David Lynch - Kritik

Beteiligt an 49 Filmen (als Schauspieler/in, Regisseur/in, Drehbuchautor/in, ...) und 8 Serien
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  • Roach 18.06.2017, 15:27 Geändert 18.06.2017, 15:28

    Als Cooper in der dritten Twin Peaks-Folge träumt, sieht er einen Ort, dem die Gesetze der Realität fremd sind. Zeit und Raum sind dort nur Schein, nichts hat tatsächliche Kontinuität. Dieser Ort existiert nicht auf physikalische Weise, er setzt sich aus Gedanken zusammen, denn er liegt tief in der Welt des Geistes. Er ist der Rote Raum, ein Ort auf dem Grunde des Meeres des Unterbewusstseins. Was für Cooper in dem Moment nur ein kleiner Ausflug in diese Welt ist, ist tatsächlich der Blick durch ein Fenster in eine psychische Welt des Mystischen, der Wunder und auch der Ungewissheiten und Ängste. Vor allem ist es aber ein Fenster in jene Welt, in der sich der Großteil der Werke Lynchs zu einem gewissen Maß, vielleicht sogar voll und ganz, abspielt. Der Rote Raum ist nur ein Ort dieses Imperiums, des „Inland Empire“, das keinen Gesetzen folgt außer denen der menschlichen Psyche. Hier ist alles eine Möbiusschleife, die Menschen sind seltsame Gestalten, teilweise wirken sie eher wie Schatten von irgendetwas Anderem, Realem, teilweise scheinen sie von sehr weit weg zu kommen, von Orten, die noch tiefer liegen, und sie reden wirres Zeug. Es ist ein Ort, der zunächst beängstigend wirkt, der abschreckt, weil er so anders ist. Überwindet man aber erst einmal den ersten Eindruck der Furcht und Befremdung, bildet sich Faszination, man will mehr sehen, tiefer hinab in die schwindelerregenden Tiefen des Meeres. Die Angst vor den Dingen dort unten weicht immer mehr einem Verständnis dafür, was für ein wundersamer Ort er tatsächlich ist. Ab da gibt es kein Zurück mehr aus dem Wunderland auf der anderen Seite des Kaninchenbaus. Man muss es nur wagen, dem humanoiden Hasen zu folgen, den blauen Vorhang zur Seite zu schieben und einen Blick dahinter zu werfen, hinter die Kulissen, denn es gibt keine Band, es ist alles nicht mehr als eine Illusion, und die Wahrheit, sie ist schräg und beängstigend, und gleichzeitig ist sie wunderbar. Die Welt der Filme David Lynchs ist eine wirklich seltsame, und doch will man sich nicht mehr von ihr abwenden, denn sie ist allen voran auch eines, nämlich schön. Irgendwie.

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    • "I did not say I would stop making films"

      http://www.festival-cannes.com/en/festival/actualites/articles/twin-peaks-the-damn-good-return-of-a-cult-series

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      • Letztes Jahr stieß ich im Laden zufällig auf das Buch "David Lynch - Talking" von Helen Donlon und kaufte es mir direkt. Darin sind Interviewausschnitte enthalten, in denen Herr Lynch zu unterschiedlichen Themen (wie bspw. dem Surrealen) seine Ansichten mitteilt.
        Ich persönlich finde es unglaublich inspirierend, in diesem Buch zu stöbern und kleine Einblicke in seine Denkweise zu erhalten, zudem seine Einflüsse kennenzulernen und in seinen Kosmos einzutauchen :)
        Das ein oder andere Geheimnis hinsichtlich seiner Werke wird sogar aufgegriffen und man erfährt, was es z.B. mit den Cowboyhüten in seinen Filmen bzw. der Serie auf sich hat (und natürlich weitere Details) :D
        Jedenfalls kann ich das Buch allen Fans des Lynchesken empfehlen, die auch gerne hinter die Kulissen blicken, Zitate mögen und mit David Lynch sympathisieren (möchten) :)

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        • Na toll. Das hat der Mainstream-Kino-Gänger nun davon (ich glaube allerdings, es interessiert ihn nicht sonderlich): David Lynch wird keine Filme mehr drehen.

          http://www.smh.com.au/entertainment/tv-and-radio/david-lynch-on-the-return-of-twin-peaks-and-why-he-will-never-make-another-film-20170416-gvlr60.html

          Dem gemeinen Kinoglotzschaf ist es egal. Das Cineastenauge weint.

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          • Ich hätte so gerne seine Version von "Die rückkehr der jedi ritter" gesehen, stattdessen hat er lieber Dune gedreht -_-

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            • Schön, das Twin Peaks bald fortgesetzt wird, hoffentlich nimmt der Meister nochmal auf dem Regiestuhl Platz, seit "Inland Empire" sind immerhin auch schon wieder 10 Jahre vergangen.

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              • https://www.youtube.com/watch?v=8U2eRjQasE8

                • Jonnys Reflections 05.06.2016, 17:20 Geändert 05.06.2016, 17:28

                  Gerade Das Schloss von Kafka gelesen...und sofort gedacht, dass eine Verfilmung von David Lynch brillant sein könnte. Gut, ihm ist wohl Haneke zuvor gekommen.

                  • Welch schöner (Alp-)Traum kreiert werden könnte, wenn Herr Lynch Hesses "Der Steppenwolf" verfilmen würde :)

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                    • verrückter regisseur, aber sehr schöne filme die er macht.

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                      • *** 70 ***

                        best wishes for you David Lynch

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                        • Wohl einer der vielseitigsten Künstler, der sich je mit dem bewegten Bild auseinander gesetzt hat. Im Moment sind es tatsächlich nicht so sehr seine Filme, die mich bewegen, sondern sein letztes Soloalbum "The Big Dream". Dabei ist die Musik ganz ähnlich wie seine Filme. Hochkomplex, vielseitig, emotional und ungemein atmosphärisch. Was ich damit sagen will: Hört da mal rein!

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                          • TommyDeVito 15.04.2015, 21:35 Geändert 15.04.2015, 22:08

                            "How to make a David Lynch film"- kurz und knapp erklärt wie man einen Film im Stil von Lynch dreht
                            https://www.youtube.com/watch?v=miwyV7Go6ZE
                            Überkritisch, teilweise unfair und natürlich übertrieben, trotzdem witzig.

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                            • Der Typ schafft es, dass aus dem Bildschirm ein Grauen kriecht, sich neben dich setzt und trotzdem kann man es einfach nicht orten. Genial.

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                              • Danke! Danke! Danke! Danke! Danke! Danke!
                                DANKE für die Rückkehr!!!!
                                Ich werde Twin Peaks besuchen, Mr. Lynch! Das verspreche ich! :D

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                                • Nur noch zwei Jahre warten, dann kommt tatsächlich eine neue "Twin Peaks"-Staffel. Meine Güte, damit habe ich nicht gerechnet.

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                                  • Ein David Lynch A-Z. Viel Spaß beim Durchstöbern und Durchlesen :o)

                                    ********A für Abstrakt********
                                    Filme müssen abstrakter werden, denn es gibt inzwischen so viele Möglichkeiten für die Leute, sie mehr als einmal anzuschauen. Ein Film muss so aufgebaut sein, dass auch ein mehrfaches Anschauen phantastisch sein kann, dass man immer wieder in die Welt des Films zurückfällt. „Rear Window“ zum Beispiel hat so viel in sich; selbst wenn man den Anfang, die Mitte und das Ende kennt und weiß, was passiert, sieht man ihn immer wieder gern. Es gibt etwas, eine Stimmung, die man einfach gerne erfährt. Ich meine nicht, dass ein Film keine Geschichte haben sollte, aber darüber hinaus sollte er eine Welt kreieren oder eine Atmosphäre oder eine Komplexität oder irgendetwas anderes, um einen bei der Stange zu halten.

                                    ********B für Bob’s Big Boy********
                                    Das ist eine meiner Lieblingskneipen. Die Schokoladen-Shakes dort sind phantastisch. Es gibt da diese Maschinen, ich glaube, sie heißen Taylors, die Softeis machen. Mit einem Strohhalm kann man da gar nichts ausrichten. Aber die Shakes sind unterschiedlich, manchmal zu körnig, manchmal zu labbrig. Am besten sind sie, wenn sie die Konsistenz von harter Butter haben, mit viel Schokolade drin. Ich glaube, das kommt, weil die Shakes in Kartons geliefert werden. Da setzt sich die Schokolade auf dem Boden ab. Und wenn sie das in die Maschine gießen, rühren sie das sicher vorher nicht um. Deshalb sieht die Schokolade auch manchmal blass aus. Halb drei ist die beste Zeit für Bob’s. Ich gehe jeden Tag dahin. Ich kann dort in Ruhe nachdenken, auf die Servietten kritzeln und meinen Shake trinken. Manchmal nehme ich auch eine Tasse Kaffee oder eine kleine Cola. Beides schmeckt großartig mit einem Shake.

                                    ********C für Coffee Shops********
                                    Coffee Shops bieten eine schöne und sichere Atmosphäre, um nachzudenken. Ich mag es, in hell erleuchteten Räumen zu sitzen, wo ich Kaffee trinken und etwas Zucker essen kann. Und plötzlich, ehe ich’s mich versehe, tauche ich ab unter die Oberfläche; wenn es zu schlimm wird, kann ich jederzeit wieder in den Coffee Shop zurückschalten.

                                    ********D für Detektiv********
                                    In meinen Augen ist ein Detektiv eine absolut magische Figur, denn Rätsel sind für mich das Größte. Alles ist geheimnisvoll, und wir sind alle Detektive. Selbst Wissenschaftler sind Detektive, und alle halten sie nach Spuren und Hinweisen Ausschau, um das große Rätsel zu lösen. Es gibt so viele Detektive auf der Welt- und so viele Rätsel.

                                    ********E für Europa********
                                    Ich Herzen bin ich Europäer, zumindest was den Film angeht. Europäische Regisseure versuchen mehr unter die Oberfläche der Dinge zu schauen.

                                    ********F für Film********
                                    Film umfasst so viele verschiedene Elemente, und eines davon ist die Zeit. Das bedeutet, dass man eine Welt erschaffen und diese Welt auch wirklich betreten kann. Man kann eine Reise unternehmen an einen Ort, den man selbst erfunden hat, man kann dort eine Geschichte spielen lassen, abstrakte Dinge dafür erfinden und aus all dem ein Gefühl entspringen lassen, das nie zuvor existierte. So wunderschön dieser Gedanke aber auch ist, so schwierig ist die konkrete Realisierung.
                                    Ich glaube, dass Filme Kraft haben sollten. Die Kraft des Guten und die Kraft des Bösen. So, dass man berührt wird und die Verhältnisse in Bewegung geraten. Wenn man Angst hat, das zu riskieren, endet alles in einer lauwarmen Soße.
                                    Ich denke niemals darüber nach, wie ich ein Publikum zu einer Reaktion bringen könnte. Ich sage, Inspiration ist eine Sache, die durch Filme bewirkt werden kann. Ich glaube aber nicht, dass Filme Leute aufklären, auch nicht, dass sie Leute ändern- Filme sind nicht stark genug, um das zu tun. Dennoch sind sie immer noch außerordentlich mächtig. Und sie könnten noch stärker sein. Aber dafür müssten sie noch abstrakter werden, weniger linear, weniger narrativ. Im Augenblick ist es ein Hit, wenn Rocky den Russen niederschlägt- das ist stark und die Leute jubeln, weil der Film darauf abzielt. Aber es gibt noch andere Dinge, die ein Film tun könnte. Er könnte Dinge im Inneren einer Person öffnen, und sie würde sagen: „Noch nie hatte ich solch eine Erfahrung.“ Vielleicht bringt es einen nicht zum Weinen oder zum Lachen, aber es berührt einen auf eine Weise, wie man nie vorher berührt worden ist. Ein Film könnte das tun.

                                    ********G für Gefühl********
                                    Ich bin ziemlich schlecht darin, Dinge mit Worten zu beschreiben. Wenn ich mich hinsetze, um einen Film zu machen, dann beschließe ich nicht, einen Film über ein bestimmtes Thema zu machen, denn ich weiß meistens noch nicht einmal, was das für ein Thema sein könnte. Ich handle nach Gefühl. Es geht darum, Dinge sehen zu wollen. Von da an gehe ich einfach meinen Gefühlen für verschiedene Situationen nach- wenn sie aufregend für mich werden, dann weiß ich, ich bin etwas auf der Spur; und wenn sie langweilig werden, weiß ich, ich bin’s nicht. Es ist ganz einfach.

                                    ********H für Hollywood********
                                    Im Hollywood-System ist es nahezu unmöglich, etwas Abstraktes zu machen. Man muss alles so beschreiben, dass es auch jeder begreift, alles auf dieselbe Art und Weise. Doch wenn jeder alles auf dieselbe Weise tut, dann hat man irgendwann gar nichts mehr.
                                    In Hollywood kann man alles. Das ist ein phantastischer Ort. Die Atmosphäre ist hier so wie nirgendwo anders. Ich kenne mich mit der Geschichte der Stadt nicht gut aus, aber ich glaube, es war das Licht, das auf die Regisseure solche Anziehungskraft ausübte. Wer hierher kam, konnte exakt das machen, wozu er Lust hatte. Hier gibt es eigentlich keine Regeln. Ich glaube, wovor sich die Produzenten fürchten, ist, dass man solche langweiligen oder abstrakten Filme macht, dass niemand sie sich ansieht. Es kann keinen Zweifel daran geben, dass man die Leute nicht aus dem Kino vertreiben sollte, aber meiner Meinung nach ist das nicht unvereinbar mit der Ambition, etwas Tolles und Neues, sagen wir Andersartiges zu machen.

                                    ********I für Idee********
                                    Was mich absolut begeistert, ist, eine Idee zu nehmen, diese konsequent weiterzuführen und sie vollständig auf die Leinwand zu bringen, ohne dass ein anderer sie irgendwie verändert hätte. Von allen meinen Filmen sind Eraserhead und Blue Velvet wohl meine persönlichsten, weil sie Visionen enthalten, die mit mir selbst zu tun haben, aber auch diese hängen von Ideen ab, denn zum Wesen des Kinos gehört es eben, Ideen umzusetzen. Egal, woher diese kommen. Jedes mal, bei jedem neuen Film, ist es der gleiche Prozess: Es geht darum, die Idee zu absorbieren und ihr treu zu bleiben. Woher die Ideen kommen? Keine Ahnung, aber sie scheinen nur auf den Moment zu warten, sich zu manifestieren. Sie schweben einem im Kopf herum, schwimmen unruhig hin und her, werden angerempelt, denn sie sind nicht allein. Und wenn sie sich zeigen, überraschen sie einen immer. Meistens sind sie schon ganz gar und servierfertig. Man muss sie nur noch auf die Leinwand bringen. Ich liege immer auf der Lauer nach neuen Ideen. Wie ein Angler. Entweder es beißt eine an oder nicht. Im Allgemeinen handelt es sich um kleine verstreute Fragmente, die man noch reifen und sich gegenseitig befruchten lassen muss. Sobald sie es aber geschafft haben, eine genügend stabile Idee zu formen, ist diese wie eine Geliebte, die alle Aufmerksamkeit auf sich zieht. Und wie durch Zauberei artikuliert sich alles.

                                    ********K für Kafka, Franz********
                                    Der eine Künstler, bei dem ich wirklich das Gefühl habe, er könnte mein Bruder sein- und ich wage kaum, es auszusprechen, weil es so abgegriffen klingt-, ist Franz Kafka. Auf den stehe ich wirklich sehr. Einige seiner Sachen zählen zum absolut Aufregendsten, was ich überhaupt jemals gelesen habe. Hätte Kafka ein Krimi-Drehbuch geschrieben, wäre ich sofort zur Stelle. Das möchte ich verfilmen, keine Frage. Ich würde auch gern einen Film nach Kafkas „Prozess“ drehen.
                                    Kafka ist mein Lieblingsautor. Ich hatte schon immer Lust, seine „Verwandlung“ zu verfilmen. Diese Erzählung und den „Landarzt“ mag ich von ihm am liebsten. Vielleicht mache ich es ja eines Tages. „Die Verwandlung“ wäre allerdings für einen Spielfilm zu kurz, aber man könnte sie vielleicht mit dem „Landarzt“ kombinieren.

                                    ********L für Lieblingsfilme/-Regisseure********
                                    Sunset Blvd., Persona, Lolita, 8/1/2, La Strada, I Vitelloni, Rear Window, The Wizard of Oz;;
                                    Francis Ford Coppola, Jacques Tati, Billy Wilder, Federico Fellini, Ingmar Bergman, Stanley Kubrick, Alfred Hitchcock

                                    ********M für Maschine********
                                    Maschinen sind meine große Leidenschaft, ich liebe sie zutiefst. Sie repräsentieren für mich Kraft und Energie. Wenn ich beispielsweise in einer Fabrik eine Maschine betrachte, habe ich das Gefühl, der Kraft selbst gegenüberzustehen. Maschinen sind auch wie Musik, sie können Musik machen wie in einem Orchester: Ein Hammer saust nieder, ein Kolben schnellt hoch, etwas bewegt sich herauf und herunter und so weiter. Ich liebe das Stampfen, das Feuer, den Dampf, den Rauch, das Metall, die Verschiedenartigkeit des Materials. Und die Fabriken sind da, um etwas zu produzieren, nicht um zu zerstören. Ich weiß, dass es für die Arbeiter, die dort schwitzen, nicht immer leicht ist und dass sie selbst leicht zu Maschinen werden. Aber mir gefällt die Vorstellung, die gleiche Sache am laufenden Band herzustellen, immer und immer wieder.

                                    ********N für Natur********
                                    Wenn man ein neues Stück Metall auf irgendeine Freifläche aufstellt, ist es am Anfang nicht sehr attraktiv. Vielleicht ist es nett anzusehen, aber mehr auch nicht. Dann aber beginnt die Natur daran zu arbeiten, und ziemlich schnell wird es zu einer phantastischen Sache. Für mich begann alles in Philadelphia, denn die Stadt ist alt und bebaut genug, um sich wirklich organisch verändern zu können. Sie verfällt, verwest und vermodert, aber dieser Prozess ist von großer Schönheit. Er regt die Phantasie an. Dieses Zusammenspiel von Chemie und Natur verändert die Dinge auf ungeahnte Weise, auf eine Weise, wie sie nur noch möglich ist, wenn Mensch und Natur irgendwie zusammenarbeiten.

                                    ********O für Oper********
                                    Ich bin kein Opernfreund, aber Dune hat sicher einiges von einer Oper. Es singt zwar niemand, aber es sind die gleichen Gefühle.

                                    ********P für Publikum********
                                    Ich weiß nicht, was ich dem Publikum sagen will. Ich zeige auf der Leinwand Gedanken und Vorstellung, die mich beschäftigen. Ich kann einfach nicht verstehen, weshalb Leute um jeden Preis einen Sinn in der Kunst finden wollen, während sie sich längst damit abgefunden haben, dass es ihn im Leben nicht gibt.

                                    ********R für Realität********
                                    Amerikaner sind solche Blödköpfe. Einerseits wollen sie die Dinge in gewisser Weise so real wie nur möglich, andererseits haben sie Angst vor realen Dingen: Reale Ideen, Emotionen, Körpern, den realen Dingen, die Körper tun. Sie wollen auf Nummer Sicher gehen, und das geht nicht.

                                    ********S für Surrealismus********
                                    Un chien Andalou habe ich nach Eraserhead gesehen. Warum soll man sich über Richtungen, über Klassifizierungen Gedanken machen? Wenn der Surrealismus sich ganz von selbst ergibt, wenn er aus dem Inneren eines Künstlers kommt, wenn man sich dabei seine Unschuld bewahrt- einverstanden. Ein fabrizierter, gewollter Surrealismus dagegen wäre fürchterlich. Wenn es diese Kategorie also überhaupt gibt, dann würde ich sagen, ja, Eraserhead ist ein surrealistischer Film.

                                    ********T für Traum********
                                    Tatsächlich habe ich sehr wenige Ideen aus Träumen bekommen, und ich analysiere auch keine Träume oder versuche, mich zu ihnen in Verbindung zu setzen. Ich vermute aber, das könnte sehr faszinierend sein. Ich sitze dagegen einfach ruhig in meinem Stuhl und lasse meine Gedanken schweifen. Das bringt mich zu Orten, die genauso spannend sind wie der Traum. Der Inhalt meiner Träume interessiert mich nicht. Dafür liebe ich umso mehr das Gefühl, das sie mir geben.

                                    ********U für Unterbewusstsein********
                                    Es macht mir Spaß, im Unterbewusstsein der Leute zu forschen, in diese unendliche Zone einzutauchen, die sich hinter der Fassade ihrer Gesichter befindet, und mich zu fragen, was wohl in ihrem Kopf vorgeht, woran sie wohl denken. Ich finde das faszinierend. Ich wäre gern Psychiater geworden. Ich kann mir kaum etwas Außergewöhnlicheres vorstellen, als geistesgestörte Menschen zu beobachten und mich mit ihnen zu unterhalten. Ich liebe ihre Gesellschaft.

                                    ********V für Verfall********
                                    Sobald man etwas beendet hat, beginnt es zu verfallen. Augenblicklich. Genau wie New York City. Die Straßen, die Gebäude, die Brücken zerfallen allmählich. Neue treten an ihre Stelle, aber sie werden anders gebaut. Und der Verfall schreitet schneller voran als der Wideraufbau. Genauso unsere Körper: Sie wachsen, und dann setzt irgendwann der Umkehrprozess ein. Und seltsame Dinge passieren. Man sagt sich: Das wird mir nie passieren. Ganz ausgeschlossen! Aber dann blickt man eines Tages in den Spiegel und sieht, dass es doch passiert.

                                    ********W für Wizard of Oz********
                                    Das Buch hat mir sehr viel bedeutet. Nicht nur in Wild at Heart, auch in Blue Velvet gibt es Anspielungen darauf. Der Name Dorothy, die roten Schuhe usw. Wizard of Oz ist ein Film, der eine große Kraft besitzt, und ich nehme an, dass Martin Scorsese (in Alice doesn’t live here any more) und John Boorman (in Zardoz) ihn wie ich in ihrer Kindheit gesehen haben und davon sehr beeindruckt waren. Und es ist ganz normal, dass wir ihn jahrelang in uns herumgetragen haben und er erst viel später als Echo in unseren Filmen aufgetaucht ist. The Wizard of Oz hat etwas von einem Traum und übt eine enorme emotionale Kraft aus.

                                    ********Z für Zucker********
                                    Der Genuss großer Mengen Zucker bringt mich in eine Art Euphorie, ein Glücksgefühl. Ich nenne es granuliertes Glück. Das ist mir eine große Hilfe. Ein Freund

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                                    • Wenn man im Sommer unvernünftig weit raus schwimmt auf einem großen See, das Wasser gen Mitte in weichen Übergängen in Kälte übergeht – wie eine perfide Ankündigung – da stellt sich dann ein mulmiges Gefühl ein, aber man schwimmt eben doch weiter, genießt die eintönigen Bewegungen in ungewohnter Konsistenz, und dann gerät man in so ein Algenfeld, kräftige Pflanzen greifen unentwegt nach Armen, der pure, plötzliche Schrecken aus dem Nichts, und es bleibt einem eigentlich nichts anderes übrig, als weiter zu schwimmen, das Wasser wild aufzuwühlen und irrational rudernd den Schrecken hinter sich zu lassen, bis es dann so weit ist und man außer Atem, Hauptschlagadern am bersten, beschließt, den Rückweg anzutreten; das mulmige Gefühl aber, so eine Ahnung von einer immer lauernden Angst, auch wenn man den Auslöser so gerade hinter sich gebracht zu haben scheint, ein flirrendes, umwebendes, stets verdrängtes Wissen von Unsicherheit, bleibt, hat sich eingenistet, wenigstens für einige Momente: ein Fahrwasser der Paranoia – so fühlen David Lynchs Filme an, wie ein Stochern in der Dunkelheit, ein Waten im Unbekannten, ein Eintauchen in erbarmungslose Tiefen, ein Tasten nach dem Unerwarteten, im Wissen dass, es, das Unerwartete, irgendwo da ist, einen aber doch unablässig gewillt ist, zu überraschen.
                                      Woran mag das liegen? Alles was David Lynch macht ist neu, und das (u.a.) macht ihn so einzigartig und seine Filme vor allem derart beängstigend.

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                                      • Lynch soll sich endlich mal wieder hinter die Kamera bewegen.

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                                        • Ich habe letztens (ich weiß leider nicht mehr wo) gelesen, dass Lynch eventuell noch einmal für das Fernsehen arbeiten möchte? Weiß da jemand etwas genaueres?

                                          • Lynchs Playstation 2 Werbungen sind auch recht unterhaltsam.
                                            Mal ein Beispiel:
                                            http://www.youtube.com/watch?v=msMehuZo3x8

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                                            • Hier das Musikvideo für Nine Inch Nails:

                                              http://vimeo.com/70257842

                                              Nice!

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                                              • https://www.youtube.com/watch?v=F4wh_mc8hRE
                                                BAHAHA!

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                                                • Ein weiterer Kreis schließt sich: Mr. Lynch wird das Video zum neuen Nine Inch Nails-Song "Came Back Haunted" drehen! (!!!)

                                                  http://pitchfork.com/news/51231-david-lynch-to-direct-nine-inch-nails-came-back-haunted-video/

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                                                  • Ein aktuelles Interview mit Lynch in der SZ (leider ohne die Ankündigung neuer Filme...):
                                                    http://sz-magazin.sueddeutsche.de/texte/anzeigen/40015/Auf-einmal-war-ich-nicht-mehr-wuetend

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