Lion - Das sagen die Kritiker zum Oscarkandidaten

Lion, mit Dev Patel
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In Lion steigt der fünfjährige Saroo Brierley (Sunny Pawar) in einen leeren Zug, schläft dort ein und erwacht Stunden später im 1600 Kilometer von seiner Heimat entfernten Kalkutta. Dort wächst er in einem Waisenhaus auf und wird zur Adoption freigegeben, da er nicht erklären kann, wo er herkommt. 20 Jahre später ist aus dem kleinen Jungen ein erwachsener Mann (Dev Patel) geworden. Doch was damals passiert ist, hat er nicht vergessen. Mittlerweile, so hofft er, sei die Technologie weit genug entwickelt, um sein altes Zuhause und seine leiblichen Eltern wiederzufinden. Mithilfe eines Smartphones und Google Earth macht er sich auf die Suche nach seiner Herkunft.

Lion basiert auf der Autobiographie A Long Way Home vom tatsächlich existierenden Saroo Brierley. Die Geschehnisse im Film stellen daher reale Begebenheiten nach. Neben Dev Patel ist außerdem Nicole Kidman als dessen Adoptivmutter für einen Oscar nominiert. Eine weitere wichtige Rolle im Regiedebüt von Garth Davis nimmt Rooney Mara ein, die Saroos Freundin verkörpert. Wir zeigen euch, was die englisch- und deutschsprachigen Kritiker zum Oscarkandidaten sagen:

Zunächst die harten Fakten zu Lion:

  • 20 Kritikerbewertungen mit einem Durchschnittswert von 6,5
  • 135 Community-Bewertungen mit einem Durchschnittswert von 7,1
  • 14 Kritiken und 12 Kommentare
  • 1 x Lieblingsfilm und 0 x Hassfilm
  • 218 Vormerkungen, 5 sind nicht interessiert

Das sagen die englischsprachigen Kritiker zu Lion:

David Sims von The Atlantic lobt Garth Davis für die zurückhaltende Erzählung ohne übertriebene Dramatisierung:

Regisseur Garth Davis vermeidet es schlauerweise, der Handlung, die allein schon in seiner Prämisse nach Oscarmaterial klingt, dramatische Verzierungen hinzuzufügen. [...] Davis schafft es, die Authentizität über den gesamten Film beizubehalten, er erdet die absurden Twists und Wendungen mit Textur und Detail und erliegt nie der hauchdünnen Sentimentalität, die solch menschliche Geschichten gerne durchdringt. Lion ist kein besonders innovativer Film, aber als Stück inspirierende Erzählkunst ist er herausragend.

Stephanie Zacharek vom TIME Magazine hebt unter anderem die oscarnominierte Kameraarbeit hervor:

Davis und Kameramann Greig Fraser erfassen kleine Bruchstücke eines unüberschaubaren Landes in all ihrer verwirrenden, chaotischen und verstaubten Pracht. Es ist ein Ort, der es schafft trotz der Präsenz von so viel Armut, farbenfroh zu wirken. Kein Wunder, dass der ältere Saroo die Wärme seiner ersten Familie so sehr vermisst, auch wenn er sich an diese kaum erinnern kann. Er hört den Ruf der Heimat. Wir wollen auch dorthin zurückkehren.

James Bernardinelli von Reel Views fällt ein überwiegend positives Fazit, kritisiert jedoch den deutlichen Bruch zwischen den beiden Filmhälften:

Die erste Hälfte von Lion ist außergewöhnlich gut gemacht. Davis erfasst die Ängste des Jungen und dessen Verwirrung, von seinem Bruder getrennt in einem fremden Land festzusitzen, wo er nichts versteht, die Sprache nicht spricht und die Kultur nicht kennt. [...] Der Film verliert an Halt, als er in die Moderne wechselt. Auch wenn an Dev Patels Darstellung nichts auszusetzen ist, gibt es eine Trennung seiner Interpretation von Saroo im Vergleich mit [Sunny] Pawar. Zugegeben, 25 Jahre sind vergangen, aber es fällt als Zuschauer schwer, zu akzeptieren, dass diese beiden Schauspieler dieselbe Person verkörpern.
Das sagen die deutschsprachigen Kritiker zu Lion:

Martin Schwickert von EDP Film sieht die Stärke von Lion ebenfalls in der ersten Hälfte:

Was andere mit einer Hand voll markanter Rückblenden abhandeln würden, dem widmet Davis die ganze erste Hälfte des Filmes. Diese Reise in die Verlorenheit eines Kindes entwickelt ihre enorme Kraft, weil sich der Film ganz auf die Perspektive des Fünfjährigen einlässt, der Kraft der Kinderaugen mehr traut als großen Erläuterungsdialogen und mit der Intensität des filmischen Erlebens westliche Ignoranzstrategien aushebelt.

Die Redaktion der Cinema hebt den kleinen Sunny Pawar und die Optik des Films als Hauptattraktionen hervor:

Der aus 4000 Bewerbern ausgesuchte Sunny Pawar in der Rolle des fünfjährigen Saroo bringt allein mit seiner Natürlichkeit die Herzen zum Schmelzen. Darüber hinaus entwickeln die stimmungsvollen Bilder, sowohl aus der indischen Provinz als auch aus dem quirligen Kalkutta eine Sogwirkung, der man sich kaum entziehen kann. Regisseur Garth Davis nimmt den Zuschauer gefangen und schickt ihn in ein Wechselbad der Gefühle.

Laut Olga Baruk von critic.de schafft es Lion leider trotz seiner vielen Stärken nicht, einen nachhaltigen Eindruck zu hinterlassen:

Wenn Lion von Adoption erzählt, liegt sein eigentliches Interesse in dem herbeigesehnten Affekt. Und man ist verleitet mitzumachen, an den richtigen Stellen mitgerührt zu sein, während der Film seinem zugesicherten Ziel ohne jede Ablenkung entgegenkommt. [...] Der unmittelbare Eindruck ist recht stark, lässt aber in den darauffolgenden Tagen schnell nach. Der Regisseur Garth Davis, der 2013 zusammen mit Jane Campion die tolle Miniserie Top of the Lake inszeniert hat, blieb auf ganzer großer Strecke übrigens so gut wie unauffindbar.

Fazit zu Lion:

Die überwiegende Zahl der Kritiker spricht positiv über Lion. Vor allem Nicole Kidmans Schauspielleistung als auch die Kameraarbeit von Greig Fraser wissen zu überzeugen. Auch Dev Patel macht einen guten Job, doch der eigentliche Star des Films ist Sunny Pawar. In vielen Kritiken ist zu lesen, dass die zweite Hälfte von Lion gegenüber der ersten deutlich abfällt, da die Performance des jungen Kinderdarstellers alles andere überflügelt. Nichtsdestotrotz ist auch die zweite Hälfte hoch emotional und könnte für die ein oder andere Träne sorgen.

Was haltet ihr von Lion? Werdet ihr euch den Film anschauen?
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