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Sat 1 Film: Der Amokläufer

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Der Sat 1-Film Der Amokläufer – Aus Spiel wird Ernst handelt von einem Thema, das seit dem Schulamoklauf an der Columbine Highschool 1999 leider immer wieder aktuell ist: dem Amoklauf durch Minderjährige. “Der Film könnte ein heikler Psychothriller werden, verfängt sich jedoch in Klischees und in einer schwülstigen Liebesgeschichte”, meint Kritikerin Annasita Zinn. “Der Amokläufer – Aus Spiel wird Ernst beginnt gut, mutiert aber im Verlauf zu einer romantischen Liebesgeschichte, welche das Hauptthema leider zerstört.”

Mobbing in der Eliteschule

Maren Hilbert (Anja Kling) ist die neue Deutsch- und Musiklehrerin an der Privatschule Sophienbund. Als sie sich am ersten Tag auf dem Weg zur Schule verfährt, nimmt sie den Schüler Frederic (Philipp Kubitza) mit, der sich als gemobbter Außenseiter herausstellt. Stipendiaten haben es nicht leicht im Sophienbund, denn die Söhne und Töchter reicher Eltern fühlen sich ihnen gegenüber privilegiert. So müssen besonders Nina (Simone Burckhardt) und Frederic tägliche Schikane durch ihre Mitschüler hinnehmen.

Besonders grausam gehen dabei der Millionärs-Sprössling Maximilian (Alexander Martschewski) und der Sohn des Polizisten Jonas (Emil Reinke) vor. Mit Demütigungen, Handyvideos und körperlicher Gewalt drangsalieren sie täglich ihre schwächeren Klassenkameraden. Maren Hilbert bemüht sich zwar, den Zusammenhalt in der Klasse zu stärken, scheitert jedoch an der Arroganz der Privatschüler. Als sie am ersten Arbeitstag einen anonymen Telefonanruf im Sekretariat entgegennimmt, bei dem ein Amoklauf angekündigt wird, benachrichtigt sie umgehend die Polizei. Der Einsatzleiter ist Niklas Götz (Thure Riefenstein), in den sich die junge Lehrerin im weiteren Verlauf verliebt.

Lange bleibt unklar, wer der Amokläufer ist: Der von seiner Mutter unterdrückte Maximilian, der all seine Wut an den Schwächeren auslässt? Frederic, das schüchterne Mobbing-Opfer? Oder Jonas, der Sohn des Polizisten?

Der Amoklauf

Maren Hilbert und Niklas Götz setzen alles daran, den Amokläufer ausfindig zu machen. Dabei stoßen sie besonders beim Direktor des Sophienbunds, Adrian Pagel (Thomas Schendel), auf Widerwillen. Denn der Sophienbund steht kurz vor Renovierungsarbeiten und ist auf die Gelder der reichen Eltern angewiesen. So werden Drogenprobleme der Schüler, Mobbing und fehlende Sozialkompentenz ausgeblendet, um den guten Ruf der Schule und ihrer Schüler zu gewährleisten.

Schließlich stellt sich heraus, dass es Frederic war, der sich als Fighter X ausgab und den Amoklauf ankündigte. All die Wut hat sich über die Jahre in ihm angestaut – durch den Massenmord will er möglichst viele Schuldige töten. Doch Maren und Niklas schaffen es, das Schlimmste zu verhindern und den Amoklauf zu stoppen, ohne dass jemand verletzt wird.

Realitätsfremdes und romantisches Ende eines Amoklaufs

“Genau hierin liegt das Problem”, meint Filmkritikerin Annasita Zinn. “Während sich Der Amokläufer – Aus Spiel wird Ernst zu Beginn noch bemüht, mögliche Klischees zu vermeiden und die furchtbaren Auswirkungen des modernen Mobbings mittels Handykameras auf die pubertären Schüler nachzuempfinden, gleitet der Film in der Schlusssequenz ins Romantische ab. Anscheinend wollten die Macher den Zuschauern das schockierende Ende eines Amoklaufes ersparen. Doch durch die Abmilderung zum Happy End hin verunglimpfen die Autoren einen Film, der mehr hätte leisten können. Die Rettung aller Hauptfiguren wie auch des Amokläufers stoßen unangenehm auf und lassen den Film im Nachhinein als mittelmäßigen Fernsehfilm erscheinen, obwohl die Ansätze durchaus spannend schienen.”

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