Emmanuel Lubezki - Kritik

Beteiligt an 30 Filmen (als Kameramann/frau, Produzent/in und Regisseur/in (2. Stab))
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  • Helmholtz 09.02.2016, 16:08 Geändert 10.02.2016, 00:12

    Man munkelt ja letztens nicht selten Emmanuel Lubezki würde dieses Jahr seinen dritten Oscar in Folge gewinnen. Abgesehen davon, dass der mindestens genauso talentierte Roger Deakins damit auch nach seiner dreizehnten Nominierung immer noch ohne Auszeichnung dastehen würde müsste das bei einem Meister wie Lubezki doch klar gehen, oder? Naja, eigentlich nicht so sehr. Bei einem Blick auf die anderen Nominierten müsste es eigentlich heißen: Auf keinen Fall. Lubezki ist ganz sicherlich eine Klasse für sich wenn es sich um die Komposition von Bewegungen geht und das merkt man auch dem Revenant an: In den ersten Szenen taucht die Kamera ein in einen brutalen Kampf zwischen Indianern und Trappern, folgt lose einzelnen Figuren, zieht mal hierhin mal dahin, überall bewegen sich Körper, werden aufgespießt, erschossen, fallen aus Bäumen und, und, und... Tatsächlich erahnt man in diesem Chaos auch eine kompositorische Ordnung, die ihr Schönheit und Struktur verleiht. Das ist aber dann auch schon das einzige Pro-Argument für den Oscar, dass Lubezki vorbringen könnte. Im Folgenden möchte ich aufzeigen dass die Kameraarbeit in The Revenant:

    1. Nicht sonderlich originell ist
    2. Die Schauspieler in ihrer Freiheit einschränkt
    3. Die Themen des Films nicht unbedingt adäquat unterstreicht

    1. Dass die Kameraarbeit in diesem Film nicht wirklich die originellste ist, fällt einem wohl zuallererst auf. Sie wiederholt die selben Bewegungsabläufe, Geschwindigkeiten, Positionen zu den Subjekten wie sie es schon in den meisten Arbeiten des mexikanischen Kameramanns tat, vor allem in den Zusammenarbeiten mit Terrence Malick (The New World, The Tree of Life) aber auch in denen mit Alfonso Cuaron. Auch scheinen sich einige Einflüsse Tarkovskys eingeschlichen zu haben (https://vimeo.com/153979733). Wirklich auf die Anforderungen eines solchen Filmes angepasst scheint sich Lubezki aber nicht zu haben, was aber schon in den Bereich von Punkt 2) und 3) vordringt.
    2. Nichts empfand ich in diesem Film so störend wie die dauernde Präsenz von Leonardo DiCaprios lädierter Fresse. Mal mit Erde beschmiert, mal mit Eiszapfen im Bart, mal in Tränen aufgelöst, oft blutend, dann vernarbt, manchmal schreiend oder wild die Augen aufreißend, dann fast schon wieder die Kamera vollsabbernd. (Fast) immer in unerträglichen Close-Ups (oder Shoulder-Close-Ups). Als sein Sohn stirbt sogar so, dass sein Gesicht teils abgeschnitten ist und das eine Auge in dem sich massenweise Tränen sammeln schön im Zentrum ist. Poetisch? Eher aufdringlich. Wenn man sich z.B. Alwin Küchlers Arbeit in Steve Jobs ansieht, dann erkennt man wie sehr das Schauspiel des einzelnen (also konkret Fassbenders) und das des gesamten Casts von etwas Abstand profitieren. Die Kamera gibt ihnen Raum. Raum vor allem zur Interaktion mit ihrer Umwelt. Raum aber auch als Distanz für das Publikum. Distanz die einem Lubezki aber nicht gewähren will. Immer und immer wieder sucht die Kamera DiCapios Gesicht was z.B. in der Szene besonders penetrant wird in der DiCaprio sich aus seinem Grab befreit: Die Kamera rückt immer mehr nach hinten, während DiCaprio nach vorne kriecht, der Abstand bleibt aber der selbe. Auf der einen Seite soll das eine Befreiung sein, Filmsprachlich ist das aber nur einschränkend. Für Publikum und Darsteller.
    3. Für das scheitern des Filmes ist ja eigentlich größtenteils nicht Lubezki sondern Innaritu verantwortlich, der sich - den Vergleich wollte ich schon lange mal bringen- gerade als der Cuaron des Bildungsbürgertums anbietet. So leidet auch hier ein eigentlich interessanter Genrefilm unter seinen zu hochgesteckten Ambitionen. Die Terrence-Malick Posen sind hier störende Fremdkörper, die sich überhaupt nicht mit der grimmigen Gewalt seiner Survival-Film-Ambitionen vereinen zu lassen scheinen.
    Und dann: So viel urtümlichkeit, natürliches Licht, Sets am mitten in der Wildnis, am Arsch der Welt und auf der anderen Seite doch das bisschen Color-Grading, das bisschen CGI und die perfekten Kamerafahrten. Die formale Eleganz und das eben nicht so so dreckige Konzept finden hier ja eigentlich keinen gemeinsamen Nenner. Darf man hier schon von einer nicht adäquaten Wahl filmischer Mittel sprechen?
    Was dem Film letztendlich ziemlich das Genick bricht ist -und das ist die Konsequenz der vorherigen Punkte- dass diese Kameraarbeit auf über zweieinhalb Stunden Laufzeit einfach ermüdend für Auge und Verstand ist. Sie wirkt wie ein Gimmick, ein fauler Zaubertrick um einen zum Staunen zu bringen, ein mahnende Schild auf dem steht:"Hier passiert gerade Tragik", bestenfalls wie das Opium für die in Sachen Inszenierung nicht so bewanderten Masse von Durschnittskinogehern. Nicht wie ein formales Element, dass nahtlos mit anderen Komponenten des Films ineinandergreift um einem Tragik und Subtext des Stoffes auf filmische Art nahe zu bringen so wie man es von "purem Kino" erwartet.
    Pures Kino, dafür steht der Name Lubezki immer noch, dafür stand er schon lange, dafür wird er wohl auch noch lange stehen. Und vielleicht könnte man ihm auch dieses Jahr den Oscar geben, denn schließlich ist der Kameramann auch nur ein Handwerker, der die Vision eines Anderen auf Film brennt. Und Lubezki hat zweifelsfrei solides Handwerk abgeliefert. Handwerk ist aber nicht alles und der Oscar sollte an jemanden gehen, der eben "pures Kino" geschaffen hat, Kino das die Jahre überdauert. Und dafür muss es schon etwas mehr sein als "Imposant" oder "Episch".

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    • der kann was...

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      • craax 22.09.2014, 15:12 Geändert 14.12.2014, 14:50

        GRAVITY reloaded

        Gerade noch mal die auseinanderklaffenden mp-Kommentare zu Gravity überflogen : und, wiederum erschüttert, versucht, die himmelschreiende Distanz zwischen Fakt und Akzept zu überbrücken. Wie begründet sich das ungeheure Mißverständnis? Vielleicht einige mögliche Erklärungsannäherungen, nur für mich.

        Erstens. Dem Film wird technische Brillanz attestiert, aber >menschliches Versagen<. Oft genug hämisch an die Person Bullock angeleint. Nähern wir uns dem Fakt zunächst von außen (nicht aus einer Erklärung der Zuschauerpsyche,- sondern des Film-Innern):

        Cuaron scheint nicht ganz gelungen zu sein, die durchschnittliche Optik-& den Wahrnehmungswillen des Zuschauers zu durchbrechen/ erreichen. Denn >Gravity< ist KEIN im Zentrum t e c h n i s ches Monster – sondern ein menschliches Wunder. Der ganze Film läuft auf die Szene hinaus, in die er tatsächlich mündet (und sein Ziel erreicht) : sehen Sie : die Kapsel plumpst tatsächlich wohlbehalten (mit uns schockiert neben 'Ryan') auf die Erde zurück. Wasser, See, Raumanzug zu schwer, entpellt, Frosch, Fallschirm-Netz, entkommen, Luft. Geräusche. Licht, Blau, Wolken, Himmelstrümmer-Glühspuren. An Land. Und jetzt kommts : Ryan, ohne technischen Anzug-Schnickschnack, nicht ganz wie Gott sie schuf, wie aber sie uns und wir uns bekannt vorkommen, erhebt sich, nackten Fußes, versucht es, versagt, verweigert inständig, und erhebt sich trotzdem : willensgezwungen. Keine Schwäche mehr. Zu welcher Gestalt? Riesenhaft in den Himmel sich erhebend eine Apotheose. Die Kamera bleibt am Boden, späht hoch. Lichtgestalt Ryan. Überraschung : die Kamera b l e i b t u n t e n. Sie, die unzählige Freiflüge im All die Gestalt umkreiste, umpflügte, respektlos näherte, einmal sogar schamlos jede Distanz aufgab und ihren Astronautenhelm hindurchdiffundierte, um i h r e Perspektive einzunehmen,- sich an ihre Stelle unvermerkt ver-setzte,- sie verharrt in demütiger Froschaugen-Perspektive reglos zu Füßen der wanken Bullock, die fast in einer Buddhastatuen-Manier Indonesiens oder Sri Lankas in den Himmel ragt und wie ein tönerner Riese in Siebenmeilen-Stiefeln davon wankt – mit einem durchaus jenseitig erlösten erleuchteten freiem Lächeln im Gesicht. Schnitt. Dunkel, Abspann. (& wieder diese enorme Musikunterlegung, Drittel der Miete).

        Analyse: Cuaron geht es – und es gelingt ihm – um das Errichten eines monumentalen Bildes des Menschen,- der Menschlichkeit. Wenige mögen dieser Perspektive folgen oder sie auch nur zu bemerken – ich mag. Gravity ist kein Weltraum-Schrott-Film. Er ist der Weg einer menschlichen Emanzipation. Dieser abstrakte >Mensch< braucht ein repräsentatives Gesicht : zufällig – und das ist und kann wirklich zufällig sein – ist es Ryans. Einzige Voraussetzung : es muss, ja darf, kein Held sein – denn die wenigsten Menschen waren oder sind Helden - : sollten es aber werden, lt. Cuaron. Damit das klappen kann, macht er es ihnen anhand eines Beispiels vor.

        Ryan zu Beginn des Films : gut ausgebildet, gut im Geschäft, nicht glücklich, nicht unglücklich. Sollte sie es sein (z.B. weil ihre vierjährige Tochter starb), so weiß sie es nicht. Oder gibt es nicht zu oder verheimlicht es- auch vor sich selbst. Jene Tragödie passiert (in meiner Filmkritik habe ich Wert auf die Auslösungsursache als >Hybris< gelegt),- und Ryan reagiert : panisch. Sie MUSS es tun, denn f a s t a l l e Menschen würden es,- /und ich möchte nicht wissen, wieviele von denen, die hier lauthals verkünden, dass die nervende Rolle Ryans „sich ja keine fünf Minuten an Bord einer Raumstation aufhalten kann, ohne ein Feuer zu verursachen“, es ihr gleichtun würden. Matt Kowalsky (-aber auch an dem nagt die Kritik, es ist offensichtlich ein Vorwurf, eine Identität wie diejenige George Clooneys zu haben?) reagiert da schon anders beruhigend : er verneint ihre Schuld, und lobt sie sogar. Was für ein Held. Wie auch immer : auf sich gestellt, durch-steigt und durch-windet Mission Specialist Ryan „Stone“ weitere Stufen ihrer Ausbildung: ihrer Selbständigkeit : ihrer Verweigerung, ihres Willens, ihres Entdeckens ihrer Entschlusskraft zu leben, zu kämpfen, eventuell dabei – trotzdem- „zu sterben“ - aber : ihre Todesangst zu überwinden, und aufrecht zu gehen – egal ob in den Tod oder in das Leben, das dann i h r Leben wäre und nur werden kann : ihr L e b e n .
        Es geht um die Entdeckung der Würde über und unter der Bürde, Mensch zu sein : und sich zu wollen und sich zu akzeptieren, und sich zu verwirklichen, und sich zu : erkämpfen, behaupten. Denn das Geschenk des Lebens gab und gibt es zu keinem Preis geschenkt umsonst. Wirklich nicht?

        Neben dieser Haupthandlung : der Selbständig-Werdung-Machung-Selbstverwirklichung des Menschen, in Gestalt der Ryan, gibt es noch Unterströmungen und Nebenhandlungen : so z.B. das Schätzen des Wunders, dass es biologisch terrestrisches Leben gibt : Insekten, Frösche, Vögel, in der Arktis gefrorene Fischleiber – Hundewinseln, Beruhigungsgesang und Babygeschrei. Leben in einer Weltraum-Oase, in ansonsten absolut lebensfeindlicher planetarischer und erst recht kosmischer Umgebung. W e n n die Existenz des Lebens, so nah am Abgrund, n i c h t , anhand solcher Bilder, und Nachbarschaft, und atemberaubender Story ('passt natürlich auf einen Bierdeckel, das würde I h r e Biographie auch!)- erfahrbar ist als Wunder,- dann muss sich Gott oder die Evolution oder Christopher Nolan oder wer oder was auch immer echt anstrengen, einen ganz andersartigen Storyansatz zu erfinden, der Ihrer Kompatibilität affiner ist; 'hätte mir kaum vorgestellt (bei mir funktioniert er'), einen mächtigeren Hebel als diese planetare Existenz, mit realer Menschheitsgeschichte bis zu dieser Hubble-ISS, ausdenk-vorstellbar zu (er-)finden... aber manche Geister sind eben anspruchsvoller. Setzen wir einfach die wagemutige räumliche Behauptung: die Evolution hat tierisches und pflanzliches Leben (die grünen Hügel über dem See!) erzeugt, ernährt, heraufentwickelt : und dieses Leben, Flora und Fauna, sind einfach, ohne jede Willensbefragung (zuvor) mit dem „Geschenk“ : der Aufgabe des Lebens befrachtet / beglückt? -beunglückt?- worden : „umsonst“.

        Da, die vier Wörter zuvor, kommt eine weitere, unendlich wichtige und zentrale Neben-Unterströmenshandlung ins Spiel : Glück oder Unglück. Wenn sich aus Ryans Augen schwerelose Tränen lösen und der Kamera ihr Antlitz umkehrend, entgegenschweben-...
        wird klar, das es nicht um Weltraumtrümmer- sondern humanen Gefühlsschrott geht. Viele haupthocherhobene Filmgucker-Beurteiler glauben sich ja weit erhaben über solche Niederungen emotionaler Tangation. Soll sie doch in ihren Weltraumanzug ko**en und sich nicht so anstellen! rumkreischen! rumhecheln und Sauerstoff verbrauchen! Nicht reagieren, wenn Kowalsky sie ruft! -“ich denke, die Nasa schicke nächstes Mal besser keine Weicheier nach da oben“ ('sondern nehme mich')! - und solche, die am Rande des Todes („die meisten Menschen wissen, dass sie sterben – aber ich sterbe h e u t e!“ „in zehn Minuten bin ich entweder gelandet oder verbrannt“-), -wenn Menschen am Rande ihrer Existenz der wichtigsten emotionalen Bindungen und Verluste ihres Lebens gedenken – nicht hindern können, dass ihre 'Gefühle' – merkwürdige Tatsache- sich Ausdruck in Augenwasser verschaffen? - wer hier gelangweilt abgestoßen reagiert : sollte mal seine Polung überprüfen, statt sich stolz überheben. Wischi Waschi.

        ' - ist auch nur ein Indiz im Laufe unserer Argumentation : und die lautet : >Gravity< (Schwere) ist ein menschliches Drama, und keine Lego-Raumstation-Bastelanleitung, vor Sternenhintergrund.

        Das Leid, der Schmerz, das (entgangene, versäumte, oder nichtverfolgte) Glück ist also nah dem Zentrum : vielleicht IM Zentrum, von Gravity platziert. Der zu Schluss behauptete Aufrechte Gang-, ist unmittelbar gekoppelt an die existentielle Herausforderung des Daseins, an der Wurzelentscheidung zu GLÜCK oder Unglück. Und die Botschaft lautet : es gibt KEIN Glück ohne Behauptung, ohne Kampf, ohne Herausforderung.

        Ryan Kowalski ist bereits entschieden resigniert, aufzugeben. Sie schaltet die lebenserhaltenden Systeme ab – eine Entscheidung, die offensichtlich Kowalsky allein (der für sich andere Gründe fand) selbst so – zumindest in dieser Situation : freiwillige Selbstaufgabe – nie zugegeben hätte. Und Ryans Unterbewußtsein offensichtlich auch nicht. Denn : gleichwohl es andere', vielleicht sogar vielfach, tun („nur noch schlafen“ nicht da-sein wollen) schlummert in ihr (und deswegen hat Cuaron SIE und ebennicht Bullock gewählt!) EINE KÄMPFERIN : als die Erfahrung ihres Unglücks, ihrer Entbehrung, ihres unersetzten Angehörigen-Verlustes („...niemand, der jetzt heraufschaut?“...) sie zu ermatten droht, ihre Kapitulation entgegennimmt,- da erwacht ihr Instinkt, ihr Lebenswille doch noch zu dem einzigen echten Entschluss, in dem der Mensch allein sich wahrhaft gebiert : nicht als Animal,- sondern als jemand, der um des Glückes willen das Geschenk des Lebens, dass ihm oder ihr plötzlich erfahrbar ermessbar wird, nicht ausschlägt, sondern als Herausforderung : zu Bejahung, zu sich selbst heraus, annimmt. Sie erhält Gelegenheit das zu beweisen : und sie belegt: egal, wie dieser bevorstehende Höllenritt der nächsten Minuten ausgehe : sie SEI BEREIT – zu akzeptieren. Leben oder Sterben – aber sie würde, gelassen, das Leben, mit einem kämpferischen Lächeln, wählen : und tun, was sie beitragen hervorbringen kann und ihr erfindbar ist. Niemand kann mehr verlangen : denn den Tod nicht länger zu verachten,- sondern ins eigene Auge zu schauen, und die Angst zu verlieren, die uns versklavt, als einzige : das ist der Tropfen Blut nicht unter Mephistopheles' züngelnden -, sondern den göttlich freien und erhebenden Vertrag. Der Rest ist eine Formalität : sie kämpft : gegen das Auseinanderbrechen, die Hitze, das schwallende ertränkende Wasser, die Schwere, das fangende Netz – und gewinnt – Luft Atem ihren Körper das Land. Ihr Leben. Sie erhebt sich : zur Riesengestalt des Menschen, überhaupt, der, seit Jahrmillionen, in jedem von uns und in allen, ums Leben kämpft – bis heute erfolgreich : trotz des vernichtenden Todes-, der Zug um Zug gegen jede Einzelheit von uns gewinnt bis auf solche Momente, und doch dank ihnen immer (bisher) insgesamt noch verlor und weiterhin verliert? : dem riesenhaften Entschluß des Menschen, die Herausfordung, zum Leben, nicht auszuschlagen, sondern zu akzeptieren – mit dem Tod unsicher, unbeachtet im Rücken : im entscheidenden wagemutigen, Moment der Wahrheit.
        Ryan ist da mehr als Ryan, und das drückt Lubezkis Kamera aus. Was er da filmt, ist nicht Bullock – sondern dich, mich, und sich selbst. Wenn wir es denn, im Einzelnen, vermöchten, diesen Ruf aufzuspüren – aufzunehmen – und standzuhalten, wie diese fiktive, und doch bisher : reale, sicher durch andere, womöglich durch uns gerechtfertigte Gestalt.

        Wer diese Überform in derjenigen der Ryan, die „bloß“ Mitglied einer NASA-Expedition war, nicht zu identifizieren vermag (oder gar zu „kitschig“? findet) : ja soll ich denn von dem annehmen, dass er/sie je so gelitten hat, dass Gravity, die Anziehungskraft der Schwere, ihm/ihr bisher überhaupt, auch in dem Film, untergekommen zur Wahrnehmung emporgestiegen ist? Aber vermutlich : bin ich zu wenig anspruchsvoll, oder aber bereit, zuviel eigene Hirngespinste in irgendein x-beliebiges unsatisfaktionsfähiges Produkt mithinein-zu redigieren & zu beamen: hinzutransportieren, wo es nicht hingehört, und von Natur aus nicht zu finden ist. Wie ein Mensch im Weltraum. Oder, aber, wenn dieses Zuviel an unbegründeter Verleihens-Phantasie mein Fehler- und nicht das Verdienst de Filmes ist, wie ich vermeine, bleibt mir wohl nur noch mit Gina Lollobrigida zu antworten : (Heller: „Sie begehen einen Fehler, wenn Sie jetzt nicht mit mir schlafen!“: „Man muss sich seine Fehler leisten können!“ )
        und ehrlich gesagt : sehe ich die Leben, denen ein rundum (nicht bloß technisch) erschütterndes Erlebnis Drama wie GRAVITY, in einer Reihe mit 2001 ODYSSEE, und ALIEN, nur ein müdes Lächeln hinter dem Ofen hervorlockt, und die nicht genau zu begründen wissen, warum Ryans „Höllenritt“ nur ein müder Abklatsch nicht ihresgleichen ist,- so werde ich annehmen : eigentlich bin ich ganz froh, mich dankbar von solchen mißlungenen Nebensächlichkeiten nicht nur an Nebenschauplätze, sondern an Geburtsorte des menschlichen Kosmos versetzen zu lassen. Cuaron und Lubezki : hier ist der Haustürschlüssel meiner Seele. Kommen und gehen Sie, wann Sie mögen. Sollte ich nicht zugegen sein : haben Sie dennoch freie Hand. Jedoch ich hoffe immer, wenn irgend möglich, Ihnen vor Ort zu begegnen. Denn einige der schönsten , und fruchtbarsten Momente meiner Erfahrung, verdanke ich Ihrer selbstlosen Mühe – für mich. Von daher : meinen ergiebigen Kotau. Und meine Begeisterung. Und meine Dankbarkeit. Und meine Bereitschaft, mich aus dem Sessel zu erheben und Ihnen zur Hand entgegen zu eilen, wenn in meiner Gegenwart Sie an etwas werkeln mögen, das meiner unausgeschlossenen Beihilfe ebenfalls erleichternd bedarf? Belohne ich mich damit nicht selbst, Dinge entstehen zu lassen (für ebenfalls mich), die, wie das Sprichwort behauptet, sich tugendhaft selbst belohnen?! Das nenne ich ein vernünftig göttliches Prinzip!

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        • SOC 2014 - The Motion Picture Camera: Past, Present and Future
          http://vimeo.com/88675290

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          • JAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAA ENDLICH!!!!!

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            • Werter Herr Lubezki,

              in Anbetracht des Hypes, der um Sie veranstaltet wird, und der todsicheren Prognosen, die jetzt schon einen Oscargewinn im Schatten der vorangegangenen fünf Nominierungen garantieren, möchte ich doch einmal die Frage in den Raum werfen, ob Ihnen der Kameramann George J. Folsey etwas sagt? Aufklärung über die Zusammenhänge bezüglich dieser Frage kann vielleicht folgende Liste schaffen:

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              http://www.moviepilot.de/liste/afdonka-balticinemaniac
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              Zweifellos hätten Sie sich die Goldtrophäe dieses Jahr mehr als verdient und niemand will zudem irgendwelche Straßenzüge in Berlin oder andernorts brennen sehen (was hier bei MP schon angekündigt wurde, sollten Sie wiederum leer ausgehen), doch ganz nüchtern und von der Statistik her betrachtet, haben Sie einen nicht zu unterschätzenden Konkurrenten in Ihrer Kategorie, denn Roger Deakins hat ganze fünf Nominierungen mehr auf dem Konto und ebenfalls noch nie einen Oscar gewonnen.

              Hoffentlich gehören Sie zu denjenigen, denen dieses ganze Filmpreis-Tamtam eh am Allerwertesten vorbeigeht, die auch so wissen, dass Sie gut sind, und die sich eher auf die nächste große Aufgabe konzentrieren, denn ich wollte Ihnen mit diesem kleinen Denkanstoß keinesfalls den Sonntag verderben.

              Herzliche Grüße
              Balti

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              • Emmanuel Lubezki ist ein Genie hinter der Kamera. Er nimmt keine Bilder auf sondern malt sie. Leider ist seine Kunst verkannt und er wird viel zu oft übergagen, zu unrecht. Wer könnte sich schon Children of Men oder Tree of Life ohne seine Kameraführung vorstellen?
                Alles andere als ein Oscar für das visuell Visionäre Gravity wäre eine Beleidigung.
                Wunsch für die Zukunft: Eine Zusammenarbeit mit Iñárritu. Hätte Potential.

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                • Und wieder übergangen. Wie immer.

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