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Von Medizinern & Hausmeistern

Das Scheitern von Scrubs

30.03.2015 - 14:00 UhrVor 6 Jahren aktualisiert
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Bild zu Das Scheitern von Scrubs
© ABC
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Nach meinem ersten lücken- und pausenlosen Durchgang von Scrubs bleibt leider ein leicht fader Nachgeschmack zurück. Wieso das so ist? Naja...

Ich liebe Scrubs - Die Anfänger.

Mit diesem Satz könnte alles gesagt sein, denn viele wissen, wieso. Die Charaktere waren allesamt, trotz der überzogenen Persönlichkeiten, sehr nachvollziehbar und natürlich. Die Geschichten waren immer lustig und wussten trotzdem stets auch, wann sie dramatisch sein sollten und die grandiosen Schauspieler konnten beide Seiten zur vollen Zufriedenheit ausfüllen. Die Fantasien waren zwar zum Teil recht cheesy, aber in jedem Fall besser gemacht und nie so inflationär wie die Cutawayjokes von Family Guy. Und erst das Ende... oh Gott, diese letzte Folge!
J.D. sieht seine Zukunft auf einer Leinwand vor sich ablaufen, dazu das absolut geniale Book of Love vom noch genialeren Peter Gabriel, es hätte alles so schön sein können.

Doch dann bestätigte der Sender ABC 2009 die neunte Staffel der Serie. Scrubs - Med School sollte sie heißen und sich nicht mehr hauptsächlich um John Dorian drehen, sondern eine ganz neue Gruppe junger Studenten in den Mittelpunkt rücken. Zach Braff würde nur am Anfang versuchen, die metaphorische Fackel weiterzugeben. An sich erstmal keine schlechte Nachricht, da der Erfinder Bill Lawrence weiterhin die Serie produzieren würde und der Mann immerhin für neun Jahre nahezu perfekte Fernsehunterhaltung verantwortlich ist. Es dauerte noch bis 2011 bis das Spin-off in Deutschland anlief.

Ich ignoriere an dieser Stelle mal die permanenten Überbleibsel der alten Besetzung (Donald Faison als Turk, John C. McGinley als Dr. Cox und Eliza Coupe als Denise), da, und das sei an dieser Stelle ganz klar gemacht, sie die einzigen interessanten sympathischen Charaktere sind (abgesehen vielleicht von Drew), aber dennoch nie an das Original heranreichen.
Lucy Bennett heißt die neue Hauptfigur (gespielt von Kerry Bishé) und das neue Loveinterest Cole (James Francos Bruder Dave), die anderen Studenten werden (abgesehen von Drew) von mir genauso übergangen, wie es die Serie tut.

Lucy ist J.D. mit Brüsten und ohne charakterliche Tiefe. Ich wünschte ich könnte mehr über sie sagen, aber bis auf eine Liebe zu Pferden, die keinerlei humoristisches Potenzial besitzt (nicht, dass es nicht versucht wurde) gibt es nichts über sie zu sagen. Sie hat Probleme in den Vorlesungen, also schläft sie mit Cole. Sie nimmt sich zu viel vor, also schläft sie mit Cole. Sie hat Probleme mit Cole, also schläft sie mit Cole. So sieht im Endeffekt jeder Ansatz von Problemlösung von ihr aus, bis sich die beiden schließlich einen Ruck geben und zusammenkommen... wunderschön, wenn es zwischen den beiden Schauspielern auch nur den kleinsten Funken Chemie gäbe... den es nicht gibt.
Sarah Chalke und Zach Braff hatten in der regulären Serie immer eine offensichtliche menschliche Verbundenheit, wie sich auch in den Folgen zeigt, in denen Elliott auftritt: Es passt einfach. Im Gegensatz dazu hofft man bei Cole und Lucy immer nur auf den nächsten Schnitt.

Cole ist übrigens auch so ein Thema. Wie auch nur irgendwer auf die Idee kommen konnte, Dave Franco einen unsympathischen, völlig untalentierten Schauspieler für die Rolle von Cole Aaronson, einen absolut nervigen, uncharismatischen Idioten zu casten, ist mir schleierhaft. Entweder ist das der beste Witz, der jemals gemacht wurde oder der Mensch, der für das Casting zuständig war, schwebte zu dem Zeitpunkt in irgendwelchen drogeninduzierten Sphären. Was auch immer du genommen hast, lieber Castingzuständiger, das Zeug sollte gesammelt und auf einem riesigen Scheiterhaufen verbrannt werden, während indianische Medizinmänner einen rituellen Dämonenaustreibungstanz machen!

Dass die beiden Campusbullen nicht mal ansatzweise den grandiosen Hausmeister von Neil Flynn ersetzen können, ist da fast schon Nebensache und wird hier nur der Vollständigkeit halber erwähnt.

Am Ende bleibt nur zu sagen, dass das einzig positive, was Scrubs - Med School getan hat, war, kolossal zu floppen und deshalb glücklicherweise das Andenken an eine der besten Serien nicht beschmutzen konnte.

Danke dafür, liebe serienschauende Gemeinde!


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