Neue Sci-Fi-Action will mit heftiger Zukunftsvision fesseln – aber wird dann nur dumm

22.01.2026 - 08:13 UhrVor 22 Tagen aktualisiert
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Mit Mercy startet ein neuer Sci-Fi-Blockbuster mit Chris Pratt im Kino, der seine dystopische Zukunftsidee mit besonderem Echtzeitkonzept präsentiert. Die ungewisse Anspannung hält der Streifen aber nicht lange durch.

In den letzten zehn Jahren war Wanted- und Ben Hur-Regisseur Timur Bekmambetov vor allem als Produzent hinter der sogenannten Screen Movies-Welle bekannt. Dahinter stecken Desktopfilme wie Unknown User und Searching, die ihre Handlung praktisch ausschließlich auf die Benutzeroberfläche von Laptops oder Smartphones verlagern.

Während Bekmambetov bei diesen Streifen meist als Produzent involviert war, ist er jetzt für den neuen Sci-Fi-Action-Blockbuster Mercy und dessen besonderes Echtzeitkonzept selbst auf den Regiestuhl zurückgekehrt. Wir haben den Film mit Guardians of the Galaxy-Star Chris Pratt und Dune-Star Rebecca Ferguson in den Hauptrollen vorab gesehen und erklären euch hier, was euch bei Mercy erwartet.

Sci-Fi-Action Mercy hält zunächst mit fieser Zukunftsvision bei der Stange

Die Handlung des Films spielt in der nahen Zukunft, im Los Angeles des Jahres 2029. Hier wurde ein revolutionäres System entwickelt, bei dem eine künstliche Intelligenz als Richter, Geschworener und Henker in einem fungiert. Angeklagte haben nur 90 Minuten Zeit, um ihre Unschuld zu beweisen, sonst werden sie an Ort und Stelle hingerichtet. Die Verbrechensrate in der dystopischen US-Metropole soll hierdurch schon um knapp 70 Prozent reduziert worden sein.

Hier könnt ihr noch einen deutschen Trailer zu Mercy schauen:

Mercy - Trailer 2 (Deutsch) HD
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Eines Tages findet sich der Detective Chris Raven (Chris Pratt) selbst auf dem Stuhl wieder, da er unter Verdacht steht, seine Ehefrau Nicole (Annabelle Wallis) ermordet zu haben. Die Beweislast ist erdrückend und ihm bleibt ebenfalls wenig Zeit, um vor der KI Judge Maddox (Rebecca Ferguson) um sein Leben zu kämpfen.

Auch wenn Mercy kein klassischer Desktopfilm ist, fügt sich das Sci-Fi-Szenario ziemlich ähnlich in das Raster der jüngeren Produktionen des Regisseurs ein. Bekmambetov packt Pratt gefesselt in einen Stuhl, wo dieser die meiste Zeit der Handlung verbringen wird. Vor ihm öffnen sich dabei ständig neue Fenster einer digitalen Umgebung, die aus Überwachungsaufnahmen, Live-Schalten, Videoanrufen oder Social-Media-Feeds besteht.

Während die Uhr mit Chris' 90 Minuten beinahe in Echtzeit heruntertickt, zieht sich die Schlinge um den Hals des Protagonisten fester zu. Im Vergleich zu seinen Blockbuster-Heldenfiguren wie Star Lord aus dem Marvel-Universum oder Owen Grady aus dem Jurassic World-Franchise, ist dieser Chris Raven anfangs keine so einwandfreie Identifikationsfigur. Schnell ist klar, dass die Ehe zwischen ihm und dem Opfer in Scherben lag und Chris aufgrund seiner Alkoholabhängigkeit als tickende Zeitbombe auftritt.

Mercy präsentiert in rasender Geschwindigkeit erstmal immer neue Content-Puzzleteile, die die Hauptfigur erdrückend belasten, und hält das Tempo durch das moderne Digi-Echtzeitkonzept hoch.

Mercy versumpft in Crime-Klischees und wird hanebüchener Quatsch

Was als Duell zwischen Pratts Detective und Ferguson als überzeugend emotionslosen KI-Avatar beginnt, nimmt spätestens ab der Hälfte abstruse Züge an. Ohne zu viel zu verraten, ist klar, dass alles wohl doch nicht so einfach ist, wie es scheint, und das klare Mordszenario mit Chris Risse bekommt. Von hier an mutet Mercy neben dem Konzept mehr und mehr wie eine beliebige Episode aus einer der unzähligen US-Krimiserien wie Navy CIS oder Criminal Minds an.

Die Hauptfigur wird vom Beschuldigten zum Getriebenen, der mit Unterstützung der KI neue Indizien sammelt, frische Hinweise verfolgt und einer Wahrheit auf die Spur kommen will. Das Tempo von Bekmambetovs Film weicht Genre-Klischees, die teils völlig hanebüchen enthüllt werden. Was als interessantes Spannungsfeld zwischen Mensch und KI mit viel Technologiekritik beginnt, wird zum generischen Crime-Brei, der wirkt, als würde eine KI selbst immer abenteuerlichere Wendungen für die Story ausspucken.

Wenn Mercy dann in einem möglichst explosiven Action-Finale mündet, in dem nur noch das aufgesetzte Spektakel zählt, unterscheidet sich Mercy trotz des Echtzeitkonzepts im digitalen Raum kaum noch von Stangenware wie zuletzt der desaströse Sci-Fi-Desktopfilm Krieg der Welten von Prime. Und an den will wirklich niemand erinnert werden.

Mercy läuft ab dem 22. Januar 2026 in den deutschen Kinos.

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