Unfassbar gute Leistung: Der Agentenfilm Wild Horse Nine muss John Malkovich endlich einen Oscar bescheren

03.09.2026 - 19:30 UhrVor 17 Tagen aktualisiert
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Three Billboards-Regisseur Martin McDonagh meldet sich mit dem Agentenfilm Wild Horse Nine und einem großartigen John Malkovich zurück. Lest die Kritik zu dem tieftraurigen Spaß auf der Osterinsel.

Vor 18 Jahren hat Martin McDonagh den Kultfilm Brügge sehen... und sterben? vorgelegt, der ihn mit einem Schlag vom bekannten Theaterautor in einen großen Hollywood-Namen verwandelte. Offenbar schwelgt McDonagh seit einer Weile in Erinnerungen. Sein letzter Film The Banshees of Inisherin vereinte mit Colin Farrell und Brendan Gleeson das Killerduo aus Brügge wieder vor der Kamera. Nun geht er noch weiter. Sein neuer Agentenfilm heißt Wild Horse Nine und ist so etwas wie ein Update seines besten Films.

Beschäftigte sich Brügge sehen... mit dem Leben in der Todsünde, setzt McDonagh das Alter seines Helden diesmal etwas höher an. Wie vernünftig sterben, wenn man diverse Menschenleben und Demokratien auf dem Gewissen hat? Die Antwort liefern die wehmütigen Augen eines unfassbar guten John Malkovich als CIA-Agent.

In Wild Horse Nine machen Sam Rockwell und John Malkovich Urlaub vom Morden

Die Parallelen sind offensichtlich zwischen dem Sühne-Thriller von 2008 und dem Wettbewerbsbeitrag beim diesjährigen Filmfestival von Venedig. Wir haben in Wild Horse Nine wieder zwei Killer, die an einen für sie exotischen Ort reisen. Diesmal sind es die CIA-Agenten Lee (Sam Rockwell) und Chris (John Malkovich), die ihre Brötchen mit dem Sturz von Regierungen verdienen. Chris' Liste an "Errungenschaften" reicht von Guatemala 1954 über den Kongo 1961 und inkludiert vielleicht sogar das schlagzeilenstarke Attentat auf einen US-Präsidenten in Dallas, Texas.

1973 finden sich die beiden in Chile wieder, wenige Wochen vor der Ermordung des demokratisch gewählten Präsidenten Salvador Allende. Die beiden machen einen Kurzurlaub auf Rapa Nui, auch bekannt als die Osterinsel. Chris und Lee wollen die riesigen Steinskulpturen begutachten.

Das mittelalterliche Brügge wird damit durch saftig-grüne Landschaftspanoramen ersetzt. Freilich gibt es wieder einen missmutigen Chef (diesmal Steve Buscemi), der den beiden per Telefon einheitzt, und eine junge Frau (Mariana Di Girolamo aus Pablo Larraíns Ema), die ihnen zur Selbstreflexion verhilft.

Wegen der gewollten Déjà-vus warten hinter den wunderhübschen Hügeln von Wild Horse Nine wenige Überraschungen aufs Publikum. Auch hinsichtlich des Humors geht der Regisseur von Three Billboards Outside Ebbing, Missouri und 7 Psychos neuen Pfaden gekonnt aus dem Weg. Wer Probleme mit McDonaghs auf edgy getrimmtem Witz hat, der ja immer etwas zwischen Europäischem Theaterpreis und Schulhof-Hänselei schwankt, wird hier ebenso grummelig den Saal verlassen. Andererseits muss ich als McDonagh-Skeptikerin zugeben, dass mich keiner seiner Filme seit Brügge... so berührt hat wie Wild Horse Nine.

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John Malkovich muss endlich mal seinen verdienten Oscar bekommen

Der Clou, der Wild Horse Nine in mehr als nur ein Greatest-Hits-Konzert verwandelt, findet sich in der Rolle von John Malkovich. Anders als Colin Farrells trauriger Killer aus Brügge sehen... steht Chris am Ende seiner Laufbahn. Während Farrells Figur mit dem Tod eines Unschuldigen haderte, hat Chris Bedenken dieser Art vor langer Zeit abgelegt. Nun nähert sich der Katholik seinem persönlichen Ablaufdatum und stellt fundamentale Fragen des Lebens: Sind die guten Dinosaurier eigentlich in den Himmel gekommen? Wie steht es um Motten? Und warum produzieren Demokratien besseren Käse als Diktaturen? Eine Frage, die unausgesprochen bleibt: Kommt ein CIA-Killer in den Himmel?

Das Schönste an Malkovichs Darbietung dieses zynischen Arschlochs ist, dass er sich weder anbiedert noch um unsere Tränen bettelt. Er spielt Chris' rare verletzliche Momente mit derselben Mitleidlosigkeit, mit der er jungen Idealisten Gags über faschistische Putschversuche vor den Latz knallt.

Es ist eine dieser Darbietungen, die daran erinnern, was man als Filmfan leider als selbstverständlich annimmt. Dass John Malkovich ein fantastischer Schauspieler ist. Immer ist er für uns da, selbst wenn wir ihn aus den Augen verlieren. Wild Horse Nine sollte deswegen auch daran erinnern, dass dieser Mann noch nie einen Oscar gewonnen hat. Eine Schande, wenn ihr (hoffentlich nicht nur) mich fragt. Wild Horse Nine könnte das ändern. Wenn McDonaghs Filme jedoch eines lehren, dann, dass die Welt selten gerecht ist.

Ich habe Wild Horse Nine in Venedig gesehen, wo der Film seine Weltpremiere feiert. Der deutsche Kinostart ist am 12. November 2026.

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