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Abbott & Costello und die Hollywoodmonster auf DVD

Der Werwolf im Badezimmer

04.05.2011 - 08:50 UhrVor 8 Jahren aktualisiert
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Die Abbott & Costello-Box
© KochMedia
Die Abbott & Costello-Box
Mit der DVD-Premiere Burke and Hare belebt John Landis derzeit die Horrorkomödie neu. Grund genug, die Ahnen des Genres zu entdecken, findet unser DVD-Kolumnist: Bereits in den 40ern witzelten sich Abbott & Costello durch die Universal-Horrorfilme.

Mit der Horrorkomödie Burke & Hare – Wir finden immer eine Leiche feiert John Landis (hier das aktuelle Moviepilot-Interview) derzeit ein recht ansehnliches Comeback. Bereits in den 70ern und 80ern verhalf der Sonnenschein mit dem graumelierten Bart der horriblen Komödie zu neuem Glanz und verband in American Werewolf oder dem Musikvideo zu Thriller von Michael Jackson Spaß mit sanftem Grusel. Doch die Horrorkomödie kann auf eine weit längere Tradition zurückblicken, auch wenn das Genre in seinen frühen Zeiten der postmodernen Smartness eines John Landis bei weitem nicht das Wasser reichen konnte. Stattdessen herrschte unbekümmerter Klamauk in angestaubten Kulissen.

Mit Slapstick durch den Universal-Fundus

Die großen Urahnen sind dabei ganz klar die US-Komiker Bud Abbott und Lou Costello, die sich in den 40ern durch eine ganze Reihe von Spoofs der klassischen Universal-Horrorfilme blödelten. Mit einer neuen DVD-Box bietet Koch Media nun die Möglichkeit, die Horrorkomödien der beiden kennenzulernen: Enthalten sind Abbott und Costello treffen Frankenstein, Abbott und Costello auf Sherlock Holmes’ Spuren, Abbott und Costello als Mumienräuber sowie der in Deutschland bislang kaum greifbare Abbott and Costello meet Dr. Jekyll and Mr. Hyde.

Die Horrorkomödie ‘erfanden’ die beiden quasi im Vorbeigehen: Ursprünglich lockerten sie als Komiker diverse Burlesque Shows auf, später arbeiteten sie im Radio und ab den frühen 40ern schließlich beim Film, wo sie ihren Mix aus Situationskomik und Slapstick schließlich verfeinerten. Erst 1948 trafen die beiden der Reihe nach auf die Monster der klassischen Universal-Horrorfilme: In Abbott und Costello treffen Frankenstein treffen sie nicht nur Bela Lugosi als Dracula (eine Reprise seiner ikonischsten Rolle und sein letzter Auftritt überhaupt in einem Studiofilm), sondern auch auf Lon Chaney Jr. in seiner Paraderolle als Werwolf. Nur auf Boris Karloff als Frankensteins Kreatur muss man hier verzichten: Den Part übernahm Glenn Strange. Als Trottel vom Dienst müssen die beiden nun, ausgerechnet unter Anleitung des Wolfsmenschen, Dracula davon abhalten, Dr. Frankensteins Experimente aufs Neue durchzuführen.

Ein Fest für Freunde der Hollywoodkomödie

Und das nun ist wirklich ein ganz großer Spaß – wenn man denn auf alte Hollywoodkomödien in Schwarzweiß steht! Zwar ist der Humor nicht ganz so absurd und delirant wie bei Groucho Marx und seinen Marx Brothers, doch mit ihrer herrlichen Freude an allerlei Beknacktheiten, die Bud Abbott und Lou Costello in den ansonsten absolut ernst gehaltenen Hollywood-Tonfall bringen, witzeln sich die beiden ganz wunderbar durch den Fundus des klassischen Universal-Horrorfilms: Spätestens wenn der Wolfsmensch im Badezimmer lauert und Bud Abbott nur durch gesteigerte Blödheit mit dem Leben davonkommt, ohne es auch nur zu merken, weiß man, dass der Film das Herz auf dem rechten Fleck hat.

Der Erfolg gab Bud Abbott und Lou Costello Recht: Es folgten weitere Horrorkomödien, mit denen Universal nochmal den in den frühen 30ern mit Dracula und Frankenstein etablierten und seitdem in zahlreichen Sequels zu Tode gerittenen Horror-Zyklus zum Preis der Persiflage und Ironisierung ordentlich melken konnten – und im Jekyll&Hyde-Spoof beehrt schließlich auch Boris Karloff mit einer tollen Performance als Dr. Jekyll die Filmreihe.

Schön an dieser Reihe ist, dass keiner der Filme sich einfach nur billig lustig über die ollen Grusler macht: Jeder der vier Filme ist inszenatorisch und tricktechnisch absolut wertig gemacht und eher als eine auf witzig gestrickte Hommage an die Klassiker zu verstehen.

Eine schicke Box

Rein äußerlich ist die von Koch Media veröffentlichte Box kein wirklicher Burner, doch wirft man mal einen Blick ins Innere stellt sich das rasch anders dar: Jede DVD steckt in einem schlichten, aber mit tollem nostalgischen Plakatmaterial gestalteten Digipack, was enorm schön anzusehen ist. Auch am Bonusmaterial hat man nicht gespart: Vor allem die DVD von Abbott und Costello treffen Frankenstein ist mit dem interessanten Audiokommentar des Filmhistorikers Gregory W. Mank und einer liebevoll gemachten Featurette/Hommage über/an die beiden Komiker ordentlich vollgepackt. Noch einen Audiokommentar findet man auf der DVD des Jekyll&Hyde-Films. Dazu gesellt sich auf jeder DVD eine Bildergalerie mit rarem Werbematerial zu den Filmen: Eine schöne Dreingabe, die man als nostalgischer Freund der hohen Kunst der klassischen Filmplakatgestaltung natürlich gerne mit dazu nimmt.

Machen wir’s kurz: An dieser Box ist für Freunde des klassischen Hollywoodkinos kein Vorbeikommen!

Jetzt seid ihr gefragt: Welche Horrorkomödien gefallen euch am besten? Und habt ihr ein Herz für angestaubte Schwarzweißkomödien aus dem klassischen Hollywood?

Die Box mit den vier Filmen ist bei Amazon für 38,99€ erhältlich.

Thomas Groh lebt in Berlin, arbeitet für die Programmvideothek Filmkunst im Roderich und schreibt über Filme, zum Beispiel für die Filmzeitschrift Splatting Image, die taz und das Onlinekulturmagazin Perlentaucher. Wenn er nicht gerade sein Blog aktualisiert, verfasst er wöchentliche DVD-Kolumnen für den moviepilot, in denen er Filme von etwas jenseits des Radars empfiehlt, zuletzt etwa die Trilogie des Lebens von Pasolini, als Osterfilm Falsches Spiel mit Roger Rabbit oder den Sargthriller Buried – Lebend begraben .

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