Waltz with Bashir
Waltz with Bashir (2008), FR/IL/DE Laufzeit 90 Minuten, FSK 12, Dokumentarfilm, Historienfilm, Animationsfilm, Kinostart 06.11.2008
41 Bewertungen
Skala 0 bis 10
4318 Bewertungen
129 Kommentare
Keine
von Ari Folman,
Eines Nachts in einer Bar erzählt ein alter Freund dem Regisseur Ari Folman von seinem Alptraum. Ein Alptraum, in welchem er von 26 dämonischen Hunden gejagt wird. Jede Nacht – immer die gleiche Anzahl an Hunden. Die beiden kommen zu dem Schluss, dass ein Zusammenhang zu ihrem Einsatz im ersten Libanon Krieg Anfang der 80er Jahre bestehen muss. Ari ist verblüfft, dass er jegliche Erinnerung an das damals Geschehene verloren hat. Er beschließt, alte Freunde und Kameraden aufzusuchen und mit ihrer Hilfe diese Lücke in seinem Gedächtnis wieder zu füllen. Je tiefer er sich mit den Erinnerungen der anderen auseinandersetzt, desto klarer werden seine Gedanken und die Vergangenheit erscheint in surrealen Bildern.
Mehr Bilder (16) und Videos (6) zu Waltz with Bashir
Cast & Crew
-
Ari Folman
Regie
Schauspieler
-
Ari Folman
- Genre
- Dokumentarfilm, Anti-Kriegsfilm, Animationsfilm
- Zeit
- 1982
- Ort
- Beirut, Israel, Naher Osten, Palästina
- Handlung
- Alptraum, Gedächtnis, Genozid, Hund, Israeli, Kneipe, Massaker, Nahost-Konflikt, Panzer, Reporter, Schwimmen, Soldat, Surrealismus
- Stimmung
- Ernst, Geistreich, Traurig
- Mitmachen
- Wie gut passen diese Schlagworte? Stimm ab und hilf uns sie neu zu gewichten!
Drehbuch
Filmdetails Waltz with Bashir
Fans dieses Films mögen auch
Persepolis
FR/US 2007
Das weiße Band - Eine deutsche Kindergeschichte
FR/AT/DE 2009
Night on Earth
JP/FR/US/GB/DE 1991
Der Gott des Gemetzels
FR/DE 2011
Der Pianist
PL/FR/GB/DE 2002
Trailer zum Film Waltz with Bashir
bedenklich? | Alle Trailer, Clips & Videos (6)
Fans dieses Films gefiel auch
News zum Film Waltz with Bashir
Aktuelle moviepilot-Interviews
Schauspieler und Filmemacher
Lieblingsfilm von:
Hassfilm von:
Links zum Film Waltz with Bashir
- Waltz with Bashir: critic.de
- Waltz with Bashir: cineclic.de
- Waltz with Bashir: film-zeit.de
- Waltz with Bashir: trickfilm-zeit.de



















Kritiken (14) — Film: Waltz with Bashir
Dr. Borstel: Of Bastards And Dwarves
Kommentar löschenDie düsteren Bilder, die Folman für seine Geschichte findet, reißen mit, wirken aber nicht gleichzeitig so abstoßend, dass man sich vom Geschehen auf dem Bildschirm distanziert. Die Geschichte selbst ist dabei ungewöhnlich episodisch aufgebaut, indem sich Folman in Gesprächen mit einer Psychologin, einem Reporter und verschiedenen ehemaligen Kameraden nach und nach an den Krieg erinnert, bis schließlich auch die Erinnerung an das Massaker zurück kommt. WALTZ WITH BASHIR ist nicht einseitig, verharmlost nichts, auch nicht die israelische Beteiligung den den Gräueln des Krieges, schlägt schließlich gar die Brücke nach Auschwitz und wirkt nicht einmal dabei unnötig übertrieben, denn das Grauen, das Folman in so bemerkenswerter Form einfängt, wirkt ungeheuer lebendig.
Kritik im Original 1 Mitglied gefällt das Kommentar gefällt mir Antworten
Christian H.: Kino, TV und Co, Wicked Vis...
Kommentar löschenAri Folman war 1982 als israelischer Soldat im Libanon stationiert, und Zeuge des Massakers von Sabra und Schatila in dem christlich-libanesische Milizen eine bis heute nicht eindeutig geklärte Anzahl von Palästinensern ermordeten. „Waltz with Bashir“ ist somit sowohl autobiographisch, als auch dokumentarischen Charakters, ist gleichzeitig aber auch ein Trickfilm. Die Frage, ob die gezeichneten Bilder nicht das dokumentarische Ansinnen konterkarieren, ist in diesem Zusammenhang eine Frage, die durchaus ihre Berechtigung hat. Gleichzeitig unterstreichen diese künstlichen Bilder aber auch die Subjektivität von Erinnerungen. Und so dreht sich „Waltz with Bashir“ konsequenterweise auch um den Versuch Ari Folmans, sich seine eigenen Erinnerungen an das damals Erlebte wieder ins Gedächtnis zu rufen. Wie so oft, geht es auch in diesem Fall um Verantwortung, Schuld und Sühne. Hätten die israelischen Truppen nicht eingreifen müssen, als sie das Morden bemerkten? Der Film schlägt…
Kritik im Original 4 Mitgliedern gefällt das Kommentar gefällt mir Kommentar gefällt mir doch nicht Antworten
Patrick Wurster: www.indiskretion-ehrensache...
Kommentar löschenWas mit Alpträumen und Halluzinationen beginnt, wird immer konkreter - bis am Schluss eine 50-sekündige Archivsequenz völlig unvermittelt mitten ins Mark trifft, indem sie zu den realen Opfern des Massakers umschwenkt. Stilistischer Bruch und nachhaltiger Schlusspunkt eines Films, der ob seiner Machart nicht nur als einer der ungewöhnlichsten des Jahres 2008 in Erinnerung bleibt.
Kritik im Original 4 Mitgliedern gefällt das Kommentar gefällt mir Kommentar gefällt mir doch nicht Antworten
fko: filmsprung.ch fko: filmsprung.ch
Kommentar löschenDas Ergebnis ist nicht nur vom Thema her, sondern auch von der Machart her überwältigend. Die (alp-)traumhaften Bilder von kläffenden Hunden, goldigen Stränden oder Hinterhalten in Strassenschluchten brennen sich in das Gedächtnis ein. Dabei wird auch die Unverlässlichkeit der Erinnerung thematisiert. So erzählt ein Kollege von einem Experiment, bei dem Personen zehn Bilder aus ihrer Kindheit gezeigt werden. Neun der Bilder sind echt, eines davon eine Collage. 80 Prozent der Versuchspersonen «erinnern» sich sofort auch an die gefälschte Szene, die übrigen 20 Prozent «erinnern» sich nach einer Weile ebenfalls daran. So kann auch «Waltz With Bashir» – noch deutlicher als «reale» Dokumentarfilme – nur als Annäherung an die wirklichen Vorfälle verstanden werden.
Kritik im Original 1 Mitglied gefällt das Kommentar gefällt mir Antworten
Enk: Mental Savage Enk: Mental Savage
Kommentar löschen[...] Folman erzählt die Geschichte als visuelles Erlebnis: jede Szene hat neue optische Einfälle und Arrangements. Viele Szenen sehen aus wie ein nachkolorierter Realfilm. Das Spiel mit Licht, Farbe, fliegendem Wechsel zwischen realfilmartigen Szenen und comichafter Überzeichnung ist immer wieder überraschend.[...]
Kritik im Original Kommentar gefällt mir Kommentar gefällt mir doch nicht Antworten
Suchsland: FAZ, FR, filmdienst, Berlin... Suchsland: FAZ, FR, filmdienst, Berlin...
Kommentar löschenPolitisch ist der Film, besonders auf die israelische Situation bezogen, sehr mutig. Er wendet sich auch klar gegen übliche Machart von Dokumentarfilmen, in denen man – man denke etwa zuletzt an Errol Morris' Dokumentation "Standard Operating Procedure".
Kritik im Original Kommentar gefällt mir Kommentar gefällt mir doch nicht Antworten
Der Redaktör: kino-zeit.de Der Redaktör: kino-zeit.de
Kommentar löschenTrotz der Distanz, die die animierten Bilder also schaffen, fühlt man sich förmlich in das Geschehen hineingezogen. Wenn am Ende reale Bilder von den Leichenbergen in Sabra und Schatila zu sehen sind, dann ist dies lediglich eine letzte Rückversicherung, dass wir in den letzten knapp anderthalb Stunden keinen perversen Albtraum gesehen haben, sondern nichts anderes als die zutiefst artifiziellen und erschreckend glaubhaften, bis an den Rand des Erträglichen verdichteten Bilder des Krieges, die niemanden mehr loslassen.
Kritik im Original Kommentar gefällt mir Kommentar gefällt mir doch nicht Antworten
Philipp Bühler: Berliner Zeitung, fluter Philipp Bühler: Berliner Zeitung, fluter
Kommentar löschenRealität und Fiktion verschwimmen nicht einfach. Indem die verschiedenen Reflexionsebenen nach Art der "Graphic Novel" in einem einheitlichen Zeichenstil auf eine Stufe gestellt werden, sehen wir die Welt durch Folmans Augen. Was hat er in Nähe der Lager damals gesehen? Was nicht? Er will keine Wirklichkeit vorgaukeln. Sondern sein "dissoziatives Erinnern" veranschaulichen. ... So einzigartig Folmans Film wirkt, steht er doch auch für einen Trend: die Suche nach neuen Formen im fast verwaisten Bereich zwischen eskapistischer Fiktion und Reality-Wahn, das fröhliche Experiment mit den Formaten.
Kritik im Original Kommentar gefällt mir Kommentar gefällt mir doch nicht Antworten
Corsovilla: SchönerDenken
Kommentar löschenEin ungewöhnlicher Film, eine Kriegsdokumentation als Zeichentrickfilm, eine Spurensuche, die zu den Massakern von Sabra und Schatila führt - aber keine Schuldigen sucht, sondern Wahrheit, falls das möglich ist. Ein Film, der unsere Sehgewohnheiten unterläuft, die Distanz zu den Kriegsbildern der Nachrichten aufhebt und uns öffnet wie eine Muschel, um uns am Ende ganz wehrlos und offen den Realbildern des Massakers zu überlassen. Ein Film, der etwas zu sagen hat, der Respekt vor seinen Protagonisten und der Geschichte hat und ein Film, der eine künstlerische Vision umgesetzt hat, damit wir die Welt so sehen konnten, wie wir sie noch nie gesehen haben. [Mehr im Podcast]
Kritik im Original Kommentar gefällt mir Kommentar gefällt mir doch nicht Antworten
Jörg von Grass: filminformer.de; stadtmagaz...
Kommentar löschenBasierend auf realen Interviews und Ereignissen, ist WALTZ WITH BASHIR der erste animierte Dokumentarfilm in Spielfilmlänge. Regisseur, Autor und Produzent Ari Folman hat die Reise in seine Vergangenheit - eine Reise in die Jugendkultur der 80er Jahre und das West-Beirut während des ersten Libanonkrieges...
Kritik im Original Kommentar gefällt mir Kommentar gefällt mir doch nicht Antworten
G. Jekubzik: Filmtabs G. Jekubzik: Filmtabs
Kommentar löschenEin Zeichentrickfilm als Dokumentation? Das erscheint dem nüchternen Verstand als Unmöglichkeit oder als Scherz im Abspann eines Pixar-Zeichentrickfilms. Doch in „Waltz with Bashir“ zeigt sich in dunklen Zeichnungen ein Grauen aus den Kriegen im Libanon, das wohlmöglich in dieser Kunstform erträglicher daherkommt. Auf jeden Fall verstecken die Täter und Zeugen des Massakers in den Palästinenser-Lagern Sabrah und Shatila ihre Aussagen hinter den Farbschichten. Eine Methode, die sicherlich nicht zufällig auch bei der israelischen Dokumentation „Z32“ angewandt wird.
Kritik im Original Kommentar gefällt mir Kommentar gefällt mir doch nicht Antworten
TheCorey: MovieMaze
Kommentar löschenZwei Freunde treffen sich des Nachts am Hafen in einer Bar. Filmregisseur Ari Folman hört sich an wie ihm ein Freund von einem wiederkehrenden Albtraum erzählt. Doch der Bezug auf Folman selbst will sich diesem nicht erschließen. Ob er sich denn gar nicht mehr an den Libanonkrieg 1982 erinnere, wird Folman gefragt. Zwar weiß Folman, dass er als Zwanzigjähriger damals Bestandteil der israelischen Streitkräfte war, jedoch hat er jede Erinnerung an den Krieg ausgeblendet. Doch wieso? Folman beginnt sich selbst zu fragen, was der Katalysator für seine Verdrängung gewesen sein könnte. Allerdings kommt er von selbst nicht darauf, kann die Mosaikstückchen nicht zusammenklauben. Daher macht er sich auf die Suche nach ehemaligen Kameraden, die gemeinsam mit ihm in Beirut gedient haben. Speziell sein alter Schulfreund und ein ihm Unbekannter – beide sind Teil der einzigen Erinnerung, die Folman noch besitzt. Doch auch der Freund, welcher sich inzwischen nach Holland abgesetzt hat, kann oder will Folman nicht weiterhelfen. Aber der Regisseur gibt nicht auf. In Einzelgesprächen mit ehemaligen Freunden, die ebenfalls gedient haben, sowie Therapeuten und Journalisten fügt er dem blutigen Bild von eins immer neue Bilder hinzu, bis sich ihm am Ende das große Ganze offenbart. Und Folman merkt, dass man zwar seine Vergangenheit vergessen kann, aber die Vergangenheit einen selber nicht vergisst.
Kritik im Original Kommentar gefällt mir Antworten
Jürgen Kiontke: Jungle World, ai-Journal, K...
Kommentar löschenEin gezeichneter Dokumentarfilm, das ist auch die logische Folge des nun zehn Jahre dauernden Siegeszuges der Grafic Novel, an dessen Anfang die Frage stand: Kann man ernste Dinge mit einer so unernsten Methode wie dem Comic schildern? ... Auch "Waltz with Bashir" zehrt von dieser Spannung.
Kritik im Original Kommentar gefällt mir Kommentar gefällt mir doch nicht Antworten
D. Kamalzadeh: Der Standard D. Kamalzadeh: Der Standard
Kommentar löschenFolman lässt die Szenen zwischen Traum und Wirklichkeit changieren, manchmal überlagern sich mehrere Zeiten. All das ist äußerst vielschichtig gestaltet. Politisch geht der Film jedoch über eine Traumabewältigung der persönlichen Art nur in der Weise hinaus, als er sich an der Rolle der israelischen Armee beim Massaker abarbeitet.
Kritik im Original Kommentar gefällt mir Kommentar gefällt mir doch nicht Antworten
Kommentare (115) — Film: Waltz with Bashir
Kommentar schreibenfreakualizer 2012/05/05 16:24:56
Kommentar löschenIn „Waltz with Bashir“ wird Krieg mit Kunst verarbeitet ohne dabei zu verharmlosen. Packend!
bedenklich? Kommentar gefällt mir Kommentar gefällt mir doch nicht Antworten
SaschaSheva 2012/04/16 19:01:48
Kommentar löschen- Auf was schießen wir eigentlich?
- Keine Ahnung. Schieß weiter
- Sollten wir nicht lieber beten?
- Dann bete während du schießt.
Sehr interessanter Stil, gute deutsche Synchronisation und eine perfekte Musikuntermalung.
bedenklich? 1 Mitglied gefällt das Kommentar gefällt mir Antworten
David[pRo] 2012/04/13 21:41:10
Kommentar löschenSuper Gefühlsbereitendes AntiKriegs drama, dass lange (doer kurz) nachwirkt.
am anfang weis man nichtr worums geht, weil nichts gesprochen wird, dann will ein typ rausfinden was los ist und das alles auch noch in Zeichentrick- was auch immer.
Perfekt und sensationel.
bedenklich? Kommentar gefällt mir Kommentar gefällt mir doch nicht Antworten
Weltenkind 2012/04/08 22:28:56
Kommentar löschenTechnisch nicht unbedingt perfekt, ist die politische und seelische Aussage umso kraftvoller. Autobiographisch gibt der Regisseur seine Erlebnisse des Libanonkrieges in einem filmischen Wunderwerk wider. Die ehrlichen und bedeutenden Bilder machen den Film zu etwas besonderen. Durch die Idee den Film als Trickfilm zu produzieren wirkt er authentischer, da es keine Schauspieler gibt, die sich profilieren oder selbst in den Vordergrund stellen wollen. Hier steht einzig und allein die Geschichte im Mittelpunkt. Durch kraftvolle musikalische Untermalung schafft es "Waltz with Bashir" deutlich an Ernsthaftigkeit zu gewinnen und unterstreichen die teils grausamen Bilder gekonnt.
Mit seinem autobiografischen Animationsfilm verarbeitet Ari Folman seine Kriegserlebnisse und lässt uns gleichzeitig an eben diesen teilhaben.
bedenklich? 4 Mitgliedern gefällt das Kommentar gefällt mir Antworten
Momentanaufnahme 2012/03/30 22:54:14
Kommentar löschenEine kurz gefasste Meinung über den dokumentarischen Animationsfilm "Waltz with Bashir" in herkömmlicher Form, veröffentlicht auf dem "Raumzeit" Blog(raumzeitkontinuum.wordpress.com):
"Waltz with Bashir ist der erste animierte Dokumentarfilm in Spielfilmlänge." und leistet damit Pionierarbeit. Allerdings muss der erste Film dieser Nische nicht gleichzeitig sehenswert sein. Ob Ari Folmans erfolgreichsten Film die 86 Minuten Lebenszeit nun wert ist oder nicht, will ich im Rahmen dieses Beitrags ergründen.
Nachdem die anfänglichen Logos der Produktionsfirmen überstanden sind, besticht vor allem die Optik des Films. Ein Großteil des Streifens wartet mit animierten Grafiken im Stil amerikanischer Kommerz-Comics und schwarzen Outlines, die ein wenig an Cell-Shading Videospiele wie "Borderlands" erinnern, auf. Auch wenn die Protagonisten immer noch leicht mechanisch sprechen, essen und töten wirkt die Darstellung im Film realitätsnah, hochwertig und oft auch dramatisch.
Was sich sonst wohl nur mit aufwendigste Kulissen und eine riesige Belegschaft , sowie langwieriger Nachbearbeitung bewerkstelligen ließe, wird lieber gleich im Zeichentrick anhand einer gefilmten Videoversion der Handlung nachgestellt. Dabei ging es aber wohl gar nicht so sehr um Zeit- oder Kostenersparnis, sondern um gestalterische Freiheit. Ich stelle es mir überaus befreiend vor, jede Mundbewegung und jeden Grashalm unabhängig von Schauspielern oder Umwelteinflüssen formen zu können. Hier sei aber nochmal angemerkt: Auch wenn es sich um einen Zeichentrickfilm handelt, ist die Darstellung sehr realistisch gehalten.
Dies geht einher mit dem Anspruch, einen Dokumentarfilm über den ersten Libanonkrieg und das Massaker von Sabra und Schatila zu produzieren. Man wollte dem heiklen Konflikt, in dessen Rahmen bis zu 3300 palästinensische Flüchtlinge von christlichen Phalange-Milizen abgeschlachtet wurden, wohl möglichst gerecht werden - trotz oder gerade wegen den Comic-Animationen. Die Handlung wird dabei aus der Sicht des israelischen Soldaten und Regisseurs Ali Forman erzählt. Ja, ihr lest richtig, der Regisseur arbeitet seine eigenen Erlebnisse im Rahmen des Films auf.
Zu Beginn des Filmes werden die Gedanken Formans durch die Erzählungen eines Freundes bezüglich eines immer wiederkehrenden Alptraums auf die gemeinsame Zeit im Libanon gelenkt - nach über 20 Jahren. Ali wird sich bewusst, dass er praktisch nichts mehr über seinen damaligen Einsatz weiß, von einigen Traumbildern abgesehen. Im Laufe der Handlung macht er sich daher auf frühere Kameraden zu besuchen und auf diese Weise seinen Erinnerungen auf die Sprünge zu helfen - mit Erfolg. Kurz vor dem Abspann ist der gesamte Einsatz bis zur Beobachtung des Massakers an den palästinensischen Flüchtlingen offen gelegt.
Überzeugt der Film also neben ungewöhnlicher der Optik auch inhaltlich? An sich wird die Thematik des Libanonkriegs, der Abweichung der persönlichen Erinnerung von der Realität sowie der Schuld-Frage im Angesicht der ausbleibenden Intervention gegen das Massakers kritisch und überzeugend behandelt. Leider finde ich den erzählerischen Stil des Filmes dabei nicht immer optimal: Zwar werden die Geschehnisse aus der Perspektive von Ari gezeigt, wobei insgesamt sehr viel Action zu sehen ist, die Handlung wird dabei allerdings durch Erzählungen Aris erklärt, der seine Vergangenheit in der Gegenwart, also 20 Jahre nach dem eigentlichen Geschehen, reflektiert. So sieht man z.B. Ari bei einer nächtlichen Fahrt zum Feld-Lazarett in seiner Vergangenheit, während der Zuschauer gleichzeitig einem Gesprächs lauscht, in dem Ari eben über diesen Teil seiner Vergangenheit spricht. So war zumindest ich immer zwischen dokumentarischen Stil und "Spielfilm" hin- und hergerissen, was teilweise interessant war, aber eben manchmal auch suboptimal.
Zudem zeigt "Waltz with Bashir" in den letzten Sekunden echte Videoaufnahmen des Massakers, die so gar nicht zum Stil des Filmes passen wollen. Ich verstehe das Ziel der Produzenten, so die realen Ausmaße des Krieges darstellen zu wollen, allerdings hätte ich mir lieber eine gekonnte Umsetzung in Comic-Animation gewünscht. Die Zeichentrick-Szenen am Ort des Massakers sind nämlich wenig aufwühlend. Die "echten" Aufnahmen zudem stark verschwommen und wenig aufschlussreich.
Und eines möchte ich noch klar stellen: Ob der Film die historischen Ereignisse unverfälscht wieder gibt, kann ich persönlich nicht beurteilen.
Kurz gefasst: Anschauen(auch wenn es der Film nicht in die Reihe meiner Lieblingsfilme schafft)! Schon gesehen? Was denkst du?
bedenklich? 1 Mitglied gefällt das Kommentar gefällt mir Kommentar gefällt mir doch nicht Antworten
hollygolightly1 2012/03/28 20:09:54
Kommentar löschenWer hätte gedacht, dass ein Film mit solch einer schrecklichen Thematik so schön sein könnte?
Ich rede selbstverständlich von der einzigartigen Machart des animierten Dokumentarfilms "Waltz with Bashir" von Ari Folman, der in dem Film seine Erlebnisse aus dem Libanon-Krieg an den Tag legt.
Das tut er auf eine seltsame Weise. Gekonnt verwandelte er einen Kriegsfilm in einen Trickfilm, dessen Optik auf den ersten Blick täuscht. Denn "Waltz with Bashir" ist kein Kinderfilm. Nein, er ist Folmans Art, sein Trauma zu bewältigen und zu verarbeiten.
Ein Alptraum von 26 bedrohlichen Hunden veranlasst Ari Folman mitten in der Nacht, sich mit seinem Freund zu treffen und ihm von dem Traum zu erzählen, der ihn nicht loslassen will. Nur vage können sie sich an den gemeinsamen Einsatz im Libanon erinnern, wo sie damals als Soldaten dienten. Nach und nach kehren die Erinnerungen zurück, als Folman weitere Kriegsbeteiligte befragt und das Puzzle sich vervollständigt.
Der Film gehört von seiner visuellen Stärke her zu den eindrucksvollsten Dokumentarfilmen, die ich kenne. Zwischen Traum und Wirklichkeit, zwischen Surrealismus und Realismus erfolgt die Verarbeitung der Kriegsereignisse Folmans auf authentische und faszinierende Weise zugleich.
Keineswegs werden dabei die Geschehnisse verharmlost - im Gegenteil - diese Darstellung sorgt erst für die mächtige Wirkung. Der Zuschauer begegnet schönen, wundersamen und doch so bedrückenden, gewaltigen Bildern, die - trotz der Gestalt - real erscheinen.
Die vielseitige Musik, die oft eine melancholische Note aufweist, unterstreicht die Atmospäre in dem Film vorbildlich. Zwei Lieder lassen die Stimmung der 80er Jahre wieder aufleben.
Leider habe ich nicht so viel Ahnung von dem Libanon-Krieg und dem Massaker von Sabra und Schatila, wie vielleicht andere, sodass ich den Anteil an Realität in dem Film nicht einschätzen kann. Immerhin ist die Darstellung rein subjektiv, so viel steht fest. Folman hat auf jegliche Objektivität verzichtet, da der Film zu einem großen Teil autobiografisch ist. Und die Darstellung ist ihm gelungen. "Waltz with Bashir" überzeugt mit seiner Realitätsnähe, seiner Kreativität und Tiefgründigkeit - und das bei einem solch erschütternden Thema.
Man sollte sich schon für das Thema interessieren, wenn man den Film sieht. Andernfalls ist man schnell gelangweilt von der Erzählweise und der Langatmigkeit. Was bei mir absolut nicht der Fall war.
Am Ende war ich überwältigt. Sprachlos. Ich hatte Gänsehaut und wusste nicht, was ich tun sollte. Irgendwie fühlte ich mich so schwach. Spätestens wenn man die Original-Aufnahmen zu sehen bekommt, sollte der Film in jedem Menschen ein Gefühl auslösen, das ich nicht beschreiben kann.
"Waltz with Bashir" kann ich jedem nur ans Herz legen. Der Film ist nicht nur optisch sehenswert, sondern auch als Gesamtwerk etwas Besonderes. Man "erlebt" den Krieg aus einer ganz anderen Perspektive.
bedenklich? 3 Mitgliedern gefällt das Kommentar gefällt mir Kommentar gefällt mir doch nicht Antworten
stuni 2012/03/23 15:38:10
Kommentar löschenDokumentation + Animationsfilm ? Habe das für einen Fehler gehalten, ich dachte nicht das so eine Kombination funktionieren kann. Doch gerade deswegen funktioniert der Film besser als ich dachte. Er nutzt Stilmittel um die die Verbrechen der verängstigten und naiven Soldaten darzustellen. Ob die Beteiligung der Israelis an dem letzten Massaker runtergespielt wurde kann ich nicht sagen, den im Vordergrund steht das verarbeiten der Erlebnisse und Eindrücke der Soldaten die auch Jahrelang nach dem erlebten traumatisiert sind.
bedenklich? 1 Mitglied gefällt das Kommentar gefällt mir Antworten
Sozionaut 2012/03/11 02:56:39
Kommentar löschenEin wunderbar gelungener animierter Film rund um die schrecklichen Geschehnisse der Massaker von Sabra und Schatila in Beirut. Wieso dann die schlechte Bewertung? Weil hier die israeilische Beteiligung und Vernatwortung m. E. verharmlost und ein auf die christliche Miliz geschoben wird. Somit wird für mich mit Mitteln der filmischen Kunst propagandistische Meinungsmache betrieben.
bedenklich? 5 Mitgliedern gefällt das Kommentar gefällt mir Kommentar gefällt mir doch nicht 10 Antworten
Jeriba 2012/03/18 19:17:29
Antwort löschenDanke.
Werde ihn mir definitiv nicht anschauen!
dubdan 2012/04/07 17:51:37
Antwort löschenjaja immer die israelis. in was für einem film lebst du eigentlich!?
JanoX 2012/04/10 01:18:54
Antwort löschendein ernst sozionaut?
Sozionaut 2012/04/10 07:36:18
Antwort löschenSiehe Zeitgeschichte!
Sozionaut 2012/04/10 07:58:12
Antwort löschenSorry Alanger, ich muss hier noch einmal nachhaken! @Janox, @dubdan und andere: Der Film ist klasse gemacht! Ich kann jede sehr gute Bewertung nachvollziehen. Auch die inhaltliche Umsetzung ist sehr gelungen. Aber ich habe hier keine Lust in die Naziecke getreten oder Antisemitenschublade gesteckt zu werden, weil ich die Inszenierung des Filminhaltes vor dem Hintergrund Sharons Verwicklung in den damaligen Genozid im Lager verharmlosend finde. Die Filmerzählung gleicht den Erfahrungen der GIs in Vietnam. Und auch wenn diese armen Schweine gelitten habenm, haben sie niemals so gelitten wie die Menschen (auch Frauen und Kinder), die beispielsweise in den usamerikanischen Flammenwolken und Kugelhagel umgekommen sind, systematisch vergewaltigt und gefoltert wurden. Es ist der gleiche Rotz, den us-amerikanische Soldaten im Irak machen, in Afghanistan oder sonstwo machen. Es kotzt mich dann an, wenn eben diese Querverweise auf das Elend der Opfer gleich zu einer automatistischen Verurteilung führen, man sei ein Antisemit, ein Neonazi, ein Antiamerikanist oder weiß der Geier was! Das ist besonder dann lustig, wenn man selbst verwandschaftliche Bezüge zu Bnei Israel hat!
Peace.
JanoX 2012/04/10 11:55:40
Antwort löschenAlso ich kann ja nur für mich sprechen, aber ich hatte jetzt nicht wirklich vor, dich als Antisemit, Neonazi, oder was du sonst noch gerne hättest zu bezeichnen. ;)
Im Gegenteil, würde eine These wie Diese im Generellen über die ganze naive Pro America und Israel-Propaganda immer unterschreiben, genauso wie ich auch Günther Grass' Gedicht jederzeit unterschreiben würde.
Kann mich aber immernoch nicht damit anfreunden, was das mit dem Film zu tun hat. Natürlich ist er nicht zerstörend kritisch, was die direkte und einzige Schuld der Israelis (was es natürlich war) betrifft.
Dennoch kann einen die Wirkung des Films vor allem gegen Ende nicht mit dem Gedanken loslassen, Israels Gewalt wird ja hier nur verharmlost und ihr wird die Verantwortung entzogen. Sie sahen dabei zu von ihren israelischen Beobachtungsposten und unterstützten sie (die Phalange-Miliz) sogar noch mit Leuchtfeuern, um die Nacht zu erhellen. Ich denke die Schuld wird ganz klar auf beide Seiten klar verteilt, wenn nicht sogar auf die israelische ein wenig mehr, weil sie eben nur zusahen und das ganze auch verhindert hätten können. Das durch die Intensität am Ende des Films meiner Meinung nach unglaublich verstärkt.
Ich weiß nicht welchen Film du wirklich gesehen hast, aber ich war nach dem Film nicht der Ansicht, einen ProIsrael Film gesehen zu haben, der sie in Schutz nimmt und ihre Taten verharmlost!
Sozionaut 2012/04/10 12:12:14
Antwort löschen@janox: thx für die sachliche Argumentation. Ichbsehe die Massage mehr zwischen denZeilen.
JanoX 2012/04/10 13:17:58
Antwort löschenKein Ding, respektiere deine Argumentation ja auch!
Alle 10 Antworten zeigen
SaschaSheva 2012/05/06 23:59:53
Antwort löschenIch kann deine Begründung nachvollziehen. Über die israelische Regierung kann ich ebenfalls keine positiven Worte finden. Du solltest aber bedenken,dass der Film aus der Sicht von Soldaten erzählt wird.
Sie haben selber keine Ahnung, was sie im Krieg machen sollen. Oder wieso sie jetzt zusehen sollen und nicht eingreifen dürfen. Die Soldaten sind MIttäter und Opfer zugleich. Dieses Dilemma war das Hauptmotiv des Films in meinen Augen.
Sozionaut 2012/05/07 00:15:00
Antwort löschenOkay...auch nachvollziehbar.
msd3003 2012/03/01 21:12:42
Kommentar löschenEin wirkliches Meisterwerk und mein absoluter Lieblingsfilm. "Waltz with Bashir" brilliert mit seiner einzigartigen Mischung aus Dokumentation und Kriegsdrama und schockiert auf eine Weise, wie es kein Spielfilm könnte. Die Art, wie Regisseur Ari Folman mittels vieler surreal angehauchter Szenen und Rückblenden den Schrecken des Krieges und die persönliche Geschichte eines Soldaten schildert zusammen mit dem perfekten Soundtrack von Max Richter machen aus "Waltz with Bashir" meiner Meinung nach einen der besten Filme aller Zeiten.
bedenklich? 1 Mitglied gefällt das Kommentar gefällt mir Antworten
siXer 2012/02/01 00:10:05
Kommentar löschenEin sehr sehr guter film mit einer traurigen botschaft. Wie können menschen zu etwas fähig sein und warum gibt es immer wieder Menchen die bei so etwas wegschauen?
Danke an Arte dass Sie nicht wie die anderen Sender nur noch Verdummungmatarial ausstrahlen.
bedenklich? 1 Mitglied gefällt das Kommentar gefällt mir Antworten
Hagen Hagen 2012/01/29 22:44:49
Kommentar löschenEin trauriges Meisterwerk.
bedenklich? 1 Mitglied gefällt das Kommentar gefällt mir Antworten
8martin 2012/01/26 16:12:00
Kommentar löschenEs gibt ganz wenige Animationsfilme mit einer politischen Botschaft. Dieser geht noch einen Schritt weiter und klagt an. Israel wird angeklagt wegen eines Völkermordes an den Palästinensern. Die Bilder sind so verblüffend gut gezeichnet, dass man manchmal glaubt die reale Wirklichkeit zu sehen. (Man sieht sogar den Atem der Figuren bei einem Winterspaziergang). Es gibt schnelle Kameraschwenks und Zooms. Die Animation kann übertreiben und damit das Wesentliche sichtbar machen. Das reicht von Männerfantasien (Pornos oder eine nackte Schönheit, auf der man im Wasser davontreibt) bis hin zu grauenhaften Bildern von Leichenbergen und Tierkadavern. Da kann dann auch schon mal ein Gewehr zur Gitarre werden. Einstellungen und Schnitte sind wie bei echten Filmen.
Inhaltlich sucht ein traumatisierter Soldat seine verloren gegangenen Erinnerungen aus dem Libanonkrieg. Der Titel ist ein Euphemismus für einen sich im Kugelhagel bewegenden Soldaten. Das sieht fast wie ein Tanz aus. Dann macht der Film einen überraschenden gedanklichen Schlenker: das zerbombte, von Leichen übersäte Lager wird mit Auschwitz verglichen. Beides als Völkermord bezeichnet. Hier wie dort gibt/gab es Zuschauer, die die Gräueltaten wortlos beobachteten. Und auch die verantwortlichen Politiker und Militärs der Israelis Begin und Sharon erscheinen im Bild. Eine erschütternde Schlussfolgerung, die dann noch durch echte Dokumentaraufnahmen untermauert wird. Schaurig schön aber beeindruckend wichtig!
bedenklich? Kommentar gefällt mir Antworten
based_god 2012/01/26 14:53:48
Kommentar löschenTeil 2 des arte-Trickfilmabends
Ein moderner, halb Kriegs-, halb Dokumentarfilm über ein Massaker in Beirut, an dieses sich der Hauptprotagonist nicht mehr erinnern kann. Er begibt sich auf die Suche nach Erinnerungsstücken und setzt die Geschichte langsam wieder zusammen. Und was er sieht ist schrecklich – eine Gewaltorgie, die seinesgleichen sucht. Die Musik ist toll und der Zeichenstil auch. Trotzdem ist "Waltz with Bashir" nur etwas für hartgesottene.
Und mal wieder hat mir arte einen Abend gerettet! Vielen dank, für das Senden, solch toller Filme!
bedenklich? 4 Mitgliedern gefällt das Kommentar gefällt mir Antworten
AgentGuhl86 2012/01/25 23:47:00
Kommentar löschenEins habe ich an diesem TV-Abend festgestellt: ich habe eigentlich keinerlei Ahnung, welche Grausamkeiten im nahen Osten passiert sind. Da besteht Nachholbedarf und "Waltz with Bashir" gibt genug Anreiz sich da mal zu belesen.
Eine inhaltlich sehr gute, dichte und sehr gut animierte Dokumentation, die den Wahnwitz des Aufeinandertreffens von Krieg und Ausnahmealltag gut skizziert. Beklemmend aber lohnenswert!
bedenklich? 4 Mitgliedern gefällt das Kommentar gefällt mir Antworten
jedi37 2012/01/25 23:15:21
Kommentar löschenDieser Film, in seiner zeichentricktechnischen Genialität, in seiner dokumentarischen Neutralität ist ein Zeugnis der Grausamkeit unserer Art. So unglaublich ist die Auflösung, wie können jene, denen durch die Nazis solche Gräueltaten zugefügt worden, selbst so etwas zulassen?
bedenklich? 1 Mitglied gefällt das Kommentar gefällt mir Antworten
jimmey11 2012/01/20 16:37:22
Kommentar löschenProlog
Sechsundzwanzig schwarze Schatten
hetzen durch die dunkle Nacht,
Und es scheint als hätt‘ von innen
Feuer Zorn zu Tag‘ gebracht.
Alle rennen, streben sie,
durch die Straßen, durch die Stadt,
Hin zum einen den sie suchen
der die Last zu tragen hat.
Hauptteil
Kämpfer, voll von Furcht und Reue,
will kein Menschenmörder sein,
Schießt er auf das Tier stattdessen,
lädt sich auf die schwere Pein.
Zwanzig Jahr‘, dann weckt es ihn,
Schuld sitzt ihm im Nacken tief,
Hunde aßen ihm die Seele,
rissen sich drum als er schlief.
Was Waltz with Bashir von Dramen mit ähnlichem Thema unterscheidet ist, neben dem markanten Comicstil, vor allem auch die einzigartige Erzählweise. Zeitlich wechseln sich hier die Kriegserfahrungen der Charaktere mit den langen Gesprächen über eben jene Geschehnisse ab. So ist es dem Film möglich, die gerade gezeigten, oft traumatischen Szenen, direkt in den Dialogen zu verarbeiten und dem Zuschauer so einen Einblick ins Innere der ehemaligen Soldaten zu gewähren. Eine einzigartige Grundlage für ein so unvorstellbar schwieriges Thema.
Er versichert ‚Keine Sorge –
Flashbacks hab‘ ich keine mehr‘,
Wahrheit sitzt nicht selten tiefer,
alle Worte scheinen leer.
Auszudrücken nicht im Stande,
was geschah an jenem Tag,
Und es trennen sich die Pfade,
als das Meer im Sturme lag.
Ruhige See. Entblößte Leiber,
steigen aus dem Nass empor,
Und der Himmel, hell erleuchtet,
gibt den Kämpfern Wege vor.
Kaltes Grau erfüllt die Gasse,
Schmerzen, Leiden, und bald sind,
Alle Schreie frei von Hoffnung,
Mutter sucht verlor´nes Kind.
Oft spielt zudem die Frage eine Rolle ob, bzw wie man denn mit einer solchen Vergangenheit überhaupt umgehen kann. Als Ari Folman sich beispielsweise von einem alten Freund ein Experiment darlegen lässt, bei welchem Probanden gefälschte Familienfotos vorgelegt werden, wird erläutert, wie uns unser Gedächtnis oft in die Irre führt und die Wahrheit sich mehr und mehr verflüchtigt. Doch der Protagonist besucht weitere seiner alten Kumpanen und vervollständigt so die lückenhaften Erinnerungen. Oft mit entsetzlichen Erkenntnissen.
Immer weiter, auf der Suche,
Alles das vergessen schien,
tritt allmählich aus den Schatten,
was verloren wird gelieh´n.
Eine unbekannte Schönheit,
naht heran aus blauer Front,
ist erfüllt von Stolz und Grazie,
zeigt mir auf, den Horizont.
Blitz erdrosselt ew’ge Stille,
Feuer bricht durch dunklen Rauch,
Und ich sehe, voll Ensetzen,
Freund, er geht in Flammen auf.
Die Dramaturgie erweist sich als erstklassig, Erzählstränge gehen nahtlos ineinander über und der Film nimmt den Betrachter an der Hand, wenn er von einem Extrem ins Nächste führt, unterlegt von dezenten Streichern oder treibenden, elektronischen Bässen. Beides bleibt dank Max Richters unfehlbarer Routine noch lange im Ohr hängen.
Ohne Pause wird gefeuert,
schießen, beten, wie im Takt,
Lautes Dröhnen füllt die Stille,
schließlich folgt der letzte Akt.
Tod wird sich bald aufgeladen,
und gebracht zum heil’gen Schein
der die Körper schluckt wie Wasser,
nur zurücklässt Erde, rein.
Überwiegend dunkle Farben, kaum heitere Gesichter und unerträgliche Gewalt. Eine endlose Schwere scheint den Film stets zu begleiten. Der Comiclook kann über die Tragik des Gezeigten nicht hinwegtäuschen, vermittelt er doch viele Szenen erschreckend real. Bald wird klar, dass die Aufarbeitung des Themas nicht nur die Vergangenheit einer einzigen Person, sondern vielmehr die Tragödie eines ganzen Volkes widerspiegelt.
Ein Fels in der Brandung,
wird letzte Instanz,
und vor mir das Wasser,
verschlingt mich jetzt ganz.
Im Rausch der Patronen,
das Blut schon gerinnt,
und Schatten bedecken,
ein regloses Kind.
Die Linse umhüllt mich,
der Vorhang bleibt dicht,
Die Hände, sie zittern,
die Deckung zerbricht.
Der blutrote Vorhang,
zu Boden er fällt,
die einst stolzen Tiere,
vom Grauen entstellt.
Was zudem auffällt ist das immer wiederkehrende Motiv des Unterbrechens, das Zerreißen der Stille. Fast als wären die Soldaten nie vollkommen in Sicherheit, als könnte hinter der nächsten Ecke schon eine weiteres Blutbad auf sie warten. Und genau diese Ahnung, diese Furcht, bewahrheitet sich nur allzu oft
Town full of strangers,
passing along,
And voices, they tell me,
‘It’s not a Lovesong!’
Die Gefechte sind ein ums andere Mal intensiv und vermitteln einen Eindruck von der Aussichtslosigkeit vieler Situationen. Doch es geht nicht darum Action oder gar Explosionen in den Vordergrund zu rücken, es sind immer menschliche und emotionale Abgründe, die durch das Kanonenfeuer und die Blutlachen aufgezeigt werden.
Zischen kündigt im Gefechte,
schon das bald’ge Chaos an,
Geister drängen sich am Rande,
wer am Besten sehen kann.
Alte, Frauen, Zivilisten,
werden dort verschleppt, verhört,
und ermordet ohne Zögern,
Niemand der das Schauspiel stört.
Aus der Ferne überblicken
Sie das Chaos ohne Paus‘.
Zwei gemeinsam in der Hausung,
Nur ein einz’ger kommt heraus.
Hände die ins Leere greifen,
die nur fordern einen Grund,
und auf Antwort hoffen ewig,
den verschlossen bleibt sein Mund.
Epilog
Mit der letzten Szene eskaliert die Situation, der Zuschauer wird konfrontiert mit den plötzlichen Realaufnahmen aus den Straßen Shatilas. Doch dieser gewollte Stilbruch erlöst nicht. Er erdrückt und lässt den Atem stocken. Lässt keinen Zweifel mehr zurück, für niemanden. Eine lange Aufnahme eines ermordeten Kindes, mitten in den Trümmern, brennt sich vor das innere Auge. Der Abspann läuft, doch das Bild bleibt. Kein Abschalten, kein Wegdrehen oder Augen verschließen. Das Bild bleibt.
Atemlos kam bald die Stille.
Lautlos fielen in den Sand,
all die Tränen. Und ganz sachte
schwärzt die Dämmerung das Land.
bedenklich? 7 Mitgliedern gefällt das Kommentar gefällt mir Kommentar gefällt mir doch nicht Antworten
Martin Tetrahydroc 2011/12/09 16:57:52
Kommentar löschenWas soll ich von diesem Film halten? Als Film, als rein fiktionales Kunstwerk, ist dieser Film eine klare 10. doch die Grundlage des Films, die rein subjektiven Gedanken eines Menschens während des Bürgerkriegs, entbehrt jeder Authenzität. Warum bedient sich der Regisseur ausgerechnet eines so heiklen Themas, dessen eigene Erfahrungen er zu einer Dokumentation erhebt??
Die filmischen Stilmittel, das Comic, die Musik sind grandios umgesetzt. Dies alles verblasst in einer fast schon antiisraelischen Propaganda. Die Vorredner, die meinte, dieser Film sei kein Kriegsfilm wie jeder andere, haben nur bedingt recht. Ja, auch in diesem Film werden die Hintergründe nicht beleuchtet und nur aus rein subjektiver Perspektive erzählt. Dieser Film aber stellt die Erfahrungen eines Mannes als unumstößliche Wahrheit dar. Der kleine aber feine Unterschied besteht also in der Bezeichnung Dokumentation, die keine ist.
Und jetzt freue mich auf das fröhliche gehate :)
bedenklich? 1 Mitglied gefällt das Kommentar gefällt mir 8 Antworten
doctorgonzo 2011/12/09 17:06:42
Antwort löschenGut soweit, jetzt möchte ich nur noch wissen, inwieweit Du belegen kannst, dass der Macher seine Erfahrungen als unumstößliche Wahrheit präsentiert.
Martin Tetrahydroc 2011/12/10 23:20:58
Antwort löschendurch die Deklaration der Dokumentation und der Zuhilfenahme von unterstützenden Aussagen. Es wird keine Debatte geführt, sondern eine Wahrheit umschrieben und versucht zu beweisen. Durch die drastische Bildersprache, besonders mit dem Wechsel zu realen Bildern am Schluss, wird hier eine Message verbreitet, die die des Regisseurs entspricht, jedoch keineswegs der tatsächlichen Realität.
doctorgonzo 2011/12/10 23:54:35
Antwort löschenDadurch, dass man sein Werk als Dokumentation deklariert, erschafft man doch nicht zwangsläufig eine unumstößliche Wahrheit. Dann würde man ja auch in Moores Werken so etwas wie wirkliche Wahrheit entdecken...
Martin Tetrahydroc 2011/12/11 22:29:11
Antwort löschenSehr gute Bemerkung! Deswegen lehne ich Moores "Werke" auch ab! Dokumentationen, die eine verkürzte Wahrheit darstellen, sind schlechte Dokumentationen. Ob es jetzt um Dresden 1945, die amerikanische Gesellschaft oder den Libanon-Krieg geht, solange hier keine Ausleuchtung der Geschehnisse stattfindet, ist ein Film darüber schlecht.
doctorgonzo 2011/12/12 00:42:09
Antwort löschenJede Doku stellt eine verkürzte, eine beschnittene Wahrheit dar, weil man das Geschehene nicht erneut in Echtzeit ablaufen lassen kann. Mit dem Experiment haben sich schon zahlreiche Physiker befasst.
Martin Tetrahydroc 2011/12/13 23:53:47
Antwort löschenDas habe ich ja auch nicht abgestritten. Lediglich, dass die präsentierte "Wahrheit", gerade bei diesem heiklem Thema, nicht mal ansatzweise einer vernünftigen Beleuchtung unterzogen worden ist. Im Gegenteil wird ausschließlich einseitig berichtet, womit diese Dokumentation zu einer Propaganda verkommt.
Ich verlange keine Berichterstattung in Echtzeit, wohl aber zumindest eine kritische Gegenstimme, die den Zuschauer zum Nachdenken animiert. Ist das zuviel verlangt?
Alle 8 Antworten zeigen
doctorgonzo 2011/12/14 00:15:54
Antwort löschenDurch die offensichtliche Subjektivität der Berichte kann der Zuschauer durchaus erkennen, womit er es hier zu tun hat. Ein Grundmaß an Mündigkeit mag schon sein. Für mich ist das hier nicht anders als Ollie Stones Vietnameindrücke, nur mit noch mehr Subjektivität.
Martin Tetrahydroc 2011/12/16 13:43:31
Antwort löschenIch glaube wir sind an dem Punkt angekommen, an dem jeder seine Position ausgelegt hat und verteidigt. Meiner Meinung nach wäre dieser Film ein glatte 10 ohne den dokumentarischen Anspruch. Wenn das für dich kein Problem darstellt, rege ich mich darüber nicht auf.
(Btw: Olliver Stones Filme sind auch zumeist von einem ekelerregenden Antiamerikanismus durchzogen, aber das nur nebenbei)
MasterZ 2011/12/01 20:43:02
Kommentar löschensehr gut und kreativ gemachter Film der wirklich Überzeugt
bedenklich? Kommentar gefällt mir Kommentar gefällt mir doch nicht Antworten
movieman111 2011/11/12 00:00:15
Kommentar löschenEin fantastischer Film der fast schon spielerisch veranschaulicht was Angst und Hass in der richtigen Mischung anrichten können...
und das es im Krieg immer die falschen trifft.
bedenklich? Kommentar gefällt mir Kommentar gefällt mir doch nicht Antworten
La Bardot 2011/10/10 16:58:28
Kommentar löschen"Nur die Toten haben das Ende des Krieges gesehen" [Platon]
Waltz With Bashir.
Ein Kriegsfilm.
Einer von Tausenden. Und doch steht er irgendwie ganz alleine.
Waltz With Bashir ist der ungewöhnlichste Film, den ich je gesehen habe. Nicht nur, dass er der erste animierte Dokumentarfilm in Spielfilmlänge ist, nein, es ist auch diese archaische, hypnotische Intensität, die fantastische und packende Visualisierung der Erlebnisse von Regisseur, Autor und Produzent Ari Folman, die diesen Film so unwiderstehlich machen.
Dieser Film ist ein Kunstwerk aus unvergesslichen Bildern und erschütternden Ereignissen. Besonders die letzten Minuten sind ein Schlag in die Magengrube. Man sieht klagende, weinende Frauen inmitten ihrer toten Söhne, Männer, Väter. Nur diese Echt-Aufnahmen, keine Kommentare. Dies ist auch nicht nötig, man muss einfach nur hinsehen, auch wenn meine Augen nicht begreifen konnten, was sie sahen.
Ein kühnes Werk mit sowohl filmischer als auch politischer Bedeutung.
Waltz With Bashir ist eine absolute Perle.
bedenklich? 14 Mitgliedern gefällt das Kommentar gefällt mir Antworten