Wusstet ihr, dass Regisseur Stanley Kubrick die Mondlandung gefälscht hat und Hinweise darauf in seinem Film Shining versteckte? Falls nicht, auch gut, denn das ist natürlich Quatsch. Es ist aber eine von vielen Verschwörungstheorien, die dem Horrorstreifen anhaften, wie unter anderem der Dokumentarfilm Room 237 zeigt.
Fast genauso hartnäckig hält sich das Gerücht, dass Kubricks letzter Film Eyes Wide Shut nach seinem Tod im Jahr 1999 kurz vor der Premiere geändert worden sei. Denn angeblich hätte die Geschichte über okkulte Geheimorganisationen und Orgien interne Machenschaften von hohen Tieren in Hollywood und darüber hinaus offenbart. So soll es eine 20 Minuten längere Fassung geben, die nur nie an die Öffentlichkeit gelangte. Warum das eher nicht so ist, legte jetzt seine Tochter Vivian Kubrick ausführlich dar.
Es gibt keine längere Fassung von Eyes Wide Shut, sagt Stanley Kubricks Tochter
Eyes Wide Shut basiert auf der Traumnovelle von Arthur Schnitzler und zeigt Tom Cruise als verheirateten High-Society-Arzt aus New York, der aus dem Eheleben mit seiner Frau (Nicole Kidman) ausbricht und sich in gefährliche Zirkel begibt. In einem ausführlichen Post auf X legte Vivian Kubrick nun detailliert dar, warum es einen geheimen, längeren Cut von dem Film nicht geben kann (via Hollywood Reporter ).
Zum einen, weil sie nach Stanley Kubricks Tod sehr schnell sehr involviert war, die Arbeit ihres genialen Vaters zu schützen und ihr eine alternative Fassung nie untergekommen ist.
Die einzige Änderung, von der ich damals hörte, war der Einsatz von CGI – computergenerierten Figuren –, um einen Teil der Nacktheit in der Orgienszene zu kaschieren; dies war von Warner Brothers gewünscht, um für den Film ein R-Rating zu erhalten. Dass jedoch Einstellungen oder Szenen entfernt worden wären, habe ich nicht gehört.
Zum anderen, weil es aus praktischen Gründen, die mit dem Ablauf des damaligen Schneideprozesses zu tun haben, nicht angehen kann, dass eine solche Version existiert. Damals wurde mit einem Editor-Programm namens Avid gearbeitet, das lediglich niedrigerauflösende Kopien des 35 mm-Materials verarbeitet, um eine Vorschau für den Schnitt zu erstellen. Dieses Arbeitsmaterial wurde jedoch so gut wie nie archiviert.
Selbst wenn also nach seinem Tod tatsächlich 20 Minuten entfernt worden wären, bezweifle ich stark, dass man heute noch eine erhaltene Video- oder Digitalkopie, ein unbenutztes Negativ oder einen sonstigen offensichtlichen physischen Beleg dafür finden würde. Doch das Fehlen solchen Materials ist ein zweischneidiges Schwert: Es beweist keineswegs, dass diese 20 Minuten überhaupt jemals existiert haben. Weiter kann ich mich dazu ehrlicherweise nicht äußern.
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Könnte es die 20 Minuten längere Version früher gegeben haben?
Wir wissen also unterm Strich nun ziemlich sicher, dass es diese längere Version jetzt nicht mehr geben kann. Allerdings verbannt Vivian Kubrick auch die Möglichkeit, dass es eine solche Version früher einmal gegeben haben könnte, ins Reich der unhaltbaren Verschwörungsmythen.
Doch solange keine stichhaltigen Beweise auftauchen – und Geschichten von bestimmten Personen, die diese meiner Meinung nach erst im Nachhinein erfinden, betrachte ich nicht als Beweis (oft wollen Menschen ihre eigene Rolle in einer Geschichte sensationeller darstellen, sofern sie überhaupt eine Rolle gespielt haben) – bleibt die Behauptung, nach seinem Tod seien 20 Minuten aus Eyes Wide Shut entfernt worden, für mich eine reine Verschwörungstheorie und keine erwiesene Tatsache.
Ein bisschen Luft lässt die hinterbliebene Tochter des verstorbenen Regisseurs also, was das wilde Spekulieren angeht. Als würden Verschwörungstheoretiker die brauchen, um ihre Movie-Mythen zu spinnen.
Falls ihr jetzt noch einmal für euch selbst klären wollt, ob Eyes Wide Shut 20 Minuten mehr gebraucht hätte, findet ihr den Film bei HBO Max im Stream.