Für viele ist er nur der Boyfriend von Dua Lipa. Für Filmfans könnte er aber bald eine ganz andere Rolle einnehmen: Callum Turner (Eternity, Masters of the Air) gilt als großer Favorit für die Hauptrolle im nächsten James Bond-Film. Laut Insidern soll er längst den Doppelnullstatus erhalten haben. Bei der Pressekonferenz zu seinem neuen Film Rosebush Pruning weicht er der Frage auf der Berlinale jedoch aus.
Kein Wunder: Sicherlich wird Turner ein solches Mega-Casting nicht einfach beiläufig verraten, wenn an dem Gerücht überhaupt etwas dran ist. Dass trotzdem weiterhin alle Blicke auf ihn gerichtet sind, liegt daran, dass er in Rosebush Pruning eine geradezu hypnotisierende Figur zum Leben erweckt, die aus einer furchtbaren Familie stammt. Und wenn wir ehrlich sind, ist es der von ihm gespielte Ed ebenfalls.
In Rosebush Pruning stellt uns der Bond-Favorit Callum Turner seine furchtbare Filmfamilie vor
In der Sonne Kataloniens lernen wir Ed kennen. Er interessiert sich vor allem für zwei Dinge: Musik und Mode. Musik, wenn sie mit dröhnendem Bass durch die Gegend schallt. Mode, wenn er mit ihr protzen kann. Nach dem Tod seiner Mutter (Pamela Anderson) haben er und seine Geschwister Millionen geerbt. Doch das hat sie nicht zu oberflächlichen Menschen gemacht – das waren sie schon immer, wie Ed erklärt.
Als Erzähler besitzt er ein großes Bewusstsein für die eigene Person. Er beschönigt nichts und gefällt sich trotzdem, wenn er den Niedergang seiner Familie als Podcast einspricht. Vermutlich wäre er gerne Der talentierte Mr. Ripley, wenn er vor traumhaft schöner Urlaubskulisse seinen Liebsten nachspioniert. Vielleicht sehnt er sich aber auch nach einem Geschwisterkrieg à la Succession bei 30 Grad im Schatten.
Anna (Riley Keough) und Robert (Lukas Gage) sind genauso unerträglich wie Ed. Auch der blinde Vater der Familie (Tracy Letts) suhlt sich in Bodenlosigkeit. Nur Jack (Jamie Bell), der dritte Bruder im Bunde, scheint anders – vielleicht sogar normal – zu sein. Okay, streichen wir normal. Das ist in dieser Familie niemand. Aber zumindest hat Jack eine Freundin, die ihn aus dem Clan herauszieht: Martha (Elle Fanning).
Hat es Martha heimlich auf Jacks Reichtum abgesehen oder existiert in dieser Welt tatsächlich so etwas wie wahre Liebe? Rosebush Pruning lässt eigentlich keinen Zweifel daran, dass jede Figur des rund eineinhalbstündigen Ensemblestücks etwas Verdorbenes in sich trägt, egal wie unschuldig die Sommersprossen auf Elle Fannings Wangen strahlen. Irgendwann nimmt auch ihr Blick unheimliche Züge an.
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Rosebush Pruning bleibt auf der Oberfläche seiner Figuren kleben, weil sich darunter nichts befindet
Basierend auf dem satirischem Filmdrama Mit der Faust in der Tasche von Marco Bellocchio hat sich Drehbuchautor Efthimis Filippou einen garstigen Thriller ausgedacht, der von Regisseur Karim Ainouz in satten Farben zum Leben erweckt wird. Genauso wie zuletzt in Motel Destino fühlt sich Rosebush Pruning an, als könne man den Sommer von der Leinwand kratzen, so saftig und voll sind die Rot-, Gelb- und Grüntöne.
Durch die intensiven Farben entsteht aus der vermeintlich unbeschwerten Atmosphäre des anfänglichen Schlenderns ein visuelles Spannungsverhältnis, das durch die Handlungen der Figuren gesteigert wird. Schon am Esstisch necken sich die Geschwister – allerdings nicht liebevoll, sondern mit feindseligem Unterton. Die Familiendynamik gleicht einem toxischen Hin und Her, um herauszufinden, wo die Grenzen sind.
Das hört sich bissig und unterhaltsam an. Rosebush Pruning verläuft sich aber schnell in den Möglichkeiten seiner ausgestellten Perversionen und leistet wenig, um eine tiefere Ebene zu offenbaren. Es ist eine Sache, die Oberflächlichkeit der Figuren auszustellen. Wenn der Film dahinter jedoch genauso flüchtig bleibt, können sich selbst 94 Minuten erschreckend lang anfühlen, gerade bei einer solchen Schockredundanz.
Von Filippou hätte man ein klügeres Drehbuch erwarten können. Als Co-Autor von Yorgos Lanthimos ist er durch ähnliche, aber viel konzentriertere und schärfere Filme wie Dogtooth, The Lobster und The Killing of a Sacred Deer zu einer unverkennbaren Stimme im Weltkino geworden. Rosebush Pruning gefällt sich dagegen zu sehr in seiner Provokation und stolpert im Finale mit seinen Figuren über die Klippe.
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Egal wie verführerisch Callum Turner spielt: Rosebush Pruning ist viel zu dünn und reibungslos
Callum Turner gibt uns dennoch Anlass zu glauben, dass hier etwas Geheimnisvolles im Gange ist, womöglich sogar etwas Profundes. Und dass sein Ed mehr Gedanken als die offensichtlichen beizutragen hat. Immer wieder setzt seine Stimme verführerisch aus dem Off ein und lockt uns in die knisternde Farbwelt, die durch ihre klaren Kontraste zwischen Machtspielen und Missbrauch einen Abgrund nach dem anderen offenbart.
Irgendwann muss sich aber auch Turner eingestehen, dass es eigentlich nichts zu entlarven gibt. Die zwei, drei Wendungen des Drehbuchs werden mechanisch abgehandelt, sodass sich eine Geschichte, die von Anfang an recht durchschaubar wirkt, erst recht wie eine Routine anfühlt, die um Erlösung aus ihrem Kreislauf bettelt. In seinem Bemühen, immer extremer zu werden, wiederholt sich der Film.
Rosebush Pruning starrt gierig auf das Skandalöse, auf das Obszöne und vergisst dabei, warum wir Tom Ripley und den Succession-Geschwistern gebannt folgen, wenn sie ihre Intrigen vorantreiben. Keine Reibung, keine Ambivalenzen. Ein Eat-the-Rich-Film, der so leergefegt ist von jeglichem Widerstand, dass sich selbst der Moment, wenn sich die Reichen gegenseitig verschlingen, wie eine pure Abhandlung anfühlt.
Rosebush Pruning hat im Rahmen des Wettbewerbs der Berlinale 2026 seine Premiere gefeiert. Bisher hat der Film noch keinen deutschen Kinostart.
