sich an das Setting zu gewöhnen.

            Die visuelle Präsentation ist Kubrick-typisch stark auf Symmetrie ausgelegt, auch die Struktur des Filmes, also die 3 Akte, sind ziemlich gleich lang. Musikalisch wird sehr viel mit klassischer Musik, vor allem Beethoven, gearbeitet. Von diesem ist der Protagonist nämlich ein großer Bewunderer. Die Musik sorgt oft dafür, dass manche Szenen noch surrealer wahrgenommen werden.

            Malcom McDowell spielt einen hervorragend gewaltsüchtigen Alex, der aus reiner Langeweile vergewaltigt und dabei fröhlich ein Lied trällert. Der Fokus des Filmes ist ganz klar auf Alex gerichtet, er spricht uns Zuschauer sogar immer wieder aus dem Off mit „meine lieben Freunde“ an. Dabei entsteht, trotz der abscheulichen Taten von ihm, eine gewisse Verbundenheit zum Zuschauer. Nachdem er aber mit der Ludivico-Methode behandelt wird, ändert sich sein Verhalten. Fast alle Charaktere werden im Film überspitzt dargestellt, wobei das eigentlich schon satirische Züge annimmt.

            Dabei wirft der Film immer wieder die Frage auf, ob die animalischen Triebe zu töten und zu vergewaltigen Teil der Menschheit sind oder nicht. Ebenso spielt der Film mit dem Gedanken, wie mit Gewaltverbrechern umgegangen werden soll. Spannende Ansätze und nicht zu aufdringlich verpackt.

            Fazit: Ein, aus meiner Sicht, grandioser Film, der höchst interessante Fragen zu den menschlichen Trieben in den Raum stellt und zum interpretieren nahezu einlädt. Dramaturgisch sehr effizient durchgezogen, jedoch ist der Film durch seine eigenwillige, überspitzte und abstrakte Inszenierung sicher nicht für jedermann geeignet.

            2
            • 10

              “Clockwork Orange” ist einer der verstörendsten Filme, die ich jemals gesehen habe. Ein Blick in die Abgründe der Menschheit. Gewalt und Vergewaltigung als Freizeitbeschäftigung? In was für einer Zeit oder Welt spielt der Film? Nach meiner ersten Sichtung konnte ich den Film beim besten Willen nicht einordnen. Mir war nur schlecht von der allgegenwärtigen Boshaftigkeit und Gewaltbereitschaft.

              Aber wie bei jedem Kubrick-Film lässt einen das Gesehene nicht mehr los. Warum macht Gewalt in anderen Filmen Spaß, aber hier nicht? Ist es nicht eigentlich die richtige Reaktion, von Gewalt im Film abgestoßen zu sein, so wie es im realen Leben auch der Fall ist? “Clockwork Orange” setzt sich mit dem Thema sogar auf einer Meta-Ebene auseinander, wenn der gewaltbereite Alex sich seines Fehlverhaltens erst bewusst wird, als er Gewaltakte auf der Leinwand betrachten muss. Sollten Gewaltdarstellungen in Filmen nicht immer solche Reaktionen hervorrufen?

              Im Angesicht von heutigen Schlagzeilen, beispielsweise U-Bahn-Schlägern und US-Waffenpolitik, zeigt sich wieder die Aktualität von Kubrick’s Werk. Was nutzt es, den einzelnen Menschen zu ändern, wenn sich seine Umwelt nicht ändert? Ist der Mensch einfach von Natur aus böse und lernt im Lauf des Lebens, dies zu verbergen?

              Eine Fragestellung, die sich durch Kubrick’s gesamte Filmografie zieht und “Clockwork Orange” beschäftigt sich damit vermutlich am eindringlichsten. Was soll sich ändern, wenn eine Gruppe von Menschen über eine Andere entscheidet? Wie der Gefängniskaplan im Film treffend formuliert: "When a man cannot choose, he ceases to be a man."

              Ein verstörender und leider sehr wahrer Film über unsere Gesellschaft und die Gefahren von Kontrolle durch psychologische Konditionierung (durch Medien).

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              • 10

                Ein Film so verwirrend wie das Leben. Verstörend wie dessen Bild 13-jähriger, wenn sie sich über das Wort "Psycho" ein Bild machen. In erster Linie ist der Film komisch. Komisch nicht im Sinne von lustig, sondern im Sinne von schräg. Der Film ist vor allem am Anfang und auf den ersten Blick abstoßend, aber im Grunde genommen bleibt er das die ganze Zeit, auch wenn man sich an den verstörenden Stil des Films gewöhnt. Verstörend ist die Sprache, Wohnungen, Kleidung der Gang, das Verhalten der Charaktere.
                Der Hauptdarsteller Alex ist ein Mörder und Vergewaltiger, aber man fiebert und leidet mit ihm mit. Und er ist sicherlich kein Unschuldslamm. Individuen denken, sie tun das ethisch richtige, doch dabei sind sie nur Oppurtunisten, die ausschließlich im eigenen Interesse handeln. Bestes Beispiel ist der Innenminister. Alex ist ein Verlierer, der missbraucht und missbraucht wird.
                Viel Gewalt mit Alex's Lieblingsmusik gepaart. Viel nackte Haut, die sicherlich Kontroversen auslöste. Großartige schauspielerische Leistung des Hauptdarstellers. Verraten von der Bande, Regierung, Wissenschaft, Familie und den eigenen Opfer. Selten löste ein Film in mir solch gemischte Gefühle. Ich denke, die Botschaft des Films ist, dass Freiheit unantastbar ist, denn nur so sieht man die wahren Gesichter. Aber es wird auch Kritik an die egoistische Gesellschaft, dessen Konsumsucht ein Symptom des Kapitalismus ist.
                Mein erster Film von Kubrick, aber jetzt ein Lieblingsfilm, weil ich mir sehr viele Gedanken um den Filme und ich große Lust habe ihn gleich nochmal zu schauen. Der Wiederschauwert dürfte hier besonders hoch sein. Extrem, kontrovers und mit einem Ziel an den Zuschauer ranzukommen, denn Alex wird im Fim vom Zuschauer wohl oft auch gehasst werden. Somit wird der Zuschauer selbst zum Täter, um am Ende des Films eines besseren belehrt zu werden.

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                • 8 .5
                  FA_14 08.03.2018, 20:58 Geändert 09.03.2018, 00:11

                  Sehr makabere, düstere Satire mit einer extrem stark gespielten Hauptfigur.

                  Ich war von Anfang an skeptisch, der Film hat mich aber blendend unterhalten.
                  Malcolm McDowell hatte bei den Dreharbeiten wohl weniger Spaß - musste wohl wegen einer angekratzten Hornhaut sogar Morphium nehmen.

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                  • 4 .5
                    rasi_x 16.02.2018, 22:14 Geändert 17.02.2018, 21:59

                    Eigentlich ist es schade. Denn Clockwork Orange fasst ein Thema an, welches mir sehr am Herzen liegt. Die Verrohung der Gesellschaft und was aus dieser im Extremfall für kranke Gestalten hervorgehen können ist in der Theorie Stoff für fantastische Filme aus sämtlichen Genres.

                    Clockwork Orange sieht sich als Satire und zeigt primär erst einmal den Hauptcharakter und seine Gang. Schlägereien und Vergewaltigungen werden präsentiert. Während all dieser Geschehnisse kommentiert der Täter in Form von Gedichten, welche den Film wie eine Art Kleinkunstaufführung erscheinen lassen.

                    Und genau hier liegt mein Problem mit dem Film. Was als Überspitzung gedacht ist, wie in der Satire oftmals üblich, wirkt auf mich einfach nur künstlich und unglaubwürdig und verliert somit jeglichen Bezug zur Realität.

                    Somit ist Clockwork Orange nicht nur sehr anstrengend, sondern verfehlt bei mir noch dazu seine eigentlich Intention, auf mögliche Gefahren der modernen Gesellschaft aufmerksam zu machen, da ich das Gesehene mit dem wirklichen Leben nicht in Einklang bringen kann.

                    Wie immer ist dies natürlich sehr subjektiv, aber mit Kleinkunst kann ich generell eh nichts anfangen und meine Gesellschaftskritik bevorzuge ich lieber in Form von realistisch dargestellten Dystopien.

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                    • 8
                      Bayer04-Fan 21.01.2018, 00:03 Geändert 21.01.2018, 00:05

                      Visuell und inszenatorisch wieder allererste Klasse von Kubrick. Was den Film aber vor allem so stark macht, ist die meisterhafte Schauspielleistung von McDowell als Alex! Vielleicht sogar die beste Schauspielleistung, die ich bis dato gesehen habe. Allerdings ist der Charakter Alex mir so unsympatisch, oder vielmehr fast schon verhasst, sodass ich keinerlei Mitgefühl geschweige denn Identifikation mit ihm als Hauptcharakter aufbauen konnte. Damit tue ich mich bei Filmen irgendwie immer schwer. Deswegen 'nur' 8 Punkte.

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                      • 9
                        Filmkaiser 18.01.2018, 00:03 Geändert 18.01.2018, 01:37

                        Jetzt habe ich Uhrwerk Orange nochmal gesehen und muss ganz ehrlich sagen,der eine Punkt,den ich vergeben habe,ist ungerechtfertigt.Die Schlimmen Szenen im Film,(Vergewaltigung)haben mich zuvor veranlasst,denn Film einen Punkt zu geben,also ärgerlich.Nun sind die schlimmen Szenen immer noch schlimm :-)
                        jedoch sehe ich das ganze nach einer erneuten Sichtung aus einem anderen Blickwinkel.Der Film ist mehr,als nur eine aneinander Reihung krasser/verstörender Szenen.Der Film ist ,wenn der Begriff auch heutzutage schon ziemlich ausgelutscht ist ein Meisterwerk und ein Kunstwerk.Ja wirklich ein wahres Meisterwerk!Alex ist eine der genialsten Filmfiguren in der gesamten Filmgeschichte.Folglich auch dieser Kubrickstreifen.Mein Lieblingsfilm von Kubrick ist Shining,aber Uhrwerk Orange ist dicht dahinter.

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                        • 9

                          Leider konnte er mich nicht überzeugen.Eine erneute Chance wird er aber garantiert bekommen,um mir besser zu gefallen!

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                          • 9 .5
                            Jenny von T 30.10.2017, 21:07 Geändert 06.11.2017, 19:45

                            Was für eine Grenzerfahrung, auch nach mehrmaligem Anschauen und 45 Jahre nach seinem Erscheinen. Ich behaupte mal: Dieser Film ist zu gut, um einfach nur Kult zu sein. Denn Kult heißt ja oft, dass einfach das Hirn ausgeschaltet und gefeiert wird. "A Clockwork Orange" aber beleidigt man eigentlich damit, ihn zum Beispiel auf ästhetisierte Gewalt und eine Milchbar zu beschränken – im Gegenteil muss man sich seiner Dialektik unbedingt stellen. Wenn die Welt im Angesicht des Verbrechens zu Beethoven aus den Fugen gerät, könnte es bedeuten, dass die Kunst uns nicht retten kann und – viel schlimmer noch – sie es vielleicht auch gar nicht will. Oder warum sonst bezirzt und inspiriert etwas so Erhabenes wie die Neunte einen Vergewaltiger und Mörder wie Alex DeLarge zu derart schrecklichen Taten?

                            Wo sehr viele Filme bereits stehen bleiben – also noch weit vor der moralischen Grauzone –, da hat "A Clockwork Orange" noch nicht einmal zum Anlauf ausgeholt. Der Landepunkt liegt dann irgendwo jenseits der Schmerzgrenze, wenn wir zusammenfassend notieren müssen, dass sich der Protagonist zwischen jungenhafter Leichtigkeit, hundertunseinprozentig gewissenlosem Verhalten und Nervenzusammenbrüchen als Täter und Opfer zu etwa gleichen Anteilen darstellt. Die Frage danach, wie man am Besten mit Straftätern umgeht, ist ja eine, die noch immer große Relevanz hat und wohl auch behalten wird, solange es Menschen gibt. Hier ist es nicht genug, Alex wegzusperren, denn die Gefängnisse sind überfüllt und vielleicht lässt sich der junge Mann sogar resozialisieren. Was zunächst aber nach einer tollen Idee klingt, entpuppt sich als Gehirnwäsche mit Tendenz zur Folter, die dem Probanden seinen Willen raubt – also sein wichtigstes und zugleich (wie wir eindrucksvoll erfahren haben) gefährlichstes Gut. Dahinter steckt wiederum die dringende Überlegung, was eine Gesellschaft eigentlich ertragen muss, um als wirklich frei gelten zu können. Die kontroverse Antwort: Eigentlich alles – sogar Menschen wie Alex DeLarge. So weh es tut. Aber will das wiederum überhaupt jemand?

                            Und es wird noch verrückter, denn gerade, als unserer aufrechter Erzähler wieder einigermaßen überm Berg scheint, kriegt er weiter die volle Breitseite, dieses Mal von einigen seiner ehemaligen Opfer. Die Bereitschaft zur Gewalt ist also nicht angeboren, sondern sie kann beispielsweise durch das bestimmt werden, was man persönlich erfährt. So greift der Film schließlich auch noch die "Option" Selbstjustiz (ebenfalls ein hoher Preis absoluter Freiheit) auf, was aber natürlich nur tiefer ins Verderben führt und den Teufelskreis mit blutiger Feder vollendet. Wenn Alex dann für jene Regierung in die Kamera lächeln darf, die das diabolische Chaos in Kubricks vertrautem Paralleluniversum bloß verschlimmbessert hat, hat sich auf unseren Gesichtern sowieso schon lange ein hämisches Grinsen breitgemacht und wir klatschen dementsprechend begeistert. Ja, in jeder Pore von "A Clockwork Orange" kauert die pure Aggression, aber ich vermute, wenn ein Psychopath klassische Musik lieben kann, kann auch ein überzeugter Pazifist, der keiner Fliege etwas zu Leide tun würde, einen Film wie diesen genießen. Gut für Alex also, dass er wenigstens seinen Beethoven zurückbekommt.

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                            • 7 .5

                              Sobald der Name Stanley Kubrick auf einer DVD Hülle erscheint hochjauchzen die Kritiker - und ich werde misstrauisch weil ich abgesehen von "Full Metal Jacket" nahezu alle Kubrick Filme als sehr zweifelhaft einstufe. Und gerade hier, beim wohl abgedrehtesten und bekanntesten war ich insbesondere in den ersten zwanzig Minuten sehr sicher einen weiteren wilden Bildersturm zu sehen der jeden Intellektuellen stimuliert und mich narkotisiert - war dann aber nicht so schlimm weil ich im Film später glatt so etwas wie Handlung entdeckte. Klar, dies ist kein Film wie er heute mehr gemacht würde, der stellenweise echt wahnsinnige Gebrauch von Bildern, Farben und Musik ergibt einen total irren Mix und auch sonst ist der komplette Look ungemein schräg und verwirrend, aber zum Ende hin muss ich sagen dass es schlimmeres geben könnte. O.k., ich bin ehrlich, ich habe wahrscheinlich nicht mal die Hälfte, wahrscheinlich sogar noch viel viel weniger verstanden, aber zumindest gebe ich zu dass es ein Film ist der auch inhaltlich etwas bietet und auf den nicht sinnlos das Etikett "intellektuell" geklebt wurde.

                              Fazit: Völlig abgedrehter Bildersturm, radikal und schockierend!

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                              • 9 .5

                                Dieser Klassiker aus dem Jahre 1971 beginnt mit einer Gewaltorgie. Alex (Malcolm McDowell) der Anführer der Gang ist durchaus furchteinflößend – nicht nur wegen seiner provokativen Maske und dem Make-up. Neben diesem Schocker bleibt Beethovens 9. als Antipode in Erinnerung. Später wird der Score noch durch Edward Elgars ‘Pomp and Circumstance‘, der heimlichen Nationalhymne der Briten, ergänzt.
                                Ein interessanter Nebenaspekt der Haupthandlung sind die Machtkämpfe innerhalb der Gang, wobei Alex seine Freunde, die er ‘Droogs‘ nennt, bis aufs Blut zur Unterordnung zwingt. Doch sie verlassen ihn und er wird verhaftet.
                                Im zweiten Akt des Dramas wird Alex einer Aversionstherapie zur Resozialisierung unterzogen. Er wird ausgewählt, weil er ‘energisch, dynamisch, extrovertiert, jung, böse und frech ist‘. Provokationen und verführerische Sexangebote schlagen fehl. Alex kann einfach nicht. Er ist nicht mehr frei. Aber das Ziel wird erreicht: aus einem schlechten Menschen wird ein Guter.
                                Alex wird verprügelt und die Polizisten, die ihm helfen sollen, sind seine ‘Droogs‘ von früher. Er rettet sich an den Ort seines früheren Verbrechens. Hier quält ihn der Bewohner mit Beethovens 9. Das Unrecht, das früher von ihm ausgegangen war, fällt nun auf ihn zurück. Und jetzt wird’s politisch.
                                Kann man das Programm mit der Gehirnwäsche, wenn es fehlt schlägt, der Regierung anlasten? Es geht um die Verteidigung der individuellen Freiheit. Aber der umgepolte Mensch ist nicht mehr frei. Ein inszeniertes Foto für die Presse beschließt den Plot und lässt den Zuschauer bei aller thematischen Ambivalenz im Regen stehen. Eine Diskussion ist angesagt über die Frage: Ist angepasst und unauffällig aber unfrei besser als unangepasst, auffällig aber frei? Kubrick beantwortet die Frage nicht, er stellt sie nur: ‘Sollte der Mensch zu einem Objekt werden wie eine wie ein Uhrwerk aufgezogene Orange? (‘volkstümliche Surrealistik‘). Ein Wahnsinnsfilm!

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                                • 10

                                  Heute gibt es mal wieder eine Kritik zu einem Lieblingsfilm von mir. Wie ich schon öfter erwähnt habe, gehören für mich Quentin Tarantino und Christopher Nolan zu den besten Regisseuren aller Zeiten. Aber auch ein Stanley Kubrick (und natürlich noch ein paar andere) gehört für mich in diese Reihe. Kubrick war auch so ein Filmemacher, der nie einen schlechten Film gemacht hat und ähnlich wie bei Nolan, fällt es mir auch bei ihm schwer, einen Lieblingsfilm zu nennen. Es könnte tatsächlich Uhrwerk Orange sein, ein einzigartiges und sehr künstlerisches Meisterwerk über Gewalt.

                                  Alex ist ein gewalttätiger junger Mann. Zusammen mit seiner verrückten Bande sorgt er für Hass, Chaos, Gewalt und Schändung. Er vergewaltigt Frauen, verprügelt Obdachlose und sorgt für viel Zerstörung. Der von Beethoven faszinierte Gewaltfetischist scheint keine Grenzen zu kennen. Bis er eines Tages, nach einer weiteren folgenschweren Straftat, von der Polizei geschnappt wird und im Gefängnis landet. Wie durch ein Zufall muss er dort allerdings nicht lange bleiben. Er kommt in eine merkwürdige Einrichtung und nimmt an einem neuartigen Experiment teil, was sein Leben für immer verändern wird.

                                  So sieht eigentlich filmische Perfektion aus. Uhrwerk Orange spielt in einer düsteren Zukunft und ist äußerst komplexer Stoff. Allein über den Titel - Uhrwerk Orange - könnte man schon ganze Metaphern verfassen. Es gibt nicht wenige Filme, die so eine individuelle 3-Akt-Struktur ihr Eigen nennen können. Ausführung, Therapie und Konsequenz. So könnte man die Akte nennen und jeder einzelne ist beängstigend und sehr real inszeniert, obwohl die Atmosphäre so grotesk wirkt. Hinzu kommt einer der besten Soundtracks aller Zeiten (teilweise vom guten alten Ludwig Van) und viele gesellschaftskritische und vor allem verstörende Bilder.

                                  Malcolm McDowell wurde mit diesem Film quasi über Nacht zum Star und er wurde für seine Darstellung als gewalttätiger Alex mit einer Golden Globe Nominierung belohnt, obwohl er aus meiner Sicht auch eine Oscarnominierung hätte kriegen müssen. Kein anderer Schauspieler schafft es hier, ihm die Stirn zu bieten. Alles konzentriert sich nur auf ihn, während die Nebendarsteller sich stark im Hintergrund halten. Trotzdem gibt es auch da nur Lob auszusprechen. Jede Figur wirkt total echt und trotzdem irgendwie surreal. Mich packt es vor allem immer wieder, wenn Patrick Magee als Mr. Alexander das Lied "Singing in the Rain" wiedererkennt. Das ist sowieso etwas, dass Uhrwerk Orange einzigartig macht : Er schafft es schöne Lieder bedrohlich klingen zu lassen.

                                  Fazit : Künstlerisch, gesellschaftskritisch und einfach perfekt. Uhrwerk Orange ist für mich einer der besten Filme die jemals abgedreht wurden und aus meiner Sicht ist es Kubricks Bester, sofern man überhaupt einen Besten bestimmen kann. Der Film ist eine menschliche Faust in die Magengrube und er schafft es erschreckender Weise die Täter und Opfer Rolle schnell zu vertauschen. Und er zeigt vor allem, wie verrückt der menschliche Verstand sein kann. Und genau das macht allein den Titel Uhrwerk Orange (Mechanisch Organisch) derart perfekt. Man wird niemals organisches in mechanisches umwandeln können. Kein Film dieser Welt hat Gewalt "schöner" in Szene gesetzt als Kubricks einzigartiges Meisterwerk.

                                  10/10

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                                  • 2

                                    "A Clockwork Orange" wirkt wie der verzweifelte Versuch eines amerikanischen Regisseurs, den britischen Humor und das krude Set-Design von Monty Pythons "Flying Circus" für eine ernste Botschaft nutzen zu wollen. Die Amerikaner kriegen ja nie genug und was man abgreifen kann, greift man ab - auch wenn es noch so billig geklaut ist wie in diesem Fall von Jean-Luc Godards einzig ernstzunehmenden Film "Weekend".

                                    Während Godards Film den Zuschauer hin und wieder überrascht, bleibt "Clockwork" vorhersehbar wie ein Uhrwerk: leider unfassbar langweilig und ohne einen einzigen Funken Humor.

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                                    • 8 .5

                                      Der Film zieht einen ab der ersten Minute in den Bann!
                                      Aber er hat auch leider durchaus seine Längen...die erste Stunde des Films ist Perfekt dann aber geht es leider etwas Berg ab.

                                      Kulisse,Soundtrack sind ein Meisterwerk!

                                      • 8 .5

                                        >>> Achtung!!! Enthält Spoiler!!! <<<
                                        Grauenvoller Ausflug in Niederungen der menschlichen Seele. Der Streifen nimmt uns mit auf eine emotionale Achterbahnfahrt von Schuld nach Sühne, folgt dem klassischen Helden-Konzept so ganz und gar nicht - eigentlich haben wir es hier von vorne bis hinten mit Unsympathen zu tun. Am ehesten berührt einen noch das Schicksal der unschuldigen Opfer. Das Ganze wird mit feinen Bildern garniert, die auch nach den vielen Jahren nichts von ihrer Eindrücklichkeit verloren haben, im Gegenteil, eine modernere Optik würde glaube ich gar nicht so gut ankommen. Dazu kommt eine klare Aussage, die an sich nicht viel von ihrer Aktualität verloren hat.
                                        Es ist vor allem dieses Verschwimmen von Gut und Böse, das die Geschichte so besonders macht. Im Wesentlichen haben wir drei Parteien, die in ihren Handlungen Zweifel an der Menschheit aufkommen lassen. Da wäre zum einem Alex - ich denke, dass wir über ihn nur wenige Worte verlieren müssen. Er ist ein verkommenes, brutales und unmenschliches Subjekt, bar jedes moralischen Wertes. Man sollte ihn von der Gesellschaft wegsperren und den Schlüssel einschmelzen. Das Angebot des Ministers sieht er als eine Fahrkarte aus dem Knast, um seiner mehr als verdienten Strafe zu entgehen. Seine Worte bei der Pressekonferenz („Was ich sein will, ist gut“) können im Zusammenhang mit seinen Taten nur als schlechter Scherz interpretiert werden. Minister und Wissenschaftler tun das, was sie immer tun, sie versprechen, kündigen an und prognostizieren, geben sich als die Heilsbringer für ein Volk aus, das sie weder verstehen, noch dass es sie interessiert. In Wirklichkeit stehen sie dieser Situation genauso hilflos gegenüber wie vielen anderen, verbergen ihre letztendliche Handlungsunfähigkeit hinter schönen Worthülsen (wie es in diesen Kreisen halt immer so ist). Machterhalt, persönliche Vorteile und Großmannssucht sind die Treibfedern ihres Handelns, Alex wird zum Spielball ihrer Interessen. Am interessantesten ist jedoch die Figur des Schriftstellers Mr. Alexander. Er verkörpert den klassischen Weltverbesserer und Gutmenschen, der anderen eine moralisch einwandfreie Zukunft bescheren will. Er steht für all die politisch Korrekten, die aufrechten Bürger, für all jene Moralapostel, die uns immer wieder gerne zurechtweisen und in allem einen politischen Affront wittern. Als er erkennt, wer Alex wirklich ist, ist es jedoch recht schnell vorbei mit seiner Integrität, seiner hohen Moral und seiner Korrektheit. In seinem Verhalten gewinnt die dumpfe Rache die Oberhand, letzten Endes verhält er sich nicht anders/besser als die von ihm (zu Recht oder Unrecht, wer weiß das schon) Kritisierten. Einen kleinen Seitenhieb verpasst Burgess letztendlich auch der Staatsgewalt, indem er die beiden Droogs zu Polizisten werden ließ (ein zu Zeiten von wenig kontrolliertem Polizeiverhalten durchaus berechtigter Fingerzeig, heutzutage aber nur mehr wenig zutreffend).
                                        Unter dem Strich möchte einem angst und bang werden nach so viel Schlechtigkeit, zumal Läuterung bei keinem der Protagonisten so recht in Sicht zu sein scheint. Es ist und bleibt ein bedrückender und verstörender Film, zeigt er doch viel Wahres und selbst wenn diese Dinge naturgemäß stark übertrieben dargestellt sind, so bleibt immer ein gewisser realitätsnaher Kern.
                                        Die Darsteller hatten wenig Mühe mit den scharf gezeichneten, teils überkünstelt-avantgardistisch angehauchten Figuren und brachten durch die Bank ansprechende Leistungen. Hervorheben möchte ich Malcom McDowell, seine Darstellung war wirklich sehr gut, er brachte den Hooligan so eindrücklich, dass man ihn am liebsten ohrfeigen möchte. Aber auch alle anderen passend.
                                        Conclusio: Ein Film, auf den man sich emotional vorbereiten sollte. Kubrick und Burgess zeigen uns eine Welt voll von moralisch fragwürdigen, emotional gestörten und selbstsüchtigen Menschen, das Gute und Schöne wird komplett ausgespart. Mag dies alles einer Ablehnung der (damals) neuen, revolutionären (im Sinne des Wortes „Revolte“ zu verstehenden) Strömungen, der Auflehnung der Jugend und einer Angst vor zunehmender Kriminalität geschuldet sein, so zeichnet der Streifen ein sehr düsteres Bild der Menschheit und der Gesellschaft. Wie auch immer man dazu steht und das heutzutage auch sieht, so hoffnungslos sehe ich die Entwicklungen wieder auch nicht. Es ist aber ein durchaus sehenswerter Streifen, allein schon den Bildern wohnt eine eindringliche Ästhetik inne, die den Film auch durchaus für mehrmalige Sichtungen qualifiziert. Für die meiner Ansicht nach zu düstere Zeichnung ziehe ich etwas ab, die achteinhalb erscheint allein schon wegen der hochwertigen Produktion aber durchaus angemessen.

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                                          leon.rth 10.07.2017, 17:01 Geändert 10.07.2017, 17:06

                                          "No. No! NO! Stop it! Stop it, please! I beg you! This is sin! This is sin! This is sin! It's a sin, it's a sin, it's a sin!" - "Sin? What's all this about sin?" - "That! Using Ludwig van like that! He did no harm to anyone. Beethoven just wrote music!"

                                          Gemeinsam mit seinen Freunden, den sogenannten Droogs, verbreitet der junge Alex (gespielt von Malcolm McDowell) Unheil in der Stadt. Es kommt zu Schlägereien mit anderen Gruppen und Vergewaltigungen an Frauen. Bei einer nächsten Gewalttat brechen die Droogs zunächst in das Haus einer alleinstehenden Frau ihn. Diese wird dann später von Ganganführer Alex mit einer penisartigen Skulptur niedergeschlagen. Anschließend wird Alex von seinen Leuten verraten und er kommt ins Gefängnis. Dort wird er dann durch den Innenminister als Versuchskaninchen benutzt. Die Experimente sollen Leute dabei helfen, ein vollwertiges Mitglied in der Gesellschaft zu werden. Der Hauptcharakter des Filmes wird anschließend als geheilt entlassen. [...]

                                          Mit "A Clockwerk Orange" hat der Regisseur Stanley Kubrick einen atemberaubenden Klassiker und damit auch einen seiner besten Filme in seiner gesamten Karriere geschaffen. Der Film zeugt von genialer Absurdität, die eine komplexe Verwirrtheit bzw. Verstörtheit beim Zuschauer auslöst. Was hat man da eigentlich gerade gesehen? Was will der Film mir sagen? Es kommen einem Gedanken auf, mit denen man wahrscheinlich nichts anfangen kann. Gedanken, die gern zur Interpretation freigegeben sind. Der Film lässt uns mit viel Unklarheit zurück und dass macht ihn auch zu etwas faszinierenden und einmaligen. Die Charakterisierung des Hauptcharakters (Alex) funktioniert großartig. Im Ganzen gesehen konnte der Film eine starke Charakterinszinierung aufweisen. Dies gelang auch durch die professionelle Schauspielleistung von Malcolm McDowell. Auch alle anderen Schauspieler erledigten einen sehenswerten Job, vor allem im Gedächtnis geblieben ist mir Patrick Magee, der im Film den Schriftsteller Mr. Alexander verkörpert. Jeder Schauspieler im Film spricht mit einer so lauten, kräftigen und deutlichen Stimme (wahrscheinlich ist das so gewollt). Das funktioniert grandios und es fasziniert einfach nur. Das Ganze kann jedoch (natürlich) nur beim Schauen im Orginalton genossen werden. Die Verstörtheit ist im Film perfektionistisch bis ins kleinste Detail ausgeprägt. Ob skurrile Wandgemälde oder ungewohnte Dekorationen, es wird auf alles geachtet um den Verstörtheitsfaktor oben zu halten. Das Drehbuch erweist große Stärken, vor allem durch die neuentwickelte Sprache, die durch das gleichnamige Buch von Anthony Burgess übernommen wurde und den Film noch legendärer gemacht hat und noch mehr geprägt hat. Die "Sprache" heißt übrigens "Nadsat und beinhaltet einfallsreiche Vokabeln, wie z.B. Droog = Freund, horrowshow = gut, the in-out = das Rein-Raus-Spiel, also Sex bzw. meist im Sinne von Vergewaltigung. Zum Schluss zeigt auch "A Clockwerk Orange" was Musik in Filmen alles bewirken kann. Zum einen natürlich weil ein Stück ("die 9. Sinfonie von Ludwig van") als Leitfaden durch den ganzen Film eine wichtige Rolle spielt, zum anderen aber auch, weil unspektakuläre Szenen, wie z.B. als der Arzt das stinknormale Formular unterschreiben musste, durch die Musik so interessant und außergewöhnlich wirken.

                                          "A Clockwerk Orange" ist ein faszinierender Film. Es ist verstörend. Skurril. Einmalig. Anders. Verwirrend. Kunst. Absurd. Komisch. Genial. Und einfach nur sehenswert.

                                          "I woke up. The pain and sickness all over me like an animal. Then I realized what it was. The music coming up from the floor was our old friend, Ludwig Van, and the dreaded Ninth Symphony."

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                                            J.F.Lannister 08.07.2017, 01:40 Geändert 08.07.2017, 01:44

                                            Der gute alte Ludwig Van und die G20-Straßenkämpfe in Hamburg:

                                            https://www.youtube.com/watch?v=5RLT2sBXNI0

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                                              Fazit: "Uhrwerk Orange" wurde zum festen Bestandteil der Popkultur und wurde auch in der Musik sehr oft verarbeitet. Kultig ist der Streifen sowieso, aber es ist kein Film, den ich mir so schnell wieder ansehen würde. Die Handlung ist anspruchsvoll, das Drehbuch gut geschrieben und dennoch fehlte mir hier das gewisse Etwas. Die Darsteller spielen ordentlich und gerade Malcolm McDowell gibt eine beeindruckende Leistung von sich. Dazu gibt es eine Figurenzeichnung, die gut ist, aber besser hätte sein können und eine meisterhafte Inszenierung. Die Atmosphäre ist sehr böse, intensiv und dennoch fand ich den Film nicht komplett packend. Der Unterhaltungswert ist deshalb auch "nur" gut. Somit ist "Uhrwerk Orange" ein handweklich perfekt gemachter Film, der sehr gut gelungen ist, bei dem es mir aber doch etwas an Substanz fehlt!

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                                                scg 27.06.2017, 20:18 Geändert 27.06.2017, 20:21

                                                Dieser Film ist grausam, faszinierend, verstörend, großartig, einmalig absurd und einfach genial. Er lässt mich nicht mehr los.
                                                Ein Meisterwerk.

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                                                  Der Film wird nach jeder Sichtung besser.
                                                  So viel Raum zum interpretieren - herrlich. Schauspielerisch fällt das alles aus dem Rahmen, da möchte ich mich von einer qualitativen Einordnung entfernen, da in diesem Film eher Theater statt Kino gespielt wird.
                                                  Der Soundtrack ist absolut klasse, verfolgt einen noch nach Tagen.
                                                  Auf den ersten Blick mag der Film einfach als Ansammlung seltsam-kryptischer Szenen voller Exzesse wirken, eine bizarrer als die vorherige. Erst auf Dauer entfaltet sich die geniale Inszenierung in ihrer vollen Pracht, enträtseln sich die Exzesse und entpuppen sich als Hyperbeln der Eigenschaften unserer heutigen Gesellschaft.

                                                  "Uhrwerk Orange" ist keinesfalls ein Film, den man sich mal eben zur Unterhaltung anschauen sollte, genau so wenig wie man Franz Kafka zur Unterhaltung liest.
                                                  Der Film braucht Zeit und die sollte man ihm schon geben, ansonsten erblickt man nur eine langwierige nonsens-Gewaltorgie.

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                                                    Einfach nicht meine Art von Film. Die Geschichte ist mir zu platt und ohne tieferen Sinn. Wenn es nach mir ginge hätte man diesen Freak einfach mit der Giftspritze hinrichten sollen und fertig. Was interessiert mich das Schicksal eines schwer gestörten Mörders und Vergewaltigers? Gar nicht. Ab ins Loch mit dem und gut ist.

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