Horror-Experte Lee Cronin, der Genre-Fans schon mit Filmen wie Evil Dead Rise begeistert hat, glänzt auch hier mit seinen Stärken. The Mummy verstört durch seine Atmosphäre und schockiert mit Ekelszenen, die manche nur schwer ertragen können. Aber leider fehlen frische Ideen, um die Mumien-Rückkehr zum Horror im Gedächtnis zu verankern.
Darum geht's im Horrorfilm Lee Cronin's The Mummy
The Mummy dreht sich um das Ehepaar Charlie (Jack Reynor) und Larissa (Laia Costa), deren Tochter Katie (älter: Natalie Grace / jung: Emily Mitchell) eines Tages aus dem Garten ihres Hauses in Kairo entführt wird. Verzweifelt wenden sie sich an die Polizei, doch von Katie fehlt jede Spur.
Schaut hier den Trailer zu Lee Cronin's The Mummy:
Acht Jahre später lebt das Ehepaar mit den Kindern Sebastián (Shylo Molina) und Maud (Billie Roy) im amerikanischen Albuquerque. Bei einem Picknick erreicht sie die schockierende Nachricht: Katie wurde in Ägypten gefunden – und zwar lebendig.
Doch Charlie und Larissa erkennen ihre Tochter kaum wieder, als sie sie im Krankenhaus zu Gesicht bekommen. Das junge Mädchen ist schwer katatonisch, überzogen von Schrammen und Wunden. Ihre Haare sind verfilzt, sie ist zutiefst abgemagert, ihre Haut ist ledrig und ihre Nägel lang. Etwas oder jemand scheint ihr unschuldiges Gesicht brutal deformiert zu haben.
Verunsichert holen die Eltern Katie nach Hause zu Larissas Mutter Carmen (Veronica Falcón). Mehr und mehr zeigt sich aber, dass Katie nicht heilt, sondern auf der Suche nach Opfern ist.
Lee Cronin's The Mummy schockiert mit wirklich widerlichem Horror
Fans von Brendan Frasers Die Mumie-Filmen mögen es vielleicht nicht gerne hören, aber Lee Cronin's The Mummy ist ein echter Horrorfilm. Liebhaber:innen von Evil Dead Rise kommen voll auf ihre Kosten.
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Denn Cronin schafft es auch hier dank Maske, Kostüm und Szenenbild, eine unangenehme Atmosphäre zu schaffen, in der man auf die nächste Eskalation wartet. Die Eskalation ist es, um die die Handlung rotiert: Hier werden Figuren von Wölfen zerrissen, Leichenteile verspeist, Köpfe bis zum Blut gegen Bettpfosten geschlagen, Haut abgezogen und ganze Zahnreihen mit grinsendem Gesicht auf den Boden gespuckt.
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Die allermeisten werden bei solchen Szenen, die manchmal völlig aus dem Nichts kommen, das Gesicht verziehen – sie sind wirklich schmerzhaft anzusehen, und das ist der größte Reiz des Horrorfilms.
Wenn The Mummy funktioniert, ruht die Verantwortung oft auf den Schultern der Schauspieler:innen, von denen gerade die junge Natalie Grace eine beeindruckende Leistung abliefert. Und der Bildsprache, die mit einigen einfallsreichen Details beeindruckt. Dazu gehören etwa eine halbvergrabene, schwarze Pyramide und gruselige Fetzen der in den 2000er Jahren beliebten Found-Footage-Ästhetik à la Paranormal Activity und Blair Witch Project.
Das große The Mummy-Problem ist eine Handlung, die keinen Horror-Fan überrascht
Dramaturgisch wird The Mummy leider niemanden überraschen: Die Handlung besteht zu großen Teilen aus altbekannten Mechanismen, die Horror-Fans aus Filmen wie Der Exorzist, Ring oder Sinister bekannt sein werden. Charlie und Larissa versuchen, hinter Katies Geheimnis zu gelangen, während deren Präsenz im Haus ihre Familie auseinanderzureißen droht. Und jeder ihrer Schritte wirkt dabei, als habe man ihn bereits in größeren Vertretern des Genres gesehen.
Was übrigbleibt, ist das potenziell fruchtbare Thema des Familienkonflikts: Kann das Ehepaar das Trauma der Kindesentführung überwinden? Katies gebrochener Körper ist gewissermaßen das fleischgewordene Symbol ihrer Schuldgefühle. Wird ihre Rückkehr die Familie heilen – oder zerstören?
Dieser Meta-Aspekt der Handlung ist aber in The Mummy geradezu unterbetont. Vielleicht wollte Cronin vermeiden, einen weiteren heuchlerischen Elevated-Horror-Streifen in die Welt zu setzen, der billige Metaphern vorschiebt, um am Ende doch nur die Lust am Ekel zu befriedigen. Richtig so. Aber komplexere Figuren und mehr Mut in der Familiendynamik hätten den Film spannender gemacht. Stattdessen verläuft ab Katies Rückkehr ins Haus alles in einer Eskalationsroutine ab, die viele Fans von Weitem kommen sehen werden.
Am Ende bleibt die Erkenntnis, wie gut Die Mumie als Horrorgestalt noch immer funktioniert, allen Orientalismus-Abenteuern von Fraser und Weisz zum Trotz. Und wie gut Lee Cronin sich auf Ekel-Horror versteht. Falls ein Sequel folgt, muss es aber mutiger und innovativer sein. Denn wenn das Franchise, das seit Die Mumie von 1932 besteht, eines nicht braucht, ist es die Wiederholung.
Lee Cronin’s The Mummy läuft seit heute, dem 16. April 2026, im Kino.