Zwei Paare treffen sich zum Abendessen und plötzlich werden ungemütliche Wahrheiten ausgesprochen. Nein, die Rede ist nicht von Das Drama, der vor wenigen Monaten im Kino eine ganz ähnliche Szene vorweisen konnte und für Diskussionen sorgte. Ich spreche von The Invite, der wie ein zweieiiger Zwillingsfilm des diesjährigen Meisterwerks mit Zendaya und Robert Pattinson wirkt.
In diesem (Comedy-)Drama werden ebenfalls komplexe Beziehungsdynamiken verhandelt und dabei wird es extrem cringe, hochemotional und unfassbar lustig. Ab sofort läuft The Invite in den deutschen Kinos und ich kann nur sagen: Er lohnt sich. Seit Das Drama hatte ich nicht mehr so viel Spaß im Kino.
The Invite im Kino: Ein Abendessen wird zur Zerreißprobe einer Beziehung
Die Beziehung von Joe (Seth Rogen) und Angela (Olivia Wilde) hat ihre goldenen Tage schon lange hinter sich. Joe schleppt sich jeden Tag mürrisch zur Arbeit an der Musikhochschule, nachdem der große Durchbruch für seine Band ausblieb, und Angela vertreibt sich die Zeit in ihrer gemeinsamen Wohnung mit fast schon fanatischer Inneneinrichtung und der Sorge um ihre zwölfjährige Tochter Maggie. So leben die beiden immer mehr aneinander vorbei.
Als Angela das charmante und geheimnisvolle neue Nachbarspaar Piña (Penélope Cruz) und Hawk (Edward Norton) spontan zum Abendessen einlädt, kochen die sich über Jahre angestauten Konflikte der beiden über. Denn die intensive Psychotherapeutin und der mysteriöse ehemalige Feuerwehrmann bringen ihre ganz eigenen Geheimnisse und Erwartungen mit, der Joes und Angelas Leben völlig auf den Kopf stellt. Eines ist sicher: Nach dieser Nacht ist nichts mehr, wie es vorher war.
Nach ihrem grandiosen Coming-of-Age-Hit Booksmart und dem enttäuschenden Thriller Don't Worry Darling hat sich Olivia Wilde mit The Invite ein Remake des spanischen Films The People Upstairs von Cesc Gay aus dem Jahr 2020 vorgenommen, der schon in zahlreichen Ländern neu verfilmt wurde. Nach einem Drehbuch von Rashida Jones (Parks & Recreation) und Will McCormack (Right at your Door) arbeitete sie eine ganz eigene Version des Stoffs aus, der den vier Hauptdarsteller:innen wie auf den Leib geschneidert scheint.
Als intensives Kammerspiel, das genauso gut auf der Theaterbühne funktionieren würde, ist The Invite vor allem eines: großes Schauspielkino. Denn wir verlassen die Wohnung von Joe und Angela nach dem Prolog nicht ein einziges Mal und konzentrieren uns völlig auf die Menschen, die sich darin bewegen. Im schummrigen Wohnzimmerlicht und in weichgezeichneten Bildern bewegen sich Wilde, Rogen, Norton und Cruz in einen Abend hinein, der immer weiter entgleist.
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The Invite ist großes Schauspielkino mit einem fantastischen Drehbuch
Wildes Angela gibt sich akribisch und überbemüht, sucht verzweifelt nach neuen Kontakten und will alles perfekt machen, während Rogen als Joe den mürrischen und unsicheren Kumpeltyp spielt, der einen unpassenden Spruch nach dem anderen raushaut, um unangenehme Situationen zu retten. Cruz mimt Piña gewohnt geheimnisvoll und leidenschaftlich, während Norton als Hawk eine ruhige, aber zutiefst selbstsichere Aura ausstrahlt.
Wenn Hawk sich etwa auf den Teppich im Wohnzimmer legt, weil er – warum, erfahren wir später noch – eine tiefe Leidenschaft für Teppiche hegt, ahnt er nicht, dass Angela den Teppich extra für diesen Abend gekauft hat, um Piña und ihn zu beeindrucken. Während Angelas Augen vor Freude zu leuchten beginnen, hofft sie panisch, von ihrem ungläubig glucksenden Ehemann nicht verraten zu werden. Das ist nur eines von vielen Beispielen für die fast schon slapstickhafte Situationskomik, die dank ihrer hingebungsvollen Stars in keiner Sekunde konstruiert wirkt.
Diese Vier ergänzen sich auf jeder möglichen Ebene und entwickeln eine Chemie, der ich mich über 108 Minuten einfach nicht entziehen konnte. Jede Dialogzeile sitzt, jeder Witz landet, jeder Blick trifft ins Schwarze und je weiter der Abend voranschreitet, desto beeindruckter haben mich die lässigen bis hitzigen Schlagabtäusche zurückgelassen, die sich die Superstars hier wie aus der Hüfte geschossen liefern.
Da ich The People Upstairs vor der Filmsichtung nicht gesehen habe, durfte ich mich in dieser Neuauflage über gleich mehrere Twists freuen, denn der Abend nimmt einen Verlauf an, den ich von Anfang an nicht unbedingt so erwartet hätte. Ohne an dieser Stelle zu viel zu verraten, driftet das teils in wirklich absurde Gefilde ab und ich konnte mir bei so manchen Entwicklungen das überraschte Lachen nur schwerlich verkneifen. Doch genau darin liegt die großartige Kraft des Films: Alles kann und wird an diesem Abend passieren.
Mit dem fantastischen Cast gemeinsam in diese Wundertüte hineingezogen zu werden, ist eine wilde Achterbahnfahrt, die vor allem im letzten Drittel auf emotionaler Ebene unter die Gürtellinie schlägt und eine Tiefe entfaltet, die noch lange nach dem Kinobesuch nachhallt. Wie schon Das Drama zum Nachdenken über das zwischenmenschliche Zusammenleben angeregt hat, ist es letztlich auch The Invite gelungen, mich mitten ins Herz zu treffen und nachhaltige Spuren zu hinterlassen. Und das auf verdammt lustige Art.
The Invite läuft seit dem 30. Juli 2026 in deutschen Kinos.
