Gerard Damiano - Kritik

Beteiligt an 7 Filmen (als Regisseur/in, Drehbuchautor/in und Schauspieler/in)
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  • Hier auf moviepilot fehlt sein Film 'ODYSSEY - THE ULTIMATE TRIP' von 1977.

    Schon mal vorweg: Gerard Damiano huldigt hier natürlich, gemäß seines Rufes, dem obligatorischen Sex, das wohl wichtigste Element zur Erschaffung und Erhaltung des Lebens. Jedoch ist er hier nicht daran interessiert, eine billig-pornographische Attitüde an den Tag zu legen und einfach ein hedonistisches Szenario an das nächste zu reihen.

    'ODYSSEY' ist nämlich ein recht offener, freiförmig-episodenhafter Film über die 'human condition', zeigt dysfunktionale Beziehungen menschlicher Natur in der modernen Gesellschaft auf: einmal in der Ehe, der im Lauf der Jahre und eingeschlichener Langeweile voreinander inzwischen die Lust zum Beibehalten geraubt wurde. Dann im vielseitig-vertretenen, doch gehemmten Selbstbewusstsein, dass von keinem Psychiater entwirrt werden kann, im beständig-perspektivenlosen Frust nach Bestätigung sucht. Und zum Schluss im Stolz und in der persönlichen Erfüllung, welche von zwangsmäßiger Unterdrückung und Unterwerfung in den Selbstmord getrieben werden.

    Die einzige Lösung, die Damiano hoffnungsvoll anbieten kann, ist die uneingeschränkte Lust am Beischlaf jeder Art. Den Weg dorthin organisiert er in seinem fragmentarischen Narrativ ähnlich wie Aronofsky in THE FOUNTAIN, durchlaufen doch seine Protagonisten auch hier im Grunde dieselbe geteilte, interdimensionale Bürde, sehnen sich nach Befreiung aus der Misere ihres Daseins und machen parallel denselben Fortschritt - an einem Ort, an einer Quelle finden sie ihr Seelenheil und schöpfen solange davon, wie sie nur können, bis zum Ende, selbst wenn es keine Hoffnung mehr gibt, Genuss ist King. Und zudem so kochend-rhythmisch, dass allesamt in orgasmischer Atemlosigkeit erstarren.

    Im Umkehrschluss entpuppt sich diese Oase der klebrigen Blowjobs und glitschigen Fingerspielchen dank besonderer Rauschhaftigkeit als einsaugendes Nirvana - als Hafen der Lust, Entspannung und Ekstase, aus dem man nimmer ablegen will. Die darausfolgenden Entzugserscheinungen und Depressionen können unsere Subjekte des Leidens kaum noch ertragen, für sie gibt es kein Zurück mehr. Da will 'ODYSSEY' einen fast schon mahnen, die Lust nicht zu überstrapazieren, macht aber auch unumgänglich deutlich, dass eben jene Flucht zu ihr tragische, allzu menschliche Gründe hat.

    Wir als Mitmenschen erhalten jedenfalls die Einsicht zur Pflicht auf den Weg, diese armen Seelen aufzugreifen und jedwede Gefühle miteinander zu teilen. Denn gerade mit Sex erreicht man dies doch auf so vielen Ebenen. Von daher ein schönes Werk von Damiano, hätte so eine humanistische Ader von ihm nicht unbedingt erwartet, auch wenn die Erotik sein größter Selling Point bleibt - in ihrer Funktion erscheint sie hier aber absolut sinnvoll.

    6,5/10

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