Das ganze Leben liegt vor Dir

Tutta la vita davanti (2008), IT
Laufzeit 121 Minuten, FSK 12, Komödie, Kinostart 18.03.2010

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7.5 Kritiker
4 Bewertungen
Skala 0 bis 10
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von Paolo Virzì und Paolo Virzi, mit Isabella Ragonese und Sabrina Ferilli

Marta ist jung, schön und hat soeben sehr erfolgreich ihr Philosophiestudium abgeschlossen. Sie hat ihr ganzes Leben noch vor sich. Doch Marta hat Probleme einen Job zu finden, bis sie Sonia kennenlernt, die ihr eine Anstellung in einem Call-Center verschafft. Die Arbeit und vor allem das Unternehmen selber entpuppen sich jedoch als sehr seltsam. Gemeinsam singt man morgens Motiviationslieder und Kollegen, die die Quoten nicht schaffen, werden fristlos vor die Tür gesetzt. Welcome to corporate hell!

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Cast & Crew


Kritiken (3) — Film: Das ganze Leben liegt vor Dir

Jürgen Kiontke: Jungle World, ai-Journal, K...

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8.0Ausgezeichnet

Okay, es war vorher auch schon schlimm. Aber es ist ein Wirtschaftsgesetz, dass sich negative Schübe auf dem Arbeitsmarkt bei den Berufseinsteigern - oder besser: bei allen, die ohne Absicherung und doppelten Boden am Rand zur Prekarität leben, am deutlichsten äußern.
Und Jugend! Sie ist ohnehin ein Gesellschaftsteil, der per se prekär ist. Und delinquent, sexsüchtig und suizidal.
Wofür diese Suada? Die genannten Ingredienzien sind nun für das Kino auf eine einzigartige Weise neu abgemischt worden: „Tutta La Vita Davanti“ heißt Paolo Virzìs wahnsinnige italienische Variante dieser europäischen Schadensökonomie, die die Verhältnisse südwärts der Alpen so schön abbildet. In Deutschland ist die Komödie unter dem Titel „Das ganze Leben liegt vor dir“ unterwegs.
Im Zentrum steht Marta (Isabella Ragonese), die zu Beginn hocherfreut ins Leben schaut: Sie ist Mitte 20, hat einen tollen Freund und tolle Freunde und einen Superabschluss mit ein paar Lorbeeren („Summa cum laude“) vor ein paar alten Professoren abgelegt. Nun lernt sie die Arbeitswelt kennen - im Callcenter. Und es wird turbulent.
Je mehr Erzählstränge Virzì zusammenmischt, desto besser. Er operiert hart an der Kante, aber es funktioniert. Dies ist ein schöner zynischer Film, der die Diskurse und Pseudo-Debatten rund um das Thema Arbeit exakt zusammenfasst - nichts von dem, wovon diese Komödie auf ernstem Grund erzählt, ist in irgendeiner Weise witzig. Lachen muss man genau deswegen.

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Lena Serov: Schnitt Lena Serov: Schnitt

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7.5Sehenswert

Paolo Virzì hat in seiner temporeichen Komödie die satirische Bloßstellung des modernen Italiens, für das das Callcenter wohl nicht nur als Modell sondern auch als tatsächliche Realität zu verstehen ist, mit dem unbekümmerten, italienischen Lebensgefühl gepaart, und gleichzeitig am Ende einem zweifelhaften Optimismus Ausdruck gegeben, daß die italienische Küche über alle Sorgen hinwegtrösten kann.

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José Garcia: Textezumfilm

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8.0Ausgezeichnet

Regisseur Paolo Virzi, der zusammen mit Franceso Bruni das Drehbuch auf der Grundlage des Tagebuchs „Il mondo deve sapere“ (Die Welt soll es wissen) der italienischen Schriftstellerin Michela Murgia verfasste, liefert eine bitter-süße Satire auf das Lebensgefühl junger Akademiker, die zumal nach einem Studium der Geisteswissenschaften mit einer ganz anders strukturierten Arbeitswelt konfrontiert werden, in die sie sich nur schwerlich integrieren lassen. Obwohl nicht ganz frei von Klischees, gelingt es den Drehbuchautoren indes, eine differenzierte Sicht dieses Kulturschocks zu vermitteln. So ist Marta zwar zunächst entsetzt, als sie feststellt, dass ihre Arbeitskolleginnen in den Pausen keinen weiteren Gesprächsstoff als die Neuigkeiten bei „Big Brother“ kennen. Im Gegensatz aber zu ihren ehemaligen Kommilitonen, die auf ihre ebenfalls unter ihrer „geistigen Würde“ stehenden Jobs herabschauen, versucht Marta das Beste aus der Situation zu machen. Sie schreibt sogar für eine Fachzeitschrift einen Aufsatz über „Heidegger und die Gruppendynamik in einem Callcenter“. Dass trotz des symbolischen Namens der Firma „Multiple Italia“ das Filmthema nicht als speziell italienisches Problem anzusehen ist, beweist etwa der hierzulande inzwischen sprichwörtliche promovierte Taxifahrer.

In seiner Inszenierung lockert Regisseur Paolo Virzi das erdenschwere Sujet mit ein paar leichtfüßigen Einlagen à la Bollywood auf. So beginnen direkt bei der ersten Szene die Passanten auf den Straßen Roms zu tanzen, die Busfahrt zur Arbeit verwandelt sich in eine Choreografie. Obwohl solche Einschübe den Film in die Länge ziehen lassen und darüber hinaus einige Szenen allzu freizügig geraten sind, überzeugt „Das ganze Leben liegt vor dir“ insbesondere durch seine vielschichtigen Figuren und die liebenswerten Schauspieler, allen voran die bezaubernde Isabella Ragonese als Marta.

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Kommentare (4) — Film: Das ganze Leben liegt vor Dir

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8martin

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Bewertung2.5Ärgerlich

Um es gleich vorweg zu nehmen, es ist nicht leicht diesem Machwerk etwas Positives abzugewinnen. Vielleicht ist es das Bemühen des Regisseurs eine Parodie zu schaffen, die sich auf die jüngste wirtschaftliche Situation Italiens bezieht. Sollte es etwa eine Abrechnung werden? Hier die schikanösen Arbeitsbedingungen in einem Call Center, wo eine examinierte Philosophin (der einzige Lichtblick Isabella Ragonese) trotz Examen mit Summa cum laude arbeiten muss. Sie passt nicht zu ihrem Umfeld.
Mir viel Tohuwabohu, sinnfreiem Geplapper und affigem Rumgebalge agieren die übrigen Figuren. Sie bleiben distanziert zum dargestellten Thema, sind eigentlich sie selbst. Unreif und kindisch. Sie verschmelzen mit der Realität und liefern so kein Abbild, das die Ironie erkennbar macht. Der Humor ist nur etwas für Unbedarfte, platter und von der Größe einer Briefmarke, strebt er gegen Null. Die Situation bleibt vorwiegend so spannend wie ein Wackelpudding, aufregend wie der Drehrhythmus einer Waschmaschine. Was ironisch karikiert werden soll, ist meist albern und dämlich. Viele Dialoge klingen wie tra-la-la und bla-bla-bla. Da passen dann auch keine Morde ins Bild!? Man kommt um den Vergleich mit dem Kaugummi nicht herum, wenn man es aus dem Mund nimmt, es aber mit den Zähnen noch festhält.
Selbst die Musik verdeutlicht den geschmacklichen Abstieg: singen zu Beginn wenigstens noch die Beach Boys, ist es am Ende die keimfreie Doris Day. K.V.

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Brigittes Helm

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Na, so schlimm fand ich den Film jetzt nicht, halt sehr italienisch durchgeknallt. Ernst nehmen sollte man diesen höheren Blödsinn nicht. Auf italienisch klingt er auch viel besser:-). Sehen muss man ihn nicht.


Rukus

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Bewertung8.0Ausgezeichnet

Mein ganz persönlicher Filmtipp für alle Philosophiestudenten!

Spitzenabschluss, Arbeitslosigkeit und Prekariat. Oh ja, meine Brüder und Schwestern, ich höre schon die linken Campusrebellen trillern und Parolen skandieren. Keine Sorge, ich will euch nur ein bischen foppen. Ich hab nichts gegen euch. ;)

Wie alle wissen, die jemals studiert haben, werden Philosophiestudenten in Deutschland zu 99,9% Taxifahrer. In Italien geht's ins Callcenter. Zumindest in diesem Film ist das so - bei 100% der dargestellten Absolventinnen. Okay, es ist nur eine, also statistisch etwas fragwürdig, aber es geht ja um Philosophie und nicht Soziologie, gelle? Der traurige Rest der angehenden Philosophen war schlau genug, um den Abschluss für einen mehr oder weniger gut bezahlten Spitzenjob aufzugeben. Ja, einige haben es echt weit gebracht und schreiben z.B. Scripte für Big Brother. Wow! Ist es wirklich so, dass man sich in dieser Welt zwischen intellektuellem Anspruch und Geld entscheiden muss? Man könnte an dieser Stelle unzählige Klischées über Hartz IV-Fernsehen und multimedialer Verblödung Heranwachsender auf der einen und intellektuell anspruchsvolleren Nischenprogrammen auf der anderen Seite anführen und darüber sinnieren. Aber die Andeutung reicht meiner Meinung nach völlig aus. Wer es nicht versteht, kann mir ja eine Nachricht zukommen lassen. Ich versuch das dann anhand eines anschaulichen Bilderbuchs zu verdeutlichen. Hachja, Medienschelte ... und wieder muss ich an Free Rainer denken. Es ist schon lustig. Es wird munter propagiert, dass ältere Menschen "Gehirn-Jogging" betreiben sollen, damit sie geistig fit bleiben. Kurz darauf flimmert der nächste Verblödungsblock über die Mattscheibe. Wir leben in einer echt komischen Welt.

So, jetzt aber endlich zum Film! Die Italiener können tatsächlich mehr als nur coole Spaghetti-Western. Das ganze Leben liegt vor dir tarnt äußerst bissige Gesellschaftskritik in einer teilweise absurden Komödie. Es geht um Werte. Ein Wort, das in manchen Bereichen recht unflationär missbraucht wird. Der Wert eines geisteswissenschaftlichen Studienabschlusses zum Beispiel. Was macht man damit? Einfach alles! Ein guter Geisteswissenschaftler ist schlicht ein Denker. Und denken muss man so ziemlich überall. So schafft es die ebenso attraktive, wie charmante und halt intelligente Hauptdarstellerin sogar in einem Callcenter ihre Fähigkeiten perfekt auszuspielen und arbeitet daher ausserordentlich effizient. Und ihre Kolleginnen können davon profitieren. Allerdings lernt sie schnell, dass der Job auch seine Schattenseiten hat. Mitarbeiter verlieren schnell an Wert. Sind nur etwas wert, wenn sie arbeiten. Präkariat halt. Gerade einmal fünf Minuten für die Toilettenpause - oder eine Kippe. Entweder, oder. Beides geht halt nicht. Und das bei mieser Bezahlung, mangelnder Krankenversicherung und, und, und. Aber fröhlich geht es zu. Eine Mischung aus US-Klischées bezüglich Einstimmungsgesängen und Mitarbeitermotivation und verkapptem Musical. Dennoch ist der Job amoralisch und je mehr man darüber nachdenkt, desto ekelhafter wird der ganze Laden. Moralische Werte? Fehlanzeige! So geht es auch Marta, unserer Hauptdarstellerin. Man merkt, wie unwohl sie sich fühlt, aber sie hat keine Chance. Sie muss Geld verdienen und ihre Bildung hilft ihr im Moment auch nicht weiter. Sie muss sich in diesem Callcenter regelrecht prostituieren und ihre moralischen Bedenken über Bord werfen. Es ist ekelhaft und erniedrigend für so einen Geist, aber immer noch besser als echte Prostitution. Oder nicht? Prostitution klingt hart. Es soll nicht respektlos gegenüber denen sein, die tatsächlich darauf angewiesen sind. Doch das ist genau das Problem. Diejenigen, die in so einem Callcenter arbeiten, oder in was für einem miesen Job auch immer, sie sind auch darauf angewiesen. Und eines muss man wohl festhalten, die Arbeit in dem hier präsentierten Callcenter, der Firma, die dahinter steht, die ist wesentlich amoralischer und verwerflicher, als die einer "normalen" Prostituierten.

Ist das die Lehre dieses Film? Nicht ganz, denn es gibt da noch eine Ebene, die das Prekariat betrifft - die Gewerkschaft. Licht und Schatten sind hier recht dicht beieinander. Natürlich ist es wichtig, das die Rechte der arbeitenden Bevölkerung geschützt und gestärkt werden - doch ist dafür jedes Mittel recht? Die betreffende Gewerkschaft wird dargestellt, wie sie ist. Sie ist grau. Es sind nicht die Buhmänner, die von Links an den Firmen vorbei ziehen und alles nieder machen. Es sind aber auch nicht die Ritter in schimmernder Rüstung, die die Arbeiter vom Joch befreien.

Wer jetzt denkt, dass es in diesem Film nur um das Prekariat und Arbeitskampf geht, der irrt. Es geht auch zwischenmenschlich zu. Die Details will ich euch an dieser Stelle nicht vorwegnehmen, daher hier nur die Quintessenz. Beziehungen, Freunde und Familie spielen eine nicht unwesentliche Rolle. Und auch hier geht es um Werte. Wer diese nicht schützt und pflegt, der verliert vielleicht mehr als er ahnt. Man kann diesen Film tief analysieren und findet viel, das zu untersuchen und betrachten lohnt - oder man bleibt an der Oberfläche und nimmt zumindest das Offensichtliche mit. Doch dann bleibt einem vielleicht nur der Schatten dessen, was man lernen könnte. Ganz so, wie in Platons Höhlengleichnis.

Man muss kein Philosoph sein, um zu verstehen, was dieser Film einem sagen will oder welche Werte wirklich zählen. Man sollte nur ab und zu etwas sinnvolleres schauen als Big Brother und sich einfach mal allein den Titel des Films vor Augen führen: Das ganze Leben liegt vor dir!

Que Sera, Sera!

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spanky

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Bewertung6.0Ganz gut

So etwas wie "Die nicht ganz so fabelhafte Welt der Marta". Komisch-naiv, bei Zeiten recht bissig, allerdings ganz ohne Magie. Nette Italo-Sozialsatire mit seltsam unnatürlichen Schauspielern.

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lokomind

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Bewertung7.0Sehenswert

Lustig, charmante Schauspieler, aber leider haben Italiener einfach keinen Sinn für Dramaturgie!

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