Reboots & Remakes - Wie Anime die 90er zurückbringt

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Kein Jahrzehnt ist jemals wirklich vorbei. Dazu klingen die Errungenschaften, technischen Entwicklungen und erfolgreichsten publizierten Medien zu lange nach. Filme und Serien sind ein besonders ansehnliches Beispiel dafür. können sie doch selbst Dekaden nach ihrer Erstveröffentlichung noch für Diskussionen, Rückblicke, Essays und ähnliches sorgen. Diese Seite ist dafür ein Beispiel unter Dutzenden.

Auf diese Art erhalten sich Medien von alleine am Leben, zu gewissen Teilen können sie aber auch Abhilfe von außen bekommen. Remakes, Sequels und Reboots sind alles andere als eine neue Erfindung, doch in den letzten Jahren wird häufig angemerkt und lamentiert, dass diese Markenwiederverwertung scheinbar Überhand nimmt und sich dabei auf zwei bestimmte Zeitabschnitte konzentriert. Seit dem Beginn der 2010er Jahre erlebten zahlreiche Filme der 80er ihre eigene Wiederauferstehung, als Karate Kid, The Thing, Ghostbusters, Robocop und viele viele mehr mit unterschiedlichsten Ergebnissen zurückgebracht wurden. Über das ganze Jahrzehnt scheint sich dieser Trend aber nicht zu ziehen, zumindest in diesem Ausmaß, denn dieses Jahr hat sich die Auswahl an Vorlagen stärker auf die 90er verlagert: Ghost in the Shell, Power Rangers oder Twin Peaks starteten einen Trend, der demnächst mit Filmen wie Jumanji oder einem Remake von Der König der Löwen weitergeführt wird und genug Material bietet, sich über die nächsten Jahre zu halten.

Um die gleiche Zeit begann eine ähnliche Tendenz in Anime, hier wurden aber von vornherein die 90er bevorzugt. Es werden pro Saison mehr Shows als je zuvor produziert, und bei Adaptionen ist die Vorlage für gewöhnlich nur wenige Jahre alt. Häufiger findet sich aber auch eine über oder fast 20 Jahre alte Marke unter dem Angebot. Trigun wurde 12 Jahre nach seinem Ende als Film zurückgebracht. JoJo's Bizarre Adventure, das 1993 das erste Mal in animierter Form auftauchte, wird voraussichtlich über die nächsten Jahre in voller Länge adaptiert. Sowohl Ushio to Tora als auch Sailor Moon erhielten Neuauflagen. Alleine dieses Jahr waren Laughing Salesman und Magical Circle Guru-Guru eines der Highlights ihrer jeweiligen Saison, anders als die ambitionierte, aber leider fehlgeschlagene Fortsetzung von Berserk. Besonders bei zweiterer spielte sicher auch die wieder steigende Popularität klassischer JRPGs eine Rolle, durch die der darauf abzielende Humor wieder ein größeres Publikum für sich gewinnen kann.

Der offensichtliche Nutzen besteht natürlich darin, dass sich die Vermarktung dank einer bereits eingebauten Fanbasis wesentlich erleichtert und dem Risiko eines neuen Franchises aus dem Weg gegangen werden kann. Die Serien stammen aus einer Zeit, in der Anime außerhalb Japans schlagartig an Beliebtheit gewann. Dementsprechend ist der weltweite Wiedererkennungwert größer, ein erheblicher Vorteil für das immer globaler werdende Medium.

Für Zuschauer bietet sich dafür eine größere Vielfalt an Möglichkeiten, besonders im Hinblick auf visuelle Vielfalt. Shows aus der Zeit reichten von einer sehr rauen Machart mit ausgewaschenen Farben im High Fantasy- oder Science-Fiction-Genre bis zum knallbunten Abenteuer. Diese Art des Charakter-Designs steht in einem starken Kontrast zu heutigen Serien, deren Setting, Charaktere und Kostüme zu mehr Realismus neigen und seltener eines der beiden Extreme erreichen. So bietet sich eine willkommene Abwechslung zu derzeit dominanteren Stilen, auch wenn sich dafür an älteren Serien bedient wurde. Die Gegenüberstellung veranschaulicht den Übergang und die visuelle Entwicklung zwischen den verschiedenen Zeitabschnitten. Ebenso zeigt sich, wie diese Neuauflagen von den verschiedenen Ären profitieren, denn der klassische Artstyle wird dank neuer Produktionsmöglichkeiten in ein besser animiertes Gewand gesteckt. In Fällen wie Trigun oder Neon Genesis Evangelion zeigt sich sogar, wie die bekannten Umgebungen und Charaktere aussehen, wenn die Studios mit einem Filmbudget arbeiten.

Im Vergleich zur Filmwelt nehmen Reboots oder Remakes einen eher kleinen Anteil an und bieten so eine angenehme Alternative, statt eine unausweichliche und aufdringlich wirkende Entwicklung. Sie behalten Serien auch Jahrzehnte später im allgemeinen Bewusstsein und bewegen ihr Publikum im besten Fall dazu, die Originale aufzusuchen, über die es aufgrund der eher mäßigen Verfügbarkeit älterer Serien eher selten von alleine stoßen würde. Hier findet sich ein wesentlicher Beitrag darin, ältere Marken zu bewahren und ihre besten Elemente weiter aufrechtzuerhalten, um sie nicht in die unverdiente Vergessenheit geraten zu lassen.

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