Oathkeeper

Wir schauen Game of Thrones - Staffel 4, Folge 4

Game of Thrones
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Game of Thrones

Der Auftakt ist gewaltig. Von einem kleinen Gespräch zwischen Grey Worm und Missandei wechselt Game of Thrones in der 4. Folge der 4. Staffel, Oathkeeper, zu einer rücksichtslosen Daenerys über den Dächern der frisch eroberten Stadt Meereen. Bis kurz vor Schluss tauschen Autor Bryan Cogman und Regisseurin Michelle MacLaren den epischen Maßstab gegen überschaubare Situationen, in denen das ein oder andere Geständnis wenig elegant abgelegt wird. Aber wen interessieren diese Kleinigkeiten, wenn alle Welt über die Nachwuchsförderung der White Walker diskutiert?

Was passiert: Unterstützt von Grey Worm und den Sklaven Meereens erringt Daenerys die Oberhand über eine weitere Metropole der Slaver’s Bay. “Kill the masters”, lautet das bewährte Motto der Aktion und so steht Dany zwangsläufig vor der Entscheidung, der sich jede erfolgreiche Revolution stellen muss: Was tun mit den Führungskadern des gestürzten Regimes? Anstatt, wie ein Tywin Lannister empfehlen würde, auf den weisen Ratschlag anderer zu hören, also Milde walten zu lassen, statuiert die Drachenmutter ein Exempel an den Sklavenhaltern. Daenerys, die bisher erobert und kaum geherrscht hat, vergeltet Gleiches mit Gleichem. Die verbleibenden Sklavenhalter werden als Meilensteine brutal zweckentfremdet. Geschockt ist ein Barristan Selmy berechtigterweise über das grausame Verhalten. Nachdem Dany in dieser Staffel mit kaum zu zügelnden Drachen an ihrer Seite eingeführt wurde, regt die neue Folge von Game of Thrones zur Spekulation an, wie viel Drache oder – schlimmer – wie viel von ihrem Vater Aerys the Mad in ihr steckt.

Mit diesem größeren Handlungssegment lässt die Folge Essos hinter sich. Danach geht’s auf zu einer Wanderung in den Norden. In King’s Landing kommt es zur Aussprache zwischen Tyrion und Jaime. Letzterer wendet sich weiter von Cersei ab. Weder bringt er seinen des Mordes verdächtigten Bruder um, noch macht er Jagd auf Sansa Stark. Stattdessen kriegt Jaime von Bronn eine mit seiner eigenen Hand gewatscht, bevor er Brienne und Pod (“One more gift.”) auf die Suche nach Sansa schickt. Brienne fühlt sich der verstorbenen Catelyn Stark verpflichtet. Ihr von Jaime überreichtes Schwert Oathkeeper (wenn Tywin das wüsste!) ist aber auch ein Versprechen an den Kingslayer, von dem sie sich sichtlich gerührt verabschiedet.

Näher kommen sich Margaery und ihr zukünftiger Ehemann Tommen Baratheon. Abgesehen von der fraglos wichtigsten Charaktereinführung seit Hodor, in der fluffigen Gestalt von Ser Pounce, versucht die Tyrell-Tochter ihren Einfluss auf den Jungen schon frühzeitig zu festigen. Dabei gibt sie sich einerseits als große Schwester, die Tommens Angst vor dem verstorbenen Bruder ernst nimmt. Andererseits gewinnt sie dessen Vertrauen durch die Verheißung von Erfahrungen, die sich der Junge noch nicht in Gänze erschließen kann. Es bleibt beim mütterlichen Kuss auf die Stirn. Herauszuheben sei Natalie Dormer, die ihre Figur zwischen Verführung und Naivität schwanken lässt, ohne dass sie in eines der beiden Extreme ausschlägt. Margaery hat noch keine ihrer Ehen vollzogen und befindet sich gewissermaßen in der Lehrlingszeit bei Lady Olenna. Ein Naturtalent der herzlichen Manipulation ist sie schon jetzt.

Ihre Meisterin, außerordentlich genervt vom würdevollen Flanieren im Garten, erzählt ihr nicht nur, wie sie sich einst einen Ehemann eroberte (“I was good, I was very, very good.”). Auch hinter dem Mord an Joffrey steckt sie. Aber nicht allein. Etwa zur gleichen Zeit erklärt Littlefinger seiner Reisegefährtin Sansa stolz, dass er die Tat mitorganisiert hat. Niemand würde ihn verdächtigen, denn er habe kein Motiv. Dabei hat er das einfachste und monströseste Motiv von allen: “I’d risk everything to get what I want.” – “And what do you want?” – “Everything.” Obwohl die Begründung hervorragend zum “Chaos is a ladder”-Philosophen passt, bleibt zu befürchten, dass das Kräfteverhältnis der beiden Reisenden nicht sobald Abwechslung ins einseitige Frage-Antwort-Schema bringt. Eine erstarkende Sansa wäre dem mächtigen Strippenzieher auf dem Weg zur Braut in der Eyrie an den Hals zu wünschen.

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"It's true we had a gentleman's agreement, but unfortunately, I am no gentleman."

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