Netflix produziert nun schon seit über 10 Jahren Serien und Filme für den eigenen Katalog, aber mit Franchises tut sich der Streamer schwer. Während Konkurrenzfirmen und Studios auf althergebrachte Titel wie Der Herr der Ringe, Marvel, James Bond, Fast and Furious usw. setzen können, steht Netflix im Zugzwang eigene Marken zu schaffen, um seine Abonnent:innen bei Laune zu halten. Was leichter gesagt ist, als getan.
Deswegen hat sich der Streaming-Dienst in den letzten Jahren auch bemüht, große Titel an Land zu ziehen. The Witcher gehörte zum Beispiel dazu. Aber auch die Rechte am kreativen Schaffen eines der beliebtesten Kinderbuchautoren des 20. Jahrhunderts. Erst vor wenigen Wochen startete ein neuer Film aus diesem kostspieligen Universum bei Netflix.
Netflix hat für die Roald Dahl-Geschichten richtig tief in die Tasche gegriffen
Es geht um das Werk von Roald Dahl, dem 1990 verstorbenen Schriftsteller, der Werke wie Charlie und die Schokoladenfabrik, Hexen hexen und Matilda hinterlassen hat. Netflix soll im Jahr 2018 eine neunstellige Summe aufgebracht haben für die Rechte an 16 Werken des Autors.
Das Budget für die geplanten Produktionen wurde damals auf bis zu 1 Milliarde geschätzt (Guardian ), was teurer wäre als Blockbuster-Serien wie Der Herr der Ringe: Die Ringe der Macht oder Game of Thrones. 2021 folgte der nächste Deal: Netflix akquirierte die Roald Dahl Story Company für rund 620 Millionen Dollar, wie Sky News damals meldete. Damit standen dem Streaming-Dienst die Tore für Adaptionen, Spin-offs und vieles mehr aus der Welt des Schriftstellers offen.
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Mittlerweile gibt es 2 Spielfilme und 4 Kurzfilme – der neuste Film startete im Oktober
Die Ausbeute ist bislang durchwachsen. Den Anfang machte 2022 der Spielfilm Roald Dahls Matilda - Das Musical, der bei der Kritik ziemlich gut ankam (93% bei Rotten Tomatoes). Die Moviepilot-Community vergibt hingegen schmächtige 5,8 von 10 Punkten. In den All-Time-Streaming-Charts landete der Film nicht.
Für das meiste Aufsehen sorgten die kleinsten (und besten) Filme. 2023 erschien eine Kurzfilm-Sammlung von Wes Anderson, der mit Darstellern wie Benedict Cumberbatch und Ralph Fiennes mehrere Kurzgeschichten von Dahl verfilmte. Sie feierte beim Filmfestival in Venedig Premiere, wurde von den Moviepiloten mit Bewertungen zwischen 6 und 7 Punkten gesegnet und wurde mit einem Oscar für den Besten Kurzfilm ausgezeichnet.
Das sind die Roald Dahl-Filme von Wes Anderson:
- Ich sehe was, was du nicht siehst - Oscar-prämiert!
- Der Schwan
- Der Rattenfänger
- Gift
Der neuste Streich aus Netflix' Roald Dahl-Universum startete erst im Oktober dieses Jahres. Es handelt sich um das Animationsabenteuer Die Trottels. Darin schließen sich zwei Waisen und ein paar magische Tiere zusammen, um ihre Heimatstadt vor den unangenehmsten Menschen der Welt zu retten: dem Ehepaar Twit.
Der Animationsfilm lockt im Original mit den Stimmen von Emilia Clarke, Natalie Portman und "character actress" Margo Martindale. Allerdings fiel das Netflix-Abenteuer bei Kritik und Publikum durch – falls es denn überhaupt wahrgenommen wurde.
Die nächsten Projekte aus dem Netflix-Universum stehen schon fest
Zurzeit sind die Animationsserie Charlie and the Chocolate Factory und die Reality-Show The Golden Ticket in Arbeit, doch die Erwartungen bleiben gedämpft. Einerseits hat Netflix in relativ kurzer Zeit und trotz Pandemie sowie Hollywood-Streik recht viel auf die Beine gestellt. Andererseits kann von einer echten Konkurrenz zum kinderfreundlichen Programm bei Disney+ nicht die Rede sein.
Was durchaus verwundert, denn außerhalb von Netflix können Neu-Interpretationen von Dahls Geschichten Erfolge feiern. Das bewies nämlich Wonka mit Timothée Chalamet. Das Fantasy-Musical von Paddington-Regisseur Paul King ist kein Netflix-Original, sondern kam 2023 in die Kinos. Es spielte weltweit über 600 Millionen Dollar ein.
Wonka streamt mittlerweile auch, aber nicht bei Netflix, sondern bei RTL+.