Neu bei Netflix: Ungewöhnlicher Kriegsfilm mit Vin Diesel – kaum jemand kennt ihn, aber er ist richtig stark

04.03.2026 - 13:00 UhrVor 6 Tagen aktualisiert
Die irre Heldentour des Billy LynnSony/Netflix
0
0
Zehn Jahre ist es her, dass Vin Diesel in einem Kriegsfilm mitgespielt hat, der unter die Haut geht. Ab sofort könnt ihr das etwas in Vergessenheit geratene Werk bei Netflix streamen.

Wenn ein Kriegsfilm mit einem Action-Star wie Vin Diesel angekündigt wird, erwartet man vermutlich einen Blockbuster, der auf große Schauwerte wie Explosionen und Stunts setzt. Vor einer Dekade kam jedoch ein Film ins Kino, der diesen Bildern entsagte und uns das Leben von Soldaten aus einer ungewohnten Perspektive zeigte.

Die Rede ist von Die irre Heldentour des Billy Lynn, einer Mischung aus Kriegsfilm und Drama, die leider nie die Aufmerksamkeit erhalten hat, die sie verdient hat. Dabei stammt der Film sogar von einem der besten Regisseure unserer Zeit: Ang Lee. Umso mehr wollen wir ihn euch jetzt bei Netflix im Streaming-Abo ans Herz legen.

Die irre Heldentour des Billy Lynn bei Netflix pendelt zwischen Kriegstrauma und Propaganda

Im Mittelpunkt der Geschichte befindet sich der 19-jährige Billy Lynn (Joe Alwyn), der im Irakkrieg unter dem Kommando von Virgil "Shroom" Breem dient. Der von Vin Diesel verkörperte Sergeant setzt sich für seine Kompanie ein, wird allerdings schnell zu einer Erinnerung aus einer anderen Welt, sobald der Schauplatz wechselt.

Ein Großteil von Die irre Heldentour des Billy Lynn spielt weit abseits der aus dem Kino gewohnten Kriegsschauplätze: im grellen Scheinwerverlicht eines Football-Stadions. Hier soll Billys Einheit nach ihrer Rückkehr in die USA bei einer patriotischen Halbzeitshow auftreten. Aber die Erinnerungen an Shroom verschwinden nicht.

Immer wieder gehen Feuerwerke in Granaten über, die Billy zurück in zerstörte Straßen und Häuser bringen. Als Held soll er gefeiert werden, am liebsten würde er aber in dem kalten, grauen Labyrinth unter den Tribünen verschwinden. Die Kameras wollen einen Kriegshelden sehen – zum dröhnenden Sound von Destiny’s Child.

Ang Lee hat aus einer bissigen Kriegssatire einen emotional überwältigenden Film gemacht

Die irre Heldentour des Billy Lynn basiert auf dem gleichnamigen Roman von Ben Fountain, der sich die Titelfigur ausgedacht hat, um eine satirische, bissige Geschichte zu erzählen. Diese wirft einen kritischen Blick auf Propaganda, Medien und die Kommerzialisierung des Krieges auf Kosten echter Menschen.

Wo Fountain mit verbittertem, sarkastischem Tonfall schreibt, der die Heuchelei und Absurdität des Ganzen entlarven will, wählt Lee einen deutlich emotionaleren Ansatz bei seinem Film. Natürlich schwingen auch hier alle Themen aus dem Buch mit, aber noch stärker ist die Unmittelbarkeit, mit der wir in Joe Alwyns Augen blicken.

Im Gegensatz zu den meisten Filmen, die mit 24 Bildern pro Sekunde aufwarten, wurde Die irre Heldentour des Billy Lynn mit 120 Bildern pro Sekunde gedreht. Das bedeutet, wir bekommen ein ultrascharfes, glasklares Bild, als würden wir selbst eine Hochglanz-TV-Übertragung eines Football-Spiels schauen. Jedes Detail ist sichtbar.

Es ist unglaublich, wie viel Menschlichkeit Ang Lee im Wahnsinn einer patriotischen Halbzeitshow

Ang Lee könnte die Technologie als Werkzeug nutzen, um das Trauma der Soldaten inmitten des Stadions, inmitten der US-amerikanischen Selbstinszenierung zu sezieren – stechend und erbarmungslos. Lee war allerdings noch nie ein Erzähler, der seine Figuren im Grauen der Welt alleine gelassen hat. Vielmehr begleitet er sie.

In kaum einem anderen Film kommt dieses Einfühlungsvermögen so überwältigend zum Vorschein wie in Die irre Heldentour des Billy Lynn. Lee wühlt sich durch Schichten und Schleiern, um den Schmerz seines verschlossenen Protagonisten zu verstehen, der im strahlenden Grün gelähmter als auf dem Schlachtfeld ist.

Das Erstaunlichste ist, wie unheimlich schlicht dieser Film geworden ist, obwohl Farben und Lichter aus allen Ecken schießen. Lee verwandelt das unbändige Tosen jedoch in ein betäubendes Hintergrundrauschen und überlegt sich dann, wie er die Gleichgültigkeit aufbricht, um zu ergründen, was den gierigen Ultra-HD-Kameras entgeht.

Das könnte dich auch interessieren

Schaue jetzt Die irre Heldentour des Billy Lynn

Kommentare

Aktuelle News