Star Wars: Maul – Shadow Lord ist ein temporeiches Action-Abenteuer, das vor allem mit einer Veränderung begeistert

10.04.2026 - 11:53 UhrVor 1 Tag aktualisiert
Maul – Shadow LordDisney
0
0
Ist Maul – Shadow Lord das Andor der Animationsserien von Star Wars? Das und mehr verraten wir euch in unserem Serien-Check zum neuesten Ableger aus der weit entfernten Galaxis.

Für eine Figur, die 1999 vor den Augen unzähliger Fans in zwei Hälften gehackt wurde, genießt Star Wars-Bösewicht Darth Maul ein überraschend langes Leben. Oft wurde der Schüler von Darth Sidious als eine der größten vertanen Chancen der Prequels bezeichnet. Im Animationsgewand entwickelte er sich jedoch heimlich, still und leise in eine der faszinierendsten Figuren der gesamten Saga.

Unter allen absurden Franchise-Rückkehrern der vergangenen Jahre ist Maul der König. Angetrieben von Roboterbeinen und jede Menge Hass meldete er sich in der 4. Staffel von The Clone Wars zurück und schlug einen völlig neuen Pfad ein, der ihn als hungrigen Racheengel und angehenden Gangsterboss in der Unterwelt des Star Wars-Universums verortete. Genau daran schließt Maul – Shadow Lord an.

Willkommen in der Star Wars-Unterwelt: Maul – Shadow Lord ist ein Crime-Thriller im Cyberpunk-Look

Die Geschichte der neuen Star Wars-Serie setzt nach den Klonkriegen ein. Das Imperium streckt seinen Machtarm aus, doch der Planet Janix ist bisher weitestgehend von der neuen Ordnung verschont geblieben. Stormtrooper sieht man nicht in den von Neonlichtern durchfluteten Straßen, die in einem bläulichen Schimmer leuchten, als wären sie einer Cyberpunk-Dystopie à la Blade Runner entsprungen.

Hier ermittelt Polizeikommissar Brender Lawson (Wagner Moura) mit seinem Droiden-Partner 2B0T aka Two-Boots (Richard Ayoade). Vor allem aber versucht er, das Imperium so fern wie möglich zu halten. Auch wenn er sich nicht für immer gegen die von oben verordneten Protokolle durchsetzen kann, weiß Lawson: Wenn das Imperium erstmal das Sagen übernimmt, war's das mit der Freiheit auf Janix.

Umso ärgerlicher ist es, dass die kriminellen Machenschaften einer furchteinflößenden Gestalt die Aufmerksamkeit der Tactical Defense Force auf sich lenken und schon bald in die nächsthöhere Chefetage weitergetragen werden. Maul (Sam Witwer) raubt mit seinem Shadow Collective eine Bank aus und legt sich mit den Mafiabossen des Planeten an, als hätte er beim Joker in The Dark Knight besonders aufgepasst.

Mit verführerischem und unheimlichem Flüstern sorgt er für Albträume. Maul lässt aber nicht nur seine Impulse walten. Er ist mehr als ein Agent des Chaos, dessen größte Waffe vermeintliche Unberechenbarkeit ist. Als Maul die Jedi-Padawan Devon Izara (Gideon Adlon) entdeckt, sieht er in ihr die Möglichkeit, die perfekte Waffe für seinen niemals endenden Rachefeldzug gegen alle zu schaffen, die ihn verraten haben.

Maul besitzt ein pulsierendes Ego und einen rastlosen Drang nach Vergeltung, der seine erste eigene Star Wars-Serie in ein temporeiches Action-Spektakel verwandelt. Er schert sich nicht um Regeln und Gesetze, sondern folgt einer unbändigen Vorwärtsbewegung, wie sie direkt zu Beginn der Geschichte in Form einer Heist-Sequenz zum Ausdruck kommt – mit Hochgeschwindigkeit rasen wir durch Häuserschluchten.

Auf den Spuren von Andor: Was sich Maul – Shadow Lord von dem Star Wars-Meisterwerk abgeschaut hat

Maul – Shadow Lord ist extrem kurzweilig und unterhaltsam. Auf Verfolgungsjagdten folgen Schießereien und Lichtschwertkämpfe mit mehr roten Klingen, als ihr zählen könnt. Immer wieder blitzt der Charakter eines pulpigen B-Movies durch, das begeistert von Schauplatz zu Schauplatz hechtet, ohne genau zu wissen, warum. Charaktere, Kulissen und Kostüme sind da. Der Rest erledigt sich irgendwie auf dem Weg.

Das Kreativteam um Serienschöpfer Dave Filoni – allen voran Headautor Matt Michnovetz und Brad Rau, dem leitenden Regisseur – hat sich auch von einem anderen Star Wars-Projekt inspirieren lassen: Der Geist von Andor schwebt über den Ereignissen auf Janix. Deutlich wird das in den Passagen, die sich um die strengen Hierarchien der Tactical Defense Force im Kontrast zum wilden Handeln des Protagonisten drehen.

Maul – Shadow Lord ist zwar zu keiner Sekunde so präzise und poetisch geschrieben wie Andor, interessiert sich aber ebenso für die moralischen Grauzonen im politischen Gefüge nach dem Untergang der Republik. Insbesondere die Beziehung zwischen Lawson und Two-Boots erweist sich als spannender Einstiegspunkt, denn die lässige Buddy-Cop-Dynamik der ersten Episoden weicht einem unerwarteten Vertrauensgefälle.

Wagner Moura und Richard Ayoade erweisen sich als große Bereicherung im Voice-Cast der Sternensaga. Ayoade gastierte schon als Stimme des Protokolldroiden Zero in The Mandalorian. Im Zuge von Maul – Shadow Lord kann er erstmals an einer Figur so richtig feilen. Auf den ersten Blick ist Two-Boots ein weiterer sympathischer Droiden-Sidekick. Nach und nach offenbart er jedoch aufwühlendere Facetten.

Ihm gegenüber steht Moura als das menschliche Gewissen der Geschichte. Gerade erst wurde er für seine famose Performance in The Secret Agent für den Oscar nominiert, da trägt er ein einnehmendes Hadern und nahbare Verletzlichkeit in den Sternenkrieg, obwohl sich seine Figur beides nicht leisten kann – weder im Hinblick auf Mauls unheivolles Säuseln noch auf das an die Tür klopfende Imperium.

Maul – Shadow Lord bricht den vertrauten Animationsstil der The Clone Wars-Serien endlich auf

Der interessanteste Aspekt von Maul – Shadow Lord ist jedoch die visuelle Gestaltung der Serie, da der in The Clone Wars etablierte Animationsstil mit seinen Ecken und Kanten weiterentwickelt wird. Waren Spin-offs wie The Bad Batch und die Tales-Reihe (Geschichten der Jedi, Geschichten des Imperiums, Geschichten der Jedi) noch sehr dem Original verbunden, wagt sich Maul – Shadow Lord aus der Komfortzone.

Ein dringend notwendiger Schritt, denn trotz mutiger Formate wie Visions droht das Franchise, in einem uninspirierten Hausstil zu versacken – sei es durch die Volume-Ästhetik im Live-Action-Bereich oder die The Clone Wars-Dominanz bei den Animationen. Resistance konnte wenig Akzente setzen. Die Einflüsse von Concpet-Art-Maestro Ralph McQuarrie bei Rebels sind längst Geschichte. Wohin geht Maul?

Mit einem Spider-Verse-Äquivalent, das sich virtuos durch Animationsschichten schlängelt, haben wir es leider nicht zu tun. Filoni und Co. sind trotzdem gewillt, den festgefahrenen Look aufzuweichen. Während die Figurenanimation weiterhin in der Tradition von The Clone Wars steht, erwacht Maul – Shadow Lord durch sagenhafte Umgebungen zum Leben, die einen tiefer und tiefer in die Welt hineinziehen.

Zurückgegriffen wurde u.a. auf traditionelle Filmtechniken wie Matte Paintings – Hintergrundmalerei mit Pinselstrichen auf Glas, die mal ganz stumm eine Szene rahmen, mal sorgfältig animiert ein melancholisches Flackern heraufbeschwören. Das passt perfekt zu einer verregneten Metropole in allen erdenklichen Blauschattierungen, durch die sich rote, unbändig vibrierende Lichtschwertklingen schneiden.

Maul – Shadow Lord sieht in diesen Momenten wirklich bewundernswert aus. Sobald sich die Serie in zu dunkle Räume begibt, übernehmen jedoch matschige Grün- und Brauntöne, die nicht ansatzweise mit der filigranen Gestaltung der blaugetränkten Szenen mithalten können, selbst wenn sich ein Schatten eindrucksvoll über den Grund bewegt. Der Wille, bleibende Bilder zu schaffen, ist aber definitiv vorhanden.

Die 1. Staffel von Maul – Shadow Lord feierte am 6. April 2026 ihre Premiere bei Disney+ und umfasst insgesamt zehn Folgen, die im Wochentakt in Doppelfolgen veröffentlicht werden. Als Grundlage dieses Serien-Checks dienten die ersten acht Folgen.

Das könnte dich auch interessieren

Schaue jetzt Star Wars: Maul - Shadow Lord

Kommentare

Aktuelle News