Amores Perros

Amores Perros (2000), MX
Laufzeit 153 Minuten, FSK 16, Drama, Kinostart 01.11.2001

7.5 Kritiker
50 Bewertungen
Skala 0 bis 10
7.6 Community
5034 Bewertungen
47 Kommentare
Amores perros - Undeliebe
Diesen Film bewerten
Bewertung löschen
noch nicht bewertet

von Alejandro González Iñárritu, mit Vanessa Bauche und Emilio Echevarría

Amores Perros (Hundeliebe) bezeichnet die Verknotung dreier Geschichten in Mexico Stadt, deren Protagonisten ein Leben voller Hass, Liebe, Tod und Träume führen. Diese Verknotung manifestiert sich in einem Autounfall, an dessen Ort sowohl die Charaktere Octavio, Valeria und El Chivo aufeinandertreffen als auch die sich überlagernden Erzählstränge.

Octavio

Octavio (Gael García Bernal) lebt als junger Mann mit seiner Mutter und der Familie seines Bruders Ramiro (Marco Pérez) zusammen. Unglücklicherweise ist er in Susanna (Vanessa Bauche), seine Schwägerin, verliebt und möchte mit ihr abhauen. Susana, die seine Gefühle erwidert, scheint ebenfalls ihr Leben mit dem aggressiven Ramiro beenden zu wollen. Das Geld für die gemeinsame Flucht mit Susana und dem Baby versucht sich Octavio bei illegalen Hundekämpfen mit seinem Jund Cofi zu verdienen. Beim letzten Kampf gerät er in einen Hinterhalt und baut schließlich einen Autounfall, der verheerende Folgen für Valeria haben wird.

Valeria

Valeria (Goya Toledo) ist ein angesehenes Topmodel, die privat mit dem verheirateten Verleger Daniel (Alvaro Guerrero) liiert ist, welcher seine Frau und zwei Kinder verlässt, um mit Valeria zusammenzuziehen. Durch den Unfall mit Octavio verliert sie ein Bein und muss seitdem im Rollstuhl sitzen. Das Modeln muss sie dadurch aufgeben. Außerdem gerät das Glück mit Daniel gerät in Schwierigkeiten, als ihr kleiner Schoßhund in ihrer neuen gemeinsamen Wohnung unter den Parkettboden gerät und sie ihn ständig jaulen hört, ohne ihm wirklich helfen zu können. Daniel wiederum beginnt durch die Strapazen ebenfalls an der Liebe mit Valeria zu zweifeln und sich zu fragen, ob es die richtige Entscheidung war, seine Familie für sie zu verlassen.

El Chivo

Der alte El Chivo (Emilio Echevarría) lebt mit einer Schar Hunde als Auftragskiller auf der Straße und beobachtet so auch den Autounfall. Beim Studieren der Todesanzeigen fällt ihm diejenige seiner Frau auf, die er vor Jahrzehnten zusammen mit seiner erst zweijährige Tochter sitzengelassen hatte, um seine Ideale als Revolutionär zu verwirklichen. Bei der Beerdigung sieht er nach Jahren seine Tochter Maru wieder. Den Mut, mit ihr persönlich zu sprechen, bringt er jedoch nicht auf. So schleicht er sich in ihr Zimmer, bespricht ihren Anrufbeantworter oder hinterlässt Bildchen von ihm.

  • DVD
  • VoD
Erscheinungstag: 25.07.02
Online-Videothek
  • Amores Perros - Bild 40363
  • Amores Perros - Bild 40364
  • Amores Perros - Bild 40365

Mehr Bilder und Videos zu Amores Perros

Cast & Crew


Kritiken (2) — Film: Amores Perros

Flibbo: wieistderfilm.de

Kommentar löschen
8.5Ausgezeichnet

[...] Die verschiedenen Handlungsstränge sind nicht ganz so kompliziert verschachtelt wie in „21 Gramm“, die Schauplätze beschränken sich auf Mexico City, nicht auf Länder in der ganzen Welt wie in „Babel“. „Amores Perros“ ist Iñárritus übersichtlichster und bodenständigster Film. Er ist auch sein Debut, noch verhältnismäßig verhalten inszeniert.
Nichtsdestotrotz sind die drei Episoden rund um einen üblen Autounfall clever miteinander verknüpft und überschnitten, und die eher unbekannten Schauspieler liefern eindringliche Leistungen. [...]

Kritik im Original 3 Mitgliedern gefällt das Kommentar gefällt mir Kommentar gefällt mir doch nicht Antworten

al-x: blog:x - Royal with cheese

Kommentar löschen
9.0Herausragend

Der beste mexikanische Hundefilm des Jahres 2000!

15 Mitgliedern gefällt das Kommentar gefällt mir Kommentar gefällt mir doch nicht 4 Antworten

DerFilmeKenner

Antwort löschen

ich würde noch einen Schritt weitergehen und schon fast behaupten, dass hier ist der beste mexikanische Hundefilm aller Zeiten!


Chrusuchopf

Antwort löschen

Da lehnst du dich ja sehr weit aus dem Fenster!



Kommentare (45) — Film: Amores Perros

Kommentar schreiben
Sortierung

Sigmund

Kommentar löschen
Bewertung9.0Herausragend

Private Filmgeschichtchen, Folge 12:
Ich habe mal eine Zeitlang in einer Videothek gejobbt – eine Arbeit, die ich jedem Filmliebhaber nur empfehlen kann. Unter anderem, weil man mit so manchem Kunden spannende Gespräche über Filme führen kann. Und weil man etwas über unterschiedliche Geschmäcker lernt. Aber auch, weil man Dinge erlebt, die man nicht so schnell vergisst.
Einmal fiel mir auf, dass AMORES PERROS – Inarritus kraftvolles Debüt über drei Menschen, deren Schicksale sich bei einem Autounfall kreuzen – schon länger überfällig war. Überfällig heißt: Der Kunde hat die DVD nicht wie üblich am nächsten Tag zurückgebracht. Da wir den feinen Film in der Videothek nur einmal hatten, sah ich im Computer nach, wer ihn nun schon seit einer Woche „aus dem Verkehr zog“, und war etwas überrascht – denn es war ein sympathisches Pärchen, Stammkunden, mit denen ich schon etliche nette Filmdiskurse hatte und die normalerweise so gut wie täglich zusammen vorbeischauten.
Ich dachte mir, vielleicht sind sie in Urlaub gefahren und haben dabei glatt vergessen, den Film wieder abzugeben. Eine andere Erklärung kam eigentlich nicht in Frage.
Eine weitere Woche Abwesenheit erhärtete den Verdacht. Zu diesem Zeitpunkt schickten wir immer eine schriftliche Erinnerung an den säumigen Kunden raus.
Nach drei Wochen brachte die Kundin den Film alleine zurück. Sie wirkte sehr bedrückt, so hatte ich sie noch nie erlebt. Auf die Frage, warum so spät, sagte sie, worauf niemand von uns vorbereitet war: Ihr Freund sei vor drei Wochen bei einem Autounfall ums Leben gekommen...
Sie bezahlte die Nachgebühr, verließ den Laden, und ich habe sie nicht wieder gesehen. Doch immer wenn ich diesem Film begegne, denke ich an die beiden.

39 Mitgliedern gefällt das Kommentar gefällt mir Kommentar gefällt mir doch nicht 8 Antworten

kinokumpel

Antwort löschen

Ich liebe diese privaten Filmgeschichten. Auch die traurigen wie diese.


Sigmund

Antwort löschen

Das freut mich!


SoulReaver

Kommentar löschen
Bewertung9.5Herausragend

„Weil wir auch das sind, was wir verloren haben.“

Wir schreiben das Jahr 2001. Der noch völlig unbekannte mexikanische Regisseur Alejandro González Iñárritu lässt seinen Debütfilm auf die Filmwelt los und bereichert sie damit ungemein. Iñárritu's 'Amores Perros' schlägt Wellen und ist ein gleichermaßen brachiales wie feinfühliges Filmjuwel.

Ein verhängnisvoller Autounfall in der pulsierenden Metropole Mexico City. Drei Leben prallen aufeinander, um die bestialische Seite der menschlichen Natur aufzudecken.
Da ist Octavio, der in die Welt der illegalen Hundekämpfe gerät, um mit dem dort verdienten Geld und der Frau seines kriminellen Bruders durchbrennen zu können. Der erfolgreiche Verleger Daniel verlässt seine Frau und seine zwei Töchter, um mit dem Supermodel Valeria und ihrem Schoßhündchen zusammen zu leben. Und schließlich ist da noch der Obdachlose "El Chivo", einst ein Revolutionär, der nun als Auftragsmörder mit einem Rudel wilder Hunde durch die Straßen zieht und auf Erlösung hofft.

Die dreckigen und düsteren Aufnahmen, für die Iñárritu inzwischen bekannt sein dürfte, ziehen sich durch den ganzen Film. Alle Episoden verschmelzen und liegen in groben, wieder trostlosen, Bildern vor. Rodrigo Prieto bringt als Kameramann eine gute Leistung und fängt genau diese Bilder der verdreckten Großstadt ein und erzeugt damit ein starkes Grundmuster. Die tolle Musik von Gustavo Santaolalla und Antonio Vega tut ihr übriges und unterlegt den Film mal mit depressiver, mal mit leicht positiv gestimmter Musik und gibt den Szenen damit genau den richtigen Ton.

Auch schauspielerisch sind keine Schwächen zu finden. Ob Emilio Echevarria als Obdachloser "El Chivo" der genau wie seine wilden Hunde durch die Großstadt streunt auf ständiger Suche nach sich selbst. Gael Garcia Bernal, der mit 'Amores Perros' seinen internationalen Durchbruch schaffen konnte, als Octavio, der auch genau wie sein Hund nach außen ruhig und umgänglich scheint, aber in bestimmten Momenten explodieren kann. Diese beiden Charaktere nehmen wohl die größte Rolle des Films ein. Echevarria und Bernal stehen sich mit ihren Leistungen in nichts nach. Beide bringen eine authentische und eindrucksvolle Vorstellung. Aber vor allem Echevarria hat einige der stärksten Auftritte des Films, vor allem die letzten Szenen mit ihm sind ganz großes Kino.

Mit 'Amores Perros' nimmt uns Iñárritu zum ersten Mal mit auf (s)eine Reise in menschliche Abgründe und gequälte Herzen. Er führt uns durch die Weltmetropole Mexico-City. Eine der größten, dreckigsten und gefährlichsten Städte der Welt. An jeder Ecke lauert das Ende und die Armut verirrt sich unaufhaltsam in Kriminalität. Iñárritu zeigt uns drei Geschichte über Menschen, die nichts miteinander zu tun haben und sich durch einen schrecklichen Unfall, wie auch in '21 Gramm', irgendwie verbinden. Zwar gelingt Iñárritu bei ersten Mal nicht die eindringliche Klasse von '21 Gramm', doch verstecken muss 'Amores Perros' sich in keinem Fall. Iñárritu thematisiert das Zusammenleben der Menschen und dazu die Verbindung zu ihren Hunden. Denn wie ihre Besitzer, oder eben die Straßenhunde bei "El Chivo", lassen sich die Hunde Charakterisieren. Die Charaktere der Menschen lassen sich ohne weiteres auf die Hunde übertragen. Wenn Octavio in die illegalen und brutalen Hundekämpfe gezogen wird, steht Octavio im Hintergrund seinen Mann, allein aus Liebe zu seiner Schwägerin. Und genauso sein Hund, er beißt sich bis an die Spitze, bis das Schicksal überdeutlich an die Tür klopft. Und so zieht es sich durch den Film. Das Verschwinden von Schoßhündchen Richi in die Zwischendecke, spiegelt die eigene hilflose Lage von Model Valeria wieder, die nichts tun kann um ihren geliebten Hund zu retten. In einer der stärksten und einfühlsamsten Szenen des Films verfolgt Daniel das wimmern des Hundes und schlägt den Wohnzimmerboden Stück für Stück zu Kleinholz um an den armen Hund zu kommen. Und "El Chavo", der selber mal in der Oberschicht lebte, und nun als Straßen-Gangster durch die Stadt wandert. Genau wie seine Hunde ist er ohne jegliche Bindung, ohne zu wissen was Morgen ist. Doch auch er erlebt einen Sinneswandel. Die Geschichten und Beziehungen, sei es Mensch zu Menschen oder Mensch zu Hund, inszeniert Iñárritu direkt mit fast schon routinierter Stärke. Keine Szene scheint zu viel, kein Moment vergeudet alles ist auf den Punkt gebracht worden. Hoffnung kommt in dieser Welt nur selten auf und wenn es einen Moment der Wärme gibt, wird dieser schnell wieder zerstört und im Sog der Stadt verschlungen. Liebe, Brutalität und Schmerz. All das zeichnet den Film aus und all das macht 'Amores Perros' zu einem absolut tiefgründigen Filmhighlight.

Fazit: Alejandro González Iñárritu's 'Amores Perros' ist wieder ein Paradebeispiel für einen mehr als gelungenen Einstand in die Filmwelt. Neben der Oscar Nominierung für den besten Ausländischen Film gab es unzählige internationale Preise und Iñárritu war zu Recht schnell in aller Munde. Denn der Start seiner Todes-Trilogie ist ein bedrückendes, schmerzvolles, hoffnungsloses aber gleichermaßen feinfühliges und liebevolles Drama der ganz besonderen und intelligenten Art.

„Wenn du Gott zum lachen bringen willst, erzähl' ihm von deinen Zukunftsplänen.“

22 Mitgliedern gefällt das Kommentar gefällt mir Kommentar gefällt mir doch nicht Antworten

Sufu

Kommentar löschen
Bewertung9.5Herausragend

"Mein Gott, so ein Elend", sowie eine leise Liebeserklärung an Hunde.

Kommentar gefällt mir Kommentar gefällt mir doch nicht Antworten

Mavrocordato

Kommentar löschen
Bewertung8.5Ausgezeichnet

Meine Güte, was ein abgefuckter Film.

Kommentar gefällt mir Kommentar gefällt mir doch nicht Antworten

bluelapislazuli

Kommentar löschen
Bewertung8.5Ausgezeichnet

Obwohl der Film wirklich lange dauert, hat er mich die ganze Zeit über gefesselt. Die Darsteller überzeugen auf ganzer Linie. Die Handlung ist brutal und faszinierend zugleich. Besonders mitgenommen hat mich die erste Story, was vor allem an der großartigen Leistung von Gael Garcia Bernal lag. Danach hab ich erstmal eine Weile gebraucht um wieder in der eigenen Realität anzukommen. Fazit: Ein Film, der einem länger im Gedächtinis bleibt.

2 Mitgliedern gefällt das Kommentar gefällt mir Kommentar gefällt mir doch nicht Antworten

dbeutner

Kommentar löschen
Bewertung7.0Sehenswert

Die erste und die dritte Story kämen, leichte Kürzungen vorausgesetzt, schon auf lockere 8 Punkte. Gut, gewisse Spannung, interessante Charaktere. Das Problem ist die mittlere Story, die am einfachsten komplett hätte weggelassen werden können, denn nichts daran interessiert mich auch nur im Ansatz. In Summe also ein Film mit Potential, der aber an seinen Längen (eine davon der Mittelteil) etwas scheitert.

2 Mitgliedern gefällt das Kommentar gefällt mir Kommentar gefällt mir doch nicht Antworten

Oceanic6

Kommentar löschen
Bewertung8.0Ausgezeichnet

"You and your plans. You know what my grandmother used to say? If you want to make God laugh... tell him your plans."

Informiert euch über Mexiko City, ebenso über Medellin oder eine andere mexikanische Stadt, die zu den gewalttätigsten der Welt gehören, und ihr werdet sehen, wie verdammt realistisch 'Amores Perros' ist. Ein Film, der das Leben in diesen Städten wiederspiegelt, so schockierend, hart und skrupellos es sein mag.
Die zentrale Rolle in 'Amores Perros' spielen die titelgebenden Hunde. Hunde als Kampfmaschine und Geldeinnahmequelle, Hunde als Begleiter des Menschen, Hunde als Protagonisten. Ein Episodenfilm, dessen Szenen unweigerlich im Gedächtnis bleiben werden, so überzeugend brutal und gleichzeitig liebevoll hat der mexikanische Regisseur Alejandro Gonsalez Inárritu seine Heimat inszeniert. Ebenso sind die Schauspieler, die mir vom ersten Augenblick an etwas bedeuteten und die Atmosphäre, die mich glauben lies, ich würde mich mitten in den mexikanischen Favelas befinden, einfach atemberaubend.
Die Story ist temporeich, wenn auch nicht ohne Längen, auch wirkt die mittlere Episode über das Schicksal eines Models bei weitem nicht so packend, wie die voran- und nachgehende Episode.
Ich muss es einfach hervorheben. War ich bisher von Inárritus Werken bei weitem nicht überzeugt, als zu klischeehaft und konstruiert empfand ich seine Filme wie 'Babel' und '21 Gramm', mit 'Amores Perros' hat er ein äußerst nachhaltiges, emotionsgeladenes, gewalttätiges und poetisches Meisterwerk geschaffen.
Und hier stellen sich die Fragen: "Können wir unser Schicksal selbst bestimmen?", "Was bedeutet Ehrlichkeit und Liebe?", "Wie wichtig ist Familie?", etc., etc. Ein Werk zum Nachdenken also, zum Diskutieren.

'Amores Perros' ist Inárritus Debütfilm, was also macht er bei seinen anderen Filmen falsch? Vielleicht tut es ihm einfach nicht gut mit Hollywoodstars zusammenzuarbeiten, wer weiss das schon, aber wenn seine neueste rein spanischsprachige Produktion 'Biutiful' so gekonnt wie 'Amores Perros' umgesetzt wurde, dann ist meine Freude jetzt schon riesig.

Fazit: Ein Regisseur hat Talent, und wie bei vielen fremdsprachigen Regisseuren zeigt sich: am besten in der Heimat weiterdrehen. Bleibt letztendlich nur noch zu sagen: 'Amores Perros' ist Pflichtprogramm!

16 Mitgliedern gefällt das Kommentar gefällt mir Kommentar gefällt mir doch nicht 5 Antworten

Le Samourai

Antwort löschen

Babel ist großartig.


Mr.Moffet

Antwort löschen

Mal wieder perfekt geschrieben...und in allen Punkten Zustimmung !
Und ja, Babel ist großartig. Verfehlt aber doch um Nuancen die unfassbare Wirkung von Amores Perros...


facepalm

Kommentar löschen
Bewertung9.0Herausragend

Stellt euch mal kurz ein kleines Männchen in mir vor, blond mit blauen Augen meinetwegen, und nennen wir es "Begeisterung". Okay, also der Begeisterung ist in mir eingezogen nachdem ich "21 Gramm" gesehen hatte. In seinen Adern flossen bis vor wenigen Tagen die Bilder, die ich aus diesem Film in Erinnerung hatte, er atmete die Gefühle, die ich währenddessen und danach empfand und er ernährte sich von dem Gedanken, wozu Filme heute im Stande sein können, der Hoffnung, die er daraus ziehen konnte und nicht zuletzt von der Gewissheit, dass dieses filmische Ereignisse hier im Schrank stand und nur darauf wartete, erneut angeschaut zu werden. Das alles hatte zur Folge, dass ich mir vor ein paar Tagen "Babel" angesehen habe - und seitdem saß der kleine Begeisterung zusammengekauert in einer dunklen Ecke in mir, schluchzte ab und zu und verfluchte sich selbst. Er wartete auf etwas, irgendwie wollte er jetzt noch nicht sterben, er saß einfach nur da, starrte auf den Boden und wartet ab. Und ich wusste nicht worauf. Doch jetzt weiß ich es. Gestern war es soweit. Ich hab mir "Amores Perros" angeschaut und Begeisterung machte in den ersten 10 Minuten Luftsprünge, feierte und brüllte, war wieder voller Lebensfreude.

Danke, danke, danke! Inarritu hat mit Amores Perros ein sehr intensives Drama geschaffen, dass ich mich in den ersten 45 Minuten wie ein Schnitzel gefreut habe. Dichte Kamera, grandios tiefe Charaktere, spannende Gespräche und ein Plot, der einen einfach nur vor den Bildschirm fesselt. "Amores Perros" ist da vielleicht der falsche Titel, tatsächlich geht er mit Hunden deutlich ins Gericht - doch genau da trifft die Faust den Magen am besten. Ich werde einen Teufel tun und irgendwas erzählen von der Geschichte, die hier erzählt wird, und wenn ihr den Film noch nicht kennt und ihn euch anschauen wollt, dann solltet ihr euch keine Beschreibungen durchlesen, denn das habe ich auch nicht gemacht. Ich wusste nicht was mich erwartet, daher war ich komplett unvoreingenommen und ich glaube, dann kann er seine volle Intensität entfalten. Es ist schon länger her, dass mich ein Streifen so vor den Bildschirm fesseln konnte, dass ich einfach nicht aufs Klo gehen wollte, das Telefon sollte halt klingen und die leere Chipsschüssel war mir herzlich egal - will wissen wie's weiter geht. Nach diesen 45 Minuten drückt Inarritu ein wenig auf die Bremse und nimmt sich Zeit, die zweite Episode einzuleiten. Das ist beim ersten Schauen weniger spannend als das vorher gesehene, aber je weiter die Episode fortschreitet desto deutlicher wird, das alles was man bisher als "langweiliger" empfunden hat, notwendig war. Quasi das Ausholen der Faust. Je weiter man schaut, desto mehr Wucht steckt hinter dem Faustschlag, der dann kommt. Ganz plötzlich entlädt sich alles in dieser Geschichte mit einem Knall, man sitzt wie geschlagen vor dem Bildschirm und liebt Inarritu für dieses Erlebnis. Schnitt. Dritte Episode. Gleich von Anfang an sehr dunkel und traurig, weil der Charakter in dieser Geschichte während der vergangenen beiden schonmal auftauchte - kurze Szenen zwischendurch bei denen man nicht wusste, was das soll. Verfolgen wir den Charakter dann einzig und allein, wird alles klar - hier ein cleverer Kniff im Drehbuch, denn anstatt die Episoden nur hintereinander weg zu erzählen, verwebt Inarritu sie in der ersten Episode ein wenig eineinander, um den Knoten nach der dritten wieder zu lösen - sehr schön. So sieht das also aus, wenn man sich Gedanken über ein Drehbuch macht. Und sowas kommt dann dabei raus. Ganz besonders bedanken möchte sich mein kleiner Freund Begeisterung bei Gael García Bernal, der hier als Octavio alles gibt was geht und wirklich eine Bereicherung für dieses ganze Projekt ist - ein grandioser Schauspieler und sympathischer Typ. Danke dafür. Und jetzt fehlt nur noch, dass ich mir 21 Gramm mal wieder anschaue. Viel zu lange ist's her - der Kleine ist hungrig.

20 Mitgliedern gefällt das Kommentar gefällt mir Kommentar gefällt mir doch nicht 3 Antworten

facepalm

Antwort löschen

Dankeschön, ja sind alle sehr verschieden, mich hat Babel am wenigsten überzeugt.


filmschauer

Antwort löschen

Hat sich also gelohnt. :) Gehe d'accord mit Wertung und Kommentar, obwohl interessanterweise meine Chronologie an Inarritu-Erstsichtungen mit "Amores Perros" -> "Babel" -> "21 Gramm" etwas unterschiedlich ist.


Hauptdarsteller

Kommentar löschen
Bewertung10.0Lieblingsfilm

"Amores Perros" zeigt seine Liebe zum Leben, gibt sich aber keinen Illusionen hin. Hoffnung existiert, aber der Mensch selbst tritt sie mit Füßen. So wie Liebe und Hass die Extrempole desselben Gefühls sind, definieren die Widersprüche, am besten vereint in der Figur des gebrochenen Revolutionärs, die wahre Natur des Lebens. „Amores Perros“ ist ein beindruckendes Kinodebütwerk, welches immer wieder einen Funken Hoffnung innerhalb der drei größtenteils nebeneinander herlaufenden Geschichten auffunkeln lässt, um ihn im nächsten bitteren Moment im Dunst der Großstadt verschwinden zu lassen. Gute darstellerische Leistungen, gekonnte Schnitte und drei hervorragend in Szene gesetzte Episoden um Liebe, Gewalt und Leid machen dieses pessimistische, tiefgründige Drama zu einem Filmjuwel.

2 Mitgliedern gefällt das Kommentar gefällt mir Kommentar gefällt mir doch nicht Antworten

Hooded Justice

Kommentar löschen
Bewertung10.0Herausragend

Ein einfach wahnsinniger Film. In seinen 158 Minuten Laufzeit scheint Regisseur Alejandro González Iñárritu sein Schicksalsdrama AMORES PERROS von vorne bis hinten makellos und in wahrhaft jeder Sekunde perfekt durchdacht zu haben. Diese absolut emotionale, schwerwiegende und dennoch furchtbar realitätsbezogene und glaubhafte Darstellung der drei präsentierten Schicksale lässt einen keine Ruhe, sodass noch lange nach dem Film eine nachdenkliche, bedrückende Atmosphäre im Raum liegt. Und genau so muss ein Sozialdrama dieser Art sein: Mitreißend, einfühlend und aufweckend. Letzteres gelingt AMORES PERROS vor allem durch seine brutale, meist blutige, teilweise gar erschütternde, aber niemals geschmacklose Schilderung, welche mehrmals zum Einsatz kommt.
Seine Charaktere stehen ganz klar im Vordergrund, und jegliche Streitereien, Verzwicklichkeiten und Familienangelegenheiten werden wirkungsvoll und ebenso unglaublich fesselnd erzählt.
Neben der ganzen Brillanz krönt Iñárritu sein Meisterwerk mit einer fantastischen Atmosphäre. Passende Soundtracks, effektive Bilder und nahezu perfekte Schauspieler, die wunderbar anteilnehmend in ihren Rollen agieren, sodass man ihnen jede Aktion abkauft.
AMORES PERRES bleibt ein Film, den man vielleicht erst einmal sacken lassen muss. Er zeigt und behandelt keinen leichten Stoff und ist absolut nichts für alle, die mit einer solchen Sozialdarstellung nichts anfangen können. Nicht der beste Iñárritu, denn das sind sie für mich alle. Aber der Schockierendste.

1 Mitglied gefällt das Kommentar gefällt mir Kommentar gefällt mir doch nicht Antworten

Beny

Kommentar löschen
Bewertung9.0Herausragend

Ich muss schon sagen, Alejandro Iñárritu versteht es wirklich, wenn es darum geht mehrere, eigentlich grundverschiedene Geschichten miteinander zu verknüpfen und so ansprechend zu verpacken. Die Gefühle die dem Zuschauer vermittelt werden sind so vielfältig wie die Musik, die Charaktere und deren Geschichten und trotz der Länge von 2 1/2 Stunden nie langweilig. Ein wirklich gelungener Film, ebenso wie Babel und 21 Gramm.

1 Mitglied gefällt das Kommentar gefällt mir Kommentar gefällt mir doch nicht Antworten

Keyser_Söze

Kommentar löschen
Bewertung9.0Herausragend

Si quieres hacer reír a Dios, cuéntale tus planes.

2 Mitgliedern gefällt das Kommentar gefällt mir Kommentar gefällt mir doch nicht Antworten

abalahamma

Kommentar löschen
Bewertung7.5Sehenswert

Inszenatorisch hervorragend,
schauspielerich ansprechend.

doch leider inhaltlich langweilig

Kommentar gefällt mir Kommentar gefällt mir doch nicht Antworten

mr_cäptain

Kommentar löschen
Bewertung8.0Ausgezeichnet

Der erste Episodenfilm von Iñárritu weiß genauso zu überzeugen wie 21 Gramm, den ich aber noch ein Stück besser fand. Wieder werden 3 Geschichten durch einen Autounfall zusammengeführt, doch dieser Film ist nicht ganz so verschachtelt wie 21 Gramm.
Auch das Ende fand ich ziemlich gut. Aber besonders den Soundtrack ^^

Kommentar gefällt mir Kommentar gefällt mir doch nicht Antworten

Begbie

Kommentar löschen
Bewertung8.0Ausgezeichnet

Schon im Erstlingswerk merkt man, was in diesem Regisseur steckt. Amores Perros ist noch der "dreckigste" der Schicksals-Trilogie, spielend in Mexico City und daher konsequent auch fast nur mit spanischen Schauspielern..

Auch hier verbindet er wieder die Geschichte 3er völlig unabhängiger Schicksale mit einem folgenschweren Aufeinandertreffen. Inszenatorisch perfekt für ein Debüt!

Leider haben sich ein paar Längen eingeschlichen und gerade die mittlere Geschichte mit dem Topmodel ist etwas uninteressanter als die anderen.

Von der Trilogie finde ich persönlich alle auf ähnlichem Level und absolut sehenswert..

1 Mitglied gefällt das Kommentar gefällt mir Kommentar gefällt mir doch nicht Antworten

clockworkorange

Kommentar löschen
Bewertung9.0Herausragend

kenne nur die spanische version, respektiv die mexicanische aber denke mir das anhand des "forecast" von 8,5 die deutsche Übersetzung geanu so top ist!

Persönlich, erfrischend ehrlich.

1 Mitglied gefällt das Kommentar gefällt mir Kommentar gefällt mir doch nicht 1 Antworten

duffy

Antwort löschen

Ist sie. :)


Claudia :)

Kommentar löschen
Bewertung9.5Herausragend

Intelligente Zusammenführung 3er Geschichten von mexikanischen Hundeliebhabern.
Ich selbst liebe Hunde und muss sagen, ich habe lange nicht so einen schrecklichen und zugleich doch brillianten Film gesehen.
Sehr toll vorallem die Episode 'Ocatvio y Susana' , aber das lag wohl eher an Gael Garcia Bernal und seinem schönen Hund (:D:D:D)...
Auch die dritte Geschichte war sehr bewegend und mit El Chivo weiß man wirklich mitzufühlen...
Leider weißt die 2te Geschichte einige langweilige Moment und uninteressante Passagen auf, sodass man sich auch am wenigstens mit dem Model Valeria anfreunden bzw. identifizieren kann...
Letztendlich aber ein wirklich gelungener Film, mir persönlich noch lieber als Babel.

2 Mitgliedern gefällt das Kommentar gefällt mir Kommentar gefällt mir doch nicht Antworten

nico-k

Kommentar löschen
Bewertung8.0Ausgezeichnet

Nach dem Sehen des Films habe ich mich natürlich gefragt, was mir dieser ungewöhnliche Film eigentlich zeigen wollte?

Zuerst fällt einem auf, dass dieser Film sehr speziell und anders ist, als die herkömmlichen Filme, die man so kennt und sieht. Rasch macht man die Bekanntschaft mit einigen der zahlreichen, unterschiedlichen und sehr persönlichen Charakteren, die für den Film sehr entscheidend sind. Ohne diese, da bin ich mir sehr sicher, wäre der Film sehr langweilig geworden.

Um zu meiner Anfangsfrage zurückzukehren, zeigt mir der Film auf den ersten Blick, dass Mexico City eine Stadt ist, in welcher persönliche Niedergänge, Unglück und Kriminalität Einzug gefunden haben. Unübersehbar wird jedoch auf den zweiten Blick erkennbar, dass Hunde in verschiedenen Szenen maßgeblich im Film präsent sind. Sie unterstreichen Atmosphären, greifen in die Gefühlslagen der Rollen ein ohne ansatzweise in das Klischee typischer Hollywood-Supertierfilme zu fallen. Ich finde zudem gut, dass die Hunde keinen zu dominierenden Teil in dem Film bekommen haben.
Ständig wechselnde Szenen und Wendungen machen den Film spannend und für mich sehr attraktiv. Das Ende ist eine Sache für sich. Es ist schön überraschend und gibt mir dann doch eine Änderung mit dem, was mir sonst im Film gefehlt hat. Doch nun stellt sich die Frage, was mir so gefehlt hat?

Die Kulisse ist ohne Frage gut gelungen und sicherlich sehr typisch für Mexico City, aber die Atmosphäre kommt bei mir als Zuschauer nicht richtig an. Ähnlich ist es bei den Schauspielern, die mir zwar Spannung, Action und Handlung darstellen, jedoch nicht emotional an mich rankommen können. Das Drehbuch hätte dies aber durchaus geboten.
Für mich war es bei diesem Film deshalb unmöglich, mich in irgendeine Rolle hineinzuversetzen oder wenigstens Sympathie für eine Rolle aufbauen zu können. Ausnahme bleibt jedoch, wie schon erwähnt, das Ende, das einen richtigen Schlussstrich unter die komplexe und verworrene Geschichte setzt.

Nach diesen Abzügen komme ich dennoch auf eine solide Wertung von 8,0. Zudem ein großes Lob an den Drehbuchschreiber.

Kommentar gefällt mir Kommentar gefällt mir doch nicht Antworten

Movieking

Kommentar löschen
Bewertung9.0Herausragend

die story die charaktere wie die handlungsstränge ineinander laufen es is einfach ein göttlicher film voller emotionen sex gewalt radikal mit einer sehr guten kameraführung festgehalten.. KOMMT HEUTE ABEND IM TV ZDF UM 0.35 UHR reinschauen an alle filmliebhaber

Kommentar gefällt mir Kommentar gefällt mir doch nicht 3 Antworten

fabel

Antwort löschen

^^


Movieking

Antwort löschen

jaaa sorry


simsaly

Kommentar löschen
Bewertung9.0Herausragend

Weit besser als "LA Crash"!!

Kommentar gefällt mir Kommentar gefällt mir doch nicht Antworten

Kommentar schreiben

Fans dieses Films gefiel auch