Community Blog
Was denn nun?

Johnny Depp und sein Fluch (oder Segen?) der Karibik

Depp als Captain Jack Sparrow in Fluch der Karibik 2
© Buena Vista
Depp als Captain Jack Sparrow in Fluch der Karibik 2

Das Jahr 2003 stellte einen Wendepunkt in der Karriere Johnny Depps dar. Mit der Freibeuter-Komödie Fluch der Karibik spielte er zum ersten mal die Hauptrolle in einem Mega-Blockbuster - ein Schritt, gegen den sich Depp bisher immer gewehrt hatte. Quasi über Nacht wurde aus dem einstigen Indie-Star ein gefragter Hollywood-Schauspieler, dem alle Türen offen standen. Die Entscheidung, in solch einem massentauglichen Film mitzuwirken, fiel Depp vor allem wegen seiner Kinder mit seiner damaligen Freundin Vanessa Paradis. Er wollte Filme drehen, die auch sie sich in den nächsten Jahren anschauen konnten. Zuvor hatte Depp sich stets gewehrt, in Blockbustern zu spielen und war daher eher in kleineren Independent-Produktionen wie Gilbert Grape - Irgendwo in Iowa oder Ed Wood zu sehen - Filme, die zwar von Kritikern und Fans gelobt wurden, bei denen das ganz große Publikum aber stets ausblieb. Erst 1999 sollte sich dies ändern, als Tim Burtons Horror-Märchen Sleepy Hollow in die Kinos kam. Zum ersten mal feierte einer von Depps Filmen beachtliche Erfolge - sowohl finanzielle als auch bei der Kritik. Zuvor war Johnny Depp immer ein etwas unangepasster Schauspieler gewesen, der nur die Rollen annahmen, die ihn auch persönlich faszinierten und in denen er eine Herausforderung sah. So spielte er in seinen Filmen vor allem Außenseiter, die nirgendwohin zu gehören schienen. Dieser Umstand lässt sich wohl auf Depps Jugend zurückführen, denn mit indianischem Blut in den Adern hatte er schon früh mit einem Gefühl der Verlorenheit zu kämpfen. Die Scheidung seiner Eltern, ständige Umzüge und Drogen trugen ihr Übriges dazu bei.

Nach Sleepy Hollow befand sich Johnny Depps Karriere jedoch vorläufig auf dem Höhepunkt. In den folgenden Jahren war er vorwiegend jedoch eher in kleinen Nebenrollen in ebenso kleinen Produktionen zu sehen. So spielte er zum Beispiel einen Zigeuner in In stürmischen Zeiten oder die Hauptrolle des Drogendealers George Jung in Blow. An den finanziellen Erfolg von Sleepy Hollow konnte er jedoch vorerst nicht mehr anknüpfen, weshalb viele Kritiker Depp schon in die Versenkung abschreiben wollten. Einen Wendepunkt stellte also Fluch der Karibik dar, der Depps bis dato bei weitem erfolgreichster Film werden sollte. Nicht nur das Publikum, auch die Kritiker waren vom Film und nicht zuletzt von Depps Performance als schräger Pirat Captain Jack Sparrow (bei der er sich übrigens von Keith Richards und vom Looney-Tunes-Charakter Pepe Le Pew inspirieren ließ) begeistert. Für diese Rolle erhielt Depp auch seine für viele längst überfällige erste von bisher drei Oscar-Nominierung, bei der er jedoch leer ausging. Nichtsdestotrotz war Depp plötzlich ein gefragter Star und Aushängeschild vieler Blockbuster. Nach seiner zweiten und dritten Nominierung für den begehrten Goldjungen (Wenn Träume fliegen lernen bzw. Sweeney Todd - Der teuflische Barbier aus der Fleet Street) ging es nach Meinung vieler Fans und Kritiker für Depp jedoch langsam bergab. Zu ähnlich sei sein Rollentypus, zu oft eine schlichte Kopie des Jack Sparrows. Und tatsächlich: Figuren wie der Hutmacher in Alice im Wunderland oder des Indianders Tonto in Lone Ranger sehen wie Abziehbilder des androgynen, seltsamen Querkopfs aus, den Depp als Captain Sparrow perfektioniert hatte.

Johnny Depp zieht zwar nach wie vor sein Ding durch, weshalb ihn auch die vielen Flops in den letzten Jahren wahrscheinlich kaum kratzen dürften, doch ist es kaum abstreitbar, dass er mittlerweile einmal zu oft zu einer billigen Kopie seiner selbst verkommen ist (Stichwort: Mortdecai - Der Teilzeitgauner). Seine Rolle als eiskalter Gangster in Black Mass gab zwar Grund zur Hoffnung und auch seine Beteiligung am Franchise Phantastische Tierwesen und wo sie zu finden sind wird wohl finanziell die Kassen klingeln lassen, vom bald kommenden fünften Fluch der Karibik ganz zu schweigen. Ich persönlich würde Johnny Depp jedoch auch gerne wieder häufiger in Filmen wie Edward mit den Scherenhänden oder Fear and Loathing in Las Vegas sehen. Doch trotzdem darf man Fluch der Karibik nicht vergessen. Einerseits der Film, dem Depp seinen heutigen Einfluss in Hollywood verdankt und der womöglich sogar seine Karriere gerettet hat, andererseits jedoch auch Gift für seine spätere Rollenauswahl und -auslegung war.

Was meint ihr? Könnt ihr nicht genug von Jack Sparrow bekommen oder sollte sich Depp doch mal nach anderen Rollentypen umsehen?

Community Autor
folgen
du folgst
entfolgen
Ich lasse mich hier über Themen aus, die die Welt nicht braucht und gerade vielleicht deshalb so viel Spaß machen.
Deine Meinung zum Artikel Johnny Depp und sein Fluch (oder Segen?) der Karibik
9a9054f96673441c9a588ec748b144e9