Stranger Things ist nach fast zehn Jahren in der Silvesternacht 2025 mit dem großen Staffel 5-Finale zu Ende gegangen. Die Netflix-Serie hat sich im Verlauf der Zeit zu einem riesigen Phänomen entwickelt, das Fans in aller Welt in Atem gehalten und von Staffel zu Staffel mit ihren Figuren und Abenteuern mitgezogen hat. Auch ich habe den neuen Folgen über die Jahre stets gebannt entgegengefiebert und mit den Held:innen aus Hawkins von der ersten bis zur letzten D&D-Kampagne in Mikes Keller gelacht und geweint.
Mit der neuen Animationsserie Stranger Things: Tales From '85 wird das Erfolgsuniversum der Duffer-Brüder nur wenige Monate später um eine brandneue Geschichte erweitert. Und ich muss direkt sagen: Ich hätte diese neue Serie nicht gebraucht. Doch jetzt wo sie da ist, kann ich sie nur jedem Fan ans Herz legen. Denn auch, wenn Tales from '85 nicht das Stranger Things ist, das wir kennen und lieben gelernt haben, macht es durchaus Spaß, durch diese frische Perspektive ins Hawkins der 1980er zurückzukehren – wenn man sich darauf einlässt.
Stranger Things: Tales from '85 wirft uns in die Vergangenheit zurück – mit einer neuen Geschichte
Tales from '85 spielt, wie der Titel bereits verrät, im Jahr 1985. Zeitlich gesehen befinden wir uns also zwischen Staffel 2 und 3 der Hauptserie. Im Januar liegen die ereignisreichen Herbsttage, in denen Elfi das Portal zum Upside Down vermeintlich geschlossen hat, hinter den Kids und sie freuen sich auf eine unbeschwerte, gemeinsame Zeit im Schnee. Doch der Frieden hält nicht lange an, als plötzlich neue Monster in Hawkins auftauchen, die die Stadt und ihre Bewohner:innen terrorisieren.
Elfi, Mike, Dustin, Lucas, Will und Max machen es sich natürlich sofort zur Aufgabe, hinter die bedrohlichen Vorkommnisse zu blicken. Ihre Spur führt sie schon bald zum bekannten Labor von Hawkins. Doch das Geheimnis um die neuen Kreaturen greift viel tiefer als das, was sie bereits zu kennen glauben. Wird es ihnen gelingen, mithilfe ihrer neuen Mitschülerin Nikki Baxter die Wahrheit ans Licht zu bringen und Hawkins vor der Bedrohung zu retten?
Seht hier den Trailer zu Stranger Things: Tales from '85
Auch ich war skeptisch, als die neue Serie angekündigt wurde und habe mir zahlreiche Fragen gestellt: Ist Stranger Things als Animationsserie ohne die Originalstimmen der Stars überhaupt noch Stranger Things? Kann es funktionieren, einfach eine Geschichte zwischen zwei Staffeln der Hauptserie zu erzählen, die dann überhaupt nicht wirklich zum Kanon gehört? Und muss es überhaupt sein, das Stranger Things-Universum nach dem Finale mit einem Spin-off weiter auszuschlachten?
Die Antwort auf all das lautet "Jein". Aber der Reihe nach. Die Serie unter der kreativen Leitung von Eric Robles (Glitch Tech) wird bei Fans wahrscheinlich die gesamten zehn Folgen über ein seltsames Gefühl hervorrufen. So war es zumindest bei mir und ich würde es als das "Uncanny Valley"-Problem beschreiben. Etwas ist einfach ein bisschen off – es ist fast so, wie es sein soll, aber dann eben doch nicht so ganz.
Gleich und doch ganz anders: Tales from '85 erweitert den Stranger Things-Kosmos gelungen
Wir befinden uns in einer Animationsversion von Hawkins. Die Stadt und ihre Figuren sehen aus wie die Stadt und die Figuren, die wir aus der Hauptserie kennen – aber irgendwie eben auch nicht. Elfi sieht aus wie Elfi, Mike sieht aus wie Mike. Aber eben nur fast. Bei den Stimmen der englischen Originalversion verhält es sich ähnlich.
Es ist wirklich erstaunlich, dass das Casting-Team der Serie Sprecher:innen gefunden hat, die vom Stimmenklang so eine starke Ähnlichkeit mit den Originalstars haben. Besonders bei Dustin musste ich den Abspann nach Folge 1 zweimal lesen, um sicherzugehen, dass er nicht doch von Gaten Matarazzo gesprochen wird. Aber ganz so wie die Originalstars klingen die neuen Sprecher:innen dann eben doch nicht.
Der nächste Faktor, der dieses off-Gefühl verstärkt, ist die Reise in die Vergangenheit. Seit dem Ende der 2. Staffel von Stranger Things sind bereits über acht Jahre vergangen. Seitdem sind die Figuren um Elfi und Co. gewachsen, ebenso wie ihre Darsteller:innen. Die Zeit jetzt noch einmal zurückzudrehen, ist ehrlich gesagt merkwürdig. Denn das schüchterne Mädchen, das der englischen Sprache noch nicht so ganz mächtig ist und damit ringt, vollständige Sätze zu bilden, hatte Elfi zuletzt längst hinter sich gelassen.
Ebenso wie Will sich vor vielen Jahren von seinem ikonischen Topfschnitt und Zombieboy-Image emanzipiert hatte. Man wird das Gefühl nicht los, als wäre man schon lange über diese alten Charakterentwicklungen und Dynamiken hinweg, die die Serie uns in dieser neuen Geschichte wieder präsentiert.
Wenn es uns aber gelingt, all diese sich unweigerlich aufdrängenden Vergleiche an die Seite zu legen, offenbart die Serie uns eine durchaus mitreißende Geschichte um ein neues Abenteuer, das seine eigene Sogkraft entwickelt. Schon bald wollte ich wissen, was wirklich hinter den neuen Monstern steckt. Und besonders, als herauskommt, dass das Geheimnis größer ist, als das Upside Down, wird es spannend. Denn darauf haben wir in der Hauptserie schließlich keine Antwort erhalten.
In kurzweiligen 20 bis 30 Minuten pro Episode treibt uns die Spur immer einen Schritt näher, präsentiert uns immer größere und abgefahrenere Monster und gibt uns mehr von dem, wofür wir Stranger Things eigentlich wirklich lieben: den Figuren, die in Tales from '85 zum Glück genau die Essenz dessen verkörpern, wofür sie auch in der Hauptserie gestanden haben.
Dass es wieder jede Menge ikonische 80er-Jahre Needledrops gibt und die Serie mit einem cyberpunkigen Neondesign aufwartet, was bereits im neuen Intro eingängig verbunden wird, verleiht Tales from '85 dazu eine ganz einzigartige Atmosphäre, die sowohl den Geist des Originals einfängt, als diesen auch gelungen erweitert.
So lohnt sich die Serie letztendlich für jeden Fan, der es schafft, sich darauf einzulassen – und vielleicht auch für diejenigen, die in den späteren Stranger Things-Staffeln abgesprungen sind und jetzt noch einmal zu den nostalgischen Anfängen zurückkehren wollen. Ob es die Serie wirklich gebraucht hätte, steht auf einem anderen Blatt.
Stranger Things: Tales from '85 streamt seit dem 23. April 2026 bei Netflix. Grundlage für diesen Serien-Check waren alle zehn Folgen.
