Vor der Morgenröte - Kritik

Vor der Morgenröte / AT: Before Dawn; Stefan Zweig: Farewell to Europe; Vor der Morgenröte - Stefan Zweig in Amerika

AT/FR/DE · 2016 · Laufzeit 106 Minuten · FSK 0 · Drama · Kinostart
Du
  • 8

    Vor der Morgenröte ist eine königliche Arthouse-Perle. [Boyd van Hoeij]

    • 6

      Die deutsche Schauspielerin Maria Schrader (*1965) erzählt in ihrem zweiten Spielfilm, “Vor der Morgenröte” (AT: “Vor der Morgenröte – Stefan Zweig in Amerika”, AT/DE/FR, 2016), die Exilgeschichte des österreichischen Schriftstellers Stefan Zweig (1881-1942) als einzelne, für sich stehende Episoden. Sie schuf dabei ein Werk, das sich vor allem an Kenner und Fans von Zweig richtet.

      • 7 .5

        [...] Der derzeitig öfters zu beobachtende Trend, festgefahrene Biopic-Strukturen zu durchdringen und auf ungewöhnliche Mittel zu setzen, um sich einer porträtierten Persönlichkeit anzunähern, ist nun erfreulicherweise auch im deutschen Film angekommen. In Vor der Morgenröte nutzt Regisseurin Maria Schrader (Liebesleben) die Kraft des Kinos und die Stärke skizzierter Verdichtungen, um aus den letzten Jahren im Leben des österreichischen Schriftstellers Stefan Zweig zu erzählen. [...] In vier Kapiteln, die um einem Pro- sowie Epilog ergänzt werden, schildert Vor der Morgenröte auf sprunghaft-episodische Weise einzelne Stationen in verschiedenen Ländern, in denen sich Zweig zeitweise aufhielt. Indem sich der Film an unaufgeregten Situationen orientiert, die den Charakter des mit sich selbst hadernden Schriftstellers auf gänzlich unpathetische Weise einfangen, entwirft die Regisseurin Stück für Stück das Bild eines geplagten Künstlers, der sich selbst an den exotischsten Plätzen der Welt fremd fühlt, nicht weiß, wo er jemals eine Heimat finden kann und wie er sich damit abfinden soll, dass es um ihn so gut bestellt ist, während Freunde und Kollegen in Deutschland großen Schrecken ausgesetzt sind. Wenn Zweig darüber spricht, wie glücklich ihn die Zustände in Ländern wie Brasilien machen, in denen unterschiedlichste Völker im Einklang miteinander leben und dass er sich zukünftig ein positives Europa vorstellt, in dem Grenzen und Pässe nicht mehr nötig seien, schlägt Vor der Morgenröte außerdem einen aktuell relevanten Bogen in unsere Gegenwart, in dem die Flüchtlingskrise längst nicht gelöst ist und der Nachgeschmack des tatsächlich Wirklichkeit gewordenen Brexits immer noch ein bitterer ist. [...] Immer wieder setzt Schrader auf überraschende Aussparungen und großzügige Leerstellen in der Erzählung, die offen lassen, inwieweit der Schriftsteller gerechtfertigt handelt und womöglich sogar selbst stellenweise zu Recht zu verurteilen ist. Vor der Morgenröte ist in dieser Hinsicht jedenfalls ein ungemein reifes Biopic, das mit pointierten Dialogen, impressionistischen Bilderbögen und einer gänsehautreifen Mimik des Hauptdarstellers einen Einblick in eine reale Persönlichkeit gewährt, bei der auch all diejenigen, die im Voraus wenig über Stefan Zweig wussten, gleichermaßen erhellt sowie zufriedengestellt verbleiben werden und nicht mit dem Gefühl, im Wikipedia-Artikel weiterlesen zu müssen. [...]

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        • 8

          [...] Dieses Verhältnis eines Zwischenlebens zu durchlaufen, ist für Regisseurin wie Ko-Autorin Schrader angesichts des bitteren Selbstverständnisses kein Anlass zur Dramatisierung, mehr für eine Nähe untereinander, wie klein die Welt doch sein kann, wie sich Gefühle in jenen Perspektiven schüren, der Unterschied zwischen geographischer und emotionaler Distanz herauskristallisiert, eben unbemerkt wie eine Bombe einschlagen und im Nachhinein erst herausgelesen werden kann. Stille und Leben können nicht ohne einander [...]

          7
          • 8 .5

            Maria Schrader hat die letzten Lebensjahre des weltberühmten Autors in Vor der Morgenröte diskret und dadurch besonders eindringlich verfilmt, Josef Hader spielt die Hauptrolle filigran und mit tiefer Melancholie. [Norbert Mayer]

            • 8 .5

              Statt die Dinge breit auszuwalzen, setzt [Maria Schrader]auf szenische Verdichtung. Das Ergebnis ist nicht nur aufgrund von Josef Haders feinsinniger Leistung außergewöhnlich. [Dominik Kamalzadeh]

              • 8 .5

                Jedes kleinste Zucken in der Mimik Haders kann man registrieren und deuten, und die fehlenden Positionen dazwischen lassen sich mit Fantasie ergänzen, die vom Publikum gefordert, die ihm zugetraut wird. [Jenni Zylka]

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                • 8 .5

                  Nie sind die Bilder – ein Kardinalfehler des deutschen Kinos – mit unnötiger Geschichtspatina behaftet, Thalers Kamerafahrten sorgen zudem für einen unaufdringlichen, fast zeitlosen Rhythmus. [Andreas Busche]

                  • 8

                    [...] Es ist nicht selbstverständlich, dass Maria Schrader auf eine dermaßen schlichte, aber irgendwie auch elegante bis genussvolle Inszenierung zurückgreift und dank Spielereien, die zu Raffinessen werden, auch noch wahnsinnig davon profitiert. Am Ende offenbart sich in einer Einstellung, die anfangs noch ganz „leer“ ist, die gesamte (Welt-)Geschichte. Immer größer wird der (filmische) Raum und selbst das kleinste Detail, das zuvor völlig unerkannt seinen Weg in den Film gefunden hat, erhält eine abschließende Erwähnung, obgleich diese nicht ausgesprochen wird. Dann lösen sich all die nachdenklichen Untertöne in Begeisterung auf, denn Vor der Morgenröte ist ein absoluter Triumph – und das, ohne stolz und aufdringlich zu sein.

                    6
                    • 9

                      "Lehrer: Finger weg. Maria Schrader hat einen Historienfilm gedreht, der Stefan Zweig weder als Material für den Literatur- noch für den Geschichtsunterricht aufbereitet. Die Erfahrung der Vergangenheit, ein ästhetisches und ein erzählerisches Fest. " [Frédéric Jaeger]

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                      • 8 .5

                        Josef Hader, bekannt von den Wolf Haas-Krimis, ist vom ersten Moment an atemberaubend glaubhaft in seiner Rolle als Stefan Zweig. [Günter H. Jekubzik]

                        • 8 .5

                          In der scharfsinnigen Reflexion über Nationalismus und die Rolle des Intellektuellen in der Gesellschaft, überrascht Star-Kabarettist Josef Hader als sensibler Autor. [Luitgard Koch]

                          • 8

                            [...] ist man einmal an die aus dem Theater bekannte Geschwindigkeit gewöhnt, bekommt Josef Hader freie Bahn für seine wunderbare Verkörperung des österreichischen Schriftstellers, die man in dieser Schärfe und Sensibilität von einem Erfolgskabarettisten nicht erwartet hätte. [Alexandra Wach]

                            • 8

                              Nicht wirklich verwunderlich, dass der von starkem Stilwillen und einer ruhigen, teilweise aufreizend beklemmenden, weil kammerspielartigen Bildsprache geprägte Film ein aufgeschlossenes, bestenfalls sehr literatur- und sprachinteressiertes Publikum voraussetzt. [Rupert Sommer]

                              • 9 .5

                                Was die Regisseurin Maria Schrader hier gemeinsam mit ihrem Kameramann Wolfgang Thaler erschafft, ist nichts weniger als ein kleines Kunstwerk in sich. [Oliver Kaever]

                                • 8 .5

                                  Exquisite Schauspieler und tropische Landschaften machen Vor der Morgenröte, das leise Drama um Stefan Zweig, zu einem Meisterwerk. [Kirsten Liese]

                                  • 8 .5

                                    Seine eindrücklichsten Momente entwickelt dieser Film immer dann, wenn nichts auserzählt wird, wenn zwischen den Zeilen und Bildern, eine tiefe Entwurzelung zum Vorschein kommt. [Anke Leweke]

                                    • 8 .5

                                      Mit Vor der Morgenröte ist Maria Schrader ein besonders bewegender Film gelungen - und ein einzigartiges Kino-Erlebnis: Durch die reduzierte Erzählweise nämlich hat man hinterher das Gefühl, den kompletten Film im Gedächtnis behalten zu haben, Szene für Szene. [Walli Müller]

                                      • 8

                                        Anhand von sechs Momentaufnahmen aus den Jahren, die der Schriftsteller Stefan Zweig im amerikanischen Exil verbrachte, stellt Maria Schrader die Frage nach der politischen Verantwortung des Künstlers. Die zweite Regiearbeit der Schauspielerin überzeugt durch ihre große, elegante Formenstrenge und vorzügliche Besetzung. [Gerhard Midding]

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