Michael

Michael (2011), AT Laufzeit 96 Minuten, FSK 16, Drama, Kinostart 26.01.2012


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7.5
Kritiker
16 Bewertungen
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7.1
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363 Bewertungen
41 Kommentare
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von Markus Schleinzer, mit Michael Fuith und Christine Kain

Michael hat den 10jährigen Wolfgang (David Rauchenberger) entführt und hält ihn in seinem Keller gefangen. Dabei versucht Michael (Michael Fuith), dem kleinen Wolfgang einen möglichst normalen Alltag zu ermöglichen. Er kocht für ihn und geht sogar mit dem Jungen spazieren.

Hingrund & Infos zu Michael
Das Regiedebut des Österreichers Markus Schleinzer lief im Wettbewerb der Filmfestspiele von Cannes.

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Cast & Crew

Regie
Schauspieler
Drehbuch
Filmdetails Michael
Genre
Drama
Zeit
Gegenwart, Weihnachten
Ort
Tirol, Österreich
Handlung
Doppelleben, Gefangener, Gefangenschaft, Geschenk, Junge, Karriere, Keller, Kollege, Lebenslüge, Päderast, Sexueller Missbrauch, Tarnung, Täuschung, Vergewaltigung, Versicherung, Weihnachten, Zoo
Stimmung
Ernst, Hart, Spannend
Tag
Kontroverser Film
Verleiher
Fugu Filmverleih
Produktionsfirma
Nikolaus Geyrhalter Filmproduktion

Kommentare (36) — Film: Michael


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uncut123

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Bewertung7.0Sehenswert

gute umsetzung eines schwierigen themas...man hätte noch mehr aus der sicht des jungen zeigen können aber der fokus lag halt auf den typen!lob an beide darsteller

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statist

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Bewertung6.0Ganz gut

Auch wenn sicherlich anders intendiert, entpuppte sich für mich dieser bewusst karg inszenierte Film mehr und mehr als tiefschwarze Komödie, die einem dann wieder durch das Schicksal des Kindes wehtut. Um nicht mißverstanden zu werden: Die Komödienelemente ergeben sich für mich aus der unglaublichen Durchschnittlichkeit des Täters und seinen lächerlich wirkenden, "normalen" Verhaltensweisen inklusive des wunderbaren Verlorengehens beim Skifahren. Das sollte uns eigentlich das Fürchten lehren, löste aber bei mir eher - vielleicht auch aus einem Schutzmechanismus heraus - Lachen aus. Auf jeden Fall großartig gespielt und länger nachwirkend, als man sich das als Zuschauer vielleicht wünscht.

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mme.lehmann

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Bewertung6.0Ganz gut

Da hatte ich mir etwas mehr erhofft. Ein Mann hält einen kleinen Jungen in einem Kellerverlies gefangen. Der Film möchte vermitteln, wie der Alltag zwischen den beiden abläuft. Siehe da: Der Mann ist auch irgendwie normal. Wie überraschend. Dabei dachte ich immer, dass übergriffige Pädophile Schaum vorm Mund haben und völlig unfähig sind, mit Menschen zu kommunizieren. Die Geschichte an sich berührt natürlich trotzdem und der kleine Junge spielt ganz toll. Und das Ende reißt einiges raus (unbefriedigend, aber schön inszeniert).

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loveissuicide

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Bewertung8.5Ausgezeichnet

Zum Glück werden viele abartige Szenen ausgeblendet, aber es bleibt dennoch sehr viel Grauen übrig, das man nicht gesehen haben muss, um es zu spüren. Beklemmender Film, der viel abgründiger ist als der Kampusch-Film (wobei das ja Realität war, also um nichts weniger schlimm eigentlich). Der Film hat ein paar Szenen, die echt unter die Haut gehen. Andere (Szenen) zeigen aber, dass der Täter auch nur ein Mensch ist, der klarkommen muss.
Wirklich toll gespieltes, abgründiges Drama aus dem Land der Kellerkinder.

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longus69

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Bewertung8.5Ausgezeichnet

Beklemmend beunruhigender voyeuristischer Blick auf das vermeintlich nette unauffällige Monster Mensch von nebenan...

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Begbie

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Bewertung8.0Ausgezeichnet

Sehr authentisch und krass - eine Charakterstudie die eig. wenig verrät und doch eine Tortur ist. Es gibt Szenen die einem in Erinnerung bleiben werden (am Waschbecken). Man macht es eig. nur mit da man instiktiv auf ein Happy-End wartet. Ein böser Film, der aber nie unrealistisch wirkt und einem das Grauen zumindest etwas "nahe" bringt, auch wenn man es eigentlich nicht will..

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bocity1848

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Bewertung0.0Hassfilm

Ich muss 0 von 10 Punkten geben. Folgende Gründe: Ich konnte diesen Film nicht komplett schauen und habe nur den Anfang gesehen. Ich musst diesen aus machen und habe diesen Film vernichtet. Vielleicht liegt es daran, dass ich selber Kinder habe und mir so etwas einfach zu nah geht. Natürlich ist dies ein hartes Thema was auch mal aufgegriffen werden sollte aber bei mir geht es gar nicht. Ich sehe hier die ganzen guten Bewertungen... Natürlich muß man für so etwas schon ein guter Schauspieler sein um so etwas rüber zu bringen. Bei mir ging es schon zum Ekelfaktor, dass ich diesen Film nicht weiter sehen konnte. Krank!

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Polyphem

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Bewertung7.0Sehenswert

Die Unbehaglichkeit und Zerrissenheit des Opfers in diesem Film, der einen Missbrauchs- und Entführungsfall mit langfristigem Freiheitsentzug darstellt, wird in der dokumentarischen Stille der einzelnen Szenen regelrecht greifbar. Als Zuschauer ist das nur schwer zu ertragen, zumal das Vorgehen des Täters bereits aus realen Verbrechen (Fritzl, Dutroux usw.) durchaus glaubwürdig erscheint. Stilistisch ähnelt der Regisseur in seiner vorliegenen Arbeit deutlich Michael Haneke, dessen Werke ich außerordentlich schätze. Es wird nicht skandalisiert oder moralisiert, vielmehr wird der Versuch unternommen, möglichst realistisch die Motive des Täter und die Interaktionen des Opfer darzustellen.

Der Film überlässt dem Zuschauer das Urteil, darin liegt auch seine Schwäche, denn im Prinzip kann man auf Missbrauchsfälle wie diesem inszenierten hier nur mit Ohnmacht und Wut reagieren. Es scheint keinerlei Lösung im Umgang mit pädophilen Straftätern zu geben. Es hätte dem Film vielleicht gut getan, wenn der Täter im Film geschnappt und innerhalb eines Gerichtsprozesses ein paar Lösungsansätze erörtert worden wären. Die Kinder können aus meiner Sicht z.B. nur stärker geschützt werden, wenn die Familien intakt sind, wenn das soziale Umfeld sie permanent im Blick hat. Die meisten Missbrauchsfälle geschehen schliesslich im näheren familiären Umfeld. Außerdem müssen Kinder in der Schule usw. auf solche Straftäter geschult werden, damit sie nicht mit Fremden mitgehen. Hoffentlich kann der Film die Debatte im Sinne der Opfer und Kinder anregen.

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loveissuicide

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Eine intakte Familie schützt auch nicht unbedingt. Eine kleine Unachtsamkeit, und es kann sich alles zum absolut Schlechten wenden. Szene im Film: bei der Kart-Bahn. Gänsehaut.
Es gibt sehr wohl Hilfe für Pädophile (z.B. kein-taeter-werden.de). Man muss sich aber auch bewusst sein (auch die Öffentlichkeit), dass das eine abartige sexuelle Neigung ist, eine psychische Störung, und dass man solche Menschen - zumeist Männer - nicht NUR kriminalisieren darf, so schlimm ihre Taten auch sind, aber viele leben ihre Neigungen ja eh gar nicht aus. Weiterer Filmtipp: The Woodsman mit Kevin Bacon. Fantastischer Film zu diesem Thema.


TerminatorCHRIS

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Bewertung7.5Sehenswert

Der Michael Täter und Opfer zugleich. Eine Tristesse, die sich im ganzen Film authentisch abspielt.

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mondauge

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Bewertung8.0Ausgezeichnet

verstörend, ekelhaft, realistisch

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Supereule

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Bewertung6.0Ganz gut

An die kühlen Arbeiten von Michael Haneke erinnernd, wagt sich der Film in einen Bereich, deren Auskundschaftung allein schon Stoff für Debatten gibt. Denn der sexuelle Kindesmissbrauch wird in MICHAEL aus einer Täterperspektive thematisiert. Es geht also weniger um das Verbrechen an sich, sondern um den Verbrecher, welches in diesem Werk ein leises, durchaus mitfühlendes Monster ist. Kühl, distanziert, beinahe emotionslos laufen anfänglich die Aktivitäten zwischen dem Täter und Opfer ab. Die Rollen sind verteilt, die Abläufe sind Routine. Irgendwann beginnt jedoch das zehnjährige Kind zu rebellieren, von hier an wird der Film angenehmer, weil Hoffnung erblüht. Natürlich ist Schleinzers Debüt keine sensationsheischende Pädophilenklischee-Bombe geworden, dennoch macht der Regisseur es dem Zuschauer etwas zu leicht, wenn er den Täter als einsamen und zurückhaltenden Mann darstellt. Wahrscheinlich ist das aber nur Gemecker auf hohem Niveau. Schließlich überzeugt das Gefilmte aufgrund der Ambivalenz des Bösewichts, dessen Darstellung Michael Fuith übernimmt und der für eine sehr interessante Mischung zwischen ausdrucksstarken Gefühlsmomenten und psychischer Unantastbarkeit in der Zeichnung des Pädophilen sorgt.

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Markbln

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Bewertung8.0Ausgezeichnet

Ein starker Beitrag zum schweren Thema, weil er es grandios schafft, das Unnormale als normal zu beschreiben. Die Täterperspektive wird konsequent und sehr intelligent verfolgt. Mit einer einzigen Frage kann sie die ganze Tragödie freilegen. Die grausame wie nebensächlich hingeworfene "Messer-oder-Schwanz"-Frage scheint nur oberflächlich schockierend zu sein, doch sie ist weit mehr, denn sie zeigt in nicht einmal einer Minute die ganze Brutalität des Verbrechens und auch die psychische Wandlung des Kindes, das sich seines Abhängigkeitsverhältnisses sehr bewusst ist.
Hier wird auch der Täterbegriff aus der monströs verklausulierten Ecke geholt, wenn beide beim gemeinsamen Mittagstisch in einer der banalsten Handlungen gezeigt werden und die perverse Frage wie die Frage nach dem Tag in der Schule gestellt wird. Diese Szene, Michaels berfuliche Beförderung und sein weiterer Entführungsversuch auf der Gokart-Bahn bilden die Höhepunkte der sehr präzise gezeigten Studie eines pädophilen Täters. Sie ist weder verteufelnd noch verharmlosend, sondern fast protokollarisch angelegt. Die beklemmenden Bilder werden durch das Aussparen körperlicher Gewalt im Kopf noch intensiver. Ein sehr wirkungsvoller Film, der sich jeder Effekthascherei und Manipulation verweigert.

MICHAEL ist Film in bester österreichischer Tradition, MICHAEL wird von zwei herausragenden Schauspielern zu jeder Zeit glaubwürdig verkörpert und MICHAEL ist das Debüt von Markus Schleinzer.
Man kann nur hoffen, das weitere Werke von solcher Wucht folgen werden.

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TinaCocaine

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Bewertung5.0Geht so

Ich weiß nicht, was der Film mir zu sagen versucht...Dass Pädophile nach außen hin einem ganz normalen Leben nachgehen? Nach etlichen Kindesentführungen, die in den Medien ans Licht gebracht wurden, ist das wohl auch dem letzten Deppen bewusst. Darüber brauche ich keinen Film...Etwas anderes bringt "Michael" mir aber nicht bei: Weder werden die Gefühle des Jungen wirklich klar, noch die Beziehung zwischen Wolfgang und Michael. Natürlich sind einige Szenen dabei, in denen bewusst wird, dass Michael den Jungen nicht etwa aus Nächstenliebe "hält", sondern weil er pervers ist und die Herrschaft über Wolfgang haben will, aber mir fehlen die Erklärungen, mir fehlt die Grausamkeit. Ich hätte mir einen Film gewünscht, der schockiert (weil das Thema einfach dermaßen abartig ist) und zu Emotionen führt. Ich konnte weder wirklich Mitleid für das Kind empfinden, noch den Täter abgrundtief hassen, weil mir das Ganze zu "normal" erschien und die Atmosphäre nicht düster genug ist. Trotzdem finde ich es wichtig und richtig, dass Filme über dieses Thema gemacht werden, da es allgegenwärtig ist und nicht totgeschwiegen werden sollte. Allerdings klärt "Michael" nicht auf und bringt weder mir, noch einem Betroffenen etwas.

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annaberlin

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Bewertung8.5Ausgezeichnet

Was eine Tortur, sich dieses 'Pädo-Drama' anzusehen. Sicherlich der bislang beste Film, der sich mit diesem Thema auseinandersetzt. Ich bin gespannt, was der Natascha-Kampusch-Film uns bringen wird, aber Michael hat sich für immer in mein Gehirn eingebrannt als geradezu neutrale Studie über das Zusammenleben des Schänders und des Kindes. Wie die beiden da sitzen und wortlos ihr Abendbrot verzehren, ist schon schier unerträglich. Ich bin froh, dass der Filmemacher darauf verzichtet hat, den Missbrauch an sich zu bebildern, doch gerade das Ungezeigte entfaltet sich im Geiste dann doch zum unfassbaren Schrecken.

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Bloodmind

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Bewertung5.0Geht so

Äähh....wie sinnlos war das denn gerade, bitte?

Ich habe keine Abneigung gegen den Film, wegen seiner Thematik, er ist schließlich aus der Kino Kontrovers Reihe und da erwarte ich auch schockierende Dinge...die Sache ist, fast das einzige, was kontrovers an diesem Film ist, ist die Grundpremisse. Ansonsten sieht man die ersten 50 Minuten einen erwachsenen Mann, der einen Jungen im Keller hält und das äh...weiter nichts passiert. Und ich möchte jetzt nicht sagen, dass man mit der Holzhammer-Methode vorgehen sollte - Subtilität ist okay, aber wenn den Großteil des Films wirklich GARNICHTS (!!) passiert, rauscht es ziemlich am Thema vorbei. Ich weiß ehrlich gesagt nicht, WAS die ersten 50 Minuten des Films überhaupt für einen Sinn haben, außer darzustellen, dass Pädophile, die Kinder in ihrem Keller einsperren, ja eigentlich "ganz normale Menschen sind, die halt nur so einen kleinen Charakterfehler haben".

Zugegeben, er hat seine Momente, auch wenn es sehr wenige sind, aber irgendwie hat er diesen typischen Makel vieler "Kunstfilme", dass "ruhig", "langsam", "wortlos" und "schleppend", halt keine Ausrede dafür sind, das man keine Ideen für einen Inhalt hat. Manche schaffen es, dies auch wirklich gut umzusetzen und dem Film damit Athmosphäre zu verleihen, hier wirkt es leider einfach nur leer.

Jedem, der eine solche Thematik in guter Ausführung, mit sehr guter, erwählter Sprache und so etwas wie Kreativität erleben will, möchte ich das Buch "Living Dead Girl" an's Herz legen. Zwar schockiert es - aber das sollte bei so einer Thematik, irgendwo auch so sein.

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AlgorMortis

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was hättest du denn erwartet, damit deiner meinung nach "etwas passiert", ein schreinendes zappelndes opfer und einen wutschnaubenden täter mit hörnern und pferdefuss? Ich empfinde genau die, von dir angeprangerte Banalität, als den eigentlich Tiefschlag des Films! Pädophile sind eben leider "ganz normale Menschen", zumindest wirken sie äußerlich so - und der Film stellt eben genau das da. Der Fokus liegt nicht auf dem Prozess des Missbrauchs sondern auf der erstarten Emotionalität der gebrochenen Seele des Kindes.


Bloodmind

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Nein, wie gesagt, Subtilität wäre kein Problem und ist, richtig eingesetzt, auch immer ein großes Plus. Mir ist bewusst, dass Pädophile nach außen hin eben "ganz normale Menschen" sind, aber er wirkt ja (Bis auf Ausnahmen, die ein paar Sekunden in Anspruch nehmen) nichtmal im Gegenwart des Jungen anders - Ich bekam dadurch eher das Gefühl, es wäre eben sein Hobby, einen Jungen in seinem Keller zu halten, weil er selber keine Kinder hat, sich einsam fühlt, ihm langweilig ist (!?) oder ähnliches (bis auf erwähnte Szenen und ja, mir ist bewusst dass das eben auch Stichpunkte sein können), trotzdem fehlte in meinen Augen ein größeres Befassen mit den Beweggründen/Interaktionen zwischen den beiden...das Problem war, dass ich die ganze Zeit das Gefühl hatte, dass der Film komplett an der Thematik vorbeirauscht - Er befasst sich fast garnicht mit der eigentlichen Sache, sondern zu gefühlten 90% mit "Er ist ein ganz normaler Mensch! Guckt wie normal er ist!!" - Das ist ein wichtiger Punkt in dieser Thematik, richtig, aber sich eben hauptsächlich mit einem sehr langweiligen Menschen außeinanderzusetzen, macht es filmisch nicht wirklich zu einem großen Kunstwerk, sondern verbannt ihn in die Mittelmäßigkeit.

Ich konnte weder eine emotionale Bindung zum Kind oder dem Entführer aufbauen. Beide wirkten nicht "emotional kalt" auf mich, sondern viel mehr leer und ohne Persönlichkeit. Der Junge wirkte die ganze Zeit, als wäre ihm seine Lage fast egal - allerdings nicht (!) aus dem Grund, weil er "aufgegeben" und sich mit seiner Lage abgefunden hat, katatatonisch wird oder weil bei ihm das Stockholm-Syndrom einsetzt, sondern viel mehr wirkte es wie Gleichgültigkeit. Da gab es keine emotionale Spannung - auch keine subtile.

Auch wenn es ein Film aus einem komplett anderen Genre ist, aber in "Downloading Nancy" wurde erreicht, dass einem allein durch die (alltäglichen) Dialoge ein Schauer über den Rücken läuft und die unangenehme, kalte Athmosphäre einen langsam erdrückt...genau so etwas hätte ich mir eher gewünscht und das hätte in diesem Film auch gut funktioniert - Das man den Charakteren ihre Belastung, innerliche Spannung und die kaputten Züge auch anmerkt, anstatt nur leere Hüllen zu haben, bei denen man eher das Gefühl kriegt, dass sie sich denken "Ich habe gar keine Triebe. Ich hab den Jungen nur, weil mir langweilig ist" bzw. "Hm. Dann ist das halt so. Könnte schlimmer sein." - Mir haben Emotionen gefehlt. Selbst Apathie, die sich irgendwie geäußert hätte, wäre in meinen Augen eine willkommene Verbesserung gewesen.


MrDepad

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Bewertung8.0Ausgezeichnet

"Michael" ist ein österreichischer Film, der sich dem heiklen Thema der Pädophilie annimmt.
Man wird Zeuge des Alltags des Versicherungsangestellten Michael, der nach außen hin ein normales Leben führt, in Wirklichkeit aber in seinem Keller einen 10-jährigen Jungen gefangen hält und regelmäßig missbraucht.
Regisseur Markus Schleinzer setzt bei seinem Regiedebüt auf eine sehr ruhige, unaufgeregte Inszenierungsweise und schildert die Abläufe des Alltags des Täters und zwischen Opfer und Täter. Gerade der ruhige Stil macht den Film so besonders, denn die drastischsten Szenen zeigt Schleinzer gar nicht erst, wodurch das Ganze eine beklemmende Intensität erhält. Michael wird außerdem nicht wirklich als abstoßendes Monster dargestellt, sondern als ziemlich durchschnittlicher Bürger, der eben unter einer Krankheit leidet. Schleinzer verurteilt mit seinem Film nicht und bezieht auch keine klare Stellung weder zu Täter noch Opfer, wodurch dieser sterile Stil zusätzlich für Unbehagen beim Zuschauer sorgt. Oft fallen bei dem Film Vergleiche mit Michael Haneke und diese haben durchaus ihre Berechtigung, nur wo Haneke gerne etwas drastischere Bilder wählt, überträgt sich der Horror bei Schleinzer durch die Ruhe und die Bilder, die sich im Kopf des Zuschauers abspielen. Ein großer Punkt, warum der Film so gut funktioniert, ist natürlich auch der Cast. Michael Fuith gibt eine beängstigend gute Darstellung als Pädophiler, während Jungdarsteller David Rauchenberger ebenfalls eine gelungene Leistung abliefert.
"Michael" ist ein absolut fantastischer Film über ein heikles Thema, welcher vor allem durch seine ruhigen Bilder und die fantastischen Schauspielleistungen aufwühlt und beeindruckt.

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veseria

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Bewertung9.0Herausragend

Schockierend, unerwartet, verstörend. Einfach gut!

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homeaffairs

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Bewertung7.5Sehenswert

Österreichisches Kino. Seit vielen Jahren bin ich ein Riesenfan der österreichischen Sachlichkeit und dem Regieverständnis deren Aushängeschilder Haneke und Seidl. Die kalte Brutalität ihrer Bilder und Erzählweise ist ein Aspekt des Mediums Kinos, welches leider nur von wenigen wertgeschätzt wird, da die sich Allgemeinheit doch lieber Gewaltdarstellungen als coole Action-Rock-Opern mit einer Ladung Popcorn zuführt, anstatt dem Thema so zu begegnen, wie Haneke es darstellt: Als kaum konsumierbar.
Ebengleiches gilt auch für Seidl, der es ebenfalls wie kein anderer versteht, die Kälte des sozialen Umfelds in seiner ganzen Hässlichkeit auszubreiten.
Nun gibt es aber nicht nur die beiden Großen des österreichischen Films, seit letztem Jahr machte Markovics durch sein brilliantes Meisterwerk "Atmen" auf sich aufmerksam, auch Schleinzer hat schon 2010 mit seinem Film "Der Räuber" gezeigt, dass er die sachliche Erzählweise beherrscht und einen spannenden und großen Film nach wahren Begebenheiten geschaffen. Mit "Michael" wagt er sich diesmal in schwierigere Gewässer und stark in Hanekes Territorium, nämlich in das eigentlich Unerzählbare, das Unzeigbare. Und ja, wie auch Haneke geht er bei dem schwierigen Thema nicht voyeuristisch vor, verzichtet (leider nur fast) auf Effekthascherei und stellt eine durch und durch kalte Welt in ihrer visuellen Brutalität dar. Defintiv ein guter Ansatz.
Im Gegensatz zu den genannten hält er aber nicht durch. Er verstümmelt sein eigenes Werk, indem er falsche Kontraste setzt. Das absolut störenste war für mich die Schlussmusik. Anstatt nüchtern zu bleiben und den Stil beizubehalten, provoziert er hier absolut unnötigerweise und lässt den Zuschauer nicht ratlos und benommen, sondern wütend auf den Regisseur, zurück. Ein dummer Patzer.
Ähnlich ist es mit der Messerszene. Warum versucht er einerseits die direkte Darstellung des sexuellen zu vermeiden, setzt hier aber auf den Effekt? Ich weiß es nicht.

Für mich ist er khier napp an einem sehr guten Film vorbeigeschrabt. Dieses schwierige Thema wurde glücklicherweise schon mehrfach wirklich gut angefasst. Tim Roth "The War Zone", Matthias Glasners "This is Love" und Todd Solondzs "Happiness" kommen dem Thema "Mann-Kind" mit einer höheren Intelligenz und einem durchdachteren Erzählkonzept entgegen.

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Ripley1

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Interessant ist, wie sich die Wahrnehmungen wohl unterscheiden. Die "Sarg-Szene" war für mich eine Trauerfeier mit Ansprache und trauernder Familie. Wenn man den Film ein zweites Mal sieht, erschließt sich auch die Zweideutigkeit der Trauerrede.
Die eigentliche Leistung des Films ist es, dass einen Triebtäter nicht (nur) als abscheuliches Monster zeigt, das nach einer Thriller-Handlung die gerechte (Todes-)strafe ereilt, sondern als einen Menschen mit Familie, mit Freunden, mit Lebensfreude (Sunny) und mit dem Bedürfnis nach Beziehung und Intimität, und zuletzt mit Tragik. Damit entfernt er sich von den gängigen Klischees und macht einen entscheidenden Schritt hin zur Wirklichkeit.


homeaffairs

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ich meinte auch die szene des verkehrsunfalls :) hier wird durch den sarg sein tod in szene gesetzt.


Niotq

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Bewertung6.0Ganz gut

Ach, was soll ich nur von diesem Herrn Schleinzer halten? Im Interviewteil der sehr guten DVD-Veröffentlichung spricht er ganz klar davon, wie lächerlich dieser Vorwurf des Haneke-Epigonismus sei, mit dem er sich selbstverständlich sehr oft konfrontiert sieht, weil eben jener Haneke, der ja meines Erachtens bisher noch keinen schlechten Film gedreht hat (wenn auch den einen oder anderen, der nicht unbedingt nötig war) den Erzählstil, zu dem auch in Schleinzers Regiedebut "Michael" gegriffen wird, ja wohl auch nicht erfunden hat. Ein triftiges Argument.

"Michael" handelt ja bekanntermaßen von einem Pädophilen, der einen Zehnjährigen verschleppt und ihn bei sich im Keller einsperrt. Und für diesen Stoff ist Schleinzer natürlich eine großartige Wahl, da er bereits Casting Director für die große Dreifaltigkeit des österreichischen Feel-Bad-Films war, Michael Haneke, Ulrich Seidl und Jessica Hausner. Was dabei herausgekommen ist, ist nur bei aller Liebe - abgesehen von der Thematik, hier haben wir eher eine Analyse einer Täter-Opfer-Beziehung - stilistisch ein derartig exaktes Abbild des frühen Haneke (siehe auch seine legendäre Emotionale-Vergletscherungs-Trilogie "Der siebente Kontinent", "Benny's Video" und "71 Fragmente einer Chronologie des Zufalls") mit ihrem nüchternen Grundtenor, ihrer starren Kamera und den langen, langen Einstellungen, die hervorragend zur Analyse scheinbar trivialer Tätigkeiten anregen, dass ich mich frage, wo denn hier die künstlerische Eigenständigkeit auf der Strecke geblieben sein mag.

Man verstehe mich nicht falsch, ich konnte trotz dieses Originalitätsproblems einiges mit "Michael" anfangen, zumal ich ja den gerade beschriebenen Stil bei Haneke sehr schätze, und auch in diesem Fall ist er vermutlich wirklich die bestmögliche Art gewesen die Geschichte auf eine angemessene Art und Weise zu erzählen. Die beiden Hauptdarsteller sind absolut hochklassig, vor allem Michael Fuith spielt, besonders wenn man sich vor Augen führt, dass er auf totaler emotionaler Distanz zu seinem Charakter an die Sache herangegangen ist, unheimlich gut und schafft es hervorragend, den biederen Normalverbraucher mit einem entsetzlichen Abgrund dahinter plastisch darzustellen.

Ein kleines Problem habe ich höchstens noch damit, dass der Film, wenn er sich denn einmal etwas traut, etwas danebengreift. Der misslungene Quickie mit der Tiroler Hüttenwirtin ist ein etwas gar plakativer Hinweis darauf, dass mit Michaels Sexualität - als ob wir das nicht schon gewusst hätten - einiges im Argen liegt. Die völlig unangebrachte Schwanz-oder-Messer-Szene ist hier schon zu Genüge diskutiert worden, und gegen die hochinteressante Musikwahl zum Ende habe ich prinzipiell nichts, sie wirkt nur wie ein unschöner emotionaler Dammbruch des Filmemachers, denn nachdem sich Schleinzer über die ganze Filmlänge so löblich mit all den graphischen Darstellungen und dem Voyeurismus (es gibt tatsächlich Amazon-Rezensenten, die sich darüber beschweren, dass nicht mehr zu sehen war!) zurückgehalten hat, sprudelt damit all der Zynismus aus ihm hervor, den er sich die ganze Zeit so wunderbar verkniffen hat. Und das ist fast ein wenig schade.

"Michael" ist im Großen und Ganzen ganz anständig geworden. Nicht das Meisterstück, das ich mir erhofft hatte, aber im Wesentlichen ein sensibel gemachtes Werk über einen Triebtäter, wie es ihn auch wirklich geben könnte (auch wenn sich der Regisseur so weit weg von Priklopil und Fritzl wegbewegt hat wie möglich), und seine Beziehung zu seinem Opfer abseits aller Stockholm-Syndrom-Klischees, ja, die hat er ausgelassen. Ich harre der Dinge, die da noch kommen könnten.

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Niotq

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Vielen Dank für die interessante Antwort!
Ja, mea culpa, ich hätte beim Hanekevergleich daran denken können, dass ein Film nicht nur aus seiner Optik besteht. Das hab ich bloß mit dem Einschub "abgesehen von der Thematik, hier haben wir eher eine Analyse einer Täter-Opfer-Beziehung" bedacht, was vielleicht wirklich ein bisschen wenig war. :)
Michaels Versuch, Sex mit einer Frau zu haben, fügt dem Profil des Charakters wirklich noch eine Facette hinzu, die mir so nicht bewusst war. Spannende Geschichte: Fuith hat ja im Interviewteil gesagt, dass sich jemand wie Michael selbst als ganz "normales" Mitglied der Gesellschaft bezeichnen würde, und da spielt die von dir angesprochene Heteronormativität sicher auch noch mit hinein. Er wollte seine eigene Normalität wohl unter Beweis stellen.
Mit dem Wort "Klischee" bin ich auch nicht ganz glücklich, mich hat diese Szene einfach etwas befremdet (was nicht zwangsläufig heißen muss, dass sie schlecht ist, das ist mir auch klar). Sie kommt zwar nicht aus dem Nichts, sondern von irgendeinem Schweinkram, den sich Michael im Fernsehen ansieht, aber sie wollte sich für mich trotzdem in all ihrer Derbheit nicht wirklich in den latent apathischen Trott des Filmes einfügen. Ja, ich glaube, so kann man das sagen.


Ripley1

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Ich habe das Zusatzmaterial auch gesehen. Ich glaube, aus dem Film lässt sich mehr Allgemeingültiges ableiten, als vielen Zuschauern lieb ist.


Antichrist

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Bewertung9.0Herausragend

Eine präzise verstörende Fallstudie! Ein mutiger Film,der uns die Täterperspektive zeigt.Wenn man sich auf diese ungewöhnliche Betrachtungsweise einlassen kann,droht ein eher freudloser Ausgang des Tages...

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