Alle Filme und Serien zu zählen, die je zu Sir Arthur Conan Doyles Meisterdetektiv Sherlock Holmes gedreht wurden, scheint unmöglich. Mehr als ein Jahrhundert nach seinem ersten Auftritt steuert Amazon Prime Video am 4. März 2026 eine weitere Version des genialen Ermittlers bei. Sogar Guy Ritchie hat hier nach seinen beliebten Filmen mit Robert Downey Jr. wieder die Finger im Spiel. Doch was hat die Serie Young Sherlock, außer eines stark verjüngten Privatschnüfflers, Neues zu bieten? Lohnt sich der 8-teilige Actionkrimi? Das und mehr erfahrt ihr in diesem spoilerfreien Serien-Check.
Amazon schleudert Young Sherlock in seinen ersten Fall
Im Oxford der 1870er Jahre ist der 19-jährige Sherlock Holmes (Hero Fiennes Tiffin) noch kein Detektiv. Intelligent, aber undiszipliniert, braucht der Teenager eine Richtung und so zwingt sein Bruder Mycroft (Max Irons) ihn in einen Job als Page an der renommierten Universität. Dort freundet Sherlock sich mit dem gelangweilten Studenten James Moriarty (Dónal Finn) an.
Doch erst als eine chinesische Prinzessin (Zine Tseng) England erreicht und der Mord an einem Professor das Institut erschüttert, wird es für den jungen Sherlock Holmes richtig knifflig. Denn wenn er die Tat nicht aufklärt, wandert er selbst dafür ins Gefängnis. Je tiefer er nachbohrt, desto mehr kommt eine globale Verschwörung zum Vorschein.
Schaut hier den Trailer zu Amazons Young Sherlock
Young Sherlock basiert lose auf der bislang 8-bändigen Buchreihe Young Sherlock Holmes* von Andy Lane. Der darin 14-jährige Protagonist mutiert unter Serienschöpfer Matthew Parkhill (Deep State) vom Jungen zum jungen Mann: Nachdem Hero Fiennes Tiffin in Harry Potter und der Orden des Phönix schon Young Voldemort spielen durfte, markiert Young Sherlock den nächsten Schritt seines Erwachsenwerdens.
15 Jahre haben Fans auf einen dritten Film der Sherlock Holmes-Kinoreihe gewartet. Jetzt schüttelt der für seine actionreiche Krimiunterhaltung bekannte Regisseur Guy Ritchie (Snatch) ein inoffizielles Prequel zu seinen Robert Downey Jr.-Abenteuern aus dem Ärmel. Mit ihm als Regisseur der ersten zwei Folgen trägt auch der Rest der Amazon-Serie seine Handschrift. Im Guten wie im Schlechten.
Young Sherlock kämpft bei Amazon Prime mit Worten und Fäusten
Nachdem Guy Ritchie seinen Film The Gentlemen bei Netflix schon zur gleichnamigen Serie adaptierte, dürfte selbst das Serien-Publikum mit dem humorvollen Tonfall seiner Action-Krimis vertraut sein. In einem Moment löst Nicht-Student Sherlock wie Good Will Hunting an der Uni schwierige Mathegleichungen, im nächsten liefert er sich wie Robert Downey Jr.s Sherlock Holmes halbnackte Faustkämpfe. Wie in den meisten von Ritchies jüngeren Werken geht auch Young Sherlock den Weg leichtfüßiger Eskalation, die zuweilen etwas zu unterhaltsam sein will, um wirklich nachzuhallen.
Am ehesten lässt sich Young Sherlock vielleicht mit Kingsman: The Secret Service vergleichen, wenn höfliche Briten im Tweed-Anzug mal Sprüche klopfen und mal Leute verkloppen. Hier allerdings auf einem familienfreundlichen Level ohne Blutfontänen. Vom animierten Vorspann bis zu den verspielten Klängen von Christopher Bensteads Soundtrack poliert alles die Oberfläche dieser leicht verdaulichen Serie. Zuweilen hätte etwas Struktur den glatten Bildern gutgetan, um sich wirklich ins 19. Jahrhundert zurückzulehnen. Aber wenn jede Folge mit mindestens einer Wendung aufwartet, bleibt selten Zeit, um darüber nachzudenken.
Nachdem die gefeierte Serie Sherlock mit Benedict Cumberbatch und Martin Freeman kreative Mittel zur Visualisierung der genialen Kombinationsgabe ihrer Hauptfigur fand, beschreitet auch Young Sherlock eigene Pfade bei der Darstellung von Sherlocks Hirnpower. Immer wieder reist er als unbeteiligter Zuschauer in vergangenen Szenen seiner Erinnerung zurück, um übersehene Hinweise aufzudecken. Hier hätte sich die Serie allerdings visuell ein Beispiel an Harry Potters Denkarium nehmen und diese Kopftrips etwas klarer von der Realität abgrenzen können, um Verwirrung zu vermeiden.
Ihre wahre Stärke findet Young Sherlock, wenn die Serie an die Dynamik von Superman und Lex Luthor in Smallville erinnert: Wer die Vorlage gelesen oder schon einmal eine Sherlock-Holmes-Verfilmung gesehen hat, weiß schließlich, dass Moriarty Sherlocks ultimativer Erzfeind ist. Wie aus Freunden irgendwann Feinde werden, schwingt als aufreibend guter Stein im Schuh der Erzählung mit. Wenn Moriarty Sherlock in einem Hutladen droht, ihm die Freundschaft zu kündigen, falls er die schreckliche (später für Sherlock Holmes ikonische) Deerstalker-Mütze kauft, gelingt das sogar augenzwinkernd.
Wir haben Hunderte Verfilmungen mit Sherlock Holmes und Dr. Watson gesehen. Sherlock und Moriarty als Partner fühlen sich dagegen frisch an. Statt des üblichen Ablaufs von "Sherlock kombiniert und Watson staunt" besticht die Spurensuche des neuen Duos als intellektuelles Kräftemessen ebenbürtiger Geister.
Im Young Sherlock-Cast steckt sich die größte Stärke und Schwäche der neuen Serie
Young Sherlock fährt in der Besetzung einiges an Stars auf: Natascha McElhone (Die Truman Show) spielt Sherlocks verwirrte Mutter und Luther-Darsteller Joseph Fiennes (im realen Leben Hero Fiennes Tiffins Onkel) seinen undurchsichtigen Vater. Gelegentlich stapft Colin Firth (The King's Speech) als adeliger Sauertopf neben einem herrlich steifen Max Irons (Red Riding Hood) als älterem Holmes-Bruder durchs Bild. Doch ihren größten Fallstrick trifft die Serie in ihrem Hauptdarsteller.
Von Basil Rathbone bis Robert Downey Jr. ist die Liste der schätzungsweise 150 Sherlock-Holmes-Darsteller lang. Entsprechend braucht es mehr als das "Jung" vorm Namen des Protagonisten, um einen neuen Sherlock interessant zu machen und den "Sher-locked "-Hype eines Benedict Cumberbatch zu provozieren. Hero Fiennes Tiffin mag sich seit seinem Durchbruch mit der After Passion-Reihe weiterentwickelt haben. Aber seine attraktive Coolness steht dem neuen Sherlock eher im Weg. Nicht nur weil der Detektiv normalerweise durch Köpfchen statt Aussehen punktet, sondern weil Fiennes Tiffins begrenztes Repertoire an Gesichtsausdrücken von allen um ihn herum übertroffen wird.
Das spürt man vor allem dann, wenn die Serie in späteren Folgen der kriminellen Verschwörung die persönliche Note eines Familiendramas hinzufügt, der er mimisch kaum gewachsen ist. Zusätzlich knistert es auch nur halbherzig zwischen ihm und der chinesischen Prinzessin.
Zum Glück bietet Dónal Finn als Moriarty den nötigen Ausgleich zu Sherlocks glatter Fassade. Dem irischen Darsteller gelang bei Amazon vor zweieinhalb Jahren schon ein fast unmögliches Kunststück: Als für Staffel 2 von Das Rad der Zeit ausgerechnet Fanliebling Mat Cauthon umbesetzt werden musste, machte er sich die Rolle mit spitzbübischer Energie sofort zu eigen – und überflügelte dabei sogar die Erstbesetzung. Finns Stärke, einen komplexen Charakter glaubhaft zum Leben zu erwecken, trägt er nun auch in Young Sherlock. Ob er sich als Waschfrau verkleidet oder düstere Gewalttendenzen durchschimmern lässt, der Moriarty-Schauspieler bleibt der wahre Hingucker.
So steht am Ende von Staffel 1 fast die Frage, ob Young Moriarty vielleicht die spannendere Serie geworden wäre. Wer auf der Suche nach trittsicherer Krimi-Action für den Feierabend ist, muss aber trotzdem nicht bereuen, Young Sherlock einzuschalten.
Dieser Serien-Check basiert auf allen acht Folgen von Young Sherlock. Die Serie startet am 4. März 2026 mit allen Episoden bei Amazon Prime.
Podcast mit Young Sherlock: Das sind die besten Serienstarts im März bei Netflix, Amazon & Co.
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Die 15 Highlights im März umfassen neben der ersten Serienfortsetzung zu Yellowstone sowie neuen Staffeln von One Piece und Daredevil auch düsteren Netflix-Horror, die Rückkehr einer der aktuell besten Sci-Fi-Serien sowie Krimi-Abenteuer mit Sherlock Holmes.
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