Die aktuell beste Yellowstone-Serie ist offiziell gar keine, aber das ist mir völlig egal

05.04.2026 - 10:31 UhrVor 4 Tagen aktualisiert
The Madison ist der beste Yellowstone-Ersatz
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The Madison ist der beste Yellowstone-Ersatz
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Als Yellowstone-Fan habe ich gespannt auf die Fortsetzung des Western-Universums gewartet. Doch nun entpuppt sich ausgerechnet The Madison als mein bester Dutton-Ersatz.

Als Yellowstone vor anderthalb Jahren sein Serienfinale erlebte, fühlte sich das für mich wie ein Ende und ein Anfang zugleich an. Die Mutterserie, die 2018 mit Kevin Costner gestartet war, endete nach fünf Staffeln. Aber das Dutton-Universum war längst mit den Prequels 1883 und 1923 über die Grenzen einer einzigen Serie hinausgewachsen.

Kurz darauf kündigte Paramount mehrere Fortsetzungen an. Jetzt, im Jahr 2026, erfahren passionierte Dutton-Follower wie ich in gleich mehreren Serien, wie es für einzelne Mitglieder der Familie aus Montana weitergeht. Nach dem fast gleichzeitigen Start von Marshals: A Yellowstone Story und The Madison bei Paramount+ diesen März entpuppt sich aber ausgerechnet die von den Duttons losgesagte Serie als diejenige, die intensivste Yellowstone-Gefühle in meinem Fan-Herzen wachruft.

Ich will das Yellowstone-Gefühl zurück – und finde es ausgerechnet in The Madison

Marshals: A Yellowstone Story erzählt die Geschichte des jüngsten Dutton-Sohns Kayce (Luke Grimes) weiter, der für seinen Neuanfang einer Spezialeinheit beitritt, um böse Buben durch die Steppe zu hetzen. The Madison hingegen schickt die New Yorker Familie von Stacy Clyburn (Michelle Pfeiffer) nach einem großen Verlust zur Trauerarbeit in die Natur des Madison River Valley. Die erste Serie ist ein Action-Krimi, die zweite ein Drama. Doch wie kommt es, dass ich als eingefleischter Yellowstone-Fan plötzlich lieber den Montana-Neulingen zusehe, als mit Kayce auf die Pirsch zu gehen?

Schaut hier den Trailer zu The Madison

The Madison - S01 Trailer (Deutsch) HD
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Um eine Antwort darauf zu finden, muss ich meine Begeisterung für die Mutterserie und ihre Prequels genauer ausloten. Gründe, warum Yellowstone eine herausragende Serie ist, finde ich viele. Neben den schönen Landschaften, die mir auf der Mattscheibe etwas von "Freiheit!" zuraunen, gehören die bitterbösen Intrigen ebenso dazu wie der gelungene Spagat zwischen Moderne und Tradition. Nur hier können Cowboys glaubhaft vom Pferderücken in den Helikopter überwechseln.

Während Marshals mir seit fünf Folgen als NCIS Yellowstone unter der Leitung von Serienschöpfer Spencer Hudnut (SEAL Team) Bombenexplosionen, Kindesentführungen und Menschenhandel auftischt und dabei nur selten Zeit für den trauernden Kayce und seinen Sohn findet, ist die Michelle-Pfeiffer-Serie der komplette Gegenentwurf dazu: ein ruhiger Blick ins Innere. Anders als Yellowstone besitzt The Madison keine Verschwörungen, Landstreitigkeiten oder Morde.

Denn in The Madison – von dem anfänglichen Flugzeugabsturz einmal abgesehen – passiert objektiv betrachtet nicht viel. Matriarchin Stacy kommt mit ihren Töchtern Abigail (Beau Garrett) und Paige (Elle Chapman) sowie Schwiegersohn Russell (Patrick J. Adams) und den Enkelinnen Bridgett und Macy (Amiah Miller und Alaina Pollack) nach Montana und reist erst sechs Folgen später wieder ab. Wenn vor Ort etwas "passiert", dann in Form von Bienenstichen auf dem Plumpsklo (nein, das ist keine Metapher). – Und das ist gut so. Weil der Fokus dadurch auf Yellowstones in Wahrheit größter Stärke liegt: auf den Charakteren. Diese erzählt Yellowstones Serienschöpfer wie kein Zweiter.

Kann nur Taylor Sheridan "mein" Yellowstone erschaffen?

Somit lässt sich meine in The Madison wiederentdeckte Yellowstone-Liebe wohl auf einen einzigen Namen herunterbrechen: Taylor Sheridan. Der Yellowstone-Papa verzichtet bei seinen Serien bekanntermaßen auf die üblichen "Writers' Rooms", worin mehrere Drehbuchautor:innen die Geschichte gemeinsam entwerfen. Im Guten (eigene Handschrift) wie im Schlechten (womöglich längere Produktionszeiten). Gegenüber dem Hollywood Reporter  brachte Sheridan seine Serienansichten schon 2023 auf den Punkt:
Meine Geschichten haben eine sehr einfache Handlung, die von den Charakteren getragen wird, anstatt dass die Charaktere von der Handlung getrieben werden – also das genaue Gegenteil dessen, wie Fernsehen normalerweise konzipiert ist. Ich interessiere mich wirklich für die Abgründe der Beziehungen, in buchstäblich jeder Szene.

Nach dem ganzen Kevin Costner-Streit in der letzten Yellowstone-Staffel fühlte ich mich wie ein Scheidungskind und weiß ehrlich gesagt nicht, ob ich Taylor Sheridan als Mensch mögen würde, wenn ich ihm jemals gegenüberstünde. Aber was ich schon seit Sicario an seinen Drehbüchern bewundere, sind seine eindrücklichen Amerika-Geschichten, die es schaffen, verfeindete Lager auf und vor dem Bildschirm zusammenzuführen. Er versteht es, zu "zeigen statt zu sagen". Doch selbst wenn seine schnörkellosen Charaktere häufig wortkarg daherkommen, schimmert stets ein Innenleben durch. Gewaltausbrüche sind häufig Bestandteil davon, aber längst nicht der Kern seiner langsam hochgeschaukelten Erzählungen.

Der Kern sind die Figuren. Egal, ob ich sie liebe oder hasse: Ich habe intensive Gefühle für jeden einzelnen Charakter, der stur, nachvollziehbar oder grenzüberschreitend auftritt. "Als ich die Schauspielerei aufgegeben habe, entschied ich, meine Geschichten auf meine Art zu erzählen [...] und keine Kompromisse mehr zu machen", erklärt Taylor Sheridan. Im Zuge dieser Kompromisslosigkeit kehrt er Yellowstones Heimatsender Paramount zugunsten von NBC ab 2028 den Rücken (siehe THR ). Es bleibt aber auch ein Rezept, das in kompromisslos figurengetriebenen Serien wie The Madison fantastisch aufgeht. Man nehme eine (wohlhabende) Familie und setze sie in eine der schönsten Landschaften Amerikas und durchleuchte sie bis zur letzten Herzfaser. Fertig ist das Yellowstone-Gefühl.

Es ist nicht schlimm, dass The Madison keine "echte" Yellowstone-Serie sein darf

The Madison hat einen langen Produktionsweg hinter sich. Ursprünglich wurde die Serie, wie schon die anderen Yellowstone-Spin-offs, mit einer simplen Jahreszahl im Titel angekündigt: als 2024. Dann verzögerte sich alles, Matthew McConaughey kam doch nicht als Darsteller an Bord und obwohl die Dreharbeiten für Staffel 1 schon seit zwei Sommern abgeschlossen sind, kam die Serie erst jetzt. Kurz vor dem Start stellte der Streamer Paramount außerdem noch überraschend klar, dass The Madison keine Yellowstone-Anbindung hat – wir uns Dutton-Figuren, die von einer Serie in die andere überwechseln, also vorerst abschminken sollten.

Nur muss ein Kuchen notwendigerweise von der richtigen Marke sein, um zu schmecken? Finde ich nicht, solange die Zutaten stimmen und der Koch Taylor Sheridan heißt. Auch ohne Yellowstone im Titel angelt sich The Madison wieder große Stars als Zugpferde (Michelle Pfeiffer und Kurt Russell lösen Kevin Costner, Harrison Ford und Helen Mirren ab). Wenn die Familie streitet, weint und liebt, schließe ich sie mit all ihren Fehlern ins Herz.

Eigentlich sind die zugezogenen Großstädter (mit für Sheridan überraschend hoher Frauenquote) alles, was Yellowstone in fünf Staffeln angeprangert hat: Touristen, die mit ihrem Unwissen die Idylle zerstören ... solange sie sich nicht von den Reizen der Natur einnehmen lassen und sie dann schützen wollen. Am Ufer eines malerischen Flusses gehe ich mit den Clyburns gern auf Seelentauchgänge, die überraschend tiefsinnige Lektionen zu Trauer und Verlust bereithalten.

In Taylor Sheridans anderen Nicht-Yellowstone-Serien Tulsa King, Lioness und Landman tat ich mich an der Seite von Gangstern, Soldatinnen und Ölbaronen schwerer, nach Staffel 1 zurückzukehren. Doch The Madison hat genug lichtdurchflutete Natur und Western-Flair, um als würdiger Nachfolger erneut den Dutton-Nerv zu treffen: diese tief gefühlte "Weite" außen und innen, die mir in den militärisch eingetönten Landschaftsbildern von Marshals fehlt.

Die Rekord-Einschaltquoten für The Madison und die hohen Aufrufzahlen für Marshals zeigen, dass beide Serien ihr Publikum finden. Aber wenn ich mich für eine entscheiden müsste, würde meine Wahl als Yellowstone-Fan trotzdem auf die Nicht-Yellowstone-Serie fallen.

Das nächste "echte" Yellowstone-Kapitel Dutton Ranch wird Mitte Mai starten. Auch dieses Sequel wird nicht länger von Taylor Sheridan, sondern von Chad Feehan (Lawmen: Bass Reeves) gelenkt. Der erste allzu explosive Trailer hat meiner Vorfreude erstmal das Zaumzeug angelegt, obwohl zwei meiner Lieblings-Duttons – Beth und Rip – hier zurückkehren. Einschalten werde ich natürlich trotzdem. Doch die Vorfreude auf Staffel 2 von The Madison ist mittlerweile größer.

The Madison wurde im März in zwei Blöcken veröffentlicht, sodass mittlerweile alle 6 Folgen der 1. Staffel auf Paramount+ streamen. Staffel 2 könnte noch dieses Jahr, spätestens aber 2027 starten. (Marshals läuft aktuell noch wöchentlich. Dutton Ranch startet am 15. Mai 2026.)

Podcast: Warum sich die neue Serie The Madison für Yellowstone-Fans lohnt

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In diesem Check erklärt Moviepilots Serien-Experte Max Wieseler, was The Madison mit Michelle Pfeiffer und Kurt Russell mit Yellowstone gemeinsam hat und warum sie sich trotzdem positiv abhebt von den bekannten Sheridan-Hits.

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