Schafe sind ziemlich dämliche Tiere und eigentlich nur für Strickpullis gut, richtig? Falsch! 2005 stellte die deutsche Autorin Leonie Swann mit ihrem Debütroman Glennkill die Krimi- und Schafswelt durch ermittelnde Herdentiere auf den Kopf und landete einen Bestseller. Zwanzig Jahre später wurde ihr Buch als Glennkill: Ein Schafskrimi verfilmt und ich verrate euch als passionierte Schafsleserin spoilerfrei, ob sich der Kinobesuch für Romanfans und Neulinge gleichermaßen lohnt.
In Glennkill untersuchen putzige Detektive den Mord an ihrem Schäfer Hugh Jackman
George Hardy (Hugh Jackman) liebt seine Schafe über alles. Auf der saftig grünen Wiese vor seinem Schäferwagen haben sie immer genug Futter, schlucken seine Medizin, um gesund zu bleiben, und bekommen am Abend sogar Krimis vorgelesen. Doch eines Tages liegt der Schäfer tot auf der Weide und seiner Herde wird klar: Es kann nur Mord gewesen sein!
Lily, das klügste Schaf der Welt, und der rundliche Mopple, der anders als die meisten Schafe nichts vergisst, leiten die Ermittlungen ein. Hatte Georges unbekannte Tochter Rebecca (Molly Gordon) etwas mit seinem plötzlichen Ableben zu tun? Oder doch der grundsätzlich verdächtige Metzger? Während Polizei (Nicholas Braun) und Journalisten (Nicholas Galitzine) im Dunkeln tappen, finden die Schafe eine Spur, die den Fall mit ganz viel Wollensstärke doch noch aufklären könnte.
Schaut hier den Trailer zu Glennkill:
"Mäh, ihr Schafe!", feuerte schon Ein Schweinchen namens Babe die allzu häufig ignorierten Nutztiere an. Nun blökt auch der MGM-Löwe im Filmvorspann in meckernder Tonlage und gibt damit die komödiantische Marschrichtung vor. Was der clevere Shaun, das Schaf losgetreten hat, verfolgen die Schafe von Glennkill jetzt weiter: Sie lassen sich nicht länger mit dem Image dummer Wiederkäuer abspeisen, sondern wiederkäuen stattdessen Indizienbeweise so lange, bis sie auf die Lösung kommen.
Die Freude am Schäferdasein, die Filme wie Sture Böcke oder Besser wird's nicht bereits auf die Leinwand bannten, nistet auch im dichten Pelz der sympathischen Glennkill-Graser. Synchronerfahren führen Anke Engelke und Bastian Pastewka die Herde als Lily und Mopple an. Auch wenn die Schafe animiert sind, übertreibt die Verfilmung es zum Glück nicht mit der menschlichen Mimik auf den langen Gesichtern. Entsprechend dürfen die "freundlichsten Geschöpfe der Erde" niedlich, aber nicht übertrieben ausdrucksstark daherkommen, wenn sie Spuren suchen. Buch-Fans wie ich sollten sich allerdings auf größere Änderungen der Vorlage einstellen.
Selbst Lesende wird die Glennkill-Adaption überraschen
Wer Craig Mazin vor allem als Schöpfer der Serien Chernobyl und The Last of Us kennt, dürfte über den Namen des Drehbuchautors von Glennkill zunächst überrascht stolpern. Doch mit Filmen wie Scary Movie 3 und Hangover 2 floss vorher schon so manche Komödie aus seiner Feder. Mit Glennkill kehrt er in Comedy-Gefilde zurück. Mitproduziert von Phil Lord und Christopher Miller (die gerade mit Der Astronaut Kinoerfolge feiern), ist der Film von Minions-Regisseur Kyle Balda damit waschechtes Hollywoodkino mit Stars wie Hugh Jackman und Emma Thompson geworden. Mit allen Vor- und Nachteilen, die das (von der erfreulichen Reichweite einer deutschen Bestsellervorlage bis zu glattgebügelten Eigenheiten) mit sich bringt.
Es bleibt unklar, ob wir am fiktiven Handlungsort Denbrook noch vorlagengetreu in Irland oder in England (oder ganz woanders) ansässig sind. Leichtfüßig, Verzeihung: leichthufig, galoppiert die Geschichte durch ihre Handlung. Immer wieder sorgen die Krimischafe für herzliche Lacher, wenn sie nach dem Bis-Drei-Zählen unangenehme Dinge auf Wunsch vergessen können oder Gott nicht verstehen ("Er ist ein Lamm, aber unsichtbar und auch Brot?").
Vermutlich um die familienfreundliche Altersfreigabe FSK 6 zu erhalten, hat die Umsetzung auf den Spaten in der Brust des Schäfers verzichtet und auch alle Drogeneskapaden des Romans weggelassen. Entsprechend erhält die Verfilmung selbst für Lesende ein völlig neues Mysterium. Dessen Enthüllung ist nicht das Kreativste, was die Krimiwelt je gesehen hat, doch da die Schafe sich ihre Deduktionsfähigkeiten durch die Lektüre anderer Whodunnits erarbeitet haben, ergibt es durchaus Sinn, dass die Lösung sich aus bekannten Klischees zusammensetzt ("Es gibt immer noch ein zweites Testament!").
Als Fan der Vorlagen-Trilogie Glennkill* , Garou* und (frisch erschienen) Widdersehen* vermisse ich in der Glennkill-Adaption vor allem Leonie Swanns wollige Wortwitze und starke Charakterzeichnung, die sich allein in den Dialogen des Films längst nicht so gut niederschlagen wie auf dem Papier. Die kreative Grundidee der Detektivschafe überzeugt in abgespeckter Form aber trotzdem.
Von Schafen und Menschen: Sogar Tiefsinn findet sich in Glennkills Wolle
Dass Miss Maple und Othello jetzt (aus Copyright-Gründen?) Lily und Sebastian heißen, kann ich noch verschmerzen. Dass der Film der Schafsperspektive nicht immer ganz vertraut, ist hingegen schade. So wechseln wir immer wieder auch zu menschlichen Protagonisten, die sich am Schäfermord den Kopf zerbrechen. Dabei war der distanzierte Schafsblick auf die Skurrilität des Menschseins stets die größte Stärke im Roman Glennkill.
Was nicht heißen soll, dass der menschliche Cast nicht exzellent besetzt wäre. Wer würde nicht von Hugh Jackman per Flasche großgezogen werden wollen, egal wie blau die Medizin ist? Game of Thrones-Star Conleth Hill als profitorientierter Metzger und Emma Thompson als abgebrühte Anwältin passen ebenso gut ins Bild. Besonderes Lob verdient außerdem Succession-Darsteller Nicholas Braun als Anti-Sherlock-Holmes, der mit seiner erfreulichen Beschränktheit die Schafsintelligenz strahlen lässt.
Bei so viel menschlichem und wolligem Personal kommen in 109 Minuten Laufzeit notgedrungen einige (wichtige Buch-)Figuren wie Beth (Hong Chau) zu kurz. Dafür hält der Glennkill-Film, versteckt in seinem Comedy-Pelz, überraschend tiefsinnige Gedanken bereit, etwa wenn es ums Vergessen und Erinnern geht. Denn natürlich wäre so manches Leben glücklicher, wenn man Tragödien einfach aus dem Gedächtnis streichen könnte. Trotz lämmerhafter Freudensprünge hinterfragt die Krimikomödie ernsthaft das Dasein als Außenseiter. Erst so gewinnt das sorglose Wiesenleben an Bedeutung.
Dank dieser Mischung bleiben mögliche Täter interessant, die wolligen Hauptfiguren aber noch interessanter. Als charmanter Tierkrimi mit hinreißendem Personal holt Glennkill das Schaf aus der Klischeesenke und macht es endlich zum verdienten Helden. Davon gerne mähhhr.
Weitere Kinotipps:
-
Neuer Fantasyfilm belebt ab sofort 80 Jahre alte Buchvorlage neu
- Spaß beim Morden in neuem Serienkiller-Thriller mit Glen Powell
- Lohnt sich Der Teufel trägt Prada 2 im Kino?
Glennkill: Ein Schafskrimi startet am 14. Mai 2026 in den deutschen Kinos.
*Bei den Links zum Angebot von Amazon handelt es sich um sogenannte Affiliate-Links. Bei einem Kauf über diese Links erhalten wir eine Provision.
