Effi Briest: Wagt sie den Sprung in ein neues Leben?

Effi Briest
© Constantin Film
Effi Briest

Regisseurin Hermine Huntgeburth erzählt in einem Interview, warum sie das Ende von Theodor Fontanes Buch Effi Briest für die Neuverfilmung des Stoffes verändert hat.

Erinnern Sie sich daran, wann Sie “Effi Briest” zum ersten Mal gelesen haben?
Das war in der Schule und ich weiß noch, dass es nicht gerade meine Lieblingslektüre war…

Wie kam es dann ausgerechnet zu dieser Verfilmung?
Wenn man das Buch richtig liest und sich auch mit dem Stoff auseinandersetzt, ist er sehr spannend und im Prinzip auch sehr modern, weil es um Geschlechterrollen geht und um den Einfluss, den die Gesellschaft auf Beziehungen hat. Das hat mich sehr interessiert. Denn im Grunde ist Effi Briest auch die Emanzipationsgeschichte einer jungen Frau, die ihre Sexualität und ihr Innerstes entdeckt – und das, was sie als Individuum ausmacht.

Das klingt nicht unbedingt nach der “armen Effi”, wie Fontane sie genannt hat…
Ich finde, Effi ist ein Mensch, der eine Chance ergreift. Sie ist eine kraftvolle Frau, die aus ihrem Gefühl heraus reagiert und sehr stark bei sich selber ist. Sie spürt, was sie will. Sie hat eine Chance und ergreift sie auch. Das ist für mich eine positive, eine kraftvolle Aussage.

Innstetten ist ja ein sehr preußischer Charakter. Gibt es heute noch Typen wie ihn?
Ich denke, ja. Es kommt weniger auf die Zeit an als auf die Frage, inwieweit man sich selbst als Mittelpunkt der Welt sieht. Innstetten hat diese Mischung aus Egozentrik und Überempfindlichkeit – er ist jemand, um den alles kreist. So was findet man heute natürlich auch.

Waren für Sie die Änderungen im Drehbuch gegenüber dem Roman nach vier Verfilmungen wichtig?
Ja, ich denke wenn man sich noch einmal mit der Geschichte befasst, dann muss man etwas ganz Neues zeigen. Die reine Nacherzählung, die reine Übersetzung des Romans ist, glaube ich, nicht mehr zeitgemäß. Trotzdem sind aber die Themen, die im Roman behandelt werden, absolut übertragbar auf heute und deswegen finde ich es spannend, die Dinge zu zeigen, die nie gezeigt worden sind, aber indirekt und zwischen den Zeilen zu lesen sind.

Haben Sie sich zur Vorbereitung auch noch einmal mit der realen Geschichte beschäftigt?
Ein bisschen. Das Vorbild für Effi Briest, Elisabeth von Ardenne, hat ja noch lange gelebt und mehr als ein Kind gehabt. Fontane hat die Grundkonstruktion dieser Geschichte genommen, um über die Moral dieser Zeit zu erzählen, über die Doppelbödigkeit und die Bigotterie dieser Gesellschaft. Teilweise konnten wir diese Originalgeschichte auch sehr gut für die Verfilmung gebrauchen, zum Beispiel bei der Figur des Crampas, der im Film ein sehr sportiver, sehr körperbetonter Mensch ist – wie die Originalfigur.

Kann man Effi als modernes Mädchen bezeichnen, das es in die falsche Zeit verschlagen hat?
Auf jeden Fall. Modern an ihr ist, dass sie wie die Mädchen heute die Dinge tut, die sie gerne möchte und die sie empfindet. Die Zeit der Frauen und Mädchen, die beginnt ja jetzt erst. Von Gleichberechtigung ist lange nur geredet worden, aber heute werden die jungen Mädchen mit einem Selbstbewusstsein erzogen, mit dem sie frei in die Welt hinaus gehen und sich behaupten können, ohne ihre Weiblichkeit verleugnen zu müssen. Und Effi ist so eine junge Frau, die ein geerdetes Gefühl zu sich selber hat und in die falsche Zeit geraten ist.

Quelle: Mit Material von Constantin

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