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Polizeiruf 110 - Stillschweigen im Rocker-Milieu

the gaffer (Jenny Jecke), Veröffentlicht am 30.09.2012, 21:45

Gestern noch in der Tagesschau, heute im Polizeiruf. Der neue Fall des Rostocker Ermittlerteams führt Bukow und König in die Rockerszene. Heraus kommt kein pädagogisch erhobener Zeigefinger, sondern ein spannender Krimi.

Charly Hübner und Thomas Sarbacher in Polizeiruf 110 - Stillschweigen Charly Hübner und Thomas Sarbacher in Polizeiruf 110 - Stillschweigen © NDR

Wir erfahren in Polizeiruf 110: Stillschweigen sehr viel über die kriminelle Rockerszene, ihre Machenschaften und ihren esoterischen Slang. Trotzdem ist es Drehbuchautor und Regisseur Eoin Moore gelungen, aus der ganzen Faktenflut einen spannenden Fall zu basteln. Der Polizeiruf aus Rostock unterstreicht mit Stillschweigen wieder einmal, dass er zu den verlässlichsten unter den Sonntagskrimis zählt. Friede, Freude, Eierkuchen herrscht zwischen Bukow (Charly Hübner) und König (Anneke Kim Sarnau) natürlich trotzdem nicht.

Lokalkolorit: Ob auf dem Lande, im Hafen oder in den Fußgängerpassagen Rostocks, das Einflussgebiet der fiktiven Rockerbande Satanic Riders und ihrer Konkurrenten wird in Polizeiruf 110 – Stillschweigen nach und nach freigelegt. Umso verletzlicher wirken König und Kronzeuge Rolf Wendlandt (Thomas Sarbacher), als sie in einem unscheinbaren Safe House Zuflucht suchen. Dass es, wie wir am Ende erfahren, der Mörder selbst ist, dem König Schutz gewährt, unterstreicht die Ironie eines Krimis, dessen Kommissare den Tentakeln des organisierten Verbrechens kaum etwas entgegensetzen können.

Plot: Als wäre ein toter Rocker auf der Landstraße nicht genug, musste auch noch eine unbeteiligte Hebamme dran glauben. Katrin König wittert ihre Chance auf einen Ermittlungscoup, als sich der ehemalige President Rolf Wendlandt als Zeuge zur Verfügung stellt. Während dessen Ex-Kollegen seine Fährte aufnehmen, gerät König mit Alexander Bukow schnell aneinander. Denn was ist mehr wert: ein Verbotsverfahren wegen kleinerer Delikte (Schutzgelderpressung etc.) oder die Aufklärung des Doppelmordes? Es ist bezeichnend für die Klasse des Rostocker Polizeirufs, dass diese tagesaktuelle Thematik geradezu nebenbei verhandelt wird und dem eigentlichen Krimivergnügen nie im Wege steht.

Unterhaltung: Denn anstatt uns mit Flipcharts über die Entwicklung der kriminellen Rockerszene in Deutschland zu langweilen, krempelt sich dieser Polizeiruf ganz nach Bukow-Manier die Ärmel hoch und stapft unbeirrt durch den Morast einer Parallelwelt. Das beginnt bei den Code-Wörtern der Satanic Riders, mit denen Polizei und Rocker ohne große Erklärung hantieren, und führt bis zum kleinsten Rädchen im Getriebe, einer jungen Prostituierten, die ihrer eigenen körperlichen Ausbeutung mit erschreckender Gelassenheit entgegenblickt. In wenigen Minuten fügt sich so das Bild einer Gemeinschaft zusammen, die ihren Mitgliedern Geborgenheit, Ansehen und Respekt verspricht und ihnen damit etwas vorgaukelt, das sie höchstens noch in der nostalgischen Verklärung eines altgedienten Bruders bieten mag.

Tiefgang: Eben diese Kluft zwischen der institutionellen Abstraktion (ein Titel, eine Lederweste als symbolische Wahrung des Scheins) und dem ungeschönten Blick auf die Tatsachen spiegelt sich im Verhältnis der beiden Ermittler wieder. König entgeht ob der Konzentration auf das große Ganze das Offensichtliche, namentlich dass Wendlandt sie die ganze Zeit nur ausnutzt, um seine tätowierte Haut zu retten. Zwar sucht er dem Club wegen einer Affäre zu entfliehen, dessen Natur entkommt er jedoch nicht. Vielmehr trägt er sie durch die Ermordung der Hebamme nach außen und setzt so eine Spirale der Gewalt in Gang, der der gefolterte Pöschel (Andreas Guenther) ebenso zum Opfer fällt wie schließlich Wendlandt selbst, der in keinem Safe House der Welt vor seiner Vergangenheit fliehen kann.

Mord des Sonntags: Ein toter Hund und dessen Kopf in einer Sporttasche.

Zitat des Sonntags: “Quid pro quo, Agent König!”

Mich hat der Rostocker Polizeiruf wieder einmal überzeugt. Aber wie hat er euch gefallen?


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Kommentare

über Polizeiruf 110 - Stillschweigen im Rocker-Milieu


brigitta.kanel.5

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Ziehe heute Polizeiruf 110 jedem Tatort vor.
Rocker-Milieu war wieder 1A.

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N. Hornblower

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Wenn früher statt Tatort ein Polizeiruf kam, hab ich den prinzipiell nicht angesehen. Gut, dass ich da jetzt nicht mehr unterscheide, sonst hätte ich gestern einen der besten ARD-Sonntagskrimis seit Langem verpasst (selbst der finale Shoot-Out passte aus meiner Sicht rein). Als Frau König im Epilog mit ihrer Vergangenheit konfrontiert wurde, habe ich sogar eine Gänsehaut bekommen.

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megatron12

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Der Polizeiruf mit Hübner und Sarnau ist das Beste, was die deutsche Fernsehlandschaft zu bieten hat. Und zwar mit Abstand!

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