Eine Frau unter Einfluß

A Woman Under the Influence (1974), US
Laufzeit 155 Minuten, FSK 16, Drama, Kinostart 02.01.2003

8.0 Kritiker
6 Bewertungen
Skala 0 bis 10
8.4 Community
124 Bewertungen
11 Kommentare
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von John Cassavetes, mit Gena Rowlands und Matthew Cassel

Mabel Longhetti (Gena Rowlands) hat sich darauf eingerichtet, mit ihrem Mann Nick (Peter Falk) ein Wochenende allein zu haben, aber dann muß Nick, Vorarbeiter eines städtischen Bautrupps, absagen: ein Wasserbruch hält ihn und seine Leute über Nacht draußen fest. Aus Frust zieht Mabel durch die Kneipen und landet schließlich mit einem Fremden Mann im Bett. Geplagt von Schuldgefühlen versucht sie, Nick die perfekte Hausfrau vorzuspielen…

Academy Awards, USA
Year Result Award Category/Recipient(s)
1975 Nominated Oscar Best Actress in a Leading Role Gena Rowlands

Best Director
John Cassavetes

Golden Globes, USA
Year Result Award Category/Recipient(s)
1975 Won Golden Globe Best Motion Picture Actress – Drama Gena Rowlands

Nominated Golden Globe Best Director – Motion Picture John Cassavetes

Best Motion Picture – Drama

Best Screenplay – Motion Picture
John Cassavetes

Kansas City Film Critics Circle Awards
Year Result Award Category/Recipient(s)
1976 Won KCFCC Award Best Actress Gena Rowlands

National Board of Review, USA
Year Result Award Category/Recipient(s)
1974 Won NBR Award Best Actress Gena Rowlands

San Sebastián International Film Festival
Year Result Award Category/Recipient(s)
1975 Won OCIC Award – Honorable Mention John Cassavetes

Prize San Sebastián Best Actress Gena Rowlands

Silver Seashell John Cassavetes

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Kritiken (1) — Film: Eine Frau unter Einfluß

Stephan Eicke: www.film-rezensionen.de

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10.0Lieblingsfilm

In grausam realistischen Bildern macht der Regisseur den Schmerz des menschlichen Scheiterns deutlich und offeriert hiermit eine der intensivsten und ungeschminkt brutalsten Melodramen der Filmgeschichte über das Entfremden einer ganzen Familie. Möglich gemacht wird dies vor Allem durch die erstklassigen schauspielerischen Leistungen von Gena Rowlands und Peter Falk, welche niemals besser waren als in diesem Werk, das einen schier sprachlos zurücklässt und derart viel Stoff zum Nachdenken bietet, dass es einen noch lange beschäftigen wird. „A Woman Under the Influence“ ist kein schöner Film, doch aufgrund seiner schonungslosen Offenheit ein lohnendes, forderndes filmisches Erlebnis, das zu den filmisch souveränsten und besten Dramen der Filmgeschichte gezählt werden darf.

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Kommentare (10) — Film: Eine Frau unter Einfluß

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VisitorQ

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Bewertung8.0Ausgezeichnet

Ausgezeichnetes Drama von John Cassavetes, das in meinen Augen leider ein wenig übersehen wird. Hervorragend gespielt und sehr intensiv. Kann ich nur empfehlen.

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Benni-THE-KING

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Bewertung7.5Sehenswert

Sehr intensiver Film mit einigen großartigen Szenen. Aber insgesamt störte mich Gena Rowlands Vostellung. Das war teilweise so over the top das es unfreiwillig komisch war. Irgendwann nervts dann halt ein bisschen. Aber guter Film.

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Trevedas

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Bewertung10.0Lieblingsfilm

Ein Monster von einem Film. Unfassbar weit entfernt von "unterhaltsam", aber trotzdem ungemein fesselnd.

Vorneweg sollten die famosen Darstellerleistungen gelobt werden, denn eben auf die Schauspieler legt Cassavetes am meisten Wert, was hier mehr als deutlich wird. Peter Falk ist großartig wie immer, keine Frage, aber was Gena Rowlands mit dieser Performance zu schaffen vermag, kann man gar nicht genug würdigen, geschweige denn adäquat in Worte fassen. Die folgenden Lobhudeleien für ihre Leistung klingen zwar abgedroschen und hat man so auch öfters in Kritiken für diverse andere Filme gesehen, aber in der Tat spielt Gena Rowlands nicht Mabel Longhetti, sondern sie ist diese scheinbar verrückte, im tiefsten Inneren unterdrückte Ehefrau, mit Leib und Seele und beides setzt sie bei ihrer Darstellung mit einer so ungeheuren und für mich in dieser Form nie dagewesenen Intensität und Authentizität aufs Spiel, dass es einen förmlich zerreißt.

Aber auch der Film an sich ist für Zuschauer und Protagonisten gleichermaßen einer anstrengende, nervenzerreißende Achterbahnfahrt. Man steigt also in eben jene Achterbahn ein und lässt sich nach oben fahren, anfangs ist man noch entspannt, aber je höher man steigt, desto unruhiger und nervöser wird man, weil der erste Abgrund immer näher kommt. So, oder so ähnlich im Film. Je mehr man von diesen zunächst "normalen" Ehepaar zu sehen bekommt, desto mehr werden die offensichtlichen Probleme der beiden aufgetürmt bis der erste Abgrund, der erste kleine Zusammenbruch dieser labilen Ehefrau ein kleines Erdbeben auslöst. Ab diesem Zeitpunkt gibt es, genau wie in der Achterbahn, kein Weg zurück. Es geht hoch und runter, kleine Segmente, in denen man eine kurze Verschnaufpause bekommt, in denen scheinbar die offenen Risse gekittet werden können, erscheinen genauso schnell, wie sie wieder wegziehen. Und wenn es zum Schluss danach ausschaut, als habe man die Achterbahnfahrt doch letzten Endes halbwegs unbeschadet hinter sich, wird man durch eine letzte, gnadenlose und unausweichliche Kurve kräftig durchgeschüttelt. Nichtsdestotrotz wird man die Fahrt irgendwie überstehen, die bleibenden Narben werden jedoch nicht mehr zu reparieren sein.

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cannibal83

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Bewertung7.5Sehenswert

Es steckt sehr viel vom wirklichen Leben in diesem Film, vermutlich macht ihn das streckenweise so anstrengend.

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Motsche

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Bewertung8.0Ausgezeichnet

Sehr sehr sehr traurig!
Beide Hauptdarsteller versuchen sich aufrechtzuerhalten, aber wie sie immer wieder scheitern ist großartig gespielt!
Bedrückendes Szenarium am Familientisch!
Danke Cassavettes.

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Motsche

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Ich hab ja geschrieben das sie großartig spielen, d.h. ich meine die hauptfiguren scheitern am versuch ihre "heile" welt aufrechtzuerhalten!


Kubrick_obscura

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Bewertung9.0Herausragend

Gestern ergriff ich die Chance um mir im Kino meines Vertrauens (Arsenal) meinen ersten Cassavettes zu genehmigen.
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In erster Linie unterlief der Film meine Erwartungen komplett, denn ich hatte zuvor nur die obige Kurzbeschreibung gelesen, die noch nicht mal 1% des Films wiedergibt.
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155 Minuten geballtes Leben, eingepfärcht auf 2 Meter Leinwanddiagonale, doch es sind die guten Filme, die diesen Rahmen sprengen können, die den Saal um dich herum verschwinden und dich teilhaben lassen.
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"A Woman under the influence" sprengt diesen Rahmen wie TNT, doch er lässt dich nicht NUR teilhaben. Er will von dir verstanden werden ohne sich bloßzustellen, ohne seine Integrität zu verlieren. Er fordert dich heraus, versucht dich zu ärgern, dir auf die Nerven zu gehen. Momente seeliger Ruhe treffen auf Ausbrüche, die Häuserwände zum Zittern bringen.
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Glück, Trauer, Lust, Wut, Liebe & Hass, das liegt alles so eng beieinander, dass Cassvettes Inszenierungswut garnicht auffällt. Der Film wirkt beinah dokumentarisch, uninszeniert. Das ist sowieso die Brillianz großer Regisseure, ihre Anweisungen praktisch unsichtbar werden zu lassen.
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Jeder Film rennt irgendwie der Wahrheit hinterher, obwohl er sie in einem fiktionalen Rahmen eigentlich nicht erreichen kann.
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Cassavettes' Film ist ihr aber beängstigend nahe.

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Kubrick_obscura

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Opening Night kommt definitiv als nächstes ran. Ansonsten habe ich mir noch ein paar andere Werke von ihm vorgemerkt. Da kommt einiges auf mich zu.


Strikerth

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wie du recht hast :)


maslobojew

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Bewertung10.0Herausragend

Das ist einer dieser Filme, die mich erstmal platt walzen und die ich dann nochmal sehen muss, und nochmal sehen muss, und ...
Kommentator herr.moebius schrieb, der Film sei nicht konsummierbar. Wenn damit der schnelle Verzehr, so reinziehen und aus dem Sinn gemeint ist, dann hat er sicherlich recht.
"Frau unter Einfluss" kann aber etwas leisten (das hängt allein vom Betrachter ab), wozu ein Kunstwerk eben einlädt. So etwas wie eine temporäre, symbiotische Verbindung zwischen Betrachter und Objekt.
Nach solchen Filmkunststücken suchen wir letztendlich alle.

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annaberlin

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Bewertung4.0Uninteressant

Anstrengender Film, den Cassavetes zusammen mit seiner Frau Gena Rowlands drehte. Es gibt lange Szenen ohne Schnitt, die Kamera klebt an dieser durchgeknallten Frau, die man nicht versteht und für deren widersprüchliches Verhalten man auch keine Erklärung erhält.

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Jonni

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Bewertung7.5Sehenswert

Cassavetes Filme sind vor allem zwei Sachen: Großartige Schauspielerfilme auf der einen Seite und eine Tour de Force für den Zuschauer auf der anderen. In keiner seiner Szene kann man sich sicher sein, wie die Menschen weiter miteinander umgehen: Da wird innerhalb von 5 Minuten gescherzt, die Fassung verloren, sich gegenseitig angeschrieen, geohrfeigt und niedergeschlagen, nur um sich dann die gegenseitige Liebe zu schwören. Das ganze laugt einen bei aller Begeisterung ganz schön aus. Ganz so, als hätte man sich einen eigentümlich gutgelaunten Ingmar Bergman Film angesehen.

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herr.moebius

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Bewertung10.0Lieblingsfilm

Peter Falk ist Rohrarbeiter, oder Rohrabdichter, oder irgendwas mit Wasser und Baustelle auf jeden Fall, und seine Frau, Gena Rowlands, sitzt zu Hause, läßt die Kinder von ihrer Mutter abholen und bereitet sich auf einen schönen Abend mit ihrem Mann zu Hause vor. Doch der kommt nicht, ein Rohrbruch, er kann nicht Heim und muss die Nacht durch arbeiten. Er ruft seine Frau an, hat ein schlechtes Gewissen denn es sollte ein besonderer Abend werden, doch seine Frau macht ihm keinen Ärger, sagt er solle sich keine Sorgen machen. Wir folgen daraufhin der Frau durch eine Stadt bei Nacht, sie geht in eine Bar, kippt sich ein bis zum Rand gefülltes Glas auf Ex hinter die Binde und nimmt dann einen Mann mit nach Hause.
Am nächsten Morgen das Erwachen. Die Ehefrau sieht den Liebhaber und beginnt ihn mit dem Namen ihres Mannes zu rufen. Der wirkt leicht verstört, aber noch etwas gefasst, bis Gena Rowlands zu schreien anfängt: "Nick, wo sind die Kinder? Was hast du mit den Kindern gemacht?"
So in etwa beginnt Cassavetes' 5. Film. Ein Film über die Liebe; ein Film über ein Paar welches Verheiratet ist, welches den Versuch einer Beziehung unternimmt.
Gena Rowlands ist die "Woman under the influence", die Frau mit einem an der Klatsche. Es spielt hiebei keine wirkliche Rolle ob sie nun schizophrän, manisch depressiv, authistisch oder alles auf einmal ist. Fakt ist: "diese Frau ist besonders", um es mit dem Worten ihres Ehemannes auszudrücken. Und er weiß das, und er liebt sie dafür. Er versteht seine Frau nicht, begreift ihre Stimmungen und ihr merkwürdiges Verhalten nicht, aber er liebt sie so wie sie ist.
Einmal als er nach ein durchgearbeiteten Nacht seine 10 Kollegen mit zum Frühstück mitbringt und seine Frau für die gesamelte Mannschaft Spaghetti kocht und man danach gemütlich zusammen am Tisch isst brüllt er seine Frau laut an und beschimpft sie, weil sie sich nicht der Norm, der gesellschaftlichen Konvention entsprechend verhält und die Kollegen das nicht verstehen und er sich für seine Frau schämt.
Später kommt dann noch die Mutter des Ehemanns vorbei und die will ihre Schwiegertochter am liebsten einweisen lassen, weil sie sie für verrückt hält. Was niemand zu begreifen scheint ist: diese beiden brauchen eigentlich nur sich. Wenn sie zu zweit sind, bringen sie sich so viel Zärtlichkeit, Verständnis und Respekt gegenüber, wie es nur sein kann. Das Problem von Gena ist nämlich folgendes: sie weiß nicht, wer sie ist bzw. sie weiß nicht, was sie darstellen soll. Sie kommt mit den nicht ausgesprochenen Regeln des sozialen Verhaltens nicht zurecht, besser gesagt: sie kann diese überhaupt nicht nachvollziehen. In der Mitte des Films sagt sie nur: Tell me what you want me to be. I can be it. pff.
Der Mann jedoch will eigentlich seine Frau so wie sie ist. Nur wenn andere dabei sind, soll sie doch bitte wieder "normal" sein. Das, was er an ihr liebt, beschämt ihn, sobald andere davon mitbekommen.
So dokumentiert, und anders kann man das kaum nennen, Cassavetes hier eine wahrhaftige Liebesgeschichte, wenn man davon aus geht, dass eine wahre Liebesgeschichte etwas ist, wofür zwei Personen bereit sind durch die Hölle zu gehen, und es dann natürlich auch tun müssen. Was Gena Rowlands und Peter Falk hier für eine Perfomance an den Tag legen, bleibt unvergleichlich. Man vergisst, dass man einen Film sieht. Die Schauspieler spielen nicht mehr, sie sind. Der Film ist vollkommen unerträglich, so wie das Leben auch oft unerträglich ist, und doch verläßt er, wenn man ihn durchsteht, nicht mehr den Kopf. Irgendetwas bleibt hängen von diesem wahrhaftigen und überaus humanen Einblick in das Leben zweier Menschen und ihren Problemen. Etwas, dass der Zeit und der Kraft die da reingesteckt wurde, wirklich wert ist. Und am Ende will man den Film einfach nur immer wieder sehen, weil er dem Leben so verdammt nah kommt.
Und so schafft es Cassavetes schon wieder: Inkommensurabel.

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