In den Süden

Vers le sud (2005), FR/CA
Laufzeit 108 Minuten, FSK 12, Drama, Kinostart 21.09.2006

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6.0 Kritiker
2 Bewertungen
Skala 0 bis 10
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von Laurent Cantet, mit Charlotte Rampling und Karen Young

Haiti in den späten 70-er Jahren, Sonne, Meer und Sex. Das verheißt für die drei Nordamerikanerinnen Ellen, Brenda und Sue ein abwechslungsreiches Intermezzo. Einsam und vernachlässigt von den Männern in ihrer Heimat, können sie auf Haiti für ein paar Wochen ihre sexuellen Sehnsüchte ohne Scham ausleben. Und zwar durch die Dienste einiger gutaussehender einheimischer, junger Männer, die den Frauen für ein paar Dollar wieder das Gefühl geben, schön und begehrenswert zu sein. Doch die Harmonie im Garten Eden beginnt zu bröckeln, als sich zwei Frauen in denselben Mann, Legba, verlieben.

HandlungBrenda (Karen Young ) fliegt zum ersten Mal seit drei Jahren wieder nach Haiti, um den jungen Mann wiederzusehen, in den sie sich damals verliebt hat. Sie findet Legba (Ménothy Cesar) tatsächlich am Hotelstrand. Doch der Haitianer ist mittlerweile mit Ellen (Charlotte Rampling), einer schroffen Lehrerin aus Boston, liiert. Auch Sue (Louise Portal) geniesst in Haiti die Vorzüge des US-Dollars. In der abgeschlossenen Welt des Hotels erleben die drei Damen ungewohntes Glück, welches ihnen zuhause verwehrt bleibt. Zudem können sie sich leicht einen jungen Liebhaber angeln.

Brenda leidet unterdessen darunter, dass Legba mit Ellen zusammen ist, was Ellen nicht unbemerkt bleibt. Bei der nächstbesten Gelegenheit läd sie Legba zum Essen ein und verbringt danach die Nacht mit ihm. Die nächsten Tage sind zwar von Spannungen mit Ellen geprägt, doch Brenda geniesst ihr karibisches Glück. Eines Tages geht sie mit Legba in die Stadt. Auf dem Markt in Port-au-Prince kauft sie verschiedene Dinge ein und wähnt sich glücklich, als Legba plötzlich von einem bewaffneten Mann verfolgt wird. Er kann gerade noch entwischen, muss aber Brenda zurücklassen, die den Rest des Tages glaubt, Legba sei tot.

Am Abend im Hotel weint sich Brenda bei Sue aus, als Legba wieder auftaucht. Es scheint so, als werde er von einem eifersüchtigen Ehemann verfolgt. Doch Legba möchte nicht darüber sprechen. Die Welt, in der er und seine Mutter außerhalb des Hotels in Gewalt und Armut leben, möchte er nicht innerhalb der Hotelmauern heraufbeschwören. Als Ellen immer mehr in ihn dringt, um zu erfahren, was genau passiert sei, rastet Legba aus und verschwindet wieder aus dem Hotel.

Am nächsten Morgen findet Albert (Louise Portal), der Hotelier, die Leichen Legbas und eines haitianischen Mädchens am Hotelstrand. Ellen scheint am Boden zerstört und berichtet Albert, wie verliebt sie in Legba gewesen war. Sie entschließt sich, nach Boston zurückzukehren, obwohl sie dort ein frustrierendes Leben erwartet. Für Brenda scheint das Paradies nun aber gerade erst zu beginnen. Nachdem sie den heftigen, aber kurzen Schock des Mordes überwunden hat, sieht sie einer Zukunft entgegen, in der sie alle karibischen Inseln bereist.

Weiterführende Informationen

Weitere Informationen im Internet
Sextourismus als geistige Lebensform, Filmkritik von Rüdiger Suchsland auf artechock.de
Trügerische Idylle, Filmkritik von
Arezou Khoschnam auf schnitt.de
Weitere Filmkritik von Andréa Florentin auf ray-magazine.at
Weitere Filmkritik von Michael Kienzl auf critic.de
Der Film auf arte.tv mit Interviews mit dem Regisseur und Darstellerinnen im Realplayer-Format (frz.)

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Kommentare (6) — Film: In den Süden

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Filmkenner77

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Bewertung3.0Schwach

Langweiler Urlaubsflirt, den auch Charlotte Rampling nicht zu retten vermag.

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Deep Ford

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Bewertung5.0Geht so

Vieles wurde bereits gesagt. Die besondere Stärke des Films liegt in der gekonnten Dekonstruktion des vermeintlichen Paradieses. Zu keiner Zeit wünscht man sich an diesen Ort der Ausbeutung, der emotionalen Verwirrung und des ethischen Vakuums, und das trotz schöner Strände und schöner Menschen.
Die besonderen Schwächen des Films überwiegen jedoch: Zum einen wird sich durch eigentlich völlig überflüssige Monologe an eine Zielgruppe angebiedert, die solche 'Kunstgriffe' als vermeintliche Tiefe einfordert. Dies ist jedoch ziemlich sinnfrei, denn einen informativen oder emotionalen Mehrwert besitzen sie nicht.
Zum anderen tut man m.E. niemandem einen Gefallen, wenn man relativ talentfreie Laiendarsteller neben gestandene Schauspieler stellt und sie Dialoge so emotionslos herunterbeten lässt, dass man am liebsten in die Fernbedienung beißen möchte. Ob man damit dem Film eine besonders authentische Note verleihen wollte weiß ich nicht.
Eher kommt es mir so vor, dass gerade durch das Anheuern von 'günstigen' Darstellern vor Ort eben jener Kolonialismus hinter der Kamera betrieben wird, der vor derselben so vehement angeprangert wird.

Fazit: Gottseidank kein Geld im Kino ausgegeben. Für Dreisat annehmbar.

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patcharisma

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So lustig! xD Aber Du hast auch toll diese Nuance beschriben, dass trotz "Ferienstimmung" nichts dergleichen aufkommen will.
"Monotonie in der Südsee" - Song von Ideal.
Ob das wohl beabsichtigt war oder sich einfach so eingeschlichen hat?


Deep Ford

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DAS ist eine gute Frage. Ich glaube, dass da eine gewisse Unfähigkeit der Absicht zuträglich war, was meinste? :-)


patcharisma

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Bewertung0.0Hassfilm

Der Film greift ein eigentlich unbequemes Thema auf: Sextourismus und moderner Kolonialismus durch pseudo-emanzipierte Damen(!), die in der Südsee für ein paar müde Dollars ihren Autoritätskomplex kompensieren wollen und natürlich... naja, Sie wissen ja was: hemmungslos herumvögeln mit der Maske von "Romantik" wollen. Das Problem dabei: Die ineinander gewobenen "Schicksale" sind viel zu verzettelt erzählt und die Thematik wird zu wenig engagiert behandelt, so dass einem gar ein laues Karibik-Lüftchen in der Dramatik mehr packt. Über die politischen oder sozialen Hintergründe von Haiti zu der Zeit Ende 70er erzählt der unglaublich langatmige Film auch fast nichts. Es interessiert ihn gar nicht! Er spielt ja auch für für ein Publikum fürs schicke Indie-Kino des Westens von jetzt und heute.

Narrative Schnipsel der "Protagonistinnen" sollen sie interessant machen und den Zuschauer wohl irgendwie emotional berühren, aber dafür sind sie allesamt zu unsympathisch. Beispiel gefällig?: "Als ich in seine Hose griff, wurde sein schwarzer Schwanz grad sofort steif und als ich auf ihm sass, schrie ich nur noch gottsjämmerlich".

Toll gelebte Welt von Erotik: Die so sensiblen und ach, so gefühlsbetonten Frauenwesen, bei denen immer alles nur auf den Gefühlsstatus ankommt, können sich ja mittlerweile alles das erlauben, was dem Feinbild "Mann" so lange Zeit vorenthalten war. Da der Film in den 70ern zu spielen glaubt, macht er das Zerrbild auf Aktualität der Thematik nochmals cool zunichte: Wir sind nun eben in der Zeit des Post-Feminismus und der politischen Korrektheit. Ich bin grad hin und weg ab diesem Selbstverständnis der gleichberechtigten Neuzeit. Vor allem aber ab der Oberzicke Charlotte Rampling. Die stösst einem so vor den Kopf und man fragt sich bei der Vorstellung immerzu, ob sie die Rolle nun wirklich spielt oder sich einfach nur selbst darstellt.

Fazit: Falls "Gleichberechtigung" die gleichen, im selben tiefen Niveau wie bei Männern angesiedelten, komplett bescheuerten "Rechte" für das "endlose Vögeln mit Aussicht auf jeden Fleck der Erde" rausholen will und somit die Geschlechter grad equal beinhaltet, hat sie defintiv versagt und sollte sich nur noch schämen dafür. Ist meine Meinung wenigstens. Und der Film nimmt ja auch nicht grad wirklich Stellung dagegen, oder?

bedenklich? 5 Mitgliedern gefällt das Kommentar gefällt mir Kommentar gefällt mir doch nicht 7 Antworten

Janus Winter

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Und ab dafür auf die Merkliste! Danke für den Tipp! :D


patcharisma

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Well, go for it! xD


Schlegel

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Bewertung7.0Sehenswert

Vers le sud erzählt immer um die Konflikte herum und hält sich mit Aussparungen und Andeutungen in Bewegung. Das ist eine Entscheidung, die man akzeptieren sollte. Einerseits verschafft sie dem Film eine ungute, schwelende Atmosphäre, andererseits bleibt das Ganze zwischen all den angerissenen Möglichkeiten viel zu indifferent. Das gedehnte Tempo macht´s nicht besser. Eine echte Stärke bleibt das Sujet.

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patcharisma

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Und darum ist es gut? Nee, dieser Film vergibt wirklich alles. Eine fransöösische Catstotrooophää!


Stefan Ishii

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Bewertung7.5Sehenswert

In "In den Süden" geht es zunächst einmal um Sextourismus. Der leicht dokumentarische Stil des Filmes ermöglicht es dem Zuschauer, selbst zu beurteilen. Es wird niemand vorverurteilt oder menschliche Entscheidungen als offensichtlich falsch dargestellt. So erfährt man etwas, über die Menschen. Was sind das für Frauen? Wieso machen die Männer so etwas? Welche Vor- und Nachteile haben beide Seiten von dieser Art Beziehung? Dabei empfand ich es als sehr positiv, dass es von vornherein nicht als typisches "Problem" lateinamerikanischer Länder begriffen wurde, sondern der Film sich lediglich auf eine konkrete Gruppe von Menschen auf einer bestimmenten Insel (Haiti) zu einer gewissen Zeit (70er Jahre) beschränkt.

Aber dann geht der Film auch noch tiefer. Universellere Themen wie Macht, Genuß und Begehren werden aufgegriffen. Ab einem gewissen Punkt handelt es sich nicht mehr nur um ein reines Arbeitsverhältnis zwischen den Menschen. Natürlich wird dabei auch das Elend der zwei Welten mit einander verglichen. Während die Männer aus einer sozial benachteiligten Welt stammen, handelt es sich bei den Frauen eher um sexuelles und gefühlsbetontes Leiden. Die einen brauchen Geld, die anderen aufgrund ihres Alters oder Aussehens Liebe. Es handelt sich also um ein Geben und Nehmen, vom dem beide Seiten profitieren.

Zudem beschäftigt sich "In den Süden" auch mit Gewalt, wobei diese glücklicherweise eher subtil dargestellt wird.

Ich persönliche finde die Auswahl der unterscheidlichen Charaktere sehr gelungen. Sie bilden einen guten Ausgleich untereinander. Sie sind alle irgendwie grundlegend verschieden, auch wenn sie teilweise die gleiche Bedürfnisse haben. Auch die Darsteller sind größtenteils sehr gut. Charlotte Rampling ist toll wie immer, obwohl ihre Rolle eher stark aber unsympathisch (zu Beginn), und schwach aber mitleidserregend (zum Ende hin) ist. Beides stellt sie hervorragend dar. Auch die anderen Schauspieler fand ich gut gewählt.

Nicht ganz verstanden habe ich die Figur des Albert. Der Butler/Kellner/Mädchen für alles scheint eine Art Rahmenfigur zu sein, die alles zusammenhält.

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annaberlin

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Bewertung8.5Ausgezeichnet

Laurent Cantet bringt ein Thema zur Sprache, welches lange vernachlässigt worden ist: den Sextourismus durch Frauen. Charlotte Rampling bringt eine gewohnt brillante Leistung, der Film ist im Haiti der 1970er Jahre interessant verordnet. Lohnenswerter Film, der zum Nachdenken anregt!

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patcharisma

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Toll, wenn es auch so umgesetzt wäre, wie Du schreibst, Anna! ;-(


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