Winchester '73 - Kritik

Winchester '73

US · 1950 · Laufzeit 89 Minuten · FSK 12 · Western · Kinostart
Du
  • 7 .5

    [...] Anhand dieser Odyssee eines Gewehrs trägt Anthony Mann mit den Mitteln des klassischen US-Westerns nur augenscheinlich deren typische Ode an unerschütterlichen Heldentum vor. Erfüllt den Zeitgeist, die Sehgewohnheiten und die Erwartungen seines Publikums durchaus, was offenbar auch ein klares, wenig differenziertes Bild von Gut und Böse beinhaltet. An der Oberfläche mag es so aussehen (und gerade in Bezug auf „die Rothäute“ wird da auch wirklich nur wenig relativiert, so ganz frei von den Begleitumständen seiner Generation ist er freilich nicht), dabei erzählt der Film bereits von der destruktiven, selbstzerstörerischen, mitunter gar barbarischen Natur des Wilden Westens, auch mit leichtem Einbezug historischer Figuren und Fakten. Primitiv, gierig, rassistisch, heuchlerisch und egozentrisch, was unweigerlich ins Verderben führt. Selbst den ehrlichsten und überlegtesten Männern (Stewart) bleibt am Ende nur der Griff zur Waffe, das Töten als einzige, logische Option, die nicht mal von ihm ernsthaft in Frage gestellt wird.

    Anthony Mann nimmt seinem Film auch inszenatorisch oft die berühmte und gerne sinnbildlich verwendete Weite des Westerns, setzt auf viele beengte Settings und Situation, tauscht die Illusion von Freiheit und Hoffnung auf das große Glück gegen ein stetig beklemmtes Gefühl und den unaufhörlichen Kampf ums Überleben. Das geschieht nicht dreckig, nicht offensiv-nihilistisch wie im Italo-Western, aber zwischen den Zeilen lässt Winchester’73 kein gutes Haar an heroischer Cowboy-Romantik. Bewusst entschlackt von jeglicher Glorifizierung geht er damit bereits in eine ehrliche, selbstreflektierte Richtung, die der US-Western bis zu seinem (ersten) Spätherbst und Filmen wie Der Mann, der Liberty Valance erschoss generell ungern einschlug. Anfang der 50er erst recht. [...]

    7