Ein trauriger Jacob Elordi probt im Flugzeug seinen Suizid, Josh Brolin schlachtet Zombiehorden als alter Soldat und zwischendrin verstört ein Fallout-artiger Fiebertraum, in dem Margaret Qualley zwangsverheiratet werden soll: Das Ende der Sterne von Meisterregisseur Ridley Scott (Alien, Blade Runner), fühlt sich an wie die seichte Version von The Last of Us. Das Ergebnis ist nicht perfekt, aber gut.
The Last of Us als Trauerspiel: Darum geht's in Das Ende der Sterne
Das Ende der Sterne verfilmt Peter Hellers Endzeit-Roman The Dog Stars (deutscher Titel: Das Ende der Sterne wie Big Hig sie kannte). Eine Pandemie hat den Großteil der Menschheit dahingerafft und wilde, zombieähnliche Gruppen durchstreifen mordend das Land.
Schaut hier den Trailer zu Das Ende der Sterne:
Der Ingenieur und Pilot Hig (Jacob Elordi) lebt mit dem alten Ex-Marine Bangley (Josh Brolin) auf einem versteckten Flugfeld in den Bergen Colorados. Hig trauert um seine tote Frau und denkt an Suizid, während er in seiner einmotorigen Cessna über dem gigantischen Panorama der Berge schwebt. Bangley, misstrauisch und menschenscheu, erschießt Eindringlinge sofort.
Als er einem Funksignal in der Nähe der Stadt Grand Junction nachgeht, muss Hig notlanden. Er trifft auf den mürrischen Bauern Pops (Guy Pearce) und seine Tochter Cima (Margaret Qualley). Bald schon drohen alle drei, ihr Leben zu verlieren.
Wie gut ist Das Ende der Sterne?
Kritiker:innen hassen diesen Film: Das könnte man zumindest mit Blick auf Rotten Tomatoes denken, wo Das Ende der Sterne mäßige 39 Prozent kassiert. "Ein Blockbuster mit überraschend wenig Energie und Action", schreibt etwa Guy Lodge von Variety . "Man wüsste seinen entspannten, figurenorientierten Ansatz zu schätzen, wenn er einem echte Figuren böte."
Tatsächlich hat Das Ende der Sterne wenig mit den bekannten Größen des Endzeitgenres gemein. Scotts neuer Film besitzt nicht den Bombast von World War Z, den Horror von The Walking Dead oder den satirischen Ton der Mad Max-Reihe. Beinahe könnte man vergessen, dass es sich technisch gesehen um apokalyptische Sci-Fi handelt. Zwei Drittel seiner Bilder gleichen einer Naturdoku, durch die aus unerfindlichen Gründen ein bedrückter Jacob Elordi schlurft.
Die erste Stärke des Films sind seine in den Abruzzen und Dolomiten gedrehten Aufnahmen einer geradezu monströs schönen Landschaft. Sie ist mehr als nur Beiwerk. In ihr drückt sich die Melancholie dieser Apokalypse aus: Den Menschen rafft eine Krankheit dahin, doch die gigantischen Felswände zucken im Rundgang der Äonen nur die Schultern.
Und auch auf die Gefahr hin, einem Kollegen zu widersprechen: Brolin und Pearce holen aus ihren Figuren die knorrigsten alten Männer hervor, die sich denken lassen. An ihnen kann man sich kaum sattsehen. Elordi dagegen liefert zugegebenermaßen wenig Einblick in die Trauer seiner Figur. Aber ähnlich wie Clint Eastwood auf seinem Zenit fungiert er als eine Art marmorne Ikone – ein gut aussehender, schweigsamer Held, der nichts weiter tun muss, als sympathisch zu sein.
Stärke und Makel zugleich ist das Worldbuilding des Films: Einerseits halten die Mysterien über finstere neue Plünderergruppen, unentdeckte Utopien in den Bergen und die Natur der Pandemie die Story am Laufen. Andererseits lässt Scott diese Fäden oft genug aus der Hand gleiten, ohne viel mit ihnen anzustellen.
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Die Fallout-Szene wirkt lieblos in den Film gequetscht
Besonders schwer fällt dabei eine skurrile Sequenz ins Gewicht, die im Tonfall an die Fallout-Serie erinnert. Plötzlich regieren Uniformen aus den 50er Jahren und der Wahn einer Bunkermentalität, die auf dem Vulkan tanzt. Ein ganzer Ort scheint dort aus der Zeit gefallen zu sein. Zu viel soll nicht verraten werden. Scott eröffnet plötzlich eine Gegenwelt in völlig neuen Bildern und Ideen, die aber derart hektisch heruntergeleiert werden, dass ihre ganze Existenz erzwungen wirkt.
Am Ende bleibt eine der melancholischsten Apokalypsen seit langem, die vielen The Last of Us-Fans in Sachen Stimmung gefallen könnte. Das Ende der Sterne ist eher ein entspannter Abenteuerfilm als adrenalingetriebener Endzeit-Horror. Und kann trotzdem über zwei Stunden gut unterhalten.
Das Ende der Sterne läuft seit dem 27. August in den deutschen Kinos.
