Christoph Schlingensief - Kritik

Beteiligt an 35 Filmen (als Kameramann/frau, Regisseur/in, Schauspieler/in, ...) und 2 Serien
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  • Sachdienlicher Hinweis: 21. August auf zdf.kultur ist Themenabend Schlingensief.
    Es gibt die Deutschland-Trilogie und vermischtes.

    20:15 Uhr: Und Zeit wird hier zum Raum
    20:35 Uhr: Knistern der Zeit
    22:20 Uhr: Menu Total
    23:40 Uhr: 100 Jahre Adolf Hitler - Die letzte Stunde im Führerbunker
    00:35 Uhr: Das deutsche Kettensägenmassaker
    01:35 Uhr: Terror 2000 - Intensivstation Deutschland
    02:50 Uhr: Durch die Nacht mit...

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    • "[...] Inzwischen genieße ich es, rauszugehen in die Natur und festzustellen: Mensch, super, die ganzen Würmer, die ganzen Tiere sind unterwegs, baggern, beißen, lutschen rum, sind am Furzen und am Machen, pflügen alles um - der Wahnsinn. Und ich muss sie nicht anbrüllen, die machen das einfach so. Auch ohne mich. Früher habe ich ja alle angebrüllt, im Garten bin ich rumgerannt und hab Pflanzen, Tiere, Bäume angebrüllt, auch Menschen natürlich - jetzt habe ich das aber endlich klar, dass die auch ohne mich unterwegs sind. Zumindest klarer als früher. Und dann bin ich für Momente ganz entspannt und kann mich selbst befragen: Was war denn das für ein Leben, was du bisher gelebt hast? Bist du der geworden, der du sein wolltest, oder versuchst du nur, etwas zu imitieren? Was willst du jetzt noch machen? Weißt du irgendwann, wer du wirklich bist?"

      Ein kleiner Auszug aus dem tollen Buch "Ich weiß, ich war's" von Christoph Schlingensief, in dem er munter über Gott und die Welt, Politik, Afrika mitsamt seines dortigen Operndorfes, seine Krebserkrankung, seine Arbeit und vieles mehr philosophiert. Seine Gedanken sind, nicht nur für Fans, sehr interessant und obwohl "Ich weiß, ich war's" mehr einer Ansammlung von Anekdoten, denn einer klassischen Biografie gleicht, ist das Buch fesselnd geschrieben. Von mir gibt es eine uneingeschränkte Leseempfehlung!

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      • Ruhe in Frieden, Christoph.

        • Oh fuck! Ist er jetzt gestorben? Oh man....Irgendwie ist er durch die mediale Dauerpräsenz ein Mahnmal geworden, dass es uns alle mal trifft. Konnte mir nie vorstellen, dass er wirklich stirbt. Habe ihn vorher immer als Quergeist auf irgendwelchen Spartensendern oder entlegenen Programmplätzen kennengelernt. Fand ihn nie wirklich gut, aber hatte immer das Gefühl, dass er relevant war, da seine Aktionen einem nicht egal waren. Ich finde auch Heimatmusik scheisse, aber würde mich nie wirklich über sie aufregen, weil sie mich nicht trifft. Die Themen, die Schlingensief angesprochen hat trafen oft. Empfunden habe ich ihn häufig als selbstgerechten Don Quichote, der aber statt gegen die Windmühlen der Gesellschaft kämpfte, sie mit mit einem riesigen medialen Krach zerschepperte. In den Trümmern vermutete er wohl die Wahrheit. Das wirkte auf mich sehr unkonstruktiv, aber ich habe nie an seiner Aufrichtigkeit zu suchen gezweifelt. Er war angetrieben vom eigenen Leiden; soviel war mir sicher. Und dieses Moment der Wahrhaftigkeit in seinem Handeln war es auch, welches ich immer bewunderte.

          Ich hofffe er hat nun zu der Ruhe gefunden, die er solange gesucht hat.

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          • Lieber Christoph, ich war sehr traurig, als ich heute morgen die Nachricht las, daß neue Metastasen Deinen Körper schwächen. Was soll ich sagen, natürlich wünscht Dir jeder, daß dieser "Scheiß-Krebs" Dich in Ruhe lässt, daß Du uns kulturell noch viele schöne Stunden bescherst - nur keiner weiß, was der alte Herr da oben, wenn es denn überhaupt ein Herr ist, da mit Dir vor hat. Schlingensief mit Wuschelfrisur auf einer Wolke sitzend und gelangweilt Harfe zupfend, kann ich mir zumindest nicht gut vorstellen. Das Leben ist - für unsere Auffassung manchmal total ungerecht - Ich wünsche Dir auf jeden Fall eine gute Reise - und - wer kann schon von sich sagen, daß er in seinem kurzen Leben soviel Menschen erreicht und berührt hat. Für mich bist Du unsterblich !!! Alles Gute Christoph!!!

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            • Schlingensief ist ein Unikum. Ein begeisterter und begeisternder Integrator, der nie um der reinen Provokation Willen vorführt, sondern immer auch eine Einstellung, eine - so kitschig es klingt - Botschaft hat. Die ist oft ironisch, manchmal brachial und bisweilen zu belehrend dargebracht, fordert aber immer zur Auseinandersetzung auf. Ob Terror 2000, Chance 2000, Hitler - die letzten Tage im Führerbunker, Das Deutsche Kettensägen-Massaker oder eine Wagner-Inszenierung, ohne Schlinge würde in der deutschen Kulturszene etwas fehlen. Ich hoffe er schafft es und bleibt uns noch eine ganze Weile erhalten.