Horrorfilm The Lighthouse: Robert Pattinson brilliert im majestätischen Psychotrip

Wille Dafoe und Robert Pattinson in The Lighthouse
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Wille Dafoe und Robert Pattinson in The Lighthouse
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Stellvertretende Chefredakteurin bei Moviepilot, schreibt am liebsten über Game of Thrones und Filme, die in Hongkonger Nudel-Restaurants spielen.

Seit dem Ende von Twilight hat sich Robert Pattinson als Garant für ambitionierte Filmprojekte erwiesen, von Cosmopolis über Good Time bis High Life. Für seinen neusten Horrorfilm The Lighthouse lässt er sich von Stürmen aus Salzwasser und Rum durchpeitschen, die an seinem Verstand nagen.

Regie bei dem tiefschwarzen Horrorfilm mit Pattinson und dem göttlichen Willem Dafoe führt Robert Eggers (The Witch). Ausgerechnet jetzt feiert dieser majestätische Psychotrip Premiere, wo Pattinson als Batman in die Welt der Blockbuster zurückkehren könnte.

Der in saftigem schwarz-weiß gedrehte The Lighthouse stellt ein überzeugendes Argument für Robert Pattinson als neuem Batman auf. Obwohl seine Figur mit Millionär Bruce Wayne nicht weniger gemein haben könnte. Dass The Lighthouse ein in jeder Hinsicht gelungenerer Film als The Witch geworden ist, hilft allerdings.

3 Dinge, die ihr über The Lighthouse mit Robert Pattinson wissen müsst:

  • Robert Pattinson schreit an einer Stelle: "Deine gottverdammten Fürze!"
  • Willem Dafoe spinnt in diesem Film so viel Seemannsgarn, dass man damit 10 Aquaman-Sequels stricken könnte.
  • The Lighthouse wurde auf 35 Millimeter mit einem Seitenverhältnis von 1.19:1 gedreht. Das kam bei frühen Tonfilmen zum Einsatz.
  • Alle Infos zum Festival Cannes 2019 in der Übersicht.

The Lighthouse versetzt Robert Pattinson und Willem Dafoe in Einsamkeit und Wahn

Zu zweit schauen die Männer auf den herannahenden Felsbrocken, der in den kommenden vier Wochen ihr Heim sein soll. Als Ephraim (Robert Pattinson) und Thomas (Willem Dafoe) zu ihrem Leuchtturm auf einer winzigen Insel schippern, dröhnt bereits das Meer. Die Wolken hängen tief. Grau verschlingt das Bild, bis sich das Licht des Turms herausschält. Ein freundlicher Empfang sieht anders aus.

Aber böse Omen hängen sowieso über dem Film, in dem einäugige Möwen an Fensterscheiben klopfen und die Träume von angeschwemmten Meerjungfrauen erfüllt werden.

Der Neuling Ephraim wird sofort von dem Strahlen des Leuchtturms in seinen Bann gezogen, doch Thomas beansprucht sie für sich. Nachts steht er nackt in der Strahlen aufs Meer spritzenden Spitze dieses Phallussymbols, während der junge Mann von unten neidisch die Lichttropfen aufsaugt.

Ausufernde, seitenlange Fluch-Predigten werden ausgestoßen in The Lighthouse, es wird so bunt und vor allem feucht verteufelt, dass man sich in der R-Rated-Version von Aquaman glaubt.

Auf dem Felsen werden Lebensgeschichten, Geheimnisse und Lügen ausgetauscht. Nichts anderes als Reden, Trinken und Masturbieren scheint den beiden Leuchtturmwärtern zu bleiben, als ein Sturm aufzieht, der die Ablösung von ihrem Posten erschwert.

The Lighthouse begeistert durch Schauspieler und Kamera

Eingefangen von Kameramann Jarin Blaschke erinnern die ausgezehrten Gesichter in diesem Zweipersonenstück an Fotografien der vorletzten Jahrhundertwende. Sofern sich die Körper von Willem Dafoe und Robert Pattinson nicht gerade wie ein dunkles Schattenspiel vor dem Licht abzeichnen.

Blaschkes Kameraarbeit hatte bereits den blutleeren The Witch einen ästhetischen Puls verliehen. In The Lighthouse steht ihm ein Drehbuch zu Seite, das sich nicht - oder nicht ausschließlich - im Posing des 60er-Jahre-Autorenfilms verliert. Was wäre es auch für eine Missetat, einen Film zu vergeigen, in dem Willem Dafoe wie eine Mischung aus Colonel Kurtz und Käpt’n Iglo über Robert Pattinson herzieht!

Seinem Wesen nach ähnelt The Lighthouse der AMC-Serie The Terror. In der geht der Wahnsinn erzwungener Einsamkeit ebenfalls eine fatale Mischung mit dem Hass auf rigide Klassenstrukturen ein. Dafoes Thomas besitzt nichts weiter als die Macht über das Licht und seinen Rang als Herr über den lebensfeindlichen Felsbrocken. Er lässt Pattinsons Ephraim das in jeder Sekunde spüren, selbst als sich die beiden beim Überleben nur noch auf einander verlassen können.

Robert Pattinson kann Batman spielen - aber ebenso gut den Joker

Auch The Lighthouse, der in der Directors' Fortnight von Cannes Premiere feiert, gibt keinen Anlass, Robert Eggers zur neuen Hoffnung des Horrorfilms zu stilisieren. Allerdings leidet er weniger unter den Erstlingskrankheiten von The Witch und zieht vorbei wie eine Brise - voller salziger Regentropfen.

Es wäre natürlich schade, wenn Robert Pattinson sich ähnlich wie die Marvel-Stars auf Jahre an ein Superhelden-Franchise bindet. In The Lighthouse gibt er schließlich genügend Gründe, dass er ebenso gut den Joker spielen könnte. Andererseits halte ich einen Pattinson in absoluter Franchise-Genügsamkeit à la Robert Downey Jr. für unwahrscheinlich.

The Lighthouse zeugt von einem ungestillten Hunger nach Rollen und Filmemachern, die ihn herausfordern. Sollte er tatsächlich der neue Batman werden, würde das für uns wohl eines heißen: Robert Pattinson hätte noch mehr Macht, die Filme finanzieren zu lassen, an denen sein Herz hängt. Wenn das mehr Filme wie Good Time, High Life oder The Lighthouse bedeutet, dann kann ich es gar nicht erwarten, Pattinson als Fledermausmann zu sehen.

[In einer früheren Fassung des Textes stand, dass der Film im Academy-Format gedreht wurde, was Schmarrn ist, Anm.d.Verf.]

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