Wovon träumt das Internet? - Kritik

Lo and Behold, Reveries of the Connected World

US · 2016 · Laufzeit 98 Minuten · Dokumentarfilm · Kinostart
Du
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    Herzogs Doku über das Internet finde ich sehr interessant und eine schöne Ergänzung zu der Netflix-Serie „Black Mirror“. Sie ist auch auf moderne Sehgewohnheiten angepasst, sprich es gibt keine Längen, die Themen werden relativ kurz abgearbeitet (Ich hätte nichts gegen eine Vertiefung an manchen Stellen gehabt).
    Es geht um die Erfindung des Internets, autonomes Fahren, kleine fußballspielende Roboter, Missbrauch, Cyberkriminalität, Internetsucht, KI etc. Es gibt einen Exkurs zu Menschen, die der Meinung sind, dass sie von Radiostrahlen beschädigt werden. Ich bin ja der Ansicht, dass es sich hierbei um eine psychische Erkrankung handelt und nicht um eine körperliche (Analog zu Chuck in „Better caul Saul“), aber davon wollen die Betroffenen nichts wissen.
    Dann geht es noch darum, was passiert wenn (und nicht falls!!) eine Sonnenfackel (solar flare) stattfindet – das bedeutet dann das Ende unserer Zivilisation. Sehr schön…. Außerdem ein Interview mit einem berühmten Hacker, einem Herrn Mitnick, der einen tollen Sinn für Humor hat. „Wovon träumt das Internet?“ ist ausgesprochen erheiternd und gleichzeitig spannend! Und es wird immer besser: der Hersteller der Tesla Autos baut Raketen mit dem ernsthaften Ziel andere Planeten, vorerst mal den Mars, zu besiedeln.

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      Tanzveit 26.08.2018, 10:27 Geändert 26.08.2018, 10:28

      Herzogs Dokumentarfilme. So einzigartig, besonders, faszinierend, mitreißend. Zumeist. Mich konnte Herzogs Geschichte des Internets nicht so begeistern wie seine früheren Filme und wenn Herzog am Ende des Films all die schlauen Menschen tatsächlich fragt, wovon denn das Internet träume...kuller die Augen, mit Grizzlys und Taiga hat das nicht mehr viel gemeinsam, bleibt aber trotzdem noch sehenswert.

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        Werner Herzog würde ich auch zuhören, wie er ein Telefonbuch vorliest. Wie praktisch also, dass er in "Lo and Behold" über eins meiner liebsten Themen philosophiert: Das Internet. Der Anfang, die Errungenschaften und die Abgründe.

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          Also ein "interessant" hat sich Werner Herzog mal wieder verdient, wenn auch auf die ihm eigene doch etwas merkwürdige Art.

          Herzog greift sich - auf jeden Fall etwas willkürlich - verschiedene Aspekte rund um das Internet oder etwas abstrakter um die technische Moderne auf, und befragt dann dazu mal Seriöse, mal völlig aus der Spur Geratene. Dass etwa zu den "Elektrosensiblen" keinerlei wissenschaftlicher Status beigesteuert wird, irritiert etwas, macht aber auch zugleich für die anderen Kapitel deutlich, dass man das Gesehene nie zu ernst nehmen sollte (wenn man denn den wissenschaftlichen Hintergrund zu "Elektrosensibilität" kennt).

          Wenn dem Ganzen entweder etwas mehr Intellekt&Tiefe oder etwas mehr Humor beigesteuert worden wäre, hätte das ein echter Wurf werden können. So aber kommt es eben über eine teils abstruse Mischung von Interviews, mehr oder minder zu einem Oberthema, nicht hinaus. Und wenn Herzog dann an den passenden oder meist eher unpassenden Stellen Vergleiche anstellt und die Interviewten mit freundlicher Art darauf reagieren, aber zugleich ein unterschwelliges "Du Depp" auch nicht ganz ausblenden können, so stellt sich das typische leichte Fremdschämen ein, wenn Herzog sich selbst mal wieder etwas überschätzt.

          Nur für Freunde des leicht Abseitigen, denn eine klassische Dokumentation stellt der Streifen nun wirklich nicht da. Wenn man aber Herzogs schräge Art kennt und weiß, dass man über das Gesehene auch mal lästern kann - wird es schon wieder fast gut; wenn das auch nicht zu jedem Moment in der Intention des Regisseurs lag...

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            Problem 10.11.2017, 16:53 Geändert 10.11.2017, 16:56

            Gleich mal im ersten Satz die Studenten der University of California für dumm zu erklären, hat wirklich Stil.

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              Werner Herzog erklärt das Internet.
              Mit dieser Erwartungshaltung kann man an „Wovon träumt das Internet?“ herangehen. Dann wird diese aber zwangsläufig enttäuscht, denn Herzog erklärt nicht, nein, er beobachtet, er erfasst. „Wovon träumt das Internet?“ ist eine große Montage, ein Einblick in den aktuellen Stand des Internet. Der Film ist ein Überblick, der die Unberechenbarkeit, die Vielfältigkeit des Internets zeigt. So berichtet Herzog in einem Moment noch von der gemeinsam betriebenen Entschlüsselung gefährlicher Krankheiten, im nächsten wird das Schicksal einer dem Terror des Internethasses ausgesetzten Familie beleuchtet.
              Dabei wird der Blick immer wieder vom großen Ganzen auf die kleinen Dinge gestellt, Herzog widmet seine Aufmerksamkeit Einzelschicksalen und echten Personen. Dabei ensteht ein fantastischer Kontrast: das Darstellen einer Persönlichkeit im Gegensatz zum Berichten über einen Komplex, in dem die einzelne Person und dementsprechend auch die Persönlichkeit nichtig, gar irrelevant sind.
              So findet Herzog auf der einen Seite auch beeindruckende und doch in ihrem Kern kleine, ja eigentlich sogar ordinäre, Bilder für das Internet, einen Raum, den man ja im Prinzip gar nicht visualisieren kann, filmt aber auf der anderen Seite Personen in zunächst gewohnter, aber nach ausführlicher Betrachtung doch aufregender und überwältigender Manier. Denn die Gesprächspausen, dass Zögern und Überlegen, die ganz kleinen Gesten, die beim Interview gerne der Schnittschere zum Opfer fallen, sind Herzogs Augenmerk.
              Gerade durch dieses Unausgesprochene erhält Herzogs Film noch mehr an Tiefe, schafft er es doch da durch mehr als durch alles andere, dass teils unbegreifliche, beängstigende und doch faszinierende am menschgemachten Universum greifbar zu machen. Und so ergibt sich aus all den Einzelgesprächen und Einzelschicksalen, der Betrachtung des Kleinen letztlich ein großes Ganzes. Am interessantesten wird „Wovon träumt das Internet?“ aber, wenn er sich nicht mit dem Einfluss des Netzes auf das Individuum, sondern mit dem Charakter des Internets an sich beschäftigt.
              Ist es nur ein Kommunikationsmedium oder nicht schon eine künstliche Intelligenz mit eigenem Bewusstsein? Steuert der Mensch das Internet oder das Internet den Menschen? Herzog formuliert die provokante Frage, ob das Internet von sich selber träume. Eindeutig beantwortet wird diese Frage vom Film nicht. Und es bleibt unklar, ob man diese Frage überhaupt irgendwann eindeutig beantworten können wird.
              Am Ende des Films ist aber vor allem eines sicher: das Internet, dass besonders die Generation der Digital Natives so gut zu kennen glaubt, ist doch unverstanden, außer Kontrolle und kaum noch zu lenken oder regulieren. „Träumt das Internet von sich selbst?“ Wir werden es nie wissen – denn die Technik hat uns längst überholt.

              Kritik im Original: https://aboutthepictures.wordpress.com/2017/09/13/wovon-traeumt-das-internet/#more-541

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                FIEP!

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                  sachsenkrieger 17.06.2017, 23:04 Geändert 17.06.2017, 23:04


                  Ein wenig hat es mich, vielleicht unberechtigt an BORAT erinnert, was der Werner da wieder zusammengebastelt hat. Angeblich Elektrosensible, die im Schatten eines Radioastronomie-Observatoriums leben, eine trauernde, internetgeschädigte Familie, sitzt wie arrangiert vor den wohl drapierten Croissants und Muffins. In Chicago stehen twitternde Mönche als letzte Eingeborene da, und eine Menge von Spezialisten auf ihrem jeweiligen Fachgebiet, stellen visuell beeindruckend unter Beweis, das zu viel Spezialisierung, unter Umständen der geistigen Gesundheit schaden könnte. WOVON TRÄUMT DAS INTERNET, ist kein Film über das Netz, er erklärt nichts, beschönigt nichts, verdammt nichts. Es ist eine Montage temporär aktueller Facetten der Entwicklungen, die aus dem Internet entspringen könnten ... oder eben auch nicht. Es ist eine Momentaufnahme eines Phänomens, die einen zum Nachdenken anregen kann oder nicht...

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                  • Grundsätzlich wird es ja interessant, wenn zwei Welten aufeinander prallen, wie hier Werner Herzog - ein alter Bekannter aus der Kulturindustrie und den Vertretern von "Neuland". Es gibt interessante Fragen und Ansätze, die aber durchaus noch weiter hätten beleuchtet werden können. Interessant sind vor allem die Reaktionen der Befragten. So bleibt es aber im Wesentlichen an der Oberfläche, das ist ein wenig schade für die Themen. Die Doku liefert trotzdem einen guten Überblick.

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                      Das Thema Internet (oder generell der moderne Fortschritt) ist mit Sicherheit gleichzeitig ein dankbares und ein schwieriges Thema, wenn es an die filmische Umsetzung geht.
                      Dankbar, weil es einfach so viele Bereiche und Facetten gibt und das Thema einfach für viele Menschen in der heutigen Zeit eine große Bedeutung hat. Schwierig, weil es so viel zu sagen gäbe, es so viele Fragen gibt, wobei es auf einige Fragen hundert verschiedene und auf andere wiederum keine Antworten gibt und weil es schwer fällt, sachlich und einigermaßen objektiv, wenn schon nicht neutral, an das Thema heranzugehen.
                      Wovon träumt das Internet, schafft diese ganze Kür aus Spagaten scheinbar mit Links, denn es wird viel angerissen, erstaunlich sachlich beleuchtet und nach Möglichkeit werden Fragen beantwortet oder zumindest Denkansätze geliefert. Sehr gute Doku!

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                        Wo kommt es her und wo könnte es hingehen - das Internet. In dieser Doku werden in kurzen Episoden verschiedenste Themen rund ums Internet angerissen. Leider nur angerissen, da bestimmt mehr in die Tiefe hätte gegangen werden können - teilweise müssen. Jedoch laden die kurzen Episoden dazu ein, sich danach selbst darüber Gedanken zu machen. Wohin die ganze Technik führen wird, steht auch in den Sternen - ob alles gut geht oder das große Chaos werden wir evtl. erleben - vielleicht aber auch erst nachfolgende Generationen.

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                          Das Schöne und für mich auch eines der tragenden Elemente ist die Einfachheit mit der hier agiert wird. Man kann diese Themen und oft werden sie es auch, so aufarbeiten, dass der Laie kaum noch mitkommt, man kann das Ganze aber auch so darstellen, dass der Laie empört aufschreit, gerade in der heutigen Zeit.
                          In meinen Augen hat Werner Herzog hier eine gute Mischung getroffen.
                          In seiner Gesamtheit gut anzuschauen und lohnenswert.

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                            Rocket-S 26.04.2017, 00:15 Geändert 26.04.2017, 00:25

                            Wovon träumt es denn nun? Eine abstrahierte Antwort aus der Robotik, könnte als Erklärung aufgefasst werden.

                            Aber, die eigentliche Frage lautet, was erträumen wir uns noch von dem weltweiten Netzwerk der Datenflut?

                            2017 werden via IP-Traffic ca 110 Exabyte Daten pro Monat durch das Netz gejagt.

                            Nur zum besseren Verständnis 1 Gigabyte entspricht der Datenmenge von 200 Bibeln. 1 Mrd Gigabyte = 1 Exabyte...

                            Werner Herzog startet keine allgemeine Lobhuddelei auf das mystische Wunderwerk, der grössten Erfindung der Menschheit, er sieht es eher aus der kritischen Perspektive, und damit ist nicht unbedingt die Schattenseite des Web gemeint. Er holt recht weit aus und inszeniert einen Fragenkatalog, der eigentlich an die Risikobereitschaft der Erdenbewohner adressiert ist.

                            Was passiert wenn das Netz ausfällt? Dafür ist in der Doku kein terroristischer Anschlag nötig, keine Schadsoftware und auch kein Cyber-Krieg notwendig.

                            1859 hat ein Sonnensturm Telegraphen-Leitungen in Brand gesetzt und die weltweite elektronische Kommunikation schwer beschädigt. Damals war der Schaden noch überschaubar und die Menscheit war von dieser Technik nicht abhängig.

                            Heute würde die Zerstörung aller Stromleitungen mit den angeschlossenen elektronischen Abnehmern wohl das Ende bedeuten.

                            Fazit: Auch wenn die Industrie uns glaubhaft machen möchte, es sei nützlich, wenn der Toaster mit dem Kühlschrank kommuniziert. Was ist der Preis der Vernetzung, wenn diese nicht mehr existiert? Werner Herzog führt diesen Gedanken nicht vollständig aus, er mahnt nur mit der grundsätzlichen Gefahr.

                            Was Menschen in einem Supermarkt machen, der keine Ware mehr bekommt... die ohnehin nicht bezahlt werden könnte, weil keine Löhne mehr auf digitale Konten eingezahlt werden können? Welchen Wert dann noch Debitkarten in funktionslosen Lesegeräten haben..? Sind wir ehrlich, das werden dann nur noch kleine Randnotizen einer globalen Anarchie sein.

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                              Wenn Werner Herzog etwas zu berichten hat, dann ist es stets lohnenswert, zuzuhören. Da stellt auch seine neueste Dokumentation Wovon träumt das Internet? keine Ausnahme dar. In fast schon etwas zu kurz geratenen 98 Minuten gibt der Filmemacher einen umfassenden Einblick in die Welt des Internets und schneidet zugleich verwandte Themenkomplexe wie Künstliche Intelligenz und Robotik an. Dabei ist es wohl am erstaunlichsten, dass Herzog auch für sich selbst das Neuland Internet erobert. Sein Blick gleicht stets dem eines ehrlich interessierten, aber dennoch sehr skeptischen Schülers, der aufgeschlossen, aber nicht zu euphorisch an das breite Themenfeld herantritt. Eingeteilt in diverse Unterkategorien ist es auch Herzogs subtile Manipulation, die ein ums andere Mal zum Tragen kommt und so diktiert er den Film von Beginn an. Wäre das Projekt bei anderen Filmemachern sicherlich zu einem sehr lustlosen Geschichtsbilderbuch verkommen, so kitzelt die eigensinnige Art des erprobten Regisseurs spürbar Potential aus der Thematik. Mit interessanten, exzentrischen und ehrlich offenen Fragen lockt er so manchen Interviewpartner aus der Reserve und beweist auch im Schnittraum ein deutliches Gespür dafür, dass nicht nur verbale Antworten, sondern vor allem Zögern, Schweigen, Gesten und anderweitige Reaktionen von Belang sind. Stellenweise wäre zwar eine tiefergehende Auseinandersetzung mit dem ein oder anderen Thema wünschenswert gewesen, doch letztlich liegt auch im kurzweiligen Anschneiden diverser Aspekte ein Reiz. Typisch Werner eben, denn man fühlt sich bereits gut aufgehoben, wenn zu Beginn seine markante Stimme aus dem Off ertönt und uns behutsam in die Thematik einführt.

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                                zimtsternchen 19.01.2017, 22:13 Geändert 19.11.2018, 13:27

                                In Werner Herzogs Dokumentationen steht üblicherweise vor allem eins im Mittelpunkt: der Mensch und seine Umwelt in ihren unterschiedlichsten Facetten. Auch seine in zehn Kapitel untergliederte Dokumentation "Lo and Behold: Reveries of a Connected World" ist eine Collage aus den unterschiedlichsten Aspekten des Lebens in unserer heutigen Netzwerkgesellschaft, von den Anfängen in den 1960ern bis hin zu aktuellen Entwicklungen, die auf die Zukunft verweisen, allen voran Robotik und Künstliche Intelligenz.

                                Herzog nimmt Visionen und Begeisterung der frühen Internetpioniere wie Ted Nelson ebenso auf wie die Leidensgeschichten von Computerspielsüchtigen oder Opfern der rasend schnellen viralen Verbreitung von Inhalten, und als Zuschauer stellt man währenddessen fest: in 98 Minuten findet eine erstaunliche Bandbreite an Gedanken, Sichtweisen und Erfahrungswelten ihren Platz, die eine der Stärken der Dokumentation ist.
                                Nur sporadisch befragt Werner Herzog in "Lo and Behold" seine Gesprächspartner oder kommentiert deren Erzählungen; wenn er das aber von seinem Platz hinter der Kamera aus tut, dann stets auf eine ruhige und respektvolle Art und Weise. Wer seine vor Egozentrik nur so triefenden Redeschwälle in "Mein liebster Feind" kennt, kann also hier beruhigt aufatmen. An manchen Stellen verzichtet er gänzlich auf Worte und lässt stattdessen die Stille für sich sprechen, wie im Fall einer amerikanischen Familie, die eine ihrer Töchter bei einem Autounfall verlor und im Anschluss miterleben musste, wie Fotos der entstellten Mädchenleiche vom Unfallort nicht nur grausam kommentiert persönlich an sie gesendet, sondern auch ins Netz gestellt wurden.

                                Für mich als Medienwissenschaftlerin gab es in "Lo and Behold" nicht wirklich etwas Neues zu erfahren. Um sich mit den einzelnen Themenbereichen oder Fragestellungen eingehender zu beschäftigen, die hier von Herzog angeschnitten werden, reichen 98 Minuten bei weitem nicht aus - doch das will der Film auch gar nicht. Ebensowenig will er bahnbrechende Neuigkeiten ans Tageslicht befördern. Vielmehr liefert, wenn man so will, gerade die thematische Breite der besprochenen Inhalte einen Beweis dafür, wie umfassend das Leben im Netz sich heute gestaltet. So umfassend, dass es, wenn überhaupt, eine ganze Serie (siehe "Black Mirror") braucht, um sich einer Abdeckung aller einzelnen Bereiche des Lebensalltags anzunähern, die bereits mit dem Netz verwoben sind oder es künftig noch sein werden.

                                Alles in allem halte ich "Lo and Behold" für einen sehenswerten Einstieg in eine darauf folgende und notwendigerweise wesentlich umfangreichere Reflexion über unsere vernetzte Gegenwart insbesondere für alle, die bisher zu sehr mit ihren Smartphones und Laptops beschäftigt waren, um einmal einen kritischen Blick auf ihren digitalen Alltag zu wagen.

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                                  Atalantia 10.01.2017, 18:00 Geändert 21.07.2018, 15:27

                                  Schwer überbewertete Dokumentation. Mit einem lispelnden Kommentator anstatt einen professionellen zu engagieren. Die Beiträge sind lieblos recherchiert und ohne Tiefe. Vieles hat weder etwas mit träumen, noch etwas mit Internet zu tun. Der Kommentator unterbricht die teilweise namhaften Erzähler mit belanglosem Dazwischenreden. Das ganze wirkt wie: Ich weiss nicht recht was ich produzieren will.

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                                    „Wovon träumt das Internet?“ Dies und anderen Fragen widmet sich Werner Herzog in seinem neusten Streich und unterteilt seine Doku kurzerhand in 9 unterschiedliche Segmente, die mal mehr und mal weniger vom eigentlichen Thema abweichen, die Peripherie ebenso in den Fokus rücken wie den Menschen und seine Geschichte. Denn genau dort sind die Stärken am deutlichsten sichtbar. Er schafft es sowohl den Enthusiasmus seiner beredten Interviewpartner einzufangen, als auch Sekunden der Stille und des Nachdenkens. Denn wichtiger als das Internet selbst sind hier nur seine Teilnehmer. Der „Strahlenflüchtling“ bekommt hier genau so seinen Raum wie der Visionär oder einer seiner Pioniere. Dabei sollte man sich aber weder Hoffnungen machen noch Angst und Bange haben, dass es hier zu sehr ins Technische und Fachchinesisch abgleitet. Ob Protokolle, physikalische Grundprinzipien oder gar die Unterteilungen von Darknet, Deep Web oder stark frequentierte Seiten des Visible Web bzw. seine Globalplayer; darüber wird sich hier größtenteils ausgespart.

                                    Viel spannender ist dort die subtile Manipulation des Mannes hinter der Kamera. Nein, Herzog ist bei weitem kein Michael Moore, der die Brechstange herausholt, um seinen Zuschauern auch die letzten kleinen Zweifel über seine Intention auszutreiben, aber man erkennt durch bewusstes Lenken und Eingreifen stets seinen Standpunkt. Sei es durch einen schelmischen Einwurf, seine markante Stimme aus dem Off oder bewusst eingestreute Zwischenfragen und Bemerkungen. Er nutzt eingefangene Denkpausen genauso aus wie den auflockernden Witz, kurze Konfusion wie zielgerichtete Plädoyers. Das Einmaleins seines Filmschaffens durchdringt sein Werk von Sekunde Eins. Er hat was zu erzählen, der gute Werner. Und was er erzählt, ist vor allem das, was ihn interessiert und was einige von uns auch interessieren könnte.

                                    Wovon das Internet träumt? Keine Ahnung.

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                                      soilent 10.12.2016, 12:01 Geändert 10.12.2016, 12:19

                                      Eine Werner Herzog Doku über Robotik, Wavies, Game Addicts, Solarflare Blackout, Mars Eskapismus, Crowdsourcing, Pietätloses Gore, Hacking, Brain Computer Interface...

                                      Ja, auch das Internet kommt in diesem Film vor.

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                                        "Wovon das Internet träumt? Werner Herzog sucht auch in der neuen Welt immer nur nach alter Schönheit." [Philipp Schwarz]

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                                          Movie-Mike 29.09.2016, 22:26 Geändert 30.09.2016, 08:04

                                          Ein Film der Fragen aufwirft, mit denen wir und nachfolgende Generationen uns definitiv auseinandersetzen werden müssen.
                                          Beunruhigend und Hoffnung weckend zugleich, zeigt Werner Herzog in diesem Film, wie sich das Internet und die digitalen Medien auf die Menschheit auswirken und umgekehrt, bzw. wo verschwimmen bereits die Grenzen? Lernt die Technik bereits mehr von sich selbst, als wir kontrollieren können und welche Verantwortung haben wir bei derer Verwendung und Entwicklung?
                                          Haufenweise Denkanstöße, die Stoff für so manchen Science-Fiction-Film geben können. Überhaupt könnte jedes, der im Film gezeigten Themen, locker einen eigenen 90-minütigen Dokumentarfilm tragen. Absolut sehenswert!

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                                            Ob er sich mit einem Mann beschäftigt, der sein Leben unter Bären verbracht hat, eine Station von Wissenschaftlern am Nordpol besucht, die Wandmalereien einer Jahrtausende alten Höhle besichtigt oder zum Tode verurteilte Straftäter kurz vor ihrer Hinrichtung interviewt. Die Dokumentationen von Werner Herzog sind unabhängig von ihren Thematiken vor allem Filme, die durch den einzigartigen Charakter des Regisseurs geprägt sind. Herzog verweigert sich meist den Konventionen herkömmlicher Dokumentationen und inszeniert mit unverkennbarem Stil, der durch seine markanten Voice-over, eine fast schon kindliche Neugierde und ein Auge für Nebenschauplätze sowie Abschweifungen geprägt ist.
                                            Die Dokumentation "Lo and Behold, Reveries of the Connected World", in der es um nichts geringeres als das Internet selbst geht, ist erneut ein typisches Herzog-Werk, in dem sich der Regisseur mit sämtlichen Aspekten auseinandersetzt, die unser tägliches Leben mit der weltweiten Vernetzung betreffen. Unterteilt in neun verschiedene Kapitel geht Herzog Bereichen nach, die ihn im Bezug auf das Internet interessieren und ergründet vielschichtige, komplexe Thematiken.
                                            Zunächst wird der Betrachter mit auf eine Reise in die Vergangenheit hin zur Geburtsstunde des Internets genommen, wobei "Lo and Behold, Reveries of the Connected World" aufgrund der verträumten, sanften Musikuntermalung und der gewohnt markanten Erzählstimme des Regisseurs wieder einmal so wirkt, als würde ein kleines Kind die große, weite Welt für sich entdecken und voller verschüchterter, freudiger Neugierde und mit weit aufgerissenen Augen alles fragen, was ihm brennend auf der Seele liegt. Herzog nimmt sich diesmal persönlich etwas zurück und lässt lieber seine Interviewpartner zu Wort kommen. Auch die surrealen Einschübe, die sich sonst eigentlich immer in seinen Dokumentationen finden, sind hier merklich reduziert, was sicherlich auch daran liegt, dass die vielen Zukunftstheorien bezüglich des Internets genügend wilde Spekulationen zulassen, was für sich genommen bereits einige absurde wie nachdenkliche Momente zur Folge hat.
                                            Herzogs Blickweise auf das Internet gestaltet sich dabei ohne drohenden Zeigefinger, auch wenn sich der Regisseur neben den vielen technischen Möglichkeiten, globalen Errungenschaften und alltäglichen Vorzügen mit erschreckenden Warnbeispielen beschäftigt, wenn er die Familie von Nikki Catsouras interviewt, die in einen Skandal verwickelt war, nachdem Fotos ihrer bei einem Autounfall ums Leben gekommenen Tochter ins Netz geleaked wurden, oder süchtige Jugendliche zeigt, die bis zu 16 Stunden täglich in virtuellen Welten gefangen waren.
                                            Als Gesamtwerk stellt der Regisseur in "Lo and Behold, Reveries of the Connected World" abermals tiefschürfende Fragen nach dem, was uns aktuell als Menschen ausmacht und wie sich unsere Welt verändert hat und vor allem zukünftig noch entwickeln wird. Mit 98 Minuten Laufzeit ist die Dokumentation vielleicht etwas zu knapp ausgefallen und lässt bezüglich einiger Aspekte etwas Tiefgang vermissen, doch für Herzog-Fans ist sie ohnehin Pflichtprogramm, das bevorzugte Themen des Regisseurs wieder einmal provokant, unterhaltsam und nachdenklich zum Ausdruck bringt.

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                                              98 Minuten scheinen zu wenig für einen Film mit einem so komplexen Thema, aber Herzogs episodischer Erzählstil mit vielen moralischen, philosophischen und emotionalen Themen, ist ein intelligenter, weiter Blick auf die Evolution der Technologie. [Aaron Hillis]

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                                                Lo and Behold, Reveries of the Connected World baut eine wundervolle, spannende, erschreckende und spekulative Grundlage über den Weg, den wir gehen könnten, so dass es den Zuschauer immer neugieriger macht. [Robert Abele]

                                                • 7

                                                  Lo and Behold, Reveries of the Connected World wirft einen verspielten Blick auf das Internet - damals und heute.

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                                                    Lo and Behold, Reveries of the Connected World repräsentiert Herzogs neustes Gedankenspiel darüber, was es bedeutet ein Mensch zu sein [...]. Mit seiner verwirrt-skeptischen Position zu dem Thema wird sich das Projekt wohl aber nicht zur Arthouse-Sensation entwickeln.