Guillermo del Toro ist mit Leidenschaft bei der Sache, das merkt man den Filmen des mexikanischen Oscarpreisträgers sofort an. Sein neuer Netflix-Blockbuster Frankenstein ist nach eigenen Aussagen ein Traumprojekt für del Toro, dessen Fantasy- und Science-Fiction-Filme häufig monströse Gestalten feiern. Seit dieser Woche streamt seine Frankenstein-Adaption.
Wer das 150-minütige Epos zu Ende geschaut hat, kann bei Netflix direkt die nächste Literaturverfilmung aufrufen, in der Guillermo del Toro einem der Außenseiter-Helden seiner Kindheit ein Denkmal setzt. Euch erwartet ein ebenso bildgewaltiges Abenteuer vor realem Hintergrund.
Nach Frankenstein bei Netflix: Das Fantasy-Abenteuer Pinocchio von Guillermo del Toro
Guillermo del Toros Pinocchio wurde fast genau vor drei Jahren veröffentlicht und hat so gut wie alle Markenzeichen eines Guillermo del Toro-Films. Wie bei Frankenstein und Hellboy auch handelt diese Adaption von einem Außenseiter, der nicht der menschlichen Norm entspricht.
Die Geschichte des Schreiners Gepetto, dessen Holzpuppe dank eines magischen Eingriffs zum Leben erweckt wird, trägt sich in der Adaption von Carlo Collodis Kinderbuch im faschistischen Italien der 1930er Jahre zu. Auch diese Herangehensweise, also einen übernatürlichen Genre-Stoff vor einem realen Hintergrund zu platzieren, gehört zu del Toros Markenzeichen. Schon Pans Labyrinth war in Francos Spanien angesiedelt, und auch Frankenstein spielt, anders als die Vorlage, vor dem Hintergrund des verheerenden Krimkrieges in den 1850er Jahren.
In del Toros Version der Geschichte hat Geppetto seinen Sohn durch Bomben im Ersten Weltkrieg verloren und erhält 20 Jahre später in Form des selbstgebauten Pinocchio neue Gesellschaft. Der Holzjunge ist allerdings nicht das gutmütige Kind, das er im Sinn hatte. Stattdessen sorgt der Bengel mit seinen Streichen für jede Menge Ärger. Während er versucht, den Erwartungen seines Vaters gerecht zu werden, schickt sein Ungehorsam Pinocchio auf eine abenteuerliche Reise, bei der er allerlei liebenswerte und furchterregende Gestalten trifft.
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Der Stop-Motion-Animationsfilm haucht Pinocchio mit wunderschönen Bildern Leben ein
Für die Realisierung wählten Guillermo del Toro und Ko-Regisseur Mark Gustafson die Stop-Motion-Technik. So wird Pinocchio und tierischen Gestalten wie Sebastian J. Grille (im Original: Ewan McGregor) und Graf Volpe (im Original: Christoph Waltz) wie durch Zauberhand Leben eingehaucht. Einerseits wirken die Landschaftspanoramen und ihre Bewohner:innen etwas der Realität enthoben. Andererseits erscheinen sie so plastisch, dass man meint, übers hölzerne Köpfchen des Helden streichen zu können.
Teils wirklich wunderschöne Bilder reihen sich in Pinocchio aneinander, während die Geschichte mit musikalischer Begleitung ordentlich Tempo aufnimmt.
Pinocchio ist im Gegensatz zu Frankenstein ein Abenteuer für die ganze Familie, bietet aber genügend düstere Untertöne, um auch das erwachsene Publikum bei Laune zu halten. Gemeinsam bilden die Filme bei Netflix jetzt ein Double-Feature, das die Kernthemen von Guillermo del Toro gleich für mehrere Generationen aufbereitet – gleichermaßen mitreißend wie bildgewaltig.
Dafür gewann del Toro übrigens seinen dritten Oscar und seinen ersten für den Besten Animationsfilm. Ob es im März für Frankenstein wieder Goldstatuetten regnet?