E-Sport mit Geschlechtertrennung

Darum dürfen Frauen nicht Hearthstone spielen

Hearthstone
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In Finnland steigt in Kürze ein nationales Qualifikationsturnier für die diesjährigen E-Sports World Championships. Das an sich ist zwar durchaus spannend, aber noch keine Meldung wert. Doch der Teufel steckt wie so oft im Detail: In der offiziellen Ankündigung zum Vorrunden-Turnier in der Disziplin von Blizzards virtuellem Kartenspiel Hearthstone lässt sich folgender Satz finden: “Die Teilnahme steht nur männlichen finnischen Spielern offen”. Auf gezielte Nachfrage von PC Gamer bestätigten die nordischen Veranstalter diesem Umstand. Markus Koskivirta, seines Zeichens Head Admin des nationalen Turniers, betonte, dass diese Einschränkung den Regularien des internationalen Veranstalters, der International E-Sports Federation, zu verdanken sei. Für das international ausgelegte Finale des E-Sport-Wettkampfes sieht die IeSf lediglich ein Hearthstone-Turnier für männliche Gamer vor.

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Die gesamte Auflistung der Disziplinen für die mittlerweile sechsten World Championships, die im November 2014 in Azerbaijan stattfinden, lautet wie folgt:

Wettbewerbe der Männer: Dota 2, Starcraft 2, Hearthstone, Ultra Street Fighter IV
Wettbewerbe der Frauen: Starcraft 2, Tekken Tag Tournament 2

Mit diesen Bestimmungen wirkt es, als würden die Veranstalter professionellen Spielern beider Geschlechter vorschreiben wollen, welche Spiele für Mann oder eben Frau sind. Während weibliche Hearthstone-Spieler in die Röhre blicken, werden gleichermaßen auch männliche Tekken-Spieler von Turnier ausgeschlossen. Die IeSF begründet die Trennung nach Geschlecht auf der eigenen Facebook-Seite mit folgenden Worten: “Die Entscheidung, die Wettbewerbe für männliche und weibliche Spieler und Spielerinnen zu trennen, trägt den internationalen Vorgaben im Sport Rechnung und ist ein Teil unserer Bemühungen, den E-Sports als ernstzunehmende und anerkannte Sportart zu fördern.”

Ist eine solche Argumentation überhaupt stichhaltig? Während bei Sportarten mit physischem Anspruch geschlechterspezifische Unterschiede in Sachen Kondition und Leistungsfähigkeit eine Trennung fast zwingend nötig machen, fällt das bei virtuellen E-Sport-Disziplinen weg. So würde es zumindest der Einsatz des gesunden Menschenverstandes vorschreiben. Genau so ist es auch bei Hearthstone. Betrachten wir das Spiel per se, lassen sich keine Gründe in Gameplay, Strategie oder irgendeinem mit dem Titel an sich verbundenen Aspekt finden, die eine Trennung nötig machen.

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In anderen virtuellen Disziplinen sind gemischte Ligen längst normal. Der Anteil an professionellen Spielerinnen quer durch die Game-Bank ist aber immer noch sehr gering. Beispiele wie Sascha Hostyn aka “Scarlett”, die beachtliche Erfolge in der StarCraft 2 vorweisen kann, zeigen jedoch, dass auch ohne Y-Chromosom eine erfolgreiche E-Sport-Karriere und das Mithalten mit männlichen Konkurrenten möglich ist. Auch die Riege der Zuschauer besteht längst nicht mehr nur aus spielbegeisterten Männern. Im Laufe des letzten Jahres verdoppelte sich der Anteil weiblicher Zuschauer von 15 auf 30 Prozent.

Warum also sollte die International E-Sports Federation weibliche Spielerinnen und männlicher Spieler gleichermaßen von einem Turnier ausschließen wollen? Einen vernünftigen Grund gibt es schlicht nicht.

Was haltet ihr von der seltsamen Geschlechtertrennung?

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Hier schreibt Gamespilotin Amélie, viel Spaß beim Lesen! ;)
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