Work Hard - Play Hard - Kritik

Work Hard - Play Hard

DE · 2011 · Laufzeit 94 Minuten · FSK 0 · Dokumentarfilm · Kinostart
Du
  • 9

    Der mehrfach preisgekrönte Dokumentarfilm von Carmen Losmann über neue Büroarbeitsund Personalmanagementwelten ist schon jetzt potenter Anwärter auf einen Platz unter den wichtigsten gesellschaftspolitischen Filmen des neuen Jahrzehnts. [Silvia Hallensleben]

    • 8

      Oberflächen, nichts als Oberflächen: Der Film zeigt eine Arbeitswelt, die vor allem aus sauberen Möbeln und Gesichtern besteht. Die Maloche des 21. Jahrhunderts ist spiegelglatt, ihre Insassen sind aalglatt.
      Regisseurin Carmen Losmann hat sich für ihre filmische Studie dorthin begeben, wo die Verpackung für die heutige Mehrwertproduktion entsteht. Man wird den Gedanken nicht los: Die Menschen in diesem Film sind tot, sie wissen es bloß noch nicht. Fremdbestimmung ist jedenfalls nicht mehr nötig.
      Mit der Coolness von Blattschneiderameisen sitzen sich Chefs, Spezialisten und Mitarbeiter gegenüber. „Und wo sind ihre Schwächen?“ Losmanns Film hat vor allem eine: Es ist ein Dokumentarfilm, hier ist alles echt.
      Nicht zuletzt die Kameraarbeit ist dafür verantwortlich: Losmann hat den Meister des kalten Bildes, Dirk Lütter, fürs Fotografieren verpflichtet. Hier würde niemals ein Insekt freiwillig durchs Bild huschen; undenkbar, dass es die Ideen tun. Kreative Prozesse fördern? Man möchte den Beratern und Mitarbeitern eine Kiste Bier auf den Schoß stellen, auf dass sie ihren Wahnsinn eine Weile vergessen. Nur manchmal stehen die selbsterklärenden Figuren auch vor dem Rätsel ihrer selbst: „Lasst uns die Sache jetzt ein bisschen challengen in unsererem Bereichsmeeting“, sagt ein Firmenleiter, und korrigiert sich umgehend selbst. „Ach, ihr wollt ja keine Bereiche mehr. Na gut, wir nennen das jetzt trotzdem so.“

      • 8

        Losmann erklärt und kommentiert nicht. In klaren, unterkühlten Einstellungen lässt sie die Architekten zu Wort kommen und stellt deren Erläuterungen Bilder einer Arbeitsversammlung, einer Kaffeepause oder eines Teamgesprächs in der neuen Shopping-Mall-ähnlichen Zentrale gegenüber.

        • 8 .5

          Work Hard – Play Hard ist ein beunruhigender Film über die Zukunft der Arbeit, die längst schon Gegenwart geworden ist. Gerade aufgrund seiner rein beobachtenden Grundhaltung ist er so schockierend, da daß System sich unverhohlen und ohne schlechtes Gewissen permanent selbst entlarvt.

          • 7 .5

            Es tut zwar nicht gut, aber es ist gut, diesen halb fiktionalen, halb realen Dokumentarfilm zu sehen. Gestaltet ist Work Hard - Play Hard mit einer formalen Nüchternheit, die thematisch bedingt ist. Er hilft dazu, dass man halbwegs normal bleiben will und kann. Man verlässt das Kino mit Nostalgiegefühlen.

            • 9 .5

              Carmen Losmann hat mit Work Hard - Play Hard einen modernen Horrorfilm geschaffen. Mit kühlen Bildern inszeniert sie die neue Arbeitswelt, die Wohlfühlräume der Selbstoptimierung: "non-territoriale Arbeitsplätze", wie es im Film heißt.

              • 8

                Work Hard - Play Hard ist ein [...] klug montierter, dicht argumentierender und in präzise kadrierte Bilder gesetzter Film, der sich darauf verlässt, dass die Zuschauer im Newspeak-Dschungel von »unterstützendem Führen«, »Change-Kultur« und »Megawachstumsqualität« ihren eigenen Weg finden.

                • 8

                  Im modernen „Human Ressource Management“ herrscht eine aus lauter englischen, für Außenstehende eigentümlich geschwollen Ausdrücken bestehende, eigene Sprache. Verbunden etwa mit einer „Neujahrsansprache“ eines Konzernchefs an seine Mitarbeiter wirkt solche Selbstbezüglichkeit gar sektenhaft. Dass die Mitarbeiter eine andere Familie als die Firma haben könnten, erscheint schier unmöglich.

                  „Work Hard – Play Hard“ setzt keine Off-Stimme und außerdem kaum Musik ein. Carmen Losmann lässt die Akteure sprechen und handeln, wobei deren Körpersprache ähnlich viel aussagt wie deren eigenartige Redewendungen. Indem sich die Regisseurin jeglicher Kommentare enthält, entwickeln die Bildeinstellungen eine eigene kritisch-ironische Sicht. „Work Hard – Play Hard“ entlarvt denn auch die Maßnahmen zum Wohlfüllen der Mitarbeiter nicht nur als bloße Strategie zur Produktivitätssteigerung und Gewinnmaximierung. Darüber hinaus entfacht Losmanns Film eine beunruhigende, an Kafka, Huxley und Orwell erinnernde Stimmung.

                  • 8 .5

                    Die Inszenierung, die ohne jeden Kommentar und nahezu ohne Filmmusik auskommt, stützt sich auf eine schlüssige Dramaturgie, die glasklare Totalen von der (Innen-)Architektur mit aufschlussreichen Interviews (zumeist aus dem Umfeld der Berater) verbindet.