Bei Amazon Prime ist am 22. Dezember 2026 die Dinner for One-Vorgeschichte Miss Sophie – Same Procedure As Every Year erschienen. Die Serie erzählt als sehr unterhaltsames Krimi-Dinner von den Gästen, die zu Miss Sophies 90. Geburtstag später nur noch als Erinnerungen mit am Tisch sitzen. Am Ende der sechs Folgen wartet allerdings ein Fehler, der zur Stolperfalle für den Brückenschlag zwischen der Prequel-Serie und dem Silvester-Klassiker wird.
Achtung, ab hier folgen Spoiler für das Ende von Miss Sophie.
Ende gut, alles ... unlogisch? Mit diesem Fehler in Miss Sophie ergibt Dinner for One keinen Sinn mehr
In der Amazon-Serie Miss Sophie lädt die von Alicia von Rittberg gespielte Titelfigur mehrere wohlhabende Herren auf ihr Anwesen ein, um durch eine potenzielle Heirat ihren Besitz nicht zu verlieren. Nach vielem Hin und Her kann ihr Heim aber anderweitig gerettet werden und so fällt die Wahl weder auf den Kandidaten Sir Toby (Jacob Matschenz) noch Mr. Pommeroy (Moritz Bleibtreu), Admiral von Schneider (Christoph Schechinger) oder den ermordeten Mr. Winterbottom (Frederick Lau). Selbst der ebenfalls im Rennen befindliche Graf Szabos (Vladimir Korneev) geht leer aus.
Stattdessen kommt Miss Sophie mit ihrer alten Jugendliebe Butler James (Kostja Ullmann) zusammen und die zwei feiern am Ende von Folge 6 ihre Hochzeit. Doch genau in dieser Eheschließung liegt ein unübersehbarer Logikfehler für den weiteren Verlauf von Dinner for One.
Denn unverheiratete Frauen werden im englischen Sprache "Miss" genannt, verheiratete Damen hingegen als "Missus" angesprochen. Mit der Heirat in der Amazon-Serie müsste nun aber aus der titelgebenden Miss Sophie eine "Mrs. Sophie" werden. In Heinz Dunkhases 1963er-Silvesterfilm Dinner for One spricht Butler James das 90-jährige Geburtstagskind (May Warden) aber eindeutig als "Miss Sophie" an.
Amazons Miss Sophie kann die Mrs. Sophie vor Dinner for One nicht erklären
Selbst wenn wir in Betracht ziehen, dass James (Freddie Frinton) für das Dinner for One-Rollenspiel absichtlich in alte Zeiten zurückfällt, wo seine Herrin noch nicht verheiratet war, gibt es mehrere Momente, in denen der Diener sie nicht mit dem Titel einer Verheirateten anredet. Als er beispielsweise nachhakt, ob er als Admiral von Schneider-Imitator wirklich die Hacken zusammenschlagen müsse, fragt er: "Must I, Miss Sophie?" Ein stolzer Ehemann hätte seine Frau hier mindestens als Missus oder einfach beim Vornamen angesprochen.
Das am Ende von Dinner for One angedeutete Schlafzimmer-Stelldichein zwischen Sophie und James (treppaufwärts als "same prodecure as every year") passt vielleicht zur Amazon-Auslegung geheimer Eheleuten. Der Rest der Herrin-und-Diener-Beziehung erweist sich allerdings als grober Schnitzer, selbst wenn wir gnädig davon ausgehen wollen würden, dass das "Miss" in Wahrheit ein "Mizz" (Ms.) sein soll, das eine Frau neutral ohne Ehestatus bezeichnen kann.
Denn warum sollte James (ohne Zeugen im Zimmer) seine Frau derart neutral ansprechen? Und warum sollten alle einschlägigen Handlungsbeschreibungen und Rollennamen (wie bei der IMDb ) statt "Ms." versehentlich "Miss" geschrieben haben? Selbst eine Scheidung oder andere absurde Erklärungsversuche wie Mrs. Sophies Verwitwung (mit anschließender Anstellung eines Namensvetters ihres verstorbenen Butler-Gatten James als Diener) können das nicht wegerklären.
