Geburt einer Nation
The Birth of a Nation (1915), US Laufzeit 187 Minuten, FSK 0, Drama, Historienfilm
3 Bewertungen
Skala 0 bis 10
63 Bewertungen
7 Kommentare
Keine ?
von D.W. Griffith, mit Lillian Gish und Mae Marsh
Zugleich ein rassistisches Pamphlet und der erste Film, der im Weißen Haus in Washington vorgeführt wurde. In zwei Teilen wird eine Liebesgeschichte aus der Zeit des Amerikanischen Bürgerkriegs erzählt. Uraufgeführt als “The Clansman” und nach Publikumsprotesten drei Monate später in “The Birth of a Nation” umbenannt, wird der Film für die Wiederbegründung des Ku-Klux-Klans mitverantwortlich gemacht. Alle relevanten Rollen von Schwarzen und Mulatten werden von geschminkten weißen Schauspielern dargestellt, denn eine Berührung von schwarzem Mann und weißer Frau war in jenen Jahren undenkbar. Für die damals astronomisch hohe Summe von über 100.000 Dollar in neun Wochen gedreht, führte der Film zahlreiche Novitäten der Filmtechnik und Dramaturgie ein: Parallelmontage, Verwendung von realen Landschaften als Hintergrund, Nachtaufnahmen, Einsatz von Kamerafahrten, Nahaufnahmen, dramaturgische Inszenierung von Filmhöhepunkten und erstmals Schlachtszenen mit Hunderten von Statisten. Griffith kümmerte sich weniger um die inhaltliche Ausrichtung des neuen Mediums als um seine Ausdrucksmöglichkeiten und setzte Maßstäbe für das moderne Hollywood. In Deutschland war der Film erstmals 1966 im Fernsehen zu bewundern.
HandlungDie Handlung beginnt zeitlich vor dem amerikanischen Bürgerkrieg (1861-65): die Familie Stoneman aus den Nordstaaten und die Camerons aus den Südstaaten werden exemplarisch für die wirtschaftliche, soziale und politische Spaltung zwischen den beiden Landesteilen vorgestellt. Hierbei geht es vor allem um die Frage der Sklaverei, die schließlich auch zum Krieg führt: die Stonemans sind Abolitionisten, also Befürworter der Abschaffung der Sklaverei, die Camerons besitzen eine von Sklaven bewirtschaftete Baumwollplantage in South Carolina.
In der zweiten Hälfte des Films geht es um die Phase nach dem Bürgerkrieg: D. W. Griffith zeigt des Aufstieg des Ku-Klux-Klan, dessen Akteure in dem Film als Helden…
Zugleich ein rassistisches Pamphlet und der erste Film, der im Weißen Haus in Washington vorgeführt wurde. In zwei Teilen wird eine Liebesgeschichte aus der Zeit des Amerikanischen Bürgerkriegs erzählt. Uraufgeführt als “The Clansman” und nach Publikumsprotesten drei Monate später in “The Birth of a Nation” umbenannt, wird der Film für die Wiederbegründung des Ku-Klux-Klans mitverantwortlich gemacht. Alle relevanten Rollen von Schwarzen und Mulatten werden von geschminkten weißen Schauspielern dargestellt, denn eine Berührung von schwarzem Mann und weißer Frau war in jenen Jahren undenkbar. Für die damals astronomisch hohe Summe von über 100.000 Dollar in neun Wochen gedreht, führte der Film zahlreiche Novitäten der Filmtechnik und Dramaturgie ein: Parallelmontage, Verwendung von realen Landschaften als Hintergrund, Nachtaufnahmen, Einsatz von Kamerafahrten, Nahaufnahmen, dramaturgische Inszenierung von Filmhöhepunkten und erstmals Schlachtszenen mit Hunderten von Statisten. Griffith kümmerte sich weniger um die inhaltliche Ausrichtung des neuen Mediums als um seine Ausdrucksmöglichkeiten und setzte Maßstäbe für das moderne Hollywood. In Deutschland war der Film erstmals 1966 im Fernsehen zu bewundern.
HandlungDie Handlung beginnt zeitlich vor dem amerikanischen Bürgerkrieg (1861-65): die Familie Stoneman aus den Nordstaaten und die Camerons aus den Südstaaten werden exemplarisch für die wirtschaftliche, soziale und politische Spaltung zwischen den beiden Landesteilen vorgestellt. Hierbei geht es vor allem um die Frage der Sklaverei, die schließlich auch zum Krieg führt: die Stonemans sind Abolitionisten, also Befürworter der Abschaffung der Sklaverei, die Camerons besitzen eine von Sklaven bewirtschaftete Baumwollplantage in South Carolina.
In der zweiten Hälfte des Films geht es um die Phase nach dem Bürgerkrieg: D. W. Griffith zeigt des Aufstieg des Ku-Klux-Klan, dessen Akteure in dem Film als Helden fungieren. Vor diesem Hintergrund wird zudem eine Liebesgeschichte erzählt:
Elsie Stoneman (Lillian Gish) verliebt sich in Ben Cameron (Henry B. Walthall). Kompliziert wirde es als Elsie entdeckt, dass Ben Aktivist des Ku-Klux-Klan ist, und sie sich ihrem Vater, einem Kongressabgeordneten des Nordens, gegenüber verpflichtet fühlt die Beziehung zu beenden.
Das Paar findet schließlich doch noch zusammen, als Elsie und ihr Vater ihre positive Einstellung gegenüber der schwarzen Bevölkerung ändern und diese vom Ku-Klux-Klan verjagt wird.
Filmtechnische Neuerungen
Einführung dramatischer Groß- und Nahaufnahmen
Besondere Kamerafahrten, Kameraführung und Kameraperspektiven
Einsatz parallel geschnittener Handlungssequenzen und Schnitttechniken (z.B. Crosscutting)
Orchestereinsatz als Filmmusik
Nachtaufnahmen
Verwendung von echten Landschaften für den Bildhintergrund
Vollständig außerhalb der Studios produzierter Film
Diese und andere Techniken wurden entweder von D. W. Griffith erfunden oder aber perfektioniert.
Dieser Film schrieb in mehrfacher Hinsicht Filmgeschichte. Einerseits als Filmkunstwerk, das die ästhetischen und narrativen Möglichkeiten der Filmsprache revolutionierte, andererseits wegen seines Produktionshintergrunds. 1
Rassismus-DebatteDa Geburt einer Nation aus filmtechnischer und -ästhetischer Sicht für die weitere internationale Filmgeschichte von enorm großer Bedeutung war, ist es umso bedauerlicher, dass der Film auf inhaltlicher Ebene dermaßen umstritten ist. Auch in dieser Hinsicht schrieb der Film also Filmgeschichte.
Zunächst ist das als Vorlage dienende Theaterstück eindeutig rassistisch bzw. sein Verfasser Thomas F. Dixon als Verfechter der Rassentrennung bekannt. Seit Erscheinen des Films wird diskutiert, ob D. W. Griffiths rassistische Darstellung naiv oder überlegt war.
Griffith bedient sich klassischer rassistischer Klischees und sieht die Einheit der Nation durch die Sklaven und die Abolitionisten gefährdet. Die Vertreter des Ku-Klux-Klans werden als die Helden des Films, die Afroamerikaner hingegen als “animalisch” und minderwertig präsentiert.
Wegen des rassistischen Inhalts protestierten schwarze Bürgerrechtsbewegungen aber auch weiße US-Amerikaner gegen die Aufführung des Films. In einigen Bundesstaaten wurden die Vorführungen verboten.
Wissenswertes
Der Film beruht auf dem rassistischen Theaterstück ‘The Clansman: An Historical Romance of the Ku Klux Klan’ von Thomas F. Dixon
Der dreistündige Film stellt das erste große Historienepos und den ersten Propagandafilm der Filmgeschichte dar
Birth of a nation gilt als erster Independent-Film der USA, da nicht von einem großen Studio, sondern unabhängig produziert worden ist
Alleine für die Herstellungskosten wurden über 100.000 US-$ benötigt; allerdings spielte der Film nur in der ersten Spielzeit bereits über 60 Millionen US-$ ein
Bewertungen
Die Geburt einer Nation ist ein kunstvolles Propagandawerk, allerdings mit einer haarsträubenden politischen Botschaft. Nur der puritanische Ku-Klux-Klan kann die Einheit der Nation garantieren. Ist es da verwunderlich, dass der Film bei seinem Erscheinen einen Aufschrei der Empörung auslöste? 2
Weiterführende Informationen
US-Amerikanisches Kino
Weitere Informationen im Internet
Die Geburt einer Nation bei der Wikipedia (dt.)
Rezension bei der Filmzentrale
Quellen
Schneider. 1001 Filme. Zürich: Edition Olms, 2004. S. 30f.
Jahn-Sudmann. Der Widerspänstigen Zähmung? Bielfeld: transcript, 2006. S. 43f.
1 Jahn-Sudmann. Der Widerspänstigen Zähmung? Bielfeld: transcript, 2006. S. 43
2 Schneider. 1001 Filme. Zürich: Edition Olms, 2004. S. 31
Cast & Crew
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D.W. Griffith
-
Lillian Gish
Fan werden!Du bist Fan! (löschen) Elsie Stoneman
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Mae Marsh
Fan werden!Du bist Fan! (löschen) Flora Cameron
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Henry B. Walthall
Fan werden!Du bist Fan! (löschen) Colonel Ben Cameron
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Miriam Cooper
Fan werden!Du bist Fan! (löschen) Margaret Cameron
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Mary Alden
Fan werden!Du bist Fan! (löschen) Lydia Brown
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Ralph Lewis
Fan werden!Du bist Fan! (löschen) Austin Stoneman
Regie
Schauspieler
-
George Siegmann
Fan werden!Du bist Fan! (löschen) Silas Lynch
-
Josephine Crowell
Fan werden!Du bist Fan! (löschen) Mrs. Cameron
-
Walter Long
-
Robert Harron
Fan werden!Du bist Fan! (löschen) Tod Stoneman
-
David Butler
-
Donald Crisp
Fan werden!Du bist Fan! (löschen) Gen. Ulysses S. Grant
-
D.W. Griffith
-
Frank E. Woods
- Genre
- Sozialdrama, Politdrama, Historienfilm
- Zeit
- 19. Jahrhundert, Amerikanischer Bürgerkrieg
- Ort
- Südstaaten
- Handlung
- Abraham Lincoln, Armee, Blockbuster, Klassiker, Ku Klux Klan, Kultfilm, Liebe, Patriotismus, Rassismus
- Mitmachen
- Wie gut passen diese Schlagworte? Stimm ab und hilf uns sie neu zu gewichten!
Drehbuch
Filmdetails Geburt einer Nation
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Trailer zum Film Geburt einer Nation

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Kritiken (2) — Film: Geburt einer Nation
José Garcia: Textezumfilm
Kommentar löschen„Geburt einer Nation“ handelt von dem amerikanischen Bürgerkrieg. Dann drängen sich aber rassistische Tendenzen und eine Verherrlichung des Ku-Klux-Klan in den Vordergrund, weswegen der Film bis heute umstritten ist. Trotzdem ist „Geburt einer Nation“ der finanziell erfolgreichste Film der Stummfilmära.
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fko: filmsprung.ch fko: filmsprung.ch
Kommentar löschenDas Epos kam aus diesen Gründen zurecht unter heftigen Beschuss, sicherte sich aber auch dadurch seine Stellung in der Filmgeschichte. Dadurch dient es nämlich nicht nur als Meilenstein der Filmgeschichte, sondern auch als Erinnerung an die rassistische Auseinandersetzung zu Beginn des 20. Jahrhunderts in den USA.
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Kommentare (5) — Film: Geburt einer Nation
Kommentar schreibenVier 2011/11/03 20:10:03
Kommentar löschen1001 Filme die sie sehen sollten bevor das Leben vorbei ist #3
Dass der Film bei seiner Veröffentlichung auf Empörung stieß, ist nicht verwunderlich bei einer derart fragwürdigen Handlung. Eigentlich schade, dass die bahnbrechenden Leistungen für das Medium Film darunter leiden müssen.
Dazu gehören u.a.: Nah- und Großaufnahmen, Kamerafahrten, parallel geschnittene Handlungssequenzen, Crosscutting und orchestrierte Musik.
Vorallem zum Ende hin gibt es viele beeindruckende Aufnahmen, der Weg dahin war allerdings nicht leicht. Es war ehrlich gesagt ziemlich anstrengend für mich den Film zu gucken und stellenweise wirkte er einfach nur lächerlich.
Das kann zum Teil am Alter des Films liegen, vorallem aber am Rassimus, der offensichtlichen Propaganda, der klischeehaften Darstellung von Schwarzen und der Tatsache, dass die wichtigen schwarzen Rollen von schlecht geschminkten Weißen gespielt wurden - Ich weiß, zu dieser Zeit ging es wohl nicht anders, trotzdem sah es einfach lächerlich aus.
Obwohl ich Griffith für seine künsterlischen Neuerungen sehr schätze, musste ich überlegen ob ich 5 oder 6 Punkte vergebe, mehr kann ich einfach nicht geben, da dies kein Film ist, den ich öfters gucken würde.
Ich habe mich für 5 Punkte entschieden - substance over style.
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maximiZe 2010/11/28 12:27:00
Kommentar löschenZweifellos ein Meilenstein der Filmgeschichte, filmtechnisch meisterhaft und seiner Zeit voraus. Der beißende Rassismus und die Glorifizierung des KKK, für die Griffith zu Recht massive Kritik geerntet hat, sind dagegen absolut untragbar.
Seinen riesigen Einfluss kann man dem Film aber eben nicht absprechen, weshalb ich mir für eine Bewertung genau in der Mitte entschieden habe - 10/10 für die Technik, 0/10 für den Inhalt.
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Blonder 2010/07/01 13:56:22
Kommentar löschenWenn man sich den Film anschaut sollte man schon etwas über die amerikanische Geschichte wissen, weil im Film einiges verfälscht ist. Der Streifen besticht vor allem durch seine Schnitt-Technik und der genialen Kameraarbeit, die für die Filmindustrie neue Maßstäbe setzte. Dennoch ist er ein rassistisches Machwerk, bei dem es einem übel werden kann.
Aus filmhistorischer Sicht ist "Geburt einer Nation" schon sehenswert.
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teorirum 2009/07/10 20:44:21
Kommentar löschenden film kann man bei www.archive.org legal runterladen
http://www.archive.org/details/dw_griffith_birth_of_a_nation
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J0J0 2009/07/10 20:46:45
Antwort löschenDanke. :-)
alanger 2008/07/28 01:53:34
Kommentar löschender erste echte blockbuster, einer der ersten filme bei dem kameraschwenks, cross-cutting und parallelmontage ganz gezielt und ganz hervorragend eingesetzt wurden. technisch und künstlerisch eine der großen innovationen der filmgeschichte vom "vater der filmgrammatik" d.w. griffith.
anderseits ein wirklich übles, rassistisches machwerk, das auch gut ins dritte reich gepasst hätte.
griffith versuchte später mit 'intolerance'abbitte zu leisten, wie er selbst sagte und hatte damit einen riesen-flopp gelandet.
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