Nach über 100 Jahren Filmgeschichte ist es immer wieder wie eine Erleuchtung, wenn man ein völlig neues Genre auf der großen Leinwand erlebt. Bird ist eine einzigartige Mischung aus Drama und zarter Fantasy und kreiert damit nicht nur ein wunderschönes modernes Märchen, sondern auch meinen persönlichen Lieblingsfilm des letzten Jahres. Nun könnt ihr den Film im Stream finden – vorausgesetzt, ihr grabt tief genug.
Streaming-Tipp: Bird entführt in die britischen Vorstadt
Die 12-jährige Bailey (Nykiya Adams) lebt gemeinsam mit ihrem Halbbruder und ihrem chronisch überforderten Vater Bug (Barry Keoghan) in einem besetzten Haus nahe London. Ihr Leben beinhaltet wenig Zauberhaftes: Während ihr arbeitsloser Vater will mit einer Kröte halluzinogenen Schleim produzieren und verkaufen will, leidet Baileys Mutter unter der Gewalt ihres neuen Partners. Und die anderen Kinder in der Straße haben ständig mit der Polizei zu tun.
Bailey entflieht der grauen Realität aus Unsicherheiten einzig durch kleine Clips, die sie mit ihrem Handy filmt und in ihrem Zimmer stundenlang abspielt. Als ihr Vater ihr eröffnet, dass er seine neue Freundin heiraten will, entflieht sie ihrem Zuhause immer häufiger und trifft schließlich auf einen seltsamen Wanderer (Franz Rogowski), der sich ihr als Bird vorstellt.
Zwischen dem Fremden, der den Spuren seiner Kindheit folgt, und Bailey, die damit kämpft, vom Kind zur Frau zu werden, erblüht eine fragile, schwer zu greifende Freundschaft. Zwischen Plattenbau und Küste, Verletzlichkeit und Gewalt verschwimmen langsam, aber sicher die Grenzen zwischen Realität und Träumen.
Brid erzählt ein modernes Fantasy-Märchen im Plattenbau
Regisseurin Andrea Arnold ist nicht neu im Geschäft der Neuzeitmärchen: Bereits mit Filmen wie Fish Tank und American Honey machte sie sich mit ihrem rauen, beinahe dokumentarischen Stil einen Namen. Auch hier beleuchtet sie das Leben von Menschen am Rande der Gesellschaft. Die wundersamen, fast magischen Fantasy-Elemente machen Bird zu einem unfassbar verletzlichen Portrait einer rauen Welt.
Barry Keoghan, der bald in einem der heißesten Projekte Hollywoods zu sehen sein wird, zeigt sich hier in der ungewöhnlichen Rolle eines latent überforderten und trotzdem herzlichen Vaters. Franz Rogowski, der zuletzt unter anderem im queeren Meisterwerk Passages mitspielte, liefert die perfekte Mischung aus Herzlichkeit und Mysterium – alle Charaktere, inklusive der meisterhaft gespielten Bailey, fühlen sich unfassbar greifbar und echt an, niemals überzeichnet.
- Noch ein Streaming-Tipp: Ein Meisterwerk des Kinos bei Amazon Prime
Statt Netflix und Amazon: Bird gibt es bei Mubi im Abo
Genauso verborgen wie sein Zauber ist auch der Film selbst – ihr findet Bird aktuell weder bei Netflix noch bei Amazon Prime. Dafür ist er beim Mubi im Abo enthalten. Die Investition lohnt sich unbedingt: Bilder, Story, Cast, hier passt einfach alles.