Selten lässt sich ein kommender Blockbuster allzu früh (über seine Trailer hinaus) in die Karten schauen. Der Kinostart von Denis Villeneuves Sci-Fi-Trilogieabschluss
Dune: Part Three ist noch über fünf Monate entfernt. Trotzdem durfte ich bei einem globalen IMAX-Fan-Event jetzt schon die ersten sieben Minuten sehen, die mich völlig überrollt haben. Im positivsten Sinne. An dieser Erfahrung will ich euch hier teilhaben lassen.
Atemberaubender Sci-Fi-Einstieg: So beginnt Dune 3 in den ersten 7 Minuten
Nachdem Dune uns Paul Atreides (Timothée Chalamet) als potenziellen Erlöser des umkämpften Wüstenplaneten Arrakis nahebrachte, stellte Dune: Part Two dieses Heldenbild drastisch in Frage. Dune: Part Three setzt nun 17 Jahre später ein – in einer Zeit, in der "Muad'dib", der vermeintliche Auserwählte, zum galaktischen Imperator aufgestiegen und durch seine hellseherische Macht quasi unbesiegbar geworden ist. Doch spannenderweise beginnt der dritte Film nicht mit Paul, obwohl er über allem schwebt.
Stattdessen startet Dune 3 buchstäblich im freien Fall. Zum sich beschleunigenden (die Herzfrequenz steigernden) Rhythmus eines sandwurmlockenden Klopfers stürze ich an der Seite einer Reihe sperriger Kästen aus dem Himmel. Erst kurz vor dem Aufprall auf der Erde stoppen die eckigen Fluggeräte ihren Absturz und rasen dicht über der Oberfläche des fremden Planeten in dämmrigem Zwielicht dahin.
In den fliegenden Transportern sitzen dicht gedrängt Männer, die auf ihren Einsatz hinfiebern. Fast könnten sie einer US-Militäreinheit angehören, wenn da nicht Tücher und andere Kleidungsdetails wären, die sie als Soldaten der Wüste ausweisen: Es sind Fremen, die Einheimischen von Arrakis. Mit dem halb verschleierten Stilgar (Javier Bardem) rückt in ihren Reihen endlich auch ein bekanntes Gesicht in den Fokus. Er peitscht die Kämpfer mit ausgezehrtem Blick und Sprechgesängen auf. Und auch wenn das oft von seinen spröden Lippen gefallene "Lisan al-Gaib" diesmal nicht erklingt, lässt sein Ruf "Möge Gott mit uns sein!" mich dennoch unwillkürlich fragen, ob sein Gott den Namen Paul trägt.
Sobald die Soldaten ihr beengtes Flugschiff verlassen, legt sich ein Staunen auf ihre Gesichter: An ihrem unbekannten Bestimmungsort regnet es! Wasser aus dem Himmel kennt niemand der Wüstenmänner. Doch zum Verweilen bleibt keine Zeit: Gewehrfeuer zerreißt die Nacht. Die plötzlich direkt auf die Kamera zuschießenden Salven lassen auch mich in meinem Kinositz reflexartig den Kopf einziehen. Mit roten Laserstrahlen durchschneiden die Geschütze das Dunkel. Ankommende Raumschiffe werden getroffen und stürzen brennend herab, während Stilgars Team in Deckung geht.
Fernglasansichten sprenkeln die verzweifelte Suche nach einem konkreten Feind, während sich gegnerische Geschütze wie Periskope eines U-Boots schnell wieder unter den Erdboden zurückziehen. Jemand ruft nach einem "Schildbrecher", als ein gewaltiger Turm unter seinem getroffenen Schutzschirm in der Ferne erglüht. Doch die drei Bazooka-ähnlichen Geschosse prallen von ihm ab und werden auf die Fremen-Angreifer zurückgeschleudert. Die gesamte grausige Szenerie steht kurz darauf in Flammen. Ein einzelner Soldat sprintet panisch los, doch auf seiner Flucht zwischen Explosionen und Feuergefechten gibt es kein Entkommen.
Dune zeigt sich in Teil 3 mehr denn je als echter Kriegsfilm
Nach dieser Anfangsszene klopft mein Herz schneller als jeder Sandwurm-Taktgeber. Die leisen Zweifel, ob der neue Kameramann Linus Sandgren seinen Vorgänger Greig Fraser beerben kann, sind Geschichte. Es dauert noch lange, bis mein Adrenalinpegel wieder auf seinen Normalzustand zurückkehrt. Denis Villeneuve beweist sich hier einmal mehr als Meister enormer Größenordnungen, wenn er in seiner filmischen Spannweite die Angst eines Bodensoldaten ebenso greifbar macht wie die gigantischen Raumschiffe, die seiner Welt ihren unvergleichlichen Sci-Fi-Faktor verleihen.
Auch Teil 1 und 2 hatten eindrückliche Action-Szenen. Nach diesen sieben Minuten von Teil 3 kann ich aber nicht mehr leugnen, dass Dune 3 als waschechter Kriegsfilm beginnt. Die nervösen Soldateneinheiten. Das unvermittelt hereinbrechende Chaos. Die beschränkte Sicht im Kampfgeschehen, wenn Regen, Staub und Dunkelheit die Panik vor einem Angriff aus unbekannter Richtung steigern. All das würde auch in jeden Zweiten-Weltkriegs-Film passen. Nur dass ich hier im Sci-Fi-Ambiente den D-Day der Fremen miterlebe. Allerdings immer mit der unbequemen Frage im Hinterkopf, wer bei dieser Invasion für "die richtige Sache" kämpft.
Im live übertragenen Gespräch mit Denis Villeneuve auf dem Fan-Event nennt der Regisseur seinen im Tonfall veränderten dritten Dune-Film einen "intensiven Thriller". Ergänzend zum zweiten Dune 3-Trailer runden die sieben Einstiegsminuten außerdem weitere kurze Szeneneinblicke ab, die mir endlich auch Paul und Chani (Zendaya) näher zeigen.
Es dröhnt so schön: Die kurzen Minuten von Dune 3 hallen noch lange in mir nach
Schnell aufeinanderfolgend geben die Bilder dramatische Eindrücke wieder: Ein komplett veränderter Paul streift sich im staubigen Kampfgeschehen die Kapuze ab, als ob er seinen schrecklichen Anblick mit Glatze und Augennarben jemandem Vertrautem offenbart (Chani?). Pauls Schwester Alia legt Sci-Fi-Tarotkarten, da auch sie eine spezielle Spice-Begabung besitzt (Timothée Chalamet nennt Alia-Darstellerin Anya Taylor-Joy im Bühnengespräch in ihrer in Teil 2 schon eingeführten Rolle "wundervoll und furchteinflößend"). Dem in Teil 3 als Klon Hayt zurückgekehrten Jason Momoa schleudert Paul im Schwertduell entgegen, dass er "Duncan Idaho braucht" (auch im Buch weiß er lange nicht, ob der Mann sein alter Freund ist bzw. ob er den Atreides-Schwertmeister überhaupt aus dem Fremden hervorkitzeln kann).
Über allem schwebt die Frage, ob der einst so vielversprechende Atreides-Spross wieder menschlich werden kann. Oder ist der Wandel unumkehrbar, wenn "alles Gute korrumpiert werden kann", wie Chalamet es um Nuancen bemüht ausdrückt. Doch etwas stört in Dune 3 offenbar Pauls Gabe, wenn der Allmächtige im Voiceover erklärt, dass sich "eine Wolke" vor seine Zukunftssicht geschoben hat, und Chani ihn fragt, wie es ist, sich "wieder wie alle anderen" zu fühlen. Statt Paul anzubeten, will ich Villeneuve lieber um seine Rettung bitten, der natürlich nicht verrät, wie weit er die Buchvorlage verändert hat.
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Mit dröhnendem Bass fräsen sich die epischen IMAX-Bilder in Sekundenschnelle in mein Hirn und bewegen sich nicht mehr von dort weg. Selbst auf dem Nachhauseweg vom Kino habe ich noch Timmys treibende Schreigesänge von Hans Zimmers neuem Soundtrack im Ohr. Meine Vorfreude vibriert mit den visuellen Paukenschlägen und angedeuteten Ahnungen des gerade Gesehenen um mich herum wie ein eingeschalteter Körperschild.
Nur eine schwere Aufgabe liegt nun vor mir: Wie nur soll ich mich ohne Pauls Zukunftsgabe nach dem enormen Sog dieses Einstiegs noch fast ein halbes Jahr auf Dune 3 gedulden?
Dune: Part Three startet am 17. Dezember 2026 in den deutschen Kinos. Wenn ihr die ersten sieben Minuten selbst erleben wollt, könnt ihr das (laut Denis Villeneuve) in IMAX-Vorstellungen vor Die Odyssee tun, der am 16. Juli 2026 anläuft.
