Die Oscar-Verleihung litt unter einem peinlichen Problem, das mich 3 Stunden lang genervt hat

16.03.2026 - 11:58 UhrVor 26 Tagen aktualisiert
Wie waren die Oscars 2026?
Warner Bros. / Tobis
Wie waren die Oscars 2026?
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Moviepilots Oscar-Expertin Jenny Jecke lässt in ihrer Kritik die dreieinhalbstündige Show Revue passieren, die Moderator Conan O'Brien vor einige unangenehme Probleme stellte.

Bei der letzten Oscar-Verleihung "stand Los Angeles in Flammen, aber dieses Jahr läuft alles großartig", scherzte Comedian Conan O'Brien zur Eröffnung der 98. Academy Awards – mit einem breiten, ironischen Grinsen. Der Moderator, den alle nur beim Vornamen nennen, als sei er unser exzentrischer Fernsehonkel, hatte 2025 seinen Oscar-Einstand mit einer der besten Shows der jüngeren Vergangenheit gegeben. Damals lief alles erstaunlich glatt, dieses Jahr sah's anders aus.

In seinem Auftaktmonolog hatte Conan auf die größeren politischen und filmindustriellen Zusammenhänge angespielt. Doch technische Pannen und ein unterkühltes Publikum plagten die Oscars 2026, die vergangene Nacht im Dolby Theatre in Los Angeles verliehen wurden. Fast drei Stunden wurde die Veranstaltung von wiederkehrenden Problemen durchzogen, die ich selbst als Liebhaberin des Academy-Exzesses nur als peinlich bezeichnen kann. Das Gute an der Sache: Conan O'Brien blüht im Chaos erst so richtig auf, was er in der Show ein ums andere Mal beweisen konnte und musste.

Marty Supreme und Timothée Chalamet hätten mehr Liebe beim Oscar verdient

Großer Siegerfilm des Abends war One Battle After Another, dessen Oscar für den Besten Film ich beileibe nicht madig reden will. Trotzdem hätte ein Jungspund der Verleihung gutgetan, der Unordnung in die wohlsortierte Oscar-Landschaft bringt. Man könnte fast sagen, ein Tischtennisspieler, der sich auf jeden noch so dämlichen Plan einlässt. Marty Supreme ging trotz neun Nominierungen leer aus. Timothée Chalamet bestätigte mit seiner dritten sieglosen Schauspielnominierung, dass die Academy mit jungen und, schlimmer noch, ehrgeizigen Männern überfordert ist.

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Stattdessen gewann der knapp acht Jahre ältere Michael B. Jordan aus Blood & Sinners, obwohl sein Doppelauftritt das schwächste Glied im starken Cast von Blood & Sinners darstellt. Hat Timmy – unser leicht fremdscham-induzierender Kino-Cousin – diesen Preis mit seiner penetranten Marty Supreme-Werbetour verspielt? Vielleicht. Aber ohne ihn hätte diese Oscar-Saison bis vor wenigen Wochen todlangweilig ausgesehen.

Spätestens als der Schnitt-Oscar an Paul Thomas Andersons Film ging, war der Ausgang der Nacht für mich klar. Da brauchte es schon den historischen Oscar-Sieg von Autumn Durald Arkapaw, die für Blood & Sinners als erste Frau einen Kamera-Oscar erhielt, um das Rennen wenigstens ein bisschen emotional aufzuladen.

Die Verleihung startete mit einer tollen Horror-Hommage und einem peinlichen Problem

Zurück zu Conan, der seinen Part der Oscar-Verleihung zum zweiten Mal hintereinander mit einer Horrorfilm-Hommage startete. Letztes Jahr war es The Substance, dieses Jahr die fiese Tante Gladys aus Weapons – Die Stunde des Verschwindens. Onkel bzw. Tantchen Conan rannte in voller Gladys-Schminke zum Auftakt durch die Best Picture-Kandidaten, gefolgt von einer rasenden Schar Kinder. Damit verlieh er der Verleihung den nötigen Adrenalinstoß.

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Nur leider brauchte das Publikum eine gute Stunde, um aufzutauen. Vielleicht wegen der angeblichen Gefahr von Drohnenangriffen, über die im Vorfeld berichtet wurde. Oder wegen der Tatsache, dass fast stündlich Artikel über den nahenden Untergang der Filmindustrie in Los Angeles veröffentlicht werden.

Einige Monolog-Jokes starben einen Kältetod im Saal. Hinzu kamen die peinlichen Malheurs in der mutmaßlichen Abmischung des Tons, die mich durch die Nacht jagten und nervten. Ansager Matt Berry war teils schwer zu hören, ebenso wie manche Präsentatoren. Die Diva Barbra Streisand sollte mit ihrem Gedenken an Robert Redford den Höhepunkt des extralangen In-Memoriam-Segments besiegeln. Dieser emotionale Moment verendete beinahe wegen technischer Probleme, die Streisands Stimme im Geraschel des Saals untergehen ließen.

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Conan rettete die Verleihung vor ihren eigenen Fehlern

Dann ist da dieses lästige Oscar-Problem, für das es nach Jahren anscheinend keine Lösung gibt. Letztes Jahr gestand man Adrien Brody die längste Oscar-Rede überhaupt zu, aber die Kategorien jenseits von Stars und Regie werden weiter abgewürgt. Conan O'Brien selbst musste einigermaßen sprachlos zuschauen, wie das Mikro eines Kurzfilm-Siegers in den Boden gefahren wurde, während er eine Rede hielt. Dann wandte sich Conan lachend der Kamera zu: "Einem Mann das Mikrofon zu entziehen, während er gerade spricht, ist saukomisch."

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Da verwandelte sich der Host in unseren Mitverschwörer, der auch nur baff zuschauen kann, was für Peinlichkeiten die Oscar-Regie anrichtet, wenn die Zeit drängt. Auf diesem schmalen Grat balanciert Conan O'Brien wie kaum ein anderer. Mal ist er der Erfüllungsgehilfe, der die Verleihung vorantreibt, mal der belustigte Meta-Kommentator. So hielt er die Show beisammen.

Den einzigen Moment, den selbst Conan nicht retten konnte – und einmal ging er sogar live auf Sendung, ohne es zu wissen – verbockten auch die Produzent:innen. Da hatte gerade "Golden" aus Netflix' KPop Demon Hunters den Oscar für den Besten Song gewonnen. "Golden" war einer von nur zwei nominierten Songs, die performt werden durften. Diese Rede wurde jedoch ebenfalls abgewürgt, und zwar auf schmerzhafte Art. Erst kam die Musik, dann wurde das Mikro abgestellt und als die frisch gebackenen Oscar-Gewinner demonstrativ auf der Bühne stehen blieben, ging das Licht aus. Ein trauriger Moment, in dem die Effizienz den Sinn der Verleihung aushölte.

Die Oscar-Verleihung 2026 hat viel richtig gemacht

Es gibt also genügend Angriffsfläche für die Verleihung, aber auf der anderen Seite wurde viel richtig gemacht: Liebevoll gestaltete Filmparodien wechselten sich mit einem respektvollen In-Memoriam-Teil ab. Statt auf den anspruchsvollen Filmen herumzutrampeln, zielten die bissigsten Witze auf den aktuellen US-Präsidenten ab, während große Streamer und Konzerne ihr Fett wegbekamen.

Gestaltet war diese 98. Oscar-Verleihung wie ein eigener kleiner Film, mit melancholischem Spannungsbogen. Am Anfang sprintet Conan zu einer Verleihung, die mit einem Fuß – und das auf angenehme Weise – in der Tradition steckt.

Am Ende, in einem seltenen Sketch nach dem letzten Preis, kriegt Conan einen Posten als lebenslanger Oscar-Host versprochen mit seinem eigenen Büro. Und dann schauen wir zu, wie der Moderator der 98. Academy Awards à la One Battle After Another ermordet und eingeäschert wird. Sein Nachfolger sei Grinsekatze Mr. Beast, heißt es in dem schwarzhumorigen Einspieler spöttisch. 2029 sollen die Oscars nämlich bei YouTube streamen. Der weise Host schafft sich selbst ab, bevor die Zeit es tut.

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