Unter den Brücken - Kritik

Unter den Brücken

DE · 1945 · Laufzeit 99 Minuten · FSK 12 · Drama · Kinostart
Du
  • 8 .5

    Ein vollends humanistischer, herzerwärmender Seemanns-Film von 1945, der in seiner solidarischen Gutmütigkeit im krassen, wohltuenden Gegensatz zum Unterdrückungsapparat der Nazis stand, eine ideal-romantische und leichtfüßig-sehnsüchtige Welt erschafft, in der sich die Menschen bedingungslos helfen, lieben, versorgen und auf dem Akkordion Lieder in die Nacht strahlen.

    Die Szene, in welcher der kernig-gewitzte Carl Raddatz der aufgelesenen, unsicher-bekümmerten Hannelore Schroth die Geräusche auf seinem Kahn erklärt, um ihr die Angst vor denen zu rauben, gehört wohl zu den süßesten Sequenzen, die ich in letzter Zeit genießen durfte. Und auch sonst brilliert UNTER DEN BRÜCKEN mit seiner durchgehend-liebevollen Charakterzeichnung, hervorragenden Bild- & Tongestaltung, sowie seiner herzerweichend-sorgsamen Geschichte um Freundschaft, Vertrauen und allgemein Menschlichkeit.

    Ab und an braucht man eben so einen richtig tollen, unprätentiös herzlich-optimistischen Gutmenschenfilm wie diesen - damals wie heute - gegen die ernüchternde Verbitterung gegenwärtiger Verhältnisse. UNTER DEN BRÜCKEN & auf dem Wasser lässt's sich leben - welch eine wohlige cineastische Reise das war.

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    • 10

      "Unter den Brücken" ist sowohl ein "Kriegs"film – im Sinne eines auf den Krieg und das NS-Regime bezogenen Films –, als auch ein Nachkriegsfilm – im Sinne eines auf das Leben nach dem Krieg bezogenen Streifens. Das Überwältigende dieser – relativ einfachen, alltäglichen – Geschichte ist eben dieser Bezug zu einem Alltag, den es im damaligen Deutschland schon jahrelang nicht mehr gab: Verfolgung, Vernichtung, Krieg, Denunziation, Mitläufertum, Angst und Existenzangst usw. bestimmten den Alltag in NS-Deutschland. Dem setzt Käutner (1908-1980) einen Alltag gegenüber, der eher an die besseren Tage der Weimarer Republik – deren es auch nicht gerade viele gab – erinnert.

      Aber nicht nur das. Käutner postuliert aus der Geschichte heraus Werte, die dem NS-Terrorregime völlig fremd sind: Freundschaft, Liebe, Nachbarschaftshilfe, Kooperation auf freiwilliger Basis, ja Demokratie in den Beziehungen (die Art der Konfliktregelung z.B. zwischen Hendrik und Willy) usw. Diese Werte werden jedoch nicht mit dem Zeigefinger der Handlung übergestülpt, sondern ergeben sich direkt, praktisch aus dem Verhalten der Beteiligten. Sie sind unmittelbares Resultat einer – der damaligen Wirklichkeit diametral entgegengesetzten – Praxis und repräsentieren den Wunsch, auf was eine Nachkriegsordnung unbedingt aufbauen müsse. Sie deuten auch auf etwas hin, was (auch heute noch) fundamental erscheint: Ein demokratisches Zusammenleben kann sich nur auf ein demokratisches Miteinander sozusagen "auf unterster Ebene" entwickeln, nie "von oben" aufgezwungen werden.

      Das macht den Film so aktuell, so frisch, so bedrückend er angesichts der Zeit seines Entstehens andererseits auch sein mag.

      Die drei Hauptdarsteller – Raddatz, Knuth und Schroth – spielen ihre Rollen genauso, wie der Rückbezug zur Weimarer Republik, der den Film prägt, es erfordert. Insofern hätte die Handlung auch 1925 spielen können. Die Kamera fängt eine natürliche und Industrielandschaft friedlicher Jahre ein – eine Szenerie, die nicht nur gespenstisch wirkt, sondern auch stets vermuten lässt, die brutale Gewalt der Kriegshandlungen könne jeden Moment in diesen Frieden hereinbrechen. Diese Art der Inszenierung erhöht den Anspruch des Regisseurs im Hinblick auf die Nachkriegsordnung visuell wie handlungstechnisch auf die Geschichte von Freundschaft und Liebe bezogen noch um einiges.

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