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Geisterjäger/innen, Sexisten, marshmallowmanngroßer Unsinn und ich

Bild zu Geisterjäger/innen, Sexisten, marshmallowmanngroßer Unsinn und ich
© Columbia Pictures

Guten Tag.

Mein Name ist doctorgonzo. Ich bin 33 Jahre alt, ich bin ein männlicher Weißer aus den Neuen Bundesländern und vor wenigen Wochen feierte mein Profil hier seinen siebenten Geburtstag.

Als leicht verspätetes Jubiläumsgeschenk bekam ich am 31. Januar 2015 etwas Erstaunliches. Eine Erkenntnis. Nicht etwa eine religiöse Erleuchtung oder den Moment, in dem man einsieht, dass man seine ganze weltliche Habe verschenken soll oder eine neue brillante Strategie, wie ich endlich Lottomillonär werde.

Nein. Es war die Erkenntnis, dass ich ein Sexist bin, oder es sein muss, zumindest, wenn ich dem Aufreger der Woche Glauben schenke.

Zunächst war ich von diesem Artikel sowie seiner Nachlässigkeit und Oberflächlichkeit so angefressen, dass ich mich einer ernsthaften Auseinandersetzung verweigern wollte, schon weil es diesem Artikel zuviel Ehre machen würde, dass man sich mehr als polemische Gedanken darüber macht. Speziell unter dem Artikel, dem man damit nur noch mehr Klicks verschafft und ich ärgerte mich über jedes Wort, das ich zur Verdeutlichung meiner Position unter diesem Gewirr von Worten und Angriffen hinterließ.

Und doch: Ich möchte das einfach nicht unkommentiert lassen.

Trotzdem erscheint es mir unwürdig, meine Gedanken unter einer solchen Sammlung platter Schlagworte zu sammeln, deshalb also hier nun ein Versuch, mich etwas abseits des Artikels selbst zu erklären.

Ich habe im Laufe der Jahre auf dieser Seite schon einiges um die Ohren geknallt bekommen. Aber das Kainsmal "Sexist" bislang noch nicht. Also einmal von Fitzefatze, dem inoffiziellen Maskottchen dieser Seite, der mich als Sexist bezeichnete, weil ich Anke Engelke nicht lustig oder unterhaltsam oder irgendwie positiv finde. Aber das zählt wohl nicht, außerdem macht mich dies bei logischer Betrachtung natürlich nicht zum Sexisten. Ich bin ebensowenig Sexist, weil ich Oliver Pocher blöd finde und auch eine Frau, die Oliver Pocher blöd findet, zeigt dadurch keine Anzeichen von Sexismus. Eher von gesundem Menschenverstand, aber das ist eine andere Geschichte.

Warum bin ich also ein Sexist, wenn ich die Idee nicht gut finde, ein "Ghostbusters" Reboot ("mit Frauen") in die Kinos zu werfen? Und warum bin ich es erst jetzt, nachdem ich in den letzten sieben Jahren auch über Jennifer Aniston, Sarah Jessica Parker, Angelina Jolie, Stephenie Meyer, Jennifer Garner, Julia Roberts, Veronica Ferres oder Demi Moore und viele andere Träger der zwei X-Chromosomen aus dem Showbusiness oft alles andere als Lobpreisungen vom Stapel gelassen habe? Wieso macht mich meine Kritik an den Leistungen dieser Frauen nicht zum Sexisten, wohl aber meine zumindest skeptische, teils deutlich ablehnende Sichtweise auf einen Film mit vier anderen Frauen?

Ich bin, gemäß der Argumentation des Artikels, ein Sexist und das erst jetzt, weil das Reboot von vier weiblichen Hauptdarstellern getragen werden soll und ich wenig begeistert bin. Ich bin nicht glücklich über die Tatsache, dass die Ghostbusters nun Frauen sind und noch weniger darüber, dass es überhaupt ein Reboot gibt und noch viel weniger darüber, dass Paul Feig die Verantwortung übernehmen darf. Und ich halte drei der vier Darstellerinnen für wenig bis gar nicht unterhaltsam oder witzig und das Quartett an sich sehr ungeeignet für die Ghostbusters.

Dazu haben die Reboots der letzten Jahre auch wenig Anreiz dazu gegeben, ein weiteres Reboot mit Euphorie zu erwarten. "Pink Panther", "Teenage Mutant Ninja Turtles", "Der Anschlag", "Total Recall". Erheben beispielsweise diese Neuaufgüsse irgendjemanden in den Zustand positiver Ekstase? Mich nicht. Mögen die Reboots, die nur kurz nach dem Moment starteten, als die "alten" Varianten aus der Videothek verschwunden waren wie "X-Men" mitunter eine Verbesserung zu den ersten Versuchen gewesen sein, so waren die Reboots von Formaten aus den frühen 90ern, den 80ern oder noch älter meist nur unwesentlich erfreulicher als frisches Erbrochenes in einem Raum, den man eine halbe Stunde nicht verlassen kann.

Da kann man dann auch mal negative Erwartungen haben.

Das entschuldigt natürlich in keiner Weise irgendwelche persönlichen Angriffe auf Cast & Crew. Und ich lasse mich nicht mit derlei Leuten in ein Boot setzen, die solche Äußerungen unter dem Deckmantel von Meinungsfreiheit oder spontaner Empörung vom Stapel lassen. So gern dieser Artikel genau das mit seiner Schwarz/Weiß Malerei auch tun möchte.

Zu einem persönlichen Angriff gehört allerdings nicht (es ist traurig, dass das überhaupt betont werden muss), dass man eine schlechte Meinung von Cast & Crew hat und ihnen nichts zutraut, das dem Format "Ghostbusters" irgendwie Ehre machen würde. Das ist vollkommen legitim. Nun, vielleicht nicht für den Verfasser jenes "Aufregers".

"Ghostbusters" war ein Film mit etwas, das man in den USA gern Cultural Impact nennt. Es gibt Touristentouren in New York, die zu den Schauplätzen des Films führen. Die New Yorker Feuerwehr öffnete das Gebäude, das als Hauptquartier der Geisterjäger diente, zeitweise für Führungen. Von "Doctor Who" bis "Buffy" übten sich Serien und Filme in Verneigungen. Kritikerpapst Roger Ebert nannte den Film "Eine Ausnahme zur Grundregel, dass große Effekte den Humor eines Films zerstören" und führte aus "selten bot ein Blockbuster eine solche Zitierbarkeit". Und das stimmt, beides. Noch heute, über 30(!) Jahre nach Kinostart können sich 15-jährige und 50-jährige Menschen Zeilen aus diesem Film um die Ohren hauen. Ich durfte es selbst erleben.

Das lag wohl auch entscheidend an der nahezu organischen Symbiose der Zeit, des Cast und der Verantwortlichen. Das alles ziehe ich für ein Reboot in Zweifel. Auch, weil eben nicht bloß ein Teil dieser organischen Einheit entnommen wird.

Ich persönlich finde Kristen Wiig nicht sonderlich lustig, speziell im Kino nicht, und auch schauspielerisch nicht übermäßig überzeugend. Ganz besonders nicht in Kooperation mit Paul Feig. Selbiges trifft in noch ausgeprägterem Maße auf Melissa McCarthy zu, über die ich im Zuge meines Kommentars zu "Brautalarm" folgendes zu sagen hatte "Melissa McCarthy [...], die als enfant terrible wohl vom Plan her die ganze Chose rocken soll, aber meistens wirkt wie der dicke Junge in Highschool- und Collegefilmen der 1980er, der entweder was widerliches oder saudämliches tut, oder eben in den Pool fällt". Nichts lässt mich bislang erwarten, dass sich daran etwas zum Besseren ändert, die Platzierung von Feig als Regisseur deutet eher auf Stagnation oder eine Verschlechterung hin.

Bleiben noch Leslie Jones und Kate McKinnon. Beides Mitglieder bei Saturday Night Live, der Reihe, die lange Jahre Humorass um Humorass herausbrachte und zwischen bitterster Ironie und wüstestem Slapstick alles zu bieten hatte. Trotz Kontinuität bei der Führung hat auch dieses Format in Sachen Originalität und auch Qualität gelitten, wie es eben vielen Dingen geht, die über einen langen Zeitraum ausgestrahlt werden. Die Zeit mit Namen wie Murphy, Belushi, Murray, Fey, Garofalo, Candy, Crystal, Louis-Dreyfus, Poehler, Fallon, Myers oder Silverman ist so ziemlich durch. Deshalb ist nicht alles von heute schlecht. Kate McKinnons Promiparodien in dieser Reihe sind teilweise ein Brüller, meistens aber zumindest solide. Was das über ihre Kinotauglichkeit aussagt, weiß jeder deutsche Kinogänger, der zusehen durfte, wenn sich deutsche Comedians auf der Leinwand tummeln. Es sagt nichts aus. Nichts Schlechtes, aber eben auch nichts Gutes, es kreiert keine großen Hoffnungen. Das nun wirklich nicht.

Leslie Jones finde ich dagegen so unlustig wie einen Comedyabend bei RTL. Derbe, unkreativ, zwar schnörkellos, aber eben auch ohne jede Finesse.

Ich hätte mir also für den Fall des unnötigen Reboots eines von mir hochgeschätzten Klassikers, das dann mit weiblicher Besetzung punkten will, einige andere Kandidatinnen gewünscht, die sich trotzdem vom im Artikel angesprochenen (und kritisierten) Megan Fox Typus unterscheiden. Und die gibt es: Uma Thurman, Janeane Garofalo, Rachel McAdams, Noomi Rapace, Sarah Silverman, oder vielleicht zeigt Zoe Saldana mal, dass sie nicht nur ein hübsches Gesicht auf einem hübschen Körper ist, wenn man denn die Rassenanordnung des Originals übernehmen will, da wäre auch noch Rosario Dawson, die eben dies schon bewiesen hat. Die Liste lässt sich noch weiter verlängern, doch ich denke, man hat verstanden, was ich sagen will. Aber schon das wird ja im Prinzip nicht zugelassen. Selbst das macht mich zum Sexisten und wahrscheinlich auch jeden anderen, der eine andere Besetzungsidee hat. Ausgeknockt mit der Sexismuskeule.

Unnötig zu erwähnen, dass die offensichtliche Herabwürdigung von beispielsweise Megan Fox ja dann streng genommen auch als Sexismus gedeutet werden könnte, denn das ist manch einem womöglich zuviel unfreiwillige Selbstironie.

Was nun hat all diese Analyse mit dem Artikel zu tun und damit, dass ich ein Sexist sein soll?

Zweierlei. Eines nach dem anderen. Zunächst einmal schafft es der Artikel, auf zwei Seiten gerade einmal zwei wichtige Punkte zu treffen. Der erste ist der, dass es unentschuldbar und nicht zu relativieren ist, wenn man die eigene Sache mit Beleidigungen zu stärken sucht. Dass der Autor dafür ein paar platte Trollkommentare heraussucht, lässt das Ganze zwar etwas überdurchschnittlich simpel wirken, aber das macht die Kommentare und den Sexismus nicht weniger real.
Punkt zwei ist eben die Tatsache, dass Sexismus real ist. In verschiedensten Ausprägungen wie wohlmeinend, aggressiv, einfallslos, aus Bequemlichkeit, aus Gewohnheit und so weiter, entscheidend ist, er ist real.

Daneben, und das gehört zu dem Teil, der mich wirklich stört, begibt sich der Artikel in eben die Niederungen des Niveaus, die vor knapp drei Jahren hier zu einem durchaus deutlichen Konflikt führten und dieser Konflikt schlußendlich auch eine Reaktion von "ganz oben" hervorbrachte und sich eine Weile etwas besserte.
Geht also diese Entwicklung wieder los?

Ich hatte das Glück, beim alten "Aufreger" noch Sachen von guggenheim zu lesen. Zynisch, bissig, leicht und immer gnadenlos unterhaltsam. Kurzum, eine Referenz.

Dann gab es noch "Mr. Vincent Vega eckt an". Ein solcher Name impliziert ja schon einen gewissen Inhalt. Provokation auch mal um ihrer selbst Willen. Fand ich meistens fade und auch mal unzutreffend, manchmal auch kapital nervig, selten gelungen, hin und wieder amüsant, aber letztendlich harmlos.

Aber jetzt.

Jetzt also bin ich ein Sexist. Ein recht dilettantischer Artikel sagt mir das. Vor wenigen Wochen wäre ich wahrscheinlich auch zum Rassisten gestempelt worden, wäre mir das Thema Oscarverleihung verlockend genug erschienen, um mal reinzuschauen.

Ein Sexist bin ich, weil folgender Abschnitt in diesem Artikel mich als solchen ausweist: "Die Besetzung des kommenden Ghostbusters-Reboots ist wasserdicht. Wer daran trotzdem herumkrittelt, hat offensichtlich etwas gegen Frauen und darf sich anschließend dann auch nicht über die Sexismus-Keule wundern."

Was? Ja, tatsächlich! Es mag zuerst unglaublich erscheinen. Wie ein verzweifelt ironisch eingeworfener Satz, der mit letzter Anstrengung um ein paar Lacher oder zumindest doch Aufmerksamkeit buhlt. Aber es ist wohl tatsächlich ernstgemeint, es wird an keiner Stelle entschärft, relativiert oder eben als Ironie entlarvt.

Mittels dieser ziemlich tumben Verallgemeinerung watscht der Autor also jeden ab, der seine Meinung nicht teilt. Naja, ist ja manchmal auf peinliche Art ganz witzig, wenn jemand schreibt "wer da nicht lachen kann, der hat keinen Humor" oder in der Art. Wenn aber jemand einen solchen, ziemlich dreisten, Rundumschlag ablässt und sich dann hinter dem Sexismus versteckt, dann hat das einen mehr als nur bitteren Beigeschmack. Es klingt nach der oft kritisierten Gleichmacherei, die in gewissen Kreisen gern als Schlagwort benutzt wird. Es macht die Diskussion zum Thema Sexismus zu nichts weiter als einem faden Witz. Obendrein entwertet er das eigene Statement, Beleidigungen seien keinerlei Option, mit einer breit gestreuten Beleidigung.

Es gibt deutlich zuviele Menschen, die Sexismus aktuell noch immer für eine Art Hypochondrie im Zuge der Political Correctness halten. Das ist grundfalsch. Mit einer solchen "Argumentation" wie in diesem Artikel aber unterbindet man jede Diskussion, man spricht damit ja jedem Kritiker an der eigenen Meinung en bloc die Fähigkeit ab, etwas Konstruktives sagen zu können. Denn wer der Prämisse, dass dieser Cast über Kritik erhaben ist, widerspricht, der ist ein Sexist. Wunderbar einfach. Würde eine derlei geartete Argumentation tatsächlich irgendwie funktionieren, es wären Wunderdinge möglich. Leider ist eine solche Kausalkette doch nur eine traurige Parodie, eine Art argumentatives Schlaraffenland, die niedliche Illusion, dass man einfach mit allem Recht haben muss, solange man in guter Absicht handelt.

Was kommt als Nächstes? "Wer das liest, ist doof"?

Nahe dran. Vielleicht ja im nächsten Aufreger. Vorher gibt es aber das: "Schließlich wird kein Mensch dazu gezwungen, sich das Reboot anzusehen." Das Verteidigungsschema für jedweder Dummheit oder wie es ein anderer User so schön nannte "das ewige Totschlag-Argument der Anspruchslosen".

Wenn es Dir nicht passt - guck es Dir einfach nicht an. Ernsthaft? In einem richtigen Artikel!? Nicht als Verteidigung zu einer Zweizeilerkritik beim Gonger oder bei Transformers 2 . Nein, als "Argument" in einem Artikel, der sich vorgeblich mit einem wichtigen gesellschaftlichen Problem auseinandersetzen will.

Ich habe im Zuge dieser Diskussion einiges gelesen, was mich an der Menschheit im Allgemeinen und dieser Community im Besonderen zweifeln ließ, nicht nur unter diesem Artikel. Ich musste einen Vergleich lesen, in dem man Ablehner des Konzepts ohne Unterscheidung mit Pegida Sympathisanten gleich machte oder per se als "fette, schwitzige Nerds" bezeichnete. Beides ernsthafte Kandidaten für die Krone der Lächerlichkeit, um es diplomatisch auszudrücken. Bei einer großen Community wie dieser gibt es nun mal auch schwere Fälle, das liegt in der Natur der Sache. In allen extremen Ausprägungen. So wie es hier eben auch tatsächliche Sexisten gibt.

Aber ein solches Möchtegernargument in einen offiziellen Artikel zu packen, das ist dann schon eine persönliche Bankrotterklärung. Mit bösem Willen und Hang zum Zynismus könnte man interpretieren, der Verfasser sei eigentlich eine Art Maulwurf im Auftrag der Sexisten, der der wirklichen Argumentation gegen den Sexismus unter dem Radar mittels nach hinten losgehender Argumente richtig eine verpassen will.

Das geht zwar unzweifelhaft zu weit, aber ein offizieller Artikel, der jeden Kritiker eines Konzepts zum Blockbusterreboot als Sexisten in Sippenhaft nimmt, geht ganz sicher auch zu weit, selbst dann, wenn er unter der Flagge "Aufreger" segelt.

Kurzum, ein Artikel, der einerseits fordert "Es müssen aber definitiv zumindest Gründe angeführt werden, warum etwas als unpassend deklariert wird, bevor geschimpft werden darf.", kommt andererseits mit, "wer diesen Cast nicht gut findet, ist offensichtlich ein Sexist" und "wem der Film nicht gefällt, der muss ihn nicht sehen" um die Ecke und erwartet, dass man ihn ernst nimmt? Sachlichkeit fordern und aufpolierte Stammtischparolen bieten? Ganz schlechter Handel.

Warum rege ich mich also eigentlich auf? Entlarvt sich der ganze Artikel nicht sehr brachial und ebenso zügig als traurige Imitation eine Klickgenerators? Ich finde, er tut es.

Ich finde aber auch, dass ich mich trotzdem aufregen muss. Ich finde, einen solchen Artikel kann man nicht unkommentiert stehenlassen. Ich finde auch, man sollte ein derartig weitreichendes und ernstes Problem nicht auf diese Weise herabwürdigen, weil man bestenfalls desensibilisiert und im schlimmsten Fall unfreiwillig Munition wider die vorgeblich eigene Sache liefert.

Das geht ja nicht nur mit dem Sexismus so. Mit dem Rassismus ist es traurigerweise ähnlich. Als man in How I met your mother eine Parodie auf Kill Bill Volume 2 in eine Folge einbaute, gab es Rufe, das Ganze sei abwertend gegenüber Asiaten.
Oder Katt Williams, ein mäßiger Standup Comedian (herzulande einzig bekannt als der schlechtere der beiden Komiker, deren Shows man in GTA IV besuchen kann), der Tarantino eine auf den Kühler geben wollte, weil in Django Unchained ständig "Nigger" gesagt wurde.

Konsequenz der Aufschreie? Nicht etwa eine präzisere Auseinandersetzung mit dem Rassismusproblem, sondern entnervtes Schnauben allenthalben über unpassende Diskussionen und steigendes Desinteresse an der eigentlichen Auseinandersetzung. Und damit kommt man der Lösung des Problems wohl kaum näher. Im Gegenteil.

Und nun soll ich in einem Boot sitzen mit Leuten, die öfter "Feminazi" sagen als man in Casino das Wort "Fuck" hört, mit Leuten, die nicht begriffen haben, dass "das sollte man nicht sagen, wenn man jemandem damit auf die Füße tritt" nur eine Selbstzensur ist und die sich dementsprechend verzweifelt an der dummen Formel "das wird man ja wohl noch sagen dürfen" festhalten, weil es das einzige ist, was sie zu sagen haben, da sie nicht merken/nicht merken wollen, dass sie alles sagen könnten, wenn sie denn tatsächlich etwas zu sagen hätten, mit Leuten, die Melissa McCarthy (für die ich, Stand heute, nie ein gutes Wort übrig haben möchte) als "fettes Walross" bezeichnen und glauben, ich wäre ihrer Meinung, nur weil ich diese Frau für unlustig, schauspielerisch unbegabt und unattraktiv halte.

Nein. Mit diesen Leuten setze ich mich nicht in ein Boot, nur weil ein schwacher Artikel, der ja vielleicht in bester Absicht geschrieben wurde, sagt, ich gehöre in dieses Boot. Denn dieser Artikel sagt nur, ich gehöre in dieses Boot, er liefert kein Warum, das länger hält als die Zeit, die man braucht, um eben dieses "Warum" auszusprechen.

"Der Weg zur Hölle ist mit guten Absichten gepflastert", so steht es in Dantes "Divina Commedia". Das passt hier in mehr als nur einer Hinsicht.

Es passt zu einem Artikel, der ein elementares und seit langem existentes Problem des menschlichen Miteinander schon fast zur Farce degradiert, weil er sich selbst zur Farce macht, wo er doch vorgibt, einen Beitrag zur Lösung zu leisten.

Es passt zu einem Artikel, der für mitunter erhebliche Irritationen unter Communitymitgliedern sorgte, die normalerweise wissen, was sie aneinander haben.

Es passt zu einem Artikel, der mich an die Zeit erinnert, in der es in der Community brodelte, weil sich diese mitunter unverstanden fühlte und Finesse und Anspruch vermisste.

So langsam ist das Problem mit der überlaufenden Galle erledigt und doch habe ich noch die eine oder andere Bitte.

Zunächst möchte ich, dass sich jeder, der sich hier mit meinem Text auseinandersetzt, auch nochmals (oder erstmals) den Artikel zu Gemüte führt, der diesem Text zugrunde liegt und ein wenig darüber nachdenkt.

Ich möchte hier keinen Applaus einfach aufgrund der Tatsache, dass vielleicht noch jemand Melissa McCarthy für ein filmisches Ärgernis hält, oder jemand es bloß vorziehen würde, dass Peter, Ray, Egon und Winston unangetastet bleiben.

Dazu möchte ich Eure Meinung hören: waren die stigmatisierenden Äußerungen im Artikel Ausdruck von Böswilligkeit, Unvermögen oder Unachtsamkeit und warum?

Und zu guter Letzt noch folgendes: Ich habe mich mit beinahe physischer Gewalt dazu gezwungen, nicht in Entsprechung zu diesem Artikel einfach hinzuklittern "Wem mein Kommentar nicht passt, der muss ihn nicht lesen". Lasst mich das nicht bereuen.

Vielen Dank für Eure Aufmerksamkeit.

PS: Ich hätte auch noch ein sehr gutes Zitat von Alice Schwarzer gehabt, die vielmehr im Kopf hat, als man(n) im Zuge ihrer mitunter bornierten Haltung oft annehmen mag, aber das führt nun zu weit.

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Philosophie am Rande der Hausbar, Kulturpessimismus, unvermeidliche Kinobesuche und Soundtrackfanatismus. Präsentiert mit einem übermäßigen Hang zur Selbstdarstellung und einem bloßen Lippenbekenntnis zu geschmacklicher Toleranz.
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