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Die letzten Glühwürmchen - Mehr als ein Antikriegsfilm

Seita und seine Schwester Setsuko
© Studio Ghibli
Seita und seine Schwester Setsuko
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Als 1985 nach Hayao Miyazakis großem Erfolg mit Nausicaä - Prinzessin aus dem Tal der Winde das Studio Ghibli gegründet wurde, konnte man nicht ahnen, welch große Bedeutung es einmal für die japanische Popkultur bekommen sollte. Aber nicht nur in Japan wurde das japanische Zeichentrick-Studio immer erfolgreicher. Spätestens mit Prinzessin Mononoke erreichte es 1997 auch westliche Zuschauer. Studio Ghibli zeichnet sich vor allem dadurch aus, klassische Animationstechniken (z.B. das Abfotografieren handgezeichneter Folien) zu verwenden und Computeranimationen nur in sehr begrenztem Umfang einzusetzen. Wie tiefgründig und erwachsen seine Animes sind, bewies Mitbegründer Isao Takahata schon 1988 im erst dritten Studio Ghibli-Werk, Die letzten Glühwürmchen.

Der Anime spielt 1945 in der Endphase des Zweiten Weltkrieges in Japan. Es geht um den verzweifelten Überlebenskampf des vierzehnjährigen Jungen Seita und seiner vierjährigen Schwester Setsuko in der ausgebombten Stadt Kōbe. Bereits zu Beginn ertönt eine Stimme aus dem Off: "Am 21. September 1945 bin ich gestorben." Was es damit auf sich hat, erfährt der Zuschauer in einer großen Rückblende. Als die Mutter der beiden Geschwister nach einem Bombenangriff auf die Hafenstadt Kōbe stirbt, ziehen Seita und Setsuko zunächst zu ihrer Tante. Da sich der Junge nicht am Wiederaufbau beteiligt, sondern lieber mit seiner Schwester spielt, gibt ihnen die Tante immer weniger zu essen. Die Kinder beschließen, sich fortan selbst zu versorgen und ziehen in einen alten Bunker außerhalb der Stadt.

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In Die letzten Glühwürmchen gibt es keine Hoffnung. Zumindest nicht in diesem Leben. Und das ist es, was den Film so einzigartig macht: Betroffenheit, Traurigkeit, Fassungslosigkeit. Kaum ein Film berührt so sehr wie dieses Meisterwerk von Isao Takahata, der kürzlich mit Die Legende der Prinzessin Kaguya für einen Oscar in der Kategorie "Bester Animationsfilm" nominiert wurde. Wir glauben, einen weiteren Antikriegsfilm zu sehen. In den Specials der Heimkino-Variante meint der Regisseur aber ganz ausdrücklich, dass es tatsächlich viel mehr ist als das. Er könne verstehen, warum dieser Eindruck entstehen kann, doch das sei nicht beabsichtigt gewesen. Stattdessen gehe es viel mehr um das Verhalten von Seita. Der Zuschauer soll nicht nur Mitleid mit den beiden Kindern haben, sondern vielmehr das Verhalten Seitas hinterfragen. Eigentlich wollte er damit die Jugend kritisieren, dir stur glaubt, alles allein zu schaffen, statt in der Gemeinschaft Gutes zu vollbringen. Damit hat der Anime eine noch viel bedeutsamere, anspruchsvollere Botschaft als die meisten anderen Antikriegsfilme, die "nur" Kritik am Krieg üben und explizit aufzeigen, wie schlimm doch alles ist.

  • Was: Die letzten Glühwürmchen
  • Wo: 3Sat
  • Wann: 22:35 Uhr

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